Schönheit und Revolution

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Das Städel ist sicherlich das bekannteste Museum Frankfurts, dennoch war ich hier bislang vergleichsweise selten zu Besuch. Seit dem letzten Jahr gibt es zusätzlich zur ohnehin recht schwergewichtigen Dauerausstellung, die Werke von Botticelli, Rembrandt, Rubens, Holbein oder auch Vermeer umfasst, ein ganzes Stockwerk für Gegenwartskunst, das ebenfalls große Namen (Gursky, Uecker, Klein, Richter) aufweisen kann.

Ausstellungsansicht Foto: Norbert Miguletz
Dazu kommen noch die meist ebenfalls hochkarätigen Wechselausstellungen, und eine solche habe ich am vergangenen Wochenende aufgesucht: Unter dem Titel "Schönheit und Revolution, Klassizismus 1770-1820" werden Bilder und Skulpturen aus der Zeit gezeigt, in der ganz Europa plötzlich wieder brennendes Interesse an der Antike bekam.

Jacques-Louis David (1748–1825) Patroklus, 1780 Öl auf Leinwand, 122 x 170 cm Cherbourg-Octeville, Musée d'art Thomas-Henry © Daniel Sohier

Als ehemalige Literaturwissenschaftlerin kenne ich die Klassik eher als Epoche, in der Dramen wie Goethes Iphigenie auf Tauris entstehen ließ - und das ist ehrlich gesagt auch schon ziemlich lange her.  Richtig nachvollziehen kann ich das riesige Interesse einer ganzen Generation an Athene, Odysseus und Co. ebenfalls nicht - die griechische Mythologie hat natürlich bis heute ihre Faszination, aber was genau man daraus für sein eigenes Leben ziehen sollte, ist mir nicht wirklich klar. "Stille Einfalt, edle Größe" - ich kapiere es, fürchte ich, nicht. Meinen Drang, bei einer Darstellung des Achilles, "Hey, das ist ja Brad Pitt!" auszurufen, konnte ich immerhin unterdrücken.

Ausstellungsansicht Foto: Norbert Miguletz

Die Frankfurter Ausstellung zeigt einige weltbekannte Kunstwerke, etwa Davids "Tod des Marat" und "Schwur der Horatier" sowie zwei Versionen von Skulpturen der Göttin Hebe (von Thorvaldsen und Canova - anscheinend oft miteinander verglichen, aber nun erstmals gemeinsam zu sehen. Viele der sonstigen gezeigten Skulpturen waren allerdings Gipsabgüsse.

Ausstellungsansicht Foto: Norbert Miguletz

Die üppigen 14 Euro Eintritt ins Museum ermöglichten zusätzlich den Besuch in der Dauerausstellung, die wie eingangs erwähnt Großartiges zu bieten hat - dennoch fände ich es schön, wenn die Eintrittspreise in irgendeiner Weise ermöglichen würden, zwischen Sonderausstellung und dem Gesamtgebäude zu wählen und so je nach Bedarf weniger zu bezahlen - in anderen Museen ist das durchaus möglich.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Mai 2013 und kostet wochentags 12, am Wochenende 14 Euro Eintritt.

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