Der große Schokoladentest (2): Tony's Chocolonely


Der Schokoladentest geht in die zweite Runde! Dieses Mal mit einem Produkt, das man nicht so einfach im deutschen Supermarkt kaufen kann, wenn auch in manchen Geschäften - beispielsweise in der Buchhandlung "Siebter Himmel" im Belgischen Viertel in Köln. In Hamburg führt anscheinend auch Edeka die Produkte. Hier kann man nach weiteren hiesigen Kaufmöglichkeiten suchen. Meine Tafeln stammen alledings größtenteils von Amazon sowie aus den Niederlanden, wo sie in jedem Supermarkt zu haben sind.

Zum Produkt

Von Tony's Chocolonely gibt es ausschließlich Schokolade, sowohl als große Tafeln (180 Gramm) als auch in Riegelform (47 Gramm). Die Entstehungsidee des Produktes ist folgende: Gründer Teun van de Keuken las ein Buch über die Schokoladenindustrie und war entsetzt über die dortigen Zustände: Nicht nur profitieren die Kakaobauern, die den Herstellern ihre Rohstoffe liefern, kaum von deren Einnahmen, auf den Plantagen gibt es auch Kindersklaven. Was als Stoff für eine niedeländische Fernsehsendung begann, entwickelte sich zu einer Produktidee: Da die existierenden Schokoladenhersteller sich nicht für der Lebensumstände ihrer Lieferanten interessierten, produzierte Tony 2005 seiner erste Fair Trade-Schokolade. "Chocolonely" umschreibt dabei den Umstand, dass van de Keuken zunächst viele existierende Schokoladenhersteller angesprochen hatte, um zu fragen, ob sie mit ihm sklavenfreie Produkte herstellen wollten - ohne Erfolg.

Originalität


Diese Schokolade ist wohl die originellste, die ich kenne. Die Tafeln sind in völlig unregelmäßige Stücke eingeteilt, was nicht nur lustig aussieht, sondern auch einen tieferen Sinn hat:

Unserer Meinung nach macht es keinen Sinn, eine Schokoladentafel in gleichgroße Stücke zu teilen, wenn es in der Schokoladenindustrie so viele Ungleichheiten gibt. Mit den ungleichmäßigen Schokoladenstücken unserer 180g Tafeln erinnern wir unsere Schokoladenfreunde schmackhaft an die unfaire Profitteilung in der Schokoladenindustrie.

Und falls du es noch nicht bemerkt hast, die untere Seite unserer Tafeln stellen den Äquator dar. Die Stücke darüber repräsentieren den Golf von Guinea. Von links nach rechts hast du die Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin (wir wissen, dass das politisch ganz und gar nicht korrekt ist, doch wir mussten das so kombinieren, damit wir noch genug Platz für eine Haselnuss hatten), Nigeria und ein Teil von Kamerun.

(Quelle)

Was die Sortenvielfalt angeht, kann man sich auch nicht beklagen: Neben elf regulären Sorten, die zum Teil recht ungewöhnliche Geschmacksrichtungen haben (dunkle Milchschokolade mit Salzbrezelstückchen, Bitterschokolade mit Mandeln und Seesalz, weiße Schokolade mit Erdbeere und Knisterzucker, ...) gibt es zusätzlich auch regelmäßig limitierte Sondereditionen. 9/10

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist hier quasi der "Raison d'être". Auf der Website erklärt der Hersteller den Unterschied der eigenen Anforderungen zu Verbünden wie "Rainforest Alliance". Zum Beispiel garantiert Tony's Chocolonely seine höheren Einkaufspreise für fünf Jahre, um diesen Sicherheit und Investitionen zu ermöglichen.

Für Veganer sind alle Nicht-Milchschokoladen geeignet, was man der Website entnehmen kann. Auf den Tafeln ist es nicht extra vermerkt. Palmöl kommt bei Tony selbstverständlich nicht zum Einsatz, dafür aber ressourcenintensive Alufolie. 5/5

Zutatenqualität

Die Zutatenlisten lesen sich relativ einfach, was ich als positiv verstehe. Beispielsweise enthält die Sorte "Zartbitter mit Mandeln und Meersalz": Kakaomasse, Zucker, Mandeln 10%, Kakaobutter, Meersalz 0,5%, Emulgator: Sojalecithin. Klingt gut, auch wenn andere Marken ohne Sojalecitin zurecht kommen. Die Milchschokolade enthält 32 % Kakao, die dunkle 51 %. 8/10

Preis / Leistung 

In den Niederlanden kostet eine 160-Gramm-Tafel um die 3 Euro, das ergibt pro 100 Gramm 1,87 Euro - teurer als Milka, aber für ein Produkt, das gezielt Lieferanten fördern will, sicherlich in Ordnung. Deutliche teurer wird der Spaß natürlich, wenn man in Deutschland sitzt und auf Amazon angewiesen ist... Den Supermarktpreis finde ich für ein Fair Trade-Produkt geradezu billig. 5/5




Geschmack

Ich mag die Schokolade, das weiß ich von früheren Tafeln bereits, sehr gerne. Für den vorliegenden Test probierte ich zwei "Sondersorten": Zum einen Bitterschokolade mit Baiserstücken und Kirschen, zum anderen Milchschokolade mit Kürsbiskernen und Cranberries.

Die dunkle Schokolade schmeckt an sich sehr kräftig und gut, die Baiserstückchen fallen allenfalls optisch und in der Textur auf - Geschmack geben sie nicht ab (Baiser schmeckt ja auch nur süß). Anders die Kirschen, die angenehm saure Geschmacksakzente setzen. Die Milchschokolade an sich ist auch sehr lecker, allerdings konnte ich die Kürbiskerne und Cranberry-Stückchen ausschließlich optisch wahrnehmen. Sie fallen beim Essen überhaupt nicht auf!

Noch ein kleiner Kritikpunkt: So originell und hübsch die Tafeln auch aussehen: Zum Essen wäre es mir lieber, wenn die Stücke weniger klobig wären. Ich finde, dünnere Schokoladen schmecken einfach feiner. Kürbiskern/Cranberry 9/15, Baiser/Kirschen 10/15

Gesamturteil

Im objektiv bewertbaren Bereich holt Tony's Chocolonely 27 von 30 möglichen Punkten. Im Geschmacksurteil hätten andere Sorten der Marke mehr abgeräumt, hier reicht es bei Kürbis-Cranberry letztlich für insgesamt 36 von 45 und bei Baiser Kirsche für 37 von 45 möglichen Punkten.

Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

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