Neulich als ich versehentlich Brillengeschäfte verglich


Bekanntlich (für Leser dieses Blogs) besitze ich seit März 2018 eine Brille. Meine Firma bietet, wie vermutlich jedes Unternehmen, dessen Mitarbeiter viel und lange in den PC starren, regelmäßig Augenuntersuchungen durch eine Betriebsärztin an, und nachdem ich in letzter Zeit dachte, dass meine Sehkraft auch mit Brille besser sein könnte, nahm ich kürzlich an einer teil.

Sinn und Zweck dieser Untersuchung ist eigentlich nur, festzustellen, ob ich für meine Arbeit am Bildschirm eine Sehhilfe benötige - alle anderen Aspekte möglicher Fehlsichtigkeit im Nah- und Fernbereich inklusive Farbenblindheit werden zwar ebenfalls geprüft, dienen aber lediglich der Information. Ergibt sich aber, dass eine Bildschirmbrille notwendig geworden ist, bekommt man diese direkt vor Ort verschrieben und kann dann mit einem Unkostenbeitrag durch den Arbeitgeber rechnen.

Im Falle meiner Untersuchung bestätigte sich meine Erwartung: Mein Sehvermögen im Nahbereich war auch mit Brille nicht optimal, die Fernsicht gerade noch in Ordnung, eine Arbeitsplatzbrille notwendig. Ich machte basierend auf diesen Informationen folgenden Plan: Nachdem ich (noch) keine Gleitsichtbrille haben möchte, entschied ich mich für zwei Einstärkenbrillen. Meine bereits vorhandene Brille von Ace & Tate würde ich einfach nur mit neuen Gläsern ausstatten lassen und weiterhin als Lesebrille nutzen. Bei der Konkurrenz von VIU würde ich mir die Arbeitgeber-gesponsorte Bildschirmbrille holen.


So weit der Plan, der aber leider daran scheiterte, dass ich absolut unfähig bin, zu in Geschäften arbeitenden Menschen zu sagen, dass ich auch bei anderen kaufe - oder gar beabsichtige, etwas woanders zu kaufen, das ich auch bei ihnen bekommen könnte. Rational betrachtet wäre das vermutlich überhaupt kein Problem, aber ich kann's eben nicht.

Weil ich die genauen Ergebnisse der Arbeitsplatzuntersuchung leider nicht erhalten hatte, ließ ich bei Ace & Tate zunächst einen weiteren Sehtest machen. Da ich ja nur eine verbesserte Lesebrille wollte, erwähnte ich die vorherige Untersuchung nicht - nur, dass ich vermutlich ein Update benötigte und dasselbe Gestell behalten wollte. Die Optikerin erklärte, sie werde einfach alles neu testen und tat das auch. Das erstaunliche Ergebnis: Die neue Sehstärke war ein bisschen niedriger als die vorherige! Ich sollte nun auf beiden Augen minus 0,5 Dioptrien haben, bei der vorherigen Untersuchung im Geschäft waren es recht minus 0,75 gewesen. Auch hinsichtlich "Zylinder" und "Achse" (beide relevant zum Ausgleich einer Hornhautverkrümmung) waren die Werte nun anders - und schwächer - als bei meinem vorherigen Augentest.

Und nachdem ich nichts von meinen Plänen, mir separat eine Bildschirmbrille zu besorgen, erzählt hatte, verkündete die Optikerin nach diversen "Siehst du jetzt besser oder schlechter"-Runden stolz, die zukünftigen Gläser könnte ich auch am Computer verwenden. Ups.

Eigentlich hätte ich den bereits bei VIU vereinbarten Termin jetzt absagen können, aber erstens hatte ich für die Rechnung bei Ace & Tate meine privaten Daten angegeben, diese also nicht für eine Spesenabrechnung beim Arbeitgeber verwenden können - ich hatte ja nur eine erneuerte Lesebrille gewollt. Zweitens war ich über die bei Ace & Tate gemessenen Werte, die ja auch stark von dem abwichen, was die Betriebsärztin gesagt hatte, so überrascht, dass ich nun gerne eine dritte Meinung hören wollte.


Weiter ging es also eine Woche später bei der Konkurrenz von VIU. Hier war ich noch nie gewesen und empfand es bei dem schweizerischen Unternehmen als sehr ähnlich zur niederländischen Konkurrenz ein paar Häuser weiter. Auch hier war der Laden an sich unglaublich schick, das Zimmerchen für den Augentest dann eher bescheiden. Der Test lief ebenfalls sehr ähnlich wie bei Ace & Tate... und führte auch zu sehr ähnlichen Ergebnissen.

Der Optikerin hier hatte ich von der Betriebsärztin und meinem Wunsch nach einer Arbeitsplatzbrille erzählt. Tatsächlich ergab sich aber nach diversen Tests genau dasselbe Spiel: Erstens maß die Dame dieselben Dioptinwerte wie ihre Kollegin bei Ace & Tate (und sehr ähnliche bei der Hornhautverkrümmung), zweitens verkündete sie, nachdem alle Optionen getestet und festgelegt waren, mit der neuen Brille werde ich auch lesen können. Ups.

An diesem Punkt hätte ich natürlich schnell weglaufen können, tatsächlich suchte ich mir aber gemeinsam mit der freundlichen Dame ein Gestell aus, um, wenn ich schon doppelt so viele Brillen kaufte, wie ich benötigte, wenigstens über die beiden Läden im Vergleich bloggen zu können. Die bei VIU nun bestellte Brille wird übrigens in den italienischen Dolomiten angefertigt, was um die vierzehn Tage dauert. Meine Ace & Tate-Brille konnte ich zwischenzeitlich bereits abholen.


Hier also ein paar Punkte zum Vergleich der beiden Hipster-Optikerketten - vieles ist annähernd identisch:
  • Beide Anbieter bieten in ausgesprochen schicken Läden eine ansehnliche, aber nicht überwältigende Anzahl Gestelle an, die allesamt aus Eigenproduktion (also ohne Markennamen) sind. Die Beratung zur Gestellauswahl fand ich in beiden Geschäften gut (nahm sie beim zweiten Ace & Tate-Besuch aber nicht in Anspruch, weil ich ja das bisherige Gestell behielt).
  • Bei beiden kann man einen kostenlosen Sehtest machen, wobei zwar nirgendwo steht, dass man nach Bekanntgabe der Ergebnisse eine Brille kaufen sollte, es wird aber klar erwartet.
  • Beide Händler haben Onlineshops, über die man sich kostenlos eine Auswahl von Gestellen zur Anprobe nach Hause bestellen kann und - nach der Entscheidung für eines - seine Brille auch komplett online bestellen kann.
  • Beide haben Einheitspreise für unterschiedliche Brillen (aktuell Einstärkenbrille bei Ace & Tate 98 Euro, bei VIU 165 Euro, Gleitsichtbrillen kosten bei beiden deutlich mehr). 
  • Beide bieten weniger Entscheidungsoptionen als Standardketten wie Apollo oder Fielmann: Es gibt also beim Bestellen nicht noch tausend Fragen nach Material der Gläser, Entspiegelung und so weiter, die dann alle den Preis in die Höhe treiben. Während es bei Ace & Tate ohnehin nur einen Typ Gläser anbietet (aus Kunststoff, mit Anti-Kratzbeschichtung, UV-Schutz und Entspiegelung), kann man sich bei VIU für unterschiedlich dicke Gläser entscheiden, dennoch ist die Auswahl relativ übersichtlich und auch transparent. Bei beiden wurde mir gegen Aufpreis ein Blaulichtfilter angeboten, der für die Arbeit am Bildschirm sicherlich sinnvoll ist und von mir akzeptiert wurde.
Kommen wir zu den Unterschieden:
  • Das Personal in der Frankfurter Filiale von Ace & Tate ist sehr, sehr jung, das bei VIU nur jung... obwohl ich bin beiden Geschäften überaus freundlich behandelt wurde, fühlte ich mich deshalb bei VIU als Person jenseits der 40 minimal wohler.
  • Bei Ace & Tate kann man - gegen Aufpreis - seine neue Brille noch am selben Tag bekommen. Für Notfälle sicherlich ein tolles Angebot.
  • Zumindest in Frankfurt ist der Ace & Tate-Laden winzig, der von VIU dagegen geradezu ausladend - die Gesamtauswahl an Brillengestellen dürfte deshalb bei VIU etwas größer sein.
  • Wie oben ersichtlich, ist Ace & Tate deutlich günstiger als VIU, wobei beide preislich erheblich unter konventionellen Optikern liegen dürften. VIU bietet gegen Aufpreis noch ein paar Extras wie dünnere Gläser an, was bei hohen Dioptrinzahlen sicher attraktiv ist. Ebenfalls im Angebot sind Sonderfälle wie "Prismagläser" und "Relaxgläser", wobei ich überhaupt nicht weiß, was das ist...

Ein echtes Fazit fällt mir schwer, ich würde beide Geschäfte empfehlen. Dank des doppelten Sehtests halte ich auch die Testmöglichkeiten für durchaus kompetent. Für Ace & Tate spricht der Preis, für VIU etwas mehr Gestell-Auswahl und auch ein paar mehr Optionen bei den Brillengläsern. Und bis ich das nächste Mal eine neue Brille benötige, übe ich vielleicht einmal, einfach zu sagen, dass ich (auch) woanders etwas kaufen möchte.

Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

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