Willkommen!

Dies ist ein klassischer "Hallo Welt"-Blog, in dem es um alles geht, das mich interessiert. Da wären zum Beispiel: Musik, Filme, Bücher, vegetarisches Essen (selbst gekocht und in und um Frankfurt) und, wir sind schließlich im Internet, Katzen.


An Ostern neigt man bekanntlich zu Ausflügen, folglich machten mein Freund und ich uns am Nachmittag des Ostermontags Richtung Gießen auf. Gießen war mir nicht als klassisches Ausflugsziel geläufig, und als wir es erreichten, zeigte sich, dass es dafür Gründe gibt: Es handelt sich um eine ausgesprochen hässliche Stadt mit dem gewissen Nichts.


In Wirklichkeit waren wir aber gar nicht angereist, um die wenigen unzerstörten Fachwerkhäuser der Stadt zu bewundern, sondern um ein Konzert von Honig zu besuchen. Stichwort Honig, kam der nicht aus Düsseldorf? Und fuhr direkt vor uns nicht gerade ein Auto mit Düsseldorfer Kennzeichen, dessen Fahrer ebenso ratlos wie wir zu sein schien, als die laut Google Maps richtige Abfahrt zum Konzertraum sich als doch falsch entpuppte? Und gab es nicht auch einen Beifahrer, und waren das auf der Rückbank vielleicht Musikinstrumente? Als das Auto vor uns schließlich abrupt bremste, wendete und wir die Insassen sehen konnten, waren alle Zweifel beseitigt, wir waren hinter Honig her- und fast in sie hinein gefahren.


Das bedeutete aber nicht, dass es nun leicht gewesen wäre, die Konzerthalle zu finden. Nach einem Besuch in einer Pizzeria versuchten wir erneut, uns mit Google Maps dem Veranstaltungsort, der Alten Kupferschmiede, zu nähern. Das kleine Haus, das wir schließlich erreichten, schien auch tatsächlich eine ehemalige Schmiede zu sein, und aus dem Inneren erklang Musik. Aber wo sollte der Eingang sein, und warum schien es keine weiteren Konzertgäste zu geben?

Die anderen Gäste kannten sich wohl einfach besser als wir mit den örtlichen Gepflogenheiten aus, denn während wir, die nicht wussten, ob 19 Uhr 30 die Einlass- oder Anfangszeit sein sollte, extra früh erschienen waren, wussten alle anderen wohl, dass hier vor 20 Uhr ohnehin nichts passieren würde - es verging noch eine ganze Weile, bis wir schließlich in den winzigen Konzertsaal eintreten durften, bis dahin waren aber auch weitere 30 Konzertbesucher erschienen. Beim Eintritt hatte man die Wahl, wie viel Geld (zwischen 5 und 8 €) man bezahlen wollte. Im Inneren gab es zwei Sofas, eine selbst gebastelte Theke mit Getränken nahe dem Selbstkostenpreis, einen vor sich hin bollernden Ofen und Pappkisten, auf die man sich setzen konnte.


Als dann schließlich sowohl Stefan Honig als auch Fabio Bachhet die Bühne einnahmen, dachte ich zuerst, es werde gar keine Einzelauftritte geben. Tatsächlich gab es aber die traditionelle Aufteilung in Vor- und Hauptact, nur, dass die beiden sich gegenseitig bei ihren Auftritten unterstützten.

Zuerst war also Hello Piedpiper an der Reihe, der neben der gelegentlichen Mithilfe von Stefan Honig auch ausgiebig auf die Technik des Loopens zurückgriff: Mal spielte die Gitarre ohne ihn weiter, mal kam ein geklopfter Rhythmus mit hinzu, dann war es seine Stimme, die eine Textzeile wiederholte und mit sich selbst ein Duett bildete. Die Musik des Solokünstlers ist insgesamt getragen und traurig, dabei wirkt er selbst eher ausgeglichen bis fröhlich - er versicherte auch, dass er beim Musikmachen zwar manchmal böse aussehe, das aber nichts zu bedeuten habe und er gerne hier sei.


"Of People and land theft" war der einzige Songs, dessen Text ich über weitere Strecken folgen konnte, und ich fand das Thema (eben Landdiebstahl und Vertreibung) einigermaßen überraschend, Protestmusik ist ja heutzutage eher seltener zu hören. "Not waving but drowning" widmete Fabio Stefan Honig und erklärte, er werde es ihm voraussichtlich die ganze Woche lang widmen. Honig berichtete im Gegenzug, die beiden hätten heute auf Facebook ein Selfie gepostet, worauf Fabio fragte, was das denn sei und Stefan ganz gerührt darüber war, dass das jemand nicht weiß.

Setliste Hello Piedpiper:

The darkness is so close. NOT.
The fear
The Pawn That Beats The Drake
Of people and land theft
War
Not waving but drowning

The taciturn fool


Nach kurzer Pause begann das Honig-Set mit "Leave me now". Vor "Hometowns", das Fabio spontan rhythmisch begleitete, erklärte Stefan, er habe den Song im Turnraum geschrieben, als er noch im Kindergarten arbeitete, und der ursprüngliche Text habe "Ohoho wir rennen wie ein Löwe durch den Turnraum" gelautet - mit wechselnden Tierarten. Überhaupt scheinen Honigs Songs gerne einmal längere Entwicklungsprozesse zu durchlaufen, denn zu "Burning down bookshops" erklärte er später, das Lied habe ursprünglich nur "Bookshops" geheißen, er habe aber so lange umarrangiert, das der Titel das reflektieren musste.


Das folgende "Look what the tide brought" kündigte Honig als einen rockigen Song an, nach dem es eher ruhig weitergehen würde. Zu diesem Lied existiert auch ein Video, für das sich Stefan extra einen Bart wachsen ließ (der dann abrasiert wurde so dass der Bart beim Rückwärtsabspielen zu wachsen schien), das aber bislang nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte.

Zuvor folgten aber noch andere Titel, die praktischerweise (für mich als Setlistenmitschreiberin) meist mit ihrem Titel angekündigt wurden. Bei "For those lost at sea", als "größter Hit" der Band angekündigt, wurden wir aufgefordert, am Ende mitzusingen, zu "Song for Julie" erfuhren wir, dass er mittlerweile eine andere Freundin habe, das für Julie aber in Ordnung sei - und die neue Freundin auch nichts gegen das Lied habe. Stefan Honig wechselte an diesem Abend ständig zwischen akustischer Gitarre und Ukulele, bediente ein Tambourin mit dem Fuß und stellte auch einige Titel aus dem im August erscheinenden neuen Album vor. Da dieses mit einer Band eingespielt wurde, werden auf dieser Tour zunächst umarrangierte, spärliche Versionen dargeboten.


Nach "Burning down bookshops" kam es dann zu einer echten Überraschung, als wir plötzlich mit einem Hiphop-Teil konfrontiert wurden - nach all dem Gesang zur Gitarre ein echte Stilbruch, der jedoch mit großem Applaus belohnt wurde. Stefan erklärte, er habe mit 15 zahlreiche Beastie Boys-Hits auswendig gelernt und nie wieder vergessen, selbst wenn er mitten in der Nacht geweckt würde, könne er sie noch fehlerfrei vortragen.

Mittlerweile war es nach 22 Uhr, weshalb die letzten Darbietungen aus Rücksicht auf die Anwohner akustisch erfolgen mussten - die Künstler baten uns zunächst, um sie herum einen Kreis zu bilden, wurden damit aber nicht so recht glücklich und kehrten bald doch wieder Richtung Bühne zurück. Nach "Lemon law" und "Golden Circle" hätte das Set eigentlich beendet sein sollen, aber nachdem das Publikum nach Zugaben verlangte, einigte man sich darauf, dass zunächst eine Zugabe von Hello Piedpiper kommen solle, so dass Honig sich ein wenig ausruhen und an seinem Bier trinken konnte. Anschließend hörten wir leider nicht etwa "Brand new bike", obwohl wir den Song vorab auf der Setliste erspäht hatten, oder "The last of the polar bears", welches wir uns gewünscht hätten, sondern mit "John Wayne Gacy, Jr." ein nicht weniger tolles Cover von Sufjan Stevens.


Der Abend in der Alten Kupferschmiede machte den deprimierenden Eindruck, den ich sonst von Gießen hatte, mehr als wett: Die Betreiber des Auftrittsorts sind offensichtlich musikinteressierte Idealisten, die beiden Musiker schienen sich blendend zu verstehen und das Publikum hörte aufmerksam zu. Ich bin schon gespannt, wie das neue Honig-Album klingen wird.



Setliste Honig:

Leave me now
Hometowns
Look what the tide brought
Swimming lessons
Overboard
For those lost at sea
Song for Julie
Burning down bookshops
In my drunken head
This old house
Homesick (Radical Face Cover)

Lemon law
Golden circle

John Wayne Gacy, jr. (Sufjan Stevens Cover)

Moderne Kameras haben ja jede Menge Funktionen, die man als Normalverbraucher nicht benötigt. Eigentlich sollte man Bilder ja auch besser erst nach der Aufnahme bearbeiten, damit man bei Nichtgefallen ein "Original" hat, zu dem man zurückkehren kann. Wenn von Anfang an alles sepiabraun ist, kann man ja schlecht im Nachhinein noch etwas daran ändern.

Meine aktuelle Kamera hat allerdings eine ausgesprochen putzige Spaßfunktion, und zwar den Modus "Miniaturwelt". Schaltet man diesen für Landschaftsaufnahmen ein, werden der obere und untere Bildbereich unscharf, der Rest etwas bunter als gewohnt. Das Ergebnis sieht dann, wenn man von erhöhter Position aus fotografiert, tatsächlich so aus, als hätte man sich nicht auf einen Sonntagsausflug sondern ins Hamburger Miniatur Wunderland begeben.

Tatsächlich handelt es sich bei den Bildern um die Aussicht von einem nachgebauten römischen Limes-Wachturm bei Arzbach. Auf dem letzten Bild ist er auch - ganz ohne Miniaturmodus - abgebildet.

















Am 13. Mai hat eine Freundin von mir Geburtstag. Außerdem erscheint "Days of Abandon", das neue Album von The Pains Of Being Pure At Heart. Vorab gibt es schon einmal die Single "Simple and Sure", in deren Video eine Party in den Zwanziger Jahren gefeiert wird, wobei die Teilnehmer allesamt komische Zuckungen haben. Das Video ist ein Statement zur immer größeren Verbreitung von animated gifs, die mittlerweile vielfach selbst kurze Texte ersetzen - weil Internetkonsumenten immer weniger Bereitschaft dafür zeigen, sich mit etwas länger als ein paar Sekunden auseinander zu setzen.

Heute ist Record Store Day! Diese alljährliche Veranstaltung ausgerechnet auf den Karsamstag zu legen, an dem viele Menschen auf Reisen sind oder eher Lebensmittel als Schallplatten einkaufen, ist eine etwas seltsame Entscheidung - andererseits ist der Handel mit Vinylschallplatten ja ohnehim kein Massenphänomen mehr.

Der Record Store Day ist eine Werbeaktion der kleinen Plattenläden - solcher Geschäfte wie "Championship Vinyl" im Roman High Fidelity, in denen niemand arbeitet, weil er dadurch Geld verdient, sondern wegen der Liebe zur Musik (was zumindest bei Championship Vinyl nicht gleichzusetzen ist mit der Liebe zur Kundschaft). Um die Menschen ins Geschäft zu locken, statt immer nur im Internet zu bestellen oder gar ihre Musik zu streamen, bieten die Geschäfte an diesem Tag Sonderveröffentlichungen an, die auf anderem Weg nicht zu bekommen sind.


Auf der Liste wirkt das erst einmal sehr beeindruckend, es gibt wirklich massenhaft Musik aus den verschiedensten Stilrichtungen. Überlegt man, was davon man tatsächlich für Geld kaufen würde, verkleinert sich die Auswahl natürlich erheblich. Und geht man dann in ein Geschäft ... nun, letztes Jahr suchte ich mit meinem Freund, der im Gegensatz zu mir Vinylenthusiast ist, alle drei Frankfurter Teilnehmer des Record Store Days auf, um dort festzustellen, dass diese nur sehr wenige der limitierten Sonderplatten erhalten hatten - und das, was vorhanden war, war nicht sonderlich attraktiv.

Dieses Jahr haben wir uns diesen Ausflug also geschenkt.


Damit es in diesem Beitrag aber überhaupt noch etwas Plattenmäßiges zu sehen gibt, hier ein Verweis auf die flickr-Sammlung "the dark side of the covers", für die sich jemand überlegt hat, wie die "Gegenperspektive" berühmter Cover aussehen könnte. Eine schöne Idee, für die allerdings in meinen Augen viele hässliche Cover verwendet wurden. Aber einige hübsche sind auch dabei.

Letzte Woche machte Spiegel Online eine Wahnsinnsenthüllung: Vegane Lebensmittel sind überhaupt nicht gesünder als Fleisch! Dass es möglicherweise gesundheitsförderlicher ist, eine frisch gekochtes Gemüsegericht zu genießen als ein Fertigprodukt, das aus Soja oder Weizeneiweiß sowie Aromen und Fett besteht, wusste ich ehrlich gesagt vorher schon. Halten wir also fest: Ein veganes Würstchen ist für den Konsumenten nicht gesünder als eines mit Fleisch. Für das Schwein aber natürlich schon, und genau darum geht es bei Fleischersatzprodukten.


Die meisten von uns wurden nun einmal mit fleischhaltiger Nahrung großgezogen und darauf geprägt, und so sehnt man sich dann auch als überzeugter Vegetarier manchmal nach einem simplen Wurstbrot. Gerade im "Wurst für aufs Brot"-Bereich hat die Ersatzproduktwelt aber viel Scheußliches zu bieten. Gut, dass es bei Edeka die veganen Aufschnitte der kleinen Firma Hobelz zu kaufen gibt.


Die Aufschnitte "Rustikal" und "Pfeffer" kosten je humane 1,29 Euro (für 100g) und schmecken - nun, eben nach Aufschnitt. Die Scheiben sind vielleicht ein bisschen weniger geschmacksintensiv als richtige Wurst, schmecken aber absolut angenehm. So steht auch aus vegetarischer Sicht einem traditionellen deutschen Abendessen mit Brot, Wurst, Tomaten und Tee nichts im Wege.




Coldplay haben den zweiten Song von ihrem bevorstehenden Album "Ghost Stories" veröffentlicht. Was das Album angeht, sind sich viele einig, dass hier nicht viel zu erwarten sei, wobei "Magic", anders als sein Vorgänger "Midnight" eher dem bisherigen Coldplay-Stil entspricht. Den Song an sich finde ich nicht sonderlich aufregend, das Video, bei dem der renommierte Jonas Åkerlund (u.a. verantwortlich für The Prodigys "Smack my bitch up" und Madonnas "Ray of light") Regie führte, gefällt aber - zumal es mich mit seiner Zirkusliebesgeschichte in schwarzweiß ein wenig an U2s uraltes "All I want is you" erinnert.


Die irgendwie deutsche Band I Heart Sharks (die Mitglieder stammen auch aus den USA und England, aber der "Stammsitz" ist Berlin) zeigt in ihrem neuen Video ältere Leute, die auf einem Konzert tanzen und Autoscooter fahren. Ich habe zwar noch nicht ganz das Rentenalter erreicht, bin aber mittlerweile auch bei Konzerten und auch am Arbeitsplatz häufig der "älteren Generation" zuzurechnen, weshalb mich das Video anspricht. Dabei geht es den Machern mit ziemlicher Sicherheit nicht um das Thema "bei Konzerten alt aussehen" sondern um Vergänglichkeit und Tod.

Der Song an sich erinnert mich ziemlich an die frühen (also die guten) Killers.

Kürzlich habe ich hier ja schon über meinen Besuch im veganen Restaurant Chimichurri berichtet. Letzte Woche kam dann auch endlich das sehr nahe gelegene und ebenfalls vegane Wondergood an die Reihe. Wiederum fanden wir uns an einem Wochentagsabend ohne Reservierung ein, wiederum erwies sich das als etwas riskant. Meine Freundin, die bereits vor mir eingetroffen war, erzählte mir, der Kellner habe sie etwas unfreundlich an einen Sechsertisch verwiesen und darüber informiert, dass eventuell weitere Gäste dort Platz nehmen würden. Was ja in Ordnung ist, aber man kann es ja auch freundlich sagen.


Als ich dann auch eingetroffen war, dauerte es noch geraume Zeit, bis man uns die Speisekarten brachte, dabei war das Lokal noch nicht sonderlich voll. Dennoch bestellten wir dieses Mal richtig viel: eine Portion Aioli zum Teilen, kleine Vorspeisensalate, danach für mich gebratenen Seitan mit Kräuterkruste und Pfeffer"sahne"sauce und Kartoffelgratin, meine Freundin entschied sich für ein Auberginencurry mit Kichererbsenreis und Knoblauch-Koriander-Joghurt.

Wir bekamen auch alles recht schnell, zunächst also die Aioli und die kleinen Salate, und so weit war auch alles tadellos - selbst wenn die Aioli für 3,50 Euro eine ganz schön kleine Portion war. Dann folgten die Hauptgerichte, und die Begeisterung legte sich. Mein Seitan war sehr salzig, dafür erschien mir das Kartoffelgratin völlig unterwürzt und langweilig. Mir war bewusst gewesen, dass ein Gratin ohne Käse anders schmecken würde, als ich es gewohnt bin, aber ich hatte doch mit etwas Schmackhafterem gerechnet. Die Pfeffersauce war ganz gut, aber ein Genuss war dieses Essen, das immerhin 14 Euro kostete, nicht.


Meine Freundin war mit ihrem Auberginencurry ebenfalls unzufrieden. Ich probierte es und fand es deutlich besser als meinen Seitan, aber es erinnerte mich auch eher an etwas, was ich mir selbst daheim kochen würde und weniger an Restaurantessen. Mit Abstand am besten schmeckte uns der zum Essen bestellte Weißburgunder.

Mein Fazit dürfte also nicht überraschen: Mich konnte das Chimichurri um Längen mehr überzeugen als das Wondergood, sowohl hinsichtlich der Freundlichkeit des Personals als auch bezüglich des Essens. Besprechungen auf Internetportalen sehen das übrigens zum Teil deutlich anders, was möglicherweise erklärt, warum beide Lokale in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander überhaupt existieren können.

Das Chimichurri befindet sich Im Prüfling 63, das Wondergood in der Preungesheimer Straße 1.



Franz Ferdinand war eine dieser Bands, bei denen ich irgendwie bereits unbesehen wusste, dass mir musikalisch gefallen würde, und ihr erstes Album leitete 2004 für mich eine Erneuerung meines Interesses an aktueller Musik ein. Viele der spannenden Bands im Kielwasser des "Kaiser Franz" sind längst wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - beispielsweise spielten am selben Abend We Are Scientists im kleinen Kölner Luxor. Von etlichen dieser Bands kommt auch einfach nichts sonderlich Gutes mehr. Anders bei Franz Ferdinand, ihre Alben weisen eine relativ gleichbleibend hohe Qualität auf, und sie schaffen es nach zehn Jahren immerhin noch, den Schlachthof auszuverkaufen.

Dass seit dem Debütalbum mittlerweile zehn Jahre ins Land gegangen sind, konnte man am Publikum erkennen: Die Studenten von heute hören offenbar etwas anderes, hier waren die Berufstätigen angerückt. Und vielleicht wegen des etwas fortgeschrittenen Altersdurchschnitts im Publikum gab es beim ausverkauften Konzert fast überhaupt nicht gedrängelt - die meiste Zeit konnte ich in der dritten Reihe vor der Bühne prima sehen.


Zunächst befanden sich dort nicht Franz Ferdinand sondern Teleman, ein Nachfolgeprojekt der britischen Band Pete and the Pirates. Ich hatte die Vorgängerband vor einigen Jahren im Rödelheimer Yellowstage gesehen und war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Teleman ist Pete and the Pirates minus zwei Personen, und auch ihre Musik konnte mich nicht packen.

In etwa 30 Minuten spielte die Band, nachdem uns Sänger Thomas Saunders mit "Hello Weisbaden! [sic] begrüßt hatte, sieben Titel. Sicherlich stammten viele davon vom Debütalbum "Breakfast", das erst am 26. Mail erscheint. Teil des Sets waren die Single "Cristina" und zum Schluss "Lady Low" und "Steam Train Girl", für eine detaillierte Setliste reichen meine Kenntnisse - und mein Interesse - nicht.


Andere finden Teleman aber extrem super, denn nicht nur wurden sie später lobend von Franz Ferdinan-Sänger Alex Kapranos erwähnt, sie haben es in der jüngeren Vergangenheit auch ins Vorprogramm von Suede und in Großbritannien auch vor Metronomy geschafft.

Nach dem Ende des Teleman-Sets wurde der hintere Teil der Bühne enthüllt, in dessen Mitte sich die Projektion einer gewaltigen stilisierten Uhr befand, um diese herum konnte man links und rechts jeweils eine Dia-Imitation eine Flughafen-Abflugtafel sehen, auf der stellenweise nach und nach Flughafenkürzeln aufleuchteten.


Als dann das schottische Quartett die Bühne betrat, musste ich sofort an dessen angeblichen Kunsthoschschul-Hintergrund denken (Wikipedia weiß nichts dazu, die Setliste in Comic Sans spricht irgendwie auch dagegen ...), denn alle vier trugen an sich individuelle, aber sehr seltsam schwarzweiß gemusterte Kleidung. Wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal eine Band mit deutlich als solchen erkennbaren "Bühnenoutfits" gesehen? Da fällt mir nur Erdmöbel ein.

Vorab hatte mein Freund bereits vergangene Setlisten recherchiert und mir gesagt, die Reihenfolge der Songs des Abends stünde im Grunde fest, nur "Darts of Pleasure" werde eventuell zu einem anderen als dem vornotierten Zeitpunkt gespielt. Diese Ankündigung sollte sich als größtenteils korrekt erweisen jedoch anders als erwartet - später mehr dazu.


Mit diesem scheinbaren Wissen achtete ich zunächst nicht weiter auf die im Smartphone vorab gespeicherte Liste, denn das auf der Bühne Gebotene schien damit übereinzustimmen: Alte Hits, neuer Hits und immer wieder beim Beginn eines neuen Songs der Gedanke "Ach stimmt, das Lied haben die ja auch! Schön!" Franz Ferdinand begannen äußerst temporeich: "Bullet", "The Dark of the Matinée", "Tell Her Tonight", "Evil Eye", "No You Girls" und "Do You Want To" jagten einander. Gut, dass das Tempo anschließend bei "Fresh Strawberries" und "Walk Away" ein wenig reduziert wurde.


Die Band schien ausgesprochen - mit Ausnahme des Bassisten Bob Hardy - gut gelaunt und geradezu übermotiviert, gesprochen wurde aber abgesehen von dem bereits erwähnten Teleman-Lob wenig. Nick McCarthy wechselte immer wieder zwischen seiner Gitarre und einem Keyboard und sang auch ausgiebig mit - dass am Anfang von "Tell Her Tonight" seine Stimme zu hören ist, war mir vor dem Konzert gar nicht bewusst. Nach "Stand on the Horizon" wechselte er für vier Lieder komplett ans Keyboard.

Als in der Mitte des Sets "This Fire" angestimmt wurde, stupste mein Freund mich an - anders als ich hatte er gemerkt, dass hier eine deutliche Abweichung von unserer angenommenen Setliste vorlag, in dieser war der Song nämlich erst bei den Zugaben aufgetaucht. Die in Wiesbaden gespielte Version war extra lang und ein Highlight des Abends. Alex und Nick animierten das Publikum zum Mitsingen und ließen ähnlich wie zu Beginn des Konzertes nun wieder einen X nach dem anderen folgen: "This Fire", "Take Me Out", "Love Illumination", "Michael" und "Ulysses".


Bei dieser einen Änderung der Setliste blieb es aber nicht, denn nachdem die Band ihr Set mit "Outsiders", zu dem alle Mitglieder gemeinsam aufs Schlagzeug eindroschen (scheint momentan irgendwie Trend zu sein, bei Radiohead und The Notwist wurde das auch so gemacht), beendet hatte, begannen die Zugaben ganz normal mit "Right Action", dann ergriff Nick das Wort - auf Deutsch: "Wir haben jetzt noch etwas ganz Besonderes für Euch vorbereitet. Vielleicht habt Ihr es ja schon gehört: Erdbeermund"!


Und so spielte die Band die abgedrehte, deutschsprachige, von Nick gesungene B-Seite zu "Wild Starwberries", für die Alex ans Keyboard wechselte, wobei das Publikum eher verwirrt als begeistert schien. Aber immerhin, mir gefällt es, wenn Bands von ihrer Setliste abweichen und etwas anders machen, statt jeden Abend genau das Gleiche durchzuziehen. Und eine Live-Premiere eines Liedes hat man auch nicht jeden Abend (für uns war es in dieser Woche allerdings schon das zweite Livedebüt eines Songs).


Wegen "Erdbeermund" musst aber wohl "Darts of Pleasure" mit seinem deutschen Quatschtext "Ich heiße superphantastisch, ich trinke Schampus mit Lachfisch" von der Setliste weichen, vielleicht wäre es für die Band sonst allzuviel des Deutschsprachigen gewesen. Das Set endete mit "Jacqueline", das irgendjemand gewidmet wurde, der es gecovert hatte, dann folgte als letztes Lied sehr passend "Goodbye Lovers & Friends" mit seiner letzten Textzeile "Goodbye lovers and friends… you can laugh as if we’re still together but this really is the end".

Mit dem Konzert haben Franz Ferdinand bewiesen, was eigentlich auch zu erwarten gewesen war: Die Band veröffentlicht nach wie vor tolle neue Songs, die alten sind aber ebenfalls überhaupt nicht abgenudelt oder peinlich. Die Band hat offensichtlich nach wie vor Spaß an dem, was sie tut und kann damit ihr Publikum begeistern. Beim nächsten Mal möchte ich aber bitte gerne auch noch "Darts of Pleasure" hören ..


Setliste:

Bullet
The Dark of the Matinée
Tell Her Tonight
Evil Eye
No You Girls
Do You Want To
Fresh Strawberries
Walk Away
Stand on the Horizon
Can't Stop Feeling
Auf Achse
Brief Encounters
Lucid Dreams
This Fire
Take Me Out
Love Illumination
Michael
Ulysses
Outsiders

Right Action
Erdbeermund
Jacqueline
Goodbye Lovers & Friends

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