Willkommen!

Dies ist ein klassischer "Hallo Welt"-Blog, in dem es um alles geht, das mich interessiert. Da wären zum Beispiel: Musik, Filme, Bücher, vegetarisches Essen (selbst gekocht und in und um Frankfurt) und, wir sind schließlich im Internet, Katzen.


Letzte Woche machte Spiegel Online eine Wahnsinnsenthüllung: Vegane Lebensmittel sind überhaupt nicht gesünder als Fleisch! Dass es möglicherweise gesundheitsförderlicher ist, eine frisch gekochtes Gemüsegericht zu genießen als ein Fertigprodukt, das aus Soja oder Weizeneiweiß sowie Aromen und Fett besteht, wusste ich ehrlich gesagt vorher schon. Halten wir also fest: Ein veganes Würstchen ist für den Konsumenten nicht gesünder als eines mit Fleisch. Für das Schwein aber natürlich schon, und genau darum geht es bei Fleischersatzprodukten.


Die meisten von uns wurden nun einmal mit fleischhaltiger Nahrung großgezogen und darauf geprägt, und so sehnt man sich dann auch als überzeugter Vegetarier manchmal nach einem simplen Wurstbrot. Gerade im "Wurst für aufs Brot"-Bereich hat die Ersatzproduktwelt aber viel Scheußliches zu bieten. Gut, dass es bei Edeka die veganen Aufschnitte der kleinen Firma Hobelz zu kaufen gibt.


Die Aufschnitte "Rustikal" und "Pfeffer" kosten je humane 1,29 Euro (für 100g) und schmecken - nun, eben nach Aufschnitt. Die Scheiben sind vielleicht ein bisschen weniger geschmacksintensiv als richtige Wurst, schmecken aber absolut angenehm. So steht auch aus vegetarischer Sicht einem traditionellen deutschen Abendessen mit Brot, Wurst, Tomaten und Tee nichts im Wege.




Coldplay haben den zweiten Song von ihrem bevorstehenden Album "Ghost Stories" veröffentlicht. Was das Album angeht, sind sich viele einig, dass hier nicht viel zu erwarten sei, wobei "Magic", anders als sein Vorgänger "Midnight" eher dem bisherigen Coldplay-Stil entspricht. Den Song an sich finde ich nicht sonderlich aufregend, das Video, bei dem der renommierte Jonas Åkerlund (u.a. verantwortlich für The Prodigys "Smack my bitch up" und Madonnas "Ray of light") Regie führte, gefällt aber - zumal es mich mit seiner Zirkusliebesgeschichte in schwarzweiß ein wenig an U2s uraltes "All I want is you" erinnert.


Die irgendwie deutsche Band I Heart Sharks (die Mitglieder stammen auch aus den USA und England, aber der "Stammsitz" ist Berlin) zeigt in ihrem neuen Video ältere Leute, die auf einem Konzert tanzen und Autoscooter fahren. Ich habe zwar noch nicht ganz das Rentenalter erreicht, bin aber mittlerweile auch bei Konzerten und auch am Arbeitsplatz häufig der "älteren Generation" zuzurechnen, weshalb mich das Video anspricht. Dabei geht es den Machern mit ziemlicher Sicherheit nicht um das Thema "bei Konzerten alt aussehen" sondern um Vergänglichkeit und Tod.

Der Song an sich erinnert mich ziemlich an die frühen (also die guten) Killers.

Kürzlich habe ich hier ja schon über meinen Besuch im veganen Restaurant Chimichurri berichtet. Letzte Woche kam dann auch endlich das sehr nahe gelegene und ebenfalls vegane Wondergood an die Reihe. Wiederum fanden wir uns an einem Wochentagsabend ohne Reservierung ein, wiederum erwies sich das als etwas riskant. Meine Freundin, die bereits vor mir eingetroffen war, erzählte mir, der Kellner habe sie etwas unfreundlich an einen Sechsertisch verwiesen und darüber informiert, dass eventuell weitere Gäste dort Platz nehmen würden. Was ja in Ordnung ist, aber man kann es ja auch freundlich sagen.


Als ich dann auch eingetroffen war, dauerte es noch geraume Zeit, bis man uns die Speisekarten brachte, dabei war das Lokal noch nicht sonderlich voll. Dennoch bestellten wir dieses Mal richtig viel: eine Portion Aioli zum Teilen, kleine Vorspeisensalate, danach für mich gebratenen Seitan mit Kräuterkruste und Pfeffer"sahne"sauce und Kartoffelgratin, meine Freundin entschied sich für ein Auberginencurry mit Kichererbsenreis und Knoblauch-Koriander-Joghurt.

Wir bekamen auch alles recht schnell, zunächst also die Aioli und die kleinen Salate, und so weit war auch alles tadellos - selbst wenn die Aioli für 3,50 Euro eine ganz schön kleine Portion war. Dann folgten die Hauptgerichte, und die Begeisterung legte sich. Mein Seitan war sehr salzig, dafür erschien mir das Kartoffelgratin völlig unterwürzt und langweilig. Mir war bewusst gewesen, dass ein Gratin ohne Käse anders schmecken würde, als ich es gewohnt bin, aber ich hatte doch mit etwas Schmackhafterem gerechnet. Die Pfeffersauce war ganz gut, aber ein Genuss war dieses Essen, das immerhin 14 Euro kostete, nicht.


Meine Freundin war mit ihrem Auberginencurry ebenfalls unzufrieden. Ich probierte es und fand es deutlich besser als meinen Seitan, aber es erinnerte mich auch eher an etwas, was ich mir selbst daheim kochen würde und weniger an Restaurantessen. Mit Abstand am besten schmeckte uns der zum Essen bestellte Weißburgunder.

Mein Fazit dürfte also nicht überraschen: Mich konnte das Chimichurri um Längen mehr überzeugen als das Wondergood, sowohl hinsichtlich der Freundlichkeit des Personals als auch bezüglich des Essens. Besprechungen auf Internetportalen sehen das übrigens zum Teil deutlich anders, was möglicherweise erklärt, warum beide Lokale in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander überhaupt existieren können.

Das Chimichurri befindet sich Im Prüfling 63, das Wondergood in der Preungesheimer Straße 1.



Franz Ferdinand war eine dieser Bands, bei denen ich irgendwie bereits unbesehen wusste, dass mir musikalisch gefallen würde, und ihr erstes Album leitete 2004 für mich eine Erneuerung meines Interesses an aktueller Musik ein. Viele der spannenden Bands im Kielwasser des "Kaiser Franz" sind längst wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - beispielsweise spielten am selben Abend We Are Scientists im kleinen Kölner Luxor. Von etlichen dieser Bands kommt auch einfach nichts sonderlich Gutes mehr. Anders bei Franz Ferdinand, ihre Alben weisen eine relativ gleichbleibend hohe Qualität auf, und sie schaffen es nach zehn Jahren immerhin noch, den Schlachthof auszuverkaufen.

Dass seit dem Debütalbum mittlerweile zehn Jahre ins Land gegangen sind, konnte man am Publikum erkennen: Die Studenten von heute hören offenbar etwas anderes, hier waren die Berufstätigen angerückt. Und vielleicht wegen des etwas fortgeschrittenen Altersdurchschnitts im Publikum gab es beim ausverkauften Konzert fast überhaupt nicht gedrängelt - die meiste Zeit konnte ich in der dritten Reihe vor der Bühne prima sehen.


Zunächst befanden sich dort nicht Franz Ferdinand sondern Teleman, ein Nachfolgeprojekt der britischen Band Pete and the Pirates. Ich hatte die Vorgängerband vor einigen Jahren im Rödelheimer Yellowstage gesehen und war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Teleman ist Pete and the Pirates minus zwei Personen, und auch ihre Musik konnte mich nicht packen.

In etwa 30 Minuten spielte die Band, nachdem uns Sänger Thomas Saunders mit "Hello Weisbaden! [sic] begrüßt hatte, sieben Titel. Sicherlich stammten viele davon vom Debütalbum "Breakfast", das erst am 26. Mail erscheint. Teil des Sets waren die Single "Cristina" und zum Schluss "Lady Low" und "Steam Train Girl", für eine detaillierte Setliste reichen meine Kenntnisse - und mein Interesse - nicht.


Andere finden Teleman aber extrem super, denn nicht nur wurden sie später lobend von Franz Ferdinan-Sänger Alex Kapranos erwähnt, sie haben es in der jüngeren Vergangenheit auch ins Vorprogramm von Suede und in Großbritannien auch vor Metronomy geschafft.

Nach dem Ende des Teleman-Sets wurde der hintere Teil der Bühne enthüllt, in dessen Mitte sich die Projektion einer gewaltigen stilisierten Uhr befand, um diese herum konnte man links und rechts jeweils eine Dia-Imitation eine Flughafen-Abflugtafel sehen, auf der stellenweise nach und nach Flughafenkürzeln aufleuchteten.


Als dann das schottische Quartett die Bühne betrat, musste ich sofort an dessen angeblichen Kunsthoschschul-Hintergrund denken (Wikipedia weiß nichts dazu, die Setliste in Comic Sans spricht irgendwie auch dagegen ...), denn alle vier trugen an sich individuelle, aber sehr seltsam schwarzweiß gemusterte Kleidung. Wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal eine Band mit deutlich als solchen erkennbaren "Bühnenoutfits" gesehen? Da fällt mir nur Erdmöbel ein.

Vorab hatte mein Freund bereits vergangene Setlisten recherchiert und mir gesagt, die Reihenfolge der Songs des Abends stünde im Grunde fest, nur "Darts of Pleasure" werde eventuell zu einem anderen als dem vornotierten Zeitpunkt gespielt. Diese Ankündigung sollte sich als größtenteils korrekt erweisen jedoch anders als erwartet - später mehr dazu.


Mit diesem scheinbaren Wissen achtete ich zunächst nicht weiter auf die im Smartphone vorab gespeicherte Liste, denn das auf der Bühne Gebotene schien damit übereinzustimmen: Alte Hits, neuer Hits und immer wieder beim Beginn eines neuen Songs der Gedanke "Ach stimmt, das Lied haben die ja auch! Schön!" Franz Ferdinand begannen äußerst temporeich: "Bullet", "The Dark of the Matinée", "Tell Her Tonight", "Evil Eye", "No You Girls" und "Do You Want To" jagten einander. Gut, dass das Tempo anschließend bei "Fresh Strawberries" und "Walk Away" ein wenig reduziert wurde.


Die Band schien ausgesprochen - mit Ausnahme des Bassisten Bob Hardy - gut gelaunt und geradezu übermotiviert, gesprochen wurde aber abgesehen von dem bereits erwähnten Teleman-Lob wenig. Nick McCarthy wechselte immer wieder zwischen seiner Gitarre und einem Keyboard und sang auch ausgiebig mit - dass am Anfang von "Tell Her Tonight" seine Stimme zu hören ist, war mir vor dem Konzert gar nicht bewusst. Nach "Stand on the Horizon" wechselte er für vier Lieder komplett ans Keyboard.

Als in der Mitte des Sets "This Fire" angestimmt wurde, stupste mein Freund mich an - anders als ich hatte er gemerkt, dass hier eine deutliche Abweichung von unserer angenommenen Setliste vorlag, in dieser war der Song nämlich erst bei den Zugaben aufgetaucht. Die in Wiesbaden gespielte Version war extra lang und ein Highlight des Abends. Alex und Nick animierten das Publikum zum Mitsingen und ließen ähnlich wie zu Beginn des Konzertes nun wieder einen X nach dem anderen folgen: "This Fire", "Take Me Out", "Love Illumination", "Michael" und "Ulysses".


Bei dieser einen Änderung der Setliste blieb es aber nicht, denn nachdem die Band ihr Set mit "Outsiders", zu dem alle Mitglieder gemeinsam aufs Schlagzeug eindroschen (scheint momentan irgendwie Trend zu sein, bei Radiohead und The Notwist wurde das auch so gemacht), beendet hatte, begannen die Zugaben ganz normal mit "Right Action", dann ergriff Nick das Wort - auf Deutsch: "Wir haben jetzt noch etwas ganz Besonderes für Euch vorbereitet. Vielleicht habt Ihr es ja schon gehört: Erdbeermund"!


Und so spielte die Band die abgedrehte, deutschsprachige, von Nick gesungene B-Seite zu "Wild Starwberries", für die Alex ans Keyboard wechselte, wobei das Publikum eher verwirrt als begeistert schien. Aber immerhin, mir gefällt es, wenn Bands von ihrer Setliste abweichen und etwas anders machen, statt jeden Abend genau das Gleiche durchzuziehen. Und eine Live-Premiere eines Liedes hat man auch nicht jeden Abend (für uns war es in dieser Woche allerdings schon das zweite Livedebüt eines Songs).


Wegen "Erdbeermund" musst aber wohl "Darts of Pleasure" mit seinem deutschen Quatschtext "Ich heiße superphantastisch, ich trinke Schampus mit Lachfisch" von der Setliste weichen, vielleicht wäre es für die Band sonst allzuviel des Deutschsprachigen gewesen. Das Set endete mit "Jacqueline", das irgendjemand gewidmet wurde, der es gecovert hatte, dann folgte als letztes Lied sehr passend "Goodbye Lovers & Friends" mit seiner letzten Textzeile "Goodbye lovers and friends… you can laugh as if we’re still together but this really is the end".

Mit dem Konzert haben Franz Ferdinand bewiesen, was eigentlich auch zu erwarten gewesen war: Die Band veröffentlicht nach wie vor tolle neue Songs, die alten sind aber ebenfalls überhaupt nicht abgenudelt oder peinlich. Die Band hat offensichtlich nach wie vor Spaß an dem, was sie tut und kann damit ihr Publikum begeistern. Beim nächsten Mal möchte ich aber bitte gerne auch noch "Darts of Pleasure" hören ..


Setliste:

Bullet
The Dark of the Matinée
Tell Her Tonight
Evil Eye
No You Girls
Do You Want To
Fresh Strawberries
Walk Away
Stand on the Horizon
Can't Stop Feeling
Auf Achse
Brief Encounters
Lucid Dreams
This Fire
Take Me Out
Love Illumination
Michael
Ulysses
Outsiders

Right Action
Erdbeermund
Jacqueline
Goodbye Lovers & Friends


Jake Bugg wurde im letzten Jahr unglaublich gehyped, wobei ich mit seinem eher altmodischen Singer/Songwriter-Stil zunächst nicht sonderlich viel anfangen konnte. Sein neues Video zu "Messed Up Kids" ist aber mit seinen teils bewegten und teils eingefrorenen Szenen stilistisch ziemlich beeindruckend, und eigentlich gefällt mir der Song auch ganz gut.


Am frühen Abend holte mein Freund wie verabredet Pelle Carlberg in seinem Hotel ab. Dieser hatte sich bereits im Laufe des Tages per SMS gemeldet, also wussten wir bereits, dass er unsere Kleinstadt gut gefunden hatte. Bei uns daheim lauteten dann die ersten Programmpunkte Soundcheck und Abendessen. Ersterer schien ganz gut zu funktionieren, letzteres ... nun, man sollte, wenn man Arrabiata kocht, und im Supermarkt keine regulären Chilis bekommt, diese nur sehr, sehr vorsichtig durch Habaneros ersetzen. Mein Sauce war unglaublich scharf und mir ziemlich peinlich, immerhin scheinen aber alle Beteiligten ihren Genuss überlebt zu haben. Nach dem Essen waren wir schon relativ spät dran, es musste schnell noch das Buffet für die Gäste aufgebaut werden, dann trafen bereits die ersten Konzertbesucher ein.

Wie bereits in der Vorberichterstattung erwähnt, hatte mein Freund einen Plan: Pelle Carlberg hat ein Lied namens "Pelle Carlsberg", in dem er von einer Asientour erzählt, bei dem sich der Sponsor Tiger Beer verbat, Pelles Nachnamen, der für sie zu sehr nach dem Brauerei-Konkurrenten Carlsberg klang, auf die Plakate zu drucken. Pelle hieß plötzlich nur noch Pelle. Also ging mein Freund vor dem Auftritt mit je einer Flasche beider Sorten Bier zu dem Sänger und fragte ihn, welche von beiden er beim Konzert trinken wollte. Pelle verstand fast sofort, worum es ging, erklärte aber, dass er diesen Song überhaupt noch nie live gespielt habe und auch eigentlich gar nicht mehr wisse, wie er geht. Als netter Künstler war er aber bereit, dem Wunsch nachzukommen, und verschwand erst einmal mit seiner Gitarre in meinem Zimmer, wo er sich den besagten Song in iTunes anhören und üben konnte.


Inzwischen waren erfreulich viele weitere Gäste eingetroffen, die nun auch langsam und vorfreudig ihre Plätze einnahmen. Ein mit meinem Freund befreundetes Pärchen überreichte Pelle sogar ein Schokoladenpräsent und erklärte ihm, dass sie das Baby, das sie gerade erwarten, auch Pelle nennen möchten. Freundlicher kann man von einem Publikum ja eigentlich kaum empfangen werden ...

Das Konzert konnte nun beginnen. Pelle spielte zum Großteil dieselbe Setliste wie am Vorabend, ich hatte sie ihm nämlich persönlich aus Christophs Bericht ausgedruckt. Wie bereits in Köln hatte Pelle zu seinen Liedern viel zu erzählen. Teils, etwa bei "Replaceable", war die Geschichte in etwa dieselbe wie am Vortag. Andere kamen neu hinzu, so erfuhren wir zu "Fly me to the Moon", dass der im Song beschriebene Ryanair-Flug nach einem Auftritt in Barcelona stattfand, der den spanischen Gewohnheiten entsprechend erst gegen 1 Uhr früh begonnen hatte - entsprechend müde und frustriert reagierte die Band, als sie horrende Zusatzgebühren für den Transport eines Tamburins bezahlen sollte.


Auch zu "1983" gab es an diesem Abend eine längere Geschichte darüber, wie der junge Pelle mit seinem besten Freund Nachtspaziergänge in Uppsala unternahm und dabei aus Angst, ausgeraubt zu werden, einem Fremden Geld schenkte. Zu "I love you, you imbecile" gab es zwar keine Geschichte, aber immerhin die deutsche Übersetzung des Titels: "Ich liebe dich, du Schwachkopf". Als letztes Lied vor der Pause kündigte Pelle schließlich den gerade erst geübten Bier-Song an. Dem restlichen Publikum erklärte er, dass Dirk ein "peculiar guy" sei, und wie er ihm die Bierflaschen gezeigt hatte. "Pelle Carlsberg" hatte einst Pelles Plattenfirma nicht gefallen, weshalb der Sänger es seit der Aufnahme 2008 überhaupt nicht mehr gespielt hatte. Statt auf einem Album war der Song nur als Bonus-Download erschienen, angeblich mit einem extra unleserlichen Passwort. Der eben noch geprobte Song klappte dann, nach einer Textpanne ganz am Anfang, sehr gut. Montabaur hatte eine Live-Premiere erlebt.

Es folgte eine Pause für alle Beteiligten, während der Pelle etwas nervös meinen Freund fragte, ob er glaube, dass den Gästen das Konzert gefalle - was dieser bejahte. Anschließend führte er noch ein Gespräch mit Christoph über deutsche und schwedische Bands und Lieder in Originalsprache - was wohl Spuren hinterließ, denn nach der Pause hörten wir als erstes ein schwedischsprachiges Lied, das Pelle Carlberg mit seinen Kindern aufgenommen hat - mit diesen betreibt er nämlich eine Band, die anscheinend anders als er allein bei einem Major Label unter Vertrag ist.


Kurz danach folgte "Metal to metal", zu dem Pelle wieder dieselbe Geschichte von der Autopanne in Berlin erzählte, dieses Mal mit einer besonders liebevollen Beschreibung des Automechanikers und Imitation von dessen deutschem Akzent.

Zu "Riverbank" erzählte uns Pelle, dass es in dem Song darum ginge, sein ganzes Geld einfach in den Fluss zu werfen, also Konsumkritik. Als Beispiel nannte er die zahlreichen Cremes und Tonics sowie einen Porenverkleinerer, die sich alle in seinem Kulturbeutel befänden, was für deutsche Männer sicherlich befremdlich sei - der arme Christoph wurde gefragt, ob er er denn überhaupt wisse, was Tonic ist: "You don't mix it with gin!"

Nach dem weiterhin großartigen "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls" war zunächst Schluss. Im Vorfeld hatten wir überlegt, wohin Pelle wohl nach dem letzten Lied abgehen würde. Er entschied sich dafür, ein bisschen auf der Treppe im Flur zu sitzen. Mein Freund, der die Ansage von "Pamplona" mit der Erwähnung der Band I'm from Barcelona ja bereits vom Vortag kannte, hatte die Vinylplatte gut sichtbar bereit gelegt, so dass Pelle bei seiner Erklärung darauf Bezug nehmen konnte. Bei "Pamplone" sangen auch viele, zumindest mehr als in Köln, mit.


Bei der einen Zugabe blieb es dann auch, Pelle wollte anschließend gerne die bereitgelegte Platte hören und konnte schnell alle seine mitgebrachten CDs verkaufen und sich noch mit einigen Konzertbesuchern unterhalten. Als anschließend noch, ebenfalls auf Wunsch des Künstlers, die Stone Roses aufgelegt wurden, wurde es langsam Zeit, den sehr schönen Abend zu beenden, denn am nächsten Morgen war ja für die meisten ein normaler Arbeitstag. Vorher überreichte ihm Christoph allerdings noch Fotografien der Lego-Versionen aller seiner Albumcover, was Pelle zu der Frage "Oh, you are the Lego Man?" veranlasste. Eines der Cover war ihm nämlich bereits via Facebook bekannt gewesen, er hatte aber nicht gewusst, dass er den Schöpfer kannte.

Ich war relativ überrascht darüber, wie gut mir unser Wohnzimmerkonzert gefallen hat. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, den Abend selbst genießen zu können, aber alles lief so entspannt ab, dass es wenig Anlass zur Sorge gab, nicht einmal für mich. Leider fängt mein Freund aber auch bereits an, darüber zu reden, dass er noch ein Konzert machen möchte.

Setliste:

Oh no! It's happening again
Musikbyrån makes me wanna smoke crack
1983 (Pelle & Sebastian)
Loser of the century
Fly me to the moon
I love you, you imbecile
Replaceable?
Pelle Carlsberg

Varannan vecka (Tvillingarna, Truls & Jag)
Because I'm worth it
How I broke my foot and met Jesus
Metal to metal
Salt
Go to hell, Miss Rydell
Riverbank
Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

Pamplona

Wohnzimmerkonzerte scheinen ja mittlerweile irgendwie ein Trend geworden zu sein. Lange Zeit kannte ich nur Oliver vom Konzerttagebuch als regelmäßigen Veranstalter "eigener" Konzerte bei sich daheim, zu denen sowohl Freunde als auch interessierte Fremde kamen, zuhörten und etwas Geld für den Künstler zurückließen. In den letzten Jahren habe ich, vor allem durch die anderen Kollegen beim Konzerttagebuch, von mehreren weiteren solchen Wohnzimmerreihen gehört. Eines ist aber all diesen Veranstaltungen gemeinsam: Sie finden an Orten statt, die über eine angemessene Zahl potenzieller Zuschauer verfügen, also meist in Großstädten. Ich lebe mittlerweile auf dem Land. Der Gedanke, sich selbst als Booker, Veranstalter und Gastgeber in einer Person zu versuchen, lag mir unter anderem deshalb mehr als fern.


Vor einigen Monaten las ich aber bei Facebook, wie besagter Oliver berichtete, Pelle Carlberg werde bei ihm in Paris auftreten und stehe auch für Termine in Deutschland zur Verfügung. Eher scherzhaft teilte ich das meinem Freund, der wie ich Carlbergs Musik sehr schätzt, mit, und der war sofort Feuer und Flamme. Pelle sollte auch zu uns kommen! Ich gab zu bedenken, dass Pelle erstens wahrscheinlich keine Lust haben würde, in den Westerwald zu kommen, und dass es doch zweitens ausgeschlossen sei, dass wir ein angemessen großes Publikum für ihn zusammen bekommen könnten. Christoph vom Konzerttagebuch, der ebenfalls hier in der Peripherie lebt, erklärte, er könne maximal fünf Gäste organisieren, bei denen er selbst, mein Freund und ich aber schon eingerechnet seien. Doch mein Freund gab nicht auf. Gut, auf die Einwohner Montabaurs könne man sich in diesem Kontext wohl nicht verlassen, aber er würde Kollegen, Verwandte und Bekannte einladen, insgesamt ließe sich bestimmt auf 20 Gäste kommen. Bei 10 Euro Eintritt würde der Sänger so 200 Euro einnehmen und könnte zusätzlich CDs verkaufen. Ein Hotelzimmer würde mein Freund für ihn buchen und bezahlen. Montabaur hat nicht viel zu bieten, verfügt aber immerhin über ein recht imposantes Schloss samt Hotel.


Mein Freund nutzte ein kurzes Zögern in meiner grundsätzlich ablehnenden Haltung, fragte beim Booker der Deutschlandtournee an und bekam zu meinem großen Erstaunen keine postwendende Absage, sondern einige Rückfragen sowie Terminvorschläge. Spätestens jetzt begann ich, mir Sorgen zu machen. Folgende Schreckensszenarien malte ich mir aus:


  1. Pelle Carlberg würde am Abend vor dem Konzert in seinem Tourneeplan unseren komischen Ortsnamen lesen und sofort absagen.
  2. Es würde kurz vor dem Termin massenhaft Absagen der Gäste geben. Wir würden dann als die Idioten dastehen, die für drei bis vier Personen ein Konzert organisieren.
  3. Am besagte Abend würde es ein Unwetter geben, weshalb ein Großteil der eingeplanten Gäste ausbleiben würde. Wir würden dann als die Idioten dastehen, die für drei bis vier Personen ein Konzert organisieren.
  4. Nachbarn würden die Polizei rufen, wahlweise wegen der Lärmbelästigung, der vielen Autos… und ist es eigentlich erlaubt, bei einer Privatveranstaltung einen Unkostenbeitrag zu verlangen?
  5. Wir würden an der Konversation mit dem Künstler und dessen Unterhaltung vor dem Auftritt scheitern.
  6. Pelle Carlberg hätte eine extreme Katzenhaarallergie und würde entsprechend direkt nach seinem Eintreffen überall anschwellen und dann schnell im Krankenwagen wieder abreisen
  7. Alles würde klappen, aber die Gäste würden die Sache mit dem Unkostenbeitrag nicht so ernst nehmen, und wir würden dem Musiker am Ende des Abends verlegen lächelnd 20 Euro übergeben.


Unbeirrt von meinen Schreckensszenarien verschickte mein Freund Einladungen, erhielt erste Zusagen und wir kauften Unmengen Getränke. Dass sich der Booker zwischenzeitlich tatsächlich länger nicht meldete, wurde mir verschwiegen, was sicherlich auch besser so war. In Frankfurt verwendete ich eine Mittagspause darauf, in einem Asienladen ein paar Flaschen Tiger Beer zu kaufen, denn über diese Marke (und Carlsberg) hat Herr Carlberg ein Lied zu einer tatsächlichen Begebenheit während einer Asientour geschrieben. Die Dekoration mit den beiden Biersorten erschien uns deshalb als eine originelle Idee und sollte auf subtile Art und Weise dazu führen, dass Pelle diesen Song in unserem Wohnzimmer vortragen würde.


Je näher der Abend rückte, desto klarer wurde, dass er wohl tatsächlich stattfinden würde. Wir entdeckten eine Terminliste der Tournee, in der Montabaur zwischen richtigen Städten wie Köln und Paris aufgeführt war. Mein Freund schleppten nach und nach einen Haufen Stühle für die Gäste an, sein Bruder lieh uns ein Mikrophon nebst Verstärker und weiterem Equipment (erstaunlich, was so ein einzelner Mann mit Gitarre alles braucht) und erklärte sich bereit, die Sachen anzuschließen. Fast alle Eingeladenen hatten zugesagt. Das Wochenende vor dem Montag, für den das Konzert angesetzt war, verbrachten wir mit putzen und einer ellenlangen To Do-Liste.


Und so nahm ich mir schließlich den Konzerttag frei und begann am Morgen, Blätterteigsnacks für die Gäste zuzubereiten. Pelle Carlberg sollte abends ebenfalls bekocht werden und hatte unseren vorab gemachten Vorschlag "Penne Arrabiata" zumindest nicht zurückgewiesen. Also verbrachte ich ein paar Stunden in der Küche und konnte mir den Rest der Zeit überlegen, was jetzt noch schiefgehen könnte.

So viel Gelegenheit hatte ich aber gar nicht, mir zusätzliche Schreckensszenarien zu überlegen, denn im Laufe des Nachmittags trafen die ersten Helfer ein, und wenig später fuhr mein Freund zum Hotel, um unseren Stargast zum Soundcheck und zum Abendessen abzuholen. Wie es dann weiter ging, erzähle ich im nächsten Beitrag...

Am Montag fand bei mir daheim ein Konzert statt, und zwar mit dem schwedischen Sänger Pelle Carlberg. Eigentlich hätte man dessen Ankunft also bequem auf dem heimischen Sofa abwarten können, stattdessen fuhren wir aber am Sonntag nach Köln, um das Konzert des Vorabends auch mitzunehmen. Schließlich kann man ja nicht wissen, wie viel man von einem selbst veranstalteten Konzert mitbekommt, außerdem konnte sich man auf diese Weise dem Künstler vorstellen, bevor sich dieser am nächsten Tag Richtung Westerwald ins für ihn Ungewisse aufmachen sollte.

Die Wohngemeinschaft ist ein gemütliches Café im Retrostil mit zahlreichen lustigen Ecken, etwa einem Tischtennisraum und einem alten VW-Bus. Außerdem hat sie einen kleinen Konzertsaal, wobei dessen Bühne ebenfalls den Charme eines 60er-Jahre-Wohnzimmers und auch dessen Ausstattung hat. Der bestuhlte Zuschauerraum war nach dem Einlass schnell komplett gefüllt, so dass das Konzert bereits kurz nach halb sieben losgehen konnte.


Pelle Carlberg ist bei seiner aktuellen Tournee allein mit seiner Gitarre unterwegs. Er ist einer dieser Musiker, die zu so gut wie jedem ihrer Songs eine Geschichte erzählen können, entsprechend wurde zwischen den einzelnen Liedern viel gesprochen. Zunächst erfuhren wir, dass Pelles Lieblingsmannschaft aus Uppsala im schwedischen Fußballpokalwettbewerb einen der Favoriten geschlagen habe, weshalb der Sänger beste Laune hatte.

Vor dem neuen "Replaceable?" fragte er kurz in die Runde, wer ihn schon live gesehen habe und erklärte dann: "For those of you that know my music, this is a new song. For the rest of you .. I guess it's just another song." Außerdem habe er das Lied vor seiner Abreise für seine Tochter und deren Freundin gespielt, um die Behauptung der Tochter, dass er "Rockstar" sei, zu belegen. Nach der ersten Strophe habe aber ein iPhone gesummt und beide Mädchen hätten sofort das Interesse an dem Song verloren und ihn entlassen. Wenig später folgte das ebenfalls neue "Loser of the century".


Vor "Metal to metal" hörten wir eine längere Geschichte über eine Fahrt im Minivan nach Berlin, wo das neue Auto plötzlich unerklärlicherweise in Wedding liegen blieb - bis ein schließlich gerufener Mechaniker erklärte, "metal to metal" sei in einem Motor nicht so gut, weshalb es unerlässlich sei, als Fahrer auch ans Öl zu denken. Dieses Missgeschick regte Pelles damalige Frau so auf, dass es letztlich die Trennung vorbereitete, weshalb einem das Lachen bei diesem an und für sich eher humorvollen Song im Halse stecken blieb. Außerdem erklärte Pelle anschließend in Bezug auf den vorangegangenen Song, wegen dieser Geschichte sei er der "Loser of the century".

Nach einer kurzen Pause, die der recht verschwitzte Pelle nutzte, um sich umzuziehen (wobei er sich hinsichtlich des Bühnenoutfitwechsels scherzhaft mit Madonna verglich), ging es weiter mit den Liedern und Geschichten: "Because I'm Worth It" bezieht sich auf eine These von Pelles Vater, dass die Generation der in den 70er Jahren Geborenen die erste sei, die unbedingt alles haben wolle. "Crying all the way to the pawnshop" ist das von Pelle erdachte Gegenteil zur Redensart "Laughing all the way to the bank", "How I broke my foot and met Jesus" handelt von einer schmerzhaften Sportverletzung mit anschließender Morphiumverabreichung. "Salt" ist ein neuer, ernster und trauriger Song über Liebeskummer und -schmerzen und "Go to hell, Miss Rydell" ein älteres Lied über einen wütenden Anruf bei einer Musikjournalistin, die Pelles Band Edson verrissen hatte.


Manchmal nahmen die Erzählungen mehr Zeit in Anspruch als die eigentlichen Songs, und wir wurden auch an einer Stelle besorgt gefragt, ob das störe. Aber natürlich verneinten alle, denn die lustigen Geschichten machen ja gerade den Charme eines Pelle Carlberg-Konzertes aus.

Letztes Lied des Hauptteils bildete das lang-betitelte (Pelle zählte uns die 13 Worte vor) "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls", was auch einst der erste Song war, den ich von dem Künstler kannte - es ist auch bis heute mein Lieblingslied.


Natürlich folgten noch Zugaben, zunächst das von der ebenfalls schwedischen Band I'm from Barcelona inspirierte "Pamplona", vor dem Pelle ins Publikum fragte, ob wir gerne mitsingen würden, was ein einziges, weibliches, durchaus begeistertes "Yay!" erntete - und anschließend natürlich großes Gelächter. Außerdem wurden wir besorgt gefragt, ob wir denn noch Zeit hätten, gleich käme doch diese Krimiserie, "German CSI".

Dadurch, dass wir als Publikum bestätigten, es nicht sonderlich eilig zu haben, verdienten wir uns noch zwei Zugaben, nämlich eine recht gruselige Coverversion des ohnehin eher unschönen "I believe in a thing called love" von The Darkness, zuletzt folgte "Tired Of Being PC", bei dem es einige charmante Textprobleme gab.

Anschließend und nach begeistertem Applaus hatten wir noch die wichtige Aufgabe, dem Künstler mitzuteilen, dass wir seine Gastgeber des folgenden Abends sein würden und dass es diesen komischen Ort "Montabaur" tatsächlich gibt. Ob Pelle Zweifel daran hatte, ist nicht bekannt, aber er schien sichtlich erfreut zu sein, dass wir bereits zum Kölner Auftritt erschienen waren. Anschließend begaben wir uns prompt zurück in den Westerwald und freuten uns gespannt auf den nächsten Abend.



Setliste:

Oh no! It's happening again
Musikbyrån makes me wanna smoke crack
1983 (Pelle & Sebastian)
Replaceable?
Fly me to the moon
I love you, you imbecile
"Loser of the century"
Metal to metal

Sunday, lovely sunday (Edson)
Because I'm worth it
Crying all the way to the pawnshop
How I broke my foot and met Jesus
Salt
Go to hell, Miss Rydell
Riverbank
Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

Pamplona

I believe in a thing called love
Tired of being PC

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