Eigentlich lohnt es sich ja nicht wirklich, über das Essen bei einem Festival zu berichten, wenn man nur einen Tag vor Ort war. Wir gaben uns aber immerhin Mühe, unseren Möglichkeiten entsprechend möglichst viele Stände zu testen - auch wenn sich beim Festival der tausend Food Trucks natürlich noch viel, viel mehr zum Testen angeboten hätte.




Da man ja dazu lernt, lud ich beim Einlass gleich einmal 50 Euro auf den Armbandchip, mit dem man auch dieses Jahr an allen Essens- und Getränkeständen bezahlen musste, denn ich wusste ja bereits, dass das Preisniveau der Stände eher hoch lag - und wenn man ohnehin nur kurz vor Ort ist, muss man ja ohnehin nicht auf den Cent schauen.




Tatsächlich hatten wir seit dem Frühstück fast nichts mehr gegessen, so dass wir am frühen Abend  durchaus hungrig waren. Aber was kaufen? Käsefondue? Burger? Berliner Currywurst? Mac & Cheese? Einen Salatteller? Fisch? Bitterballen? Veganes Gyros? Kuchen? Frittierte Insekten? Mexikanisch? Thai? Indonesisch? Obst? Couscous? Pizza? Pasta? Klar war zumindest, dass Stände, die wir bereits im Vorjahr getestet hatten, außen vor blieben. Als Neuerung gab es dieses Jahr eine Grilltafel, eine Art Bierbank, durch deren Mitte ein Grill verlief, auf dem man die am entsprechenden Stand erworbenen Waren grillen konnte - eine originelle Idee, aber für Vegetarier eher ungeeignet.



Letztlich musste irgendeine Entscheidung getroffen werden, und so gab es für meinen Freund Falafel bei Falafel von Rolf. Für 7,50 Euro erhielt er etwa zehn kleine, handgemachte, frisch frittierte Bällchen in einer Art Eistüte aus Pita und auf einem Bett aus Salat. An einer kleinen Salatbar konnte man die Portion beliebig mit Mais, Rohkost und Karotten sowie zwei Saucen pimpen. Ich durfte ein Bällchen probieren und fand es sehr überzeugend - auch wenn man über den Preis natürlich nicht nachdenken durfte.




Ich gab sogar noch mehr aus: Für 8,50 Euro leistete ich mir bei The Good Life einen Wrap mit Spinat, Gemüse, Rote Beete und Ziegenfrischkäse. Auch mein Essen schmeckte sehr gut und war wegen der großen Portion Frischkäse sogar ziemlich sättigend. Bereits letztes Jahr hatte ich beim Best Kept Secret Rote Beete konsumiert - bei Rock am Ring wäre das sicher nicht passiert!




Etwas Platz für Nachtisch hatten wir aber noch und teilten uns im Interesse des Testens wieder auf. Im Vorbeigehen war uns bereits "The Public Pie" aufgefallen, wo es allerlei Kuchen zu kaufen gab. Am besten rochen die kleinen Apfeltörtchen, für die neben dem Stand ein Mädchen auf einer Leiter (man weiß nicht, warum dort) fleißig Äpfel schälte. So eines leistete ich mir, für 4,50 Euro gab es zumindest die Schlagsahne umsonst dazu. Das Törtchen schmeckte hervorragend und überraschte am Grund seines Teigförmchens mit Walnüssen.



Auch im Dessertbereich hatte man die Qual der Wahl, hinter der Bühne 2 gab es eine ganze Ansammlung von Kuchen- und Waffelständen. Dort kauften wir meinem Freund eine Waffel am Stil, die ebenfalls 4,50 Euro kostete, allerdings in der Menge vielleicht ein Drittel einer normalen Waffel darstellte. Sie schmeckte ebenfalls sehr gut, auch wenn viel von dem Puderzucker, mit dem sie bestäubt war, auf unserer Kleidung landete.



Danach waren wir gesättigt und widmeten uns den Konzerten - sechs Stunden später allerdings war uns vor der dreistündigen Rückfahrt noch nach einem Snack. Hierfür wählten wir ganz klassisch Pommes Frites, die es bei Friethoes auch nach Konzertende noch zu kaufen gab. Am Stand hatten sich lange Schlangen gebildet, aber das Verkaufspersonal schaffte es gleichzeitig, im Akkord Pommes auszugeben und zu schlechter Popmusik abzurocken. Mit 4,50 Euro pro Portion waren die frischen und wohlschmeckenden Fritjes beinahe ein Schnäppchen und stärkten uns für die Heimreise.

Schade, dass wir nicht mehr vom kulinarischen Angebot testen konnten, aber der Magen hat eben Grenzen. Dieses Wochenende besuchen wir mit dem "Down The Rabbit Hole" ein weiteres niederländisches Festival, und ich bin gespannt, ob es beim Speisenangebot mithalten kann.

Letztes Jahr besuchte ich zum ersten Mal das Best Kept Secret Festival in Holland und war positiv angetan über viele Details, die diese Veranstaltung angenehm machten: Es gab einen See direkt neben der Hauptbühne, Zelte im Wald, Schaukeln an Bäumen, ein weitläufiges Gelände mit einer Fülle an attraktiven Fressständen und nicht zuletzt ein attraktives musikalisches Lineup. Diese Details in Verbindung zum kleineren Publikum und dem Verzicht auf aggressive Sponsorenwerbung machte das Best Kept Secret zu einer attraktiven Alternative zu Hurricane und Southside – die letztes Jahr gleichzeitig stattfanden und deren Line-up sich erheblich mit dem des vom selben Veranstalter organisierten Best Kept Secret überlappte.

Dieses Jahr fand das Best Kept Secret nicht mehr parallel zu Hurricane und Southside statt, und vielleicht deshalb war das Lineup dieses Mal nicht ganz so stark (das der deutschen „Konkurrenz“ allerdings ebenfalls nicht). Nach langem Überlegen entschieden wir letztlich, statt diesem ein anderes Festival in den Niederlanden zu besuchen, nämlich das „Down The Rabbit Hole“ am kommenden Wochenende, bei dem unter anderem Suede und The National auftreten.

So ganz konnten wir die Best Kept Secret-Geschichte dann aber dennoch nicht ad acta legen, erwarben noch am Freitagabend, nachdem wir zunächst auf Facebook erfolglos mit einer Niederländerin verhandelt hatten,  die unbedingt wollte, dass wir ihre Tickets mit an der Tankstelle käuflichen Gutscheinen bezahlten, fix via eBay Tageskarten zum Schnäppchenpreis für den Samstag und machten uns auf zu einer Tages(tor)tour nach Holland – sechs Stunden Auto fahren für vier Bands, nämlich Bloc Party, Dinosaur Jr., Air und Editors.


Ein Freund hatte dasselbe verrückte Vorhaben „Tagesausflug in die Niederlande“ bereits einen Tag früher umgesetzt und warnte uns, dass wir in jedem Fall Gummistiefel benötigen würden. Diese packten wir dann auch brav ins Auto, denn natürlich war uns klar, dass mit instabilen Wetterbedingungen zu rechnen war. Momentan regnet es in Holland genau wie hier sicher an den meisten Tagen dreimal, und wenn das Festivalgelände erst einmal matschig ist, bleibt es das auch für lange Zeit.

Spontan und völlig unvernünftig entschlossen wir uns aber bei unserer Ankunft auf dem Festivalparkplatz, doch einfach die bequemeren Turnschuhe anzulassen. Die Festivalbesucher, die wir sehen konnten, trugen zum Großteil keine Regenstiefel, und mussten es ja eigentlich wissen. Also fällten wir eine ziemlich dumme Entscheidung, denn selbstverständlich war überall auf dem Gelände Matsch, in dem man auch manchmal tiefer einsank, als ein Turnschuh hoch ist. Von den nassen Socken ganz abgesehen. Tatsächlich kamen wir bereits beim Anstehen für unsere Tagesbändchen in den Genuss unseres ersten Schauers.

Leicht durchweicht – Regenjacken hatten wir immerhin mitgenommen – erreichten wir nach einem längeren Fußmarsch das eigentliche Festival. Eine Weile lang wunderte ich mich, dass so viele der uns entgegen kommenden Fußballfans mit den deutschen Farben geschmückt waren, denn schließlich waren wir in Holland, und Deutschland spielte am Samstag auch überhaupt nicht. Ein etwas genauerer Blick ließ mich dann erkennen, dass die umgehängten Girlanden nicht etwa schwarz-rot-gold, sondern schwarz-gelb-rot waren – natürlich handelte es sich um belgische Fans, für die extra direkt vor dem eigentlichen Festivalgelände eine Leinwand aufgebaut worden war, denn Belgien spielte an diesem Nachmittag gegen Irland. Nett von den niederländischen Veranstaltern, dass die trotz der Nichtteilnahme Hollands an der aktuellen Europameisterschaft für die belgischen Fans sorgten.


Wir interessierten uns weniger für den belgischen Fußball und analysierten stattdessen das Angebot der Fressstände, die wie im vorherigen Jahr viel zu bieten hatten – wenn man sich nicht scheute, für kleine Portionen teuer zu bezahlen. Aber dazu berichte ich noch separat.

Adäquat gestärkt fanden wir uns dann vor der Hauptbühne ein, wo wir endgültig erkannten, dass dieser Festivalbesuch ohne Gummistiefel eine Herausforderung werden würde: Vor der Bühne befand sich ein riesiges, übel riechendes Matschfeld. Offenbar zeigt sich bei Nässe, dass der festgetretene Boden, der bei Trockenheit nicht sonderlich auffällt, zu einem Großteil aus Kuhfladen besteht. Bei Feuchtigkeit entfalten sie dann ihr volles Aroma. Wenn man wie wir keine Lust hatte, nach und nach im Kuhfladenmatsch zu versinken, blieb die Möglichkeit, sich auf einen leicht erhöhten Kabeltunnel zu flüchten, der von der Bühne aus durchs Publikum nach hinten verlief. Ansonsten lagen auch noch vereinzelte Holzplatten herum, auf denen man stehen konnte.


Bloc Party also. Ich mag die Musik von Kele Okereke und seinen Kollegen sehr gerne, insbesondere das zweite Album „A Weekend in the City“ hat es mir angetan, wobei ich, wie wohl viele, den Indie Pop-Songs positiver gegenüber stehe als den Elektroversuchen. Ein Konzertbesuch in Mannheim vor einigen Jahren entpuppte sich aber als kleine Enttäuschung, an diesem Abend war Kele offenbar schlecht gelaunt und beklagte sich über das „faule“ Publikum.


Am Samstag war das anders, am Publikum war offenbar nichts auszusetzen. Kele hat in den letzten Jahren offensichtlich viel Zeit im Fitness Studio verbracht und ist geradezu aufgepumpt. Vielleicht hat er in der Muckibude auch den aktuellen Bassisten von Bloc Party, Justin Harris, kennen gelernt, denn auch dieser wirkte sehr muskulös. Neben Bass spielte er auch Keyboard und - bei "Mercury" - Saxophon. Am Schlagzeug saß die sehr jung wirkende Louise Bartle, Bloc Partys einziges noch vorhandenes Gründungsmitglied neben Kele, Russell Lissack, spielte Gitarre.

Die Setliste berücksichtigte sämtliche Bloc Party Alben, wobei wir (und möglicherweise auch andere Indie-Fans) stets erleichtert waren, wenn Kele zur Gitarre griff, denn das versprach einen Song nach unserem Geschmack. Insgesamt schienen die elektronischeren Lieder generell etwas schlechter beim Publikum anzukommen, allerdings mit Ausnahme von „One More Chance“.


Aus unserer Sicht hätte die Setliste durchaus noch mehr Knaller wie „Like Eating Glass“ oder auch „I still remember“ sowie meinen persönlichen Favoriten „Waiting for the 7:18“ vertragen können, aber immerhin war es toll, die älteren Songs live zu hören. Bei einem Lied versagte übrigens das Keyboard, weshalb wir eine „special version“ zu hören bekamen, mit der die Band offensichtlich unzufrieden war. Aus Publikumssicht klang diese aber gar nicht so schlecht. Kele teilte uns gegen Ende mit, er reise am liebsten in die Niederlande, um high zu werden, ohne, dass diese Bemerkung bejubelt worden wäre. Vielleicht hätte ein freundlicher Kommentar zur belgischen Nationalmannschaft mehr Begeisterung hervorgerufen, denn ein Großteil des Publikums trug schwarz-gelb-rot.


Schade war, dass die Band nur 50 Minuten ihres einstündigen Slots nutzte. Aber es war schön, sie gesehen zu haben. Gerade die nahtlos ineinander übergehenden "Song for Clay" und "Banquet" rechtfertigte (fast) die lange Anreise.

Setliste:

Virtue
Hunting For Witches
Positive Tension
Mercury
Song For Clay
Banquet
One More Chance
Different Drugs
Octopus
The Love Within
Helicopter
Ratchet

Dinosaur Jr. kenne ich irgendwie aus meiner Jugend, ich weiß nur nicht genau, warum und inwiefern. Nachdem ich die Stimme von J Mascis durchaus erkenne, muss ich zu irgendeinem Zeitpunkt auch Musik der Band gehört haben. Aber wann und welche?


Der Auftritt von Dinosaur Jr. beim Best Kept Secret wird dieses Rätsel nicht lösen, denn er stand unter keinem guten Stern: Obwohl Bloc Party ihre Spielzeit nicht voll ausgenutzt hatten, blieben uns nur zehn Minuten, um von der Hauptbühne zum Zelt zu laufen, wo das Konzert stattfand. Dieses war schon mehr als gut gefüllt, weshalb wir uns nur außerhalb hinstellen konnten (dankenswerterweise waren die Außenwände geöffnet). Als Neuerung gegenüber dem Vorjahr hatten die Veranstalter links und rechts der Bühne Videoleinwände aufgestellt, so dass man theoretisch auch aus der Entfernung etwas sehen hätte können – wären die Leinwände denn etwas höher gehängt worden.

Bereits im vergangenen Jahr hatten wir die Erfahrung gemacht, dass es im Zelt, wenn man nicht sehr früh vor Ort war, schwierig werden konnte, einen Stehplatz mit Sicht auf die Bühne zu ergattern. Das erlebten wir auch jetzt.


So hörten wir uns nach der Ankündigung J Masics, es gehe ihm gesundheitlich schlecht und er werde, statt ganz abzusagen, im Sitzen spielen, einige Songs an, aber ohne viel zu sehen. Immerhin konnte man erkennen, dass Mascis auf einem Stuhl saß und ihm nach Bedarf Gitarren gereicht und wieder weggenomen wurden. Den Gegenpol zum sitzenden Sänger einerseits und dem glatzköpfigen Drummer andererseits bildete der einen Bassist Lou Barlow, der seine Haarmähne wild schüttelte. So richtig befriedigend war dieses weitgehend unsichtbare Konzert aber nicht, und so wanderte wir nach einigen Liedern ab.

Zeit für Air auf der Hauptbühne, vor der wir dieses Mal kein Plätzchen auf dem Kabelschacht mehr ergattern konnten und stattdessen rechts vor der Bühne in einem etwas weniger matschigen Bereich standen.


Air als Festivalband hatte ich mir im Vorfeld gar nicht so recht vorstellen können, ich weiß aber auch denkbar wenig über das französische Duo und kenne nur seine großen Hits. Es erschienen dann auf der Bühne nicht zwei, sondern vier ganz in weiß gekleidete, mittelalte Männer, die Synthesizer jeder Marke und jeder Epoche dabei zu haben schienen. Die beiden Zusatzmusiker waren für das Schlagzeug und weitere Keyboards zuständig, während die Stammbesetzung natürlich ebenfalls Keyboard (Jean-Benoît Dunckel) und Akustikgitarre (Nicolas Godin) spielte und gelegentlich sang.

Obwohl ich mehr Songs kannte als vorab befürchtet (viele der gespielten Titel stammten vom bekanntesten Album „Moon Safari“, „Playground Love“ kannte ich vom Soundtrack zu The Virgin Suicides), mochte der Funke bei mir nicht so richtig überspringen. Bei Tageslicht und auf einer Freilichtbühne wirkten Air einfach leicht deplatziert. Vielleicht wäre eine späterer Slot ihrer Musik eher gerecht geworden.


Viel gesprochen wurde auch nicht, lediglich vor und nach „Remember“ nutzte Nicolas die im Song eingesetzte Computerstimme, um sich auch gleich beim Publikum zu bedanken - woran er sichtlich Spaß hatte. Bei „Alpha Beta Gaga“ pfiff er dafür und spielte Banjo.

Bei den letzten drei Liedern, „Kelly Watch the Stars“, „Sexy Boy“ und „La Femme d’Argent“ lebte das Publikum dann noch sichtbar auf, und es wurde doch noch etwas wie Festivalatmosphäre spürbar.

Setliste: 

Venus
Don't Be Light
Cherry Blossom Girl
J'ai dormi sous l'eau
People in the City
Talisman
Remember
Playground Love
Alpha Beta Gaga
Radian
How Does It Make You Feel?
Kelly Watch the Stars
Sexy Boy
La Femme d'Argent


Nach Air blieben wir einfach vor der Bühne stehen, denn leider war der Fanandrang bereits so groß, dass man fürchten musste, als Spätkommer bei den Editors im tiefsten Matsch stehen zu müssen. Bereits in der Stunde Wartezeit begann es zu regnen, und eigentlich hörte es den gesamten Auftritt lang nicht mehr damit auf.

Nachdem im Bühnenhintergrund auf alt gemachte Ventilatoren aufgebaut worden waren, die sicherlich Fabrikatmosphäre schaffen sollten, wurde meine Geduld dadurch strapaziert, dass einer unserer wartenden Mit-Konzertbesucher, der für die gute Stimmung sichtbar nicht nur Bier konsumiert hatte, alle zwei Minuten „all sparks will burn out“ - und zwar nur diese eine Zeile - gröhlte. Immerhin scheint Tom Smith aber meine telepathische Botschaft erhalten zu haben, diesen Song aus Bestrafungsgründen an diesem Abend keinesfalls zu spielen.


Viele Lieder scheinen, anders als "All Sparks", auf der aktuellen Editors-Setliste feste Plätze zu haben, so erschien es unvorstellbar, dass nicht „No Harm“ das erste, „Papillon“ das vorletzte und „Marching Orders“ das letzte Lied sein könnten, und so war es dann auch. Gestrichen war dagegen der Akustikteil, in dessen Rahmen Tom Smith beim Konzert in Offenbach ausgerechnet „Smokers Outside The Hospital Doors“ dargeboten hatte. Dieses Lied hat zum Glück nun seine normale Instrumentierung zurückbekommen, die ihm viel besser steht.


Im übrigen hatte die Setliste auch Überraschungen parat, so spielten die Editors den neuen Song „The Pulse“, dessen Anfang Tom beim ersten Versuch am Klavier verpatzte. „Open Your Arms“ wurde als Lied angekündigt, das nur selten live gespielt werde, aber soeben den Weg zurück ins Bandgedächtnis gefunden habe. In Zeiten des Internets kann man solche Aussagen natürlich zeitnahe überprüfen, und tatsächlich wurde der Song in über 50 Konzerten der aktuellen Tournee erst dreimal gespielt - ebenso wie „No Sound But the Wind“, den uns Tom Smith gegen Ende allein am Piano vorspielte, und das nur in Belgien ein Nummer-1-Hit war. Kein Wunder, dass es beim Publikum so gut ankam!


Überraschend waren auch verschiedene Feuereffekte, die die Band in Hilvarenbeek dabei hatten, und die bei verschiedenen Liedern zum Einsatz kamen – teils als vier vom Bühnenrand emporschießende Flammen, teils als Feuerregen und am Schluss sogar als kleines Feuerwerk. Die Bühnenflammen gaben selbst auf 20 Meter Entfernung ein bisschen Wärme ans Publikum ab, so dass man sie ruhig häufiger hätte einsetzen hätte dürfen.

Gleich mehrmals erwähnte Tom, es sei nett, dass wir uns bei „miserable weather“ zu „miserable music“ eingefunden hätten, erwähnte im Verlauf der Show aber auch, dass der Auftritt ihn dennoch glücklich mache.


Uns eigentlich auch, es war trotz Dauerregen und Kälte ein schönes Konzert. Nur schade, dass Rachel Goswell, die am Vorabend mit Minor Victories (einer Band, bei der auch Editor Justin Lockey Mitglied ist) beim selben Festival aufgetreten war, nicht geblieben war, um bei den Stücken des aktuellen Albums „In Dream“, an denen sie mitgewirkt hat, live mitzusingen.

Setliste: 

No Harm
Sugar
Smokers Outside the Hospital Doors
Life Is a Fear
An End Has a Start
Formaldehyde
The Pulse
Eat Raw Meat = Blood Drool
The Racing Rats
Forgiveness
Munich
Open Your Arms
All the Kings
Ocean of Night
A Ton of Love
No Sound but the Wind
Papillon
Marching Orders

Es fehlt noch ein Fazit. Zweifellos macht jedes Festival bei Sonne mehr Spaß, und das gilt auch für dieses. Außerdem bedeutete der Tagesausflug auch, dass wir wenig Zeit hatten, um das Gelände zu erforschen und dabei vielleicht Neues zu entdecken. Und als ich um vier Uhr morgens im Bett lag und später am Sonntag halb komatös auf der Couch saß, konnte ich den Gedanken, dass die Reise eine ziemliche Schnapsidee war, nicht von der Hand weisen. Aber immerhin haben wir ein sehr gutes Editors- und ein gutes Bloc Party-Konzert gesehen und können Air unter "live gesehen" verbuchen. Dinosaur Jr. wohl nur unter "live gehört".


Außerdem habe ich dazu gelernt: Das Festival am nächsten Wochenende geht wieder über drei Tage, wir sind am Ende voraussichtlich schon um DREI Uhr morgens im Bett und den Montagvormittag habe ich vorsorglich frei genommen.
Ich tippe dies mit kleinen Augen, denn gestern war ich für einen Tagesausflug in Holland und kam erst gegen 4 Uhr morgens ins Bett. Ausflugsziel war das "Best Kept Secret" Festival, bei dem ich letztes Jahr unter anderem The Tallest Man On Earth sah. Der Schwede hat seine neue Single einfach eines Abends selbst aufgenommen, während er auf Tour war, entsprechend minimalistisch klingt sie auch. Das Video spiegelt dieses Alleinsein wider.

Wen ich dieses Jahr beim Best Kept Secret Festival gesehen habe, verrate ich dann kommende Woche!


Augustines habe ich bereits zweimal live gesehen: Einmal letztes Jahr bei gefühlt 40 Grad im Schatten in Luhmühlen beim A Summer's Tale Festival, und dann noch einmal kürzlich als Vorband von Noel Gallagher. Ich finde die Rocker recht sympathisch, allerdings musikalisch irgendwie zu amerikanisch.

Dafür hat die Band eine durchaus sympathische Lösung für das verbreitete Band-Problem "jetzt müssen wir schon wieder ein Video aufnehmen" gefunden. Sie dreht nämlich kleine Filme über interessante Alltagsgeschichten, seltsamerweise beide aus England.

Das neueste Video, "When Things Fall Apart", dreht sich um einen Siebzehnjährigen, der Weltmeister in Stock Car-Autorennen (die ich bislang nur via Stefan Raab kannte) ist.


Vorher erzählte das Video zu "Are We Alive?", in dem Sänger Billy McCarthy auch selbst vorkommt, über einen Lokalprominenten aus Bristol, der wöchentlich sieben bis zehn (!) Konzerte besucht und dabei stets wild und ansteckend tanzt.


Seit Sonntag schon mahnt meine Musikredaktion an, dass es noch keinen Sendeschluss gibt. So kann das natürlich nicht weitergehen, also kommt hier, mit zwei Tagen Verspätung, das neue Video von Hundreds.

Dass es neues Material des Duos aus Hamburg gibt, ist natürlich prima. Im Video sind die beiden allerdings nicht zu sehen, sondern lediglich Animationen, die teils wie Pflanzen, teils auch wie Städte wirken. Ich freue mich schon auf Album Nummer drei!



Ist das nicht traurig? Ich war im Mai ein paar Tage in London, und außer Süßigkeiten, die schon längst verdaut und vergessen sind, habe ich nichts gekauft!


Aber es gibt auch positive Nachrichten aus der Konsumwelt. Vor Jahren kaufte ich bei auf der Frankfurter Modemesse "Stilblüten" ein Kleid der Kölner Designerin Thanh Thuy. Es heißt Kokon und leistet mir auch heute noch gute Dienste, indem es nach wie vor gut aussieht, vielseitig kombinierbar ist, auf Reisen wenig Platz braucht und nicht knittert.

Damals gab es noch gar kein Thanh Thuy Geschäft, mittlerweile hat sie einen Laden in Köln und auch einige andere Verkaufsstellen. Dort bin ich aber auch so gut wie nie, weshalb ich dieses Frühjahr erfreut entdeckte, dass man einige Teile auch bei Dawanda erwerben kann. Dort bestellte ich gleich eine graue Jacke, die als letzte ihrer Art zu einem Sonderpreis abgegeben wurde.


Danach passierte erst einmal nichts, bis ich eine E-Mail von der Designerin bekam, in der sie mir erklärte, der Stoff für die Jacke sei im Versand zu ihr verloren gegangen und es werde etwas dauern, bis sie ihn erhalten würde. Das war für mich gar nicht so schlimm, schließlich hatte ich ja nicht für einen bestimmten Anlass eingekauft. Um so überraschter und erfreuter war ich, dass ich, als die Jacke dann irgendwann bei mir war, als Entschädigung für die Wartezeit dazu noch einen Loopschal geschenkt bekam. Nett!

Insgesamt bin ich nicht gerade gut darin, "klein" einzukaufen, statt immer nur Großkonzernen Geld in den Rachen zu werfen. Dabei fühlt es sich schon "besonders" an, wenn man Dinge besitzt, die nur in vergleichsweise kleiner Auflage existieren, und mit deren Erwerb man den Herstellern auch direkte Wertschätzung zeigt. Wahrscheinlich muss ich da umdenken.


Als ich hörte, dass es zu Stephen Kings 11/22/63 (Der Anschlag) eine Serie gibt, die noch dazu JJ Abrams (als Produzent) gemacht hat, war ich ganz aufgeregt: Das Buch hatte mir extrem gut gefallen, und obwohl es für einen Film erheblich zu viel Material bietet, dachte ich, dass die Umsetzung als Serie klappen könnte.


Tatsächlich hat der Achtteiler auch gute Kritiken, mich konnte er aber so gar nicht überzeugen. An dem Roman faszinierte mich weniger das Thema "jemand reist in die Vergangenheit und versucht, das Kennedy-Attentat zu verhindern". Um dieses Motiv spannend zu finden, beziehungsweise anzunehmen, dass die Weltgeschichte ohne das Attentat wesentlich anders verlaufen wäre, muss man vermutlich Amerikaner sein. Stephen King schafft es aber, einen extrem glaubwürdigen Einblick in das Leben der Sechziger Jahre zu liefern. Gerade die Langsamkeit und Detailfülle der Geschichte sowie die Erlebnisse des Protagonisten, gerade auch die trivialen, machen in meinen Augen ihre Qualität aus. Auch das Thema "Die Vergangenheit wehr sich dagegen, verändert zu werden" funktioniert im Roman, der für seine Geschichte und deren Wiederholungen so viel mehr Zeit hat, um einiges besser.

In der Fernsehversion fehlt das alles. Mir wurde nicht klar, was den Protagonisten überhaupt dazu bringt, Kennedy retten zu wollen. Dass er sich dabei in eine Frau verliebt, erscheint ziemlich beliebig, da diese auch so gut wie keine Charaktereigenschaften hat. Und dass mich Hauptdarsteller James Franco mit seinem blöden Grinsen zuletzt in The Interview zu Tode nervte, macht die Sache auch nicht besser.

Mich würde interessieren, wie mir die Serie ohne Kenntnis des Romans gefallen hätte, denn letztlich ist es ja immer schwierig, bei Literaturverfilmungen den Lesern gerecht zu werden.

Der vielfach prämierte britische Schriftsteller Kazuo Ishiguro hat zwei Romane geschrieben, die ich großartig finde, nämlich Never Let Me Go und A Pale View Of Hills. Seine restlichen Bücher kenne ich überhaupt nicht, dennoch nahm ich erfreut die Tatsache zur Kenntnis, dass es letztes Jahr nach zehnjähriger Pause etwas Neues von ihm gab, The Buried Giant (Der begrabene Riese).

Ich wusste vor dem Lesen nichts über das Buch außer der Tatsache, dass seine Qualität umstritten ist. Das kann ich nun nachvollziehen, denn Ishiguro schildert das Leben in einem fiktiven, spätantiken England, in dem es Elfen, Ungeheuer und Drachen gibt - und in dem die Menschen von einem seltsamen, kollektiven Erinnerungsverlust heimgesucht werden. Die Themen, die der Autor dabei umkreist, sind dabei durchaus spannend und relevant: Ist es besser, erlittenes Unrecht zu vergessen, wenn man dadurch zufrieden und ohne Konflikte leben kann? Oder hat jeder Mensch ein Recht auf die Wahrheit, auch wenn diese gegebenenfalls schmerzhaft ist und einen erreichten Friedenszustand zerstört?

Die Machart des Romans allerdings machte die Lektüre für mich sehr anstrengend. Alle philosophieren in einer solchen Ausführlichkeit  und Langsamkeit vor sich hin, dass die Geschichte kaum voran kommt. Und wenn dann doch einmal etwas passiert, scheinen die Ereignisse gleichnishaft zu sein, aber zumindest ich habe oftmals nicht entschlüsseln können, was diese Stellen aussagen sollten.

Insgesamt fand ich den Roman also eher enttäuschend, aber ich habe nun Lust, Ishiguros andere Werke zu lesen, in der Hoffnung, dass ich darunter etwas finde, das eher meinem Geschmack entspricht.


Enttäuschend war auch mein Hörbuch des Monats, Storm Front von Jim Butcher. Das Buch ist der Auftakt zu einer Romanreihe um einen Magier und Privatdetektiv namens Harry Dresden in Chicago, und die englischsprachigen Hörbücher werden von James Marsters (Spike aus Buffy) vorgelesen.

Die Romanreihe war in irgendeinem Kontext mit den Midnight Mayor-Büchern von Kate Griffin verglichen worden, die ich sehr schätze, und in denen es ebenfalls um Magie in der Großstadt geht. Insofern hatte ich hohe Erwartungen, aber letztendlich muss ich sagen, dass man das Niveau der beiden Romanserien nicht einmal ansatzweise vergleichen kann. Storm Front ist aus meiner Sicht schlecht ausgedacht. Normalerweise bin ich stets bereit, der Logik einer Geschichte zu folgen, aber in diesem Roman fiel selbst mir auf, dass sich die Protagonisten meist  ohne erkennbaren Grund idiotisch verhielten und damit den Verlauf der Geschichte erst ermöglichten. Der Magier Harry Dresden schafft es, als Figur gleichzeitig papierdünn und dabei noch unsympathisch zu sein, und die Sprache des Romans ist auch nicht gut: Gerade in der Hörbuchversion wird es doch sehr auffällig, wenn in einem Kapitel jeder zweite Satz "Victor snarled" enthält.

Als wäre das alles nicht schon doof genug, entpuppte sich auch das Vorlesetalent von James Marsters als durchaus begrenzt - häufig wurden Sätze falsch betont, als hätte er sie erst beim Lesen verstanden - und als wäre für eine neue Aufnahme keine Zeit gewesen. Aber sehen wir's positiv: Hier haben wir eine Buchreihe, in die ich zukünftig definitv keine Zeit investieren muss.

Heute einmal wirklich fast zur richtigen Sendeschluss-Zeit: Eine Frau ahnt, dass ihr Mann sie betrügt, erkennt aber dann, dass alles noch viel schlimmer ist.


Coldplays Musik wird, nun ja, immer süßlicher, aber dafür hat das aktuelle Video etwas zu bieten, nämlich viele lustige, surrealistische optische Kollagen, bei denen Wasserschildkröten auf dem U-Bahnsteig herumschwimmen oder auf einem Spülschwamm Fußball gespielt wird. Wer so etwas mag, sollte das Video nicht verpassen. Den Ton kann man ja zur Not auch ausmachen...