Letzte Woche war ich in London und verbrachte einige angenehme Tage mit Besichtigungen, Fährüberfahrten, Museumsbesuchen, Shopping und so...


Letzte Woche war ich in London und verbrachte einige angenehme Tage mit Besichtigungen, Fährüberfahrten, Museumsbesuchen, Shopping und so weiter. Mein Freund wäre aber nicht mein Freund, wenn er sich bei sieben Übernachtungen mit einem einzigen Konzert (beziehungsweise Tagesfestival) zufrieden gäbe. Er entdeckte, dass der Ex-Kopf der Band Hefner, Darren Hayman, vier Konzerte angekündigt hatte, bei denen er jeweils das Album „Breaking God’s Heart“ komplett spielen würde. Mir sagte all das nichts: Nicht Hefner, nicht deren Sänger, nicht dieses Album. Immerhin die Location, die „St. Pancras Old Church“, klang aber nach einem kleinen, feinen Konzertort. Davon abgesehen macht es mir bei Städtereisen auch immer Spaß, etwas zu unternehmen, das andere Touristen definitiv nicht machen werden.


„Unser“ Konzertabend war der letzte der vier, die allesamt ausverkauft waren. Als wir zum Einlasstermin um 19:30 Uhr eintrafen, waren außer uns aber nur wenige andere Konzertgäste bereits vor Ort. Die Kirche entpuppte sich größentechnisch eher als Kapelle, es handelt sich allerdings in der Tat um eine immer noch benutzte, von alten Grabsteinen umgebene Kirche, die hier seit dem Mittelalter auf noch älteren Grundfesten steht und dem riesigen, nahe gelegenen Bahnhof St. Pancras seinen Namen gegeben hat. Einem Zettel an der Tür konnte man schon einmal den zeitlichen Ablauf entnehmen: Einlass 19:30, Vorband 20:30, Hauptact 21:30. Im Eingangsbereich der Kirche, die schon bald ihre Tore öffnete, konnte man sowohl Getränke kaufen und mit in seine Kirchenbank nehmen als auch einen kleinen Merchandisestand besuchen. Es war ein seltsame Gefühl, mit einer Dose Cider über die Grabsteinplatten im Mittelgang zu gehen und sich einen Sitzplatz zu suchen…


Herr Hayman stand während der Wartezeit hauptsächlich am Merchandisestand und bot an, gekaufte Platten zu signieren (was mein Freund in Anspruch nahm). Auf der Bühne war es zunächst Zeit für die Vorband, die an jedem Abend eine andere gewesen war. Heute sahen wir Birdie, ein Duo, das anscheinend schon länger besteht und sich im Umfeld von Saint Etienne kennen gelernt hatte. Hayman kündigte sie, auf Socken kurz die Bühne betretend, als „Pedigree“ an und erwähnte diverse frühere Formationen, in denen die beiden gewesen waren. Sängerin Deborah Wykes ergänzte, auf ihr nicht ganz faltenfreies Gesicht zeigend, sie seien sogar „vintage“. Die älteren Herrschaften wurden musikalisch von einem jungen Mann namens Patrick an der E-Gitarre unterstützt, ansonsten spielte Paul Kelly Akustikgitarre, während Wykes sang und gelegentlich den Tamburin schwang. Beide Männer steuerten auch Gesangsstimmen bei.


Den Musikern war eine gewisse Aufregung anzumerken, vermutlich war ihr letzter Liveauftritt ein bisschen her. Auch ihre letzte Album-Veröffentlichung liegt bereits ein paar Jahre zurück (2001), jeoch wurde mit "Tomorrow" auch ein neuer Song gespielt, den man als Single auch käuflich erwerben konnte. Die Lieder waren durchaus angenehm anzuhören, allerdings auch (von mir) schnell wieder vergessen.

Setliste:

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?
Folk singer
Lioness
Let her go
Tomorro
Something to say


Nun war es Zeit für den Gastgeber. Diese betrat, immer noch auf Socken, den Altarraum und sagte vor sich hin einige der Dinge von denen er wohl meinte, dass sie im Publikum geredet worden waren: „Is this the guy that used to be in Hefner?“ „He’s kind of fat, isn’t he?“, „Is he doing this all by himself? Doesn’t he have a drummer?“ „Will he sing the songs properly?“ Nur die letzte Frage beantwortete er auch gleich selbst, nämlich mit der Aussage, er habe sie ohnehin noch nie besonders ordentlich gesungen.

Los ging es nun aber nicht mit dem ersten Albumsong sondern mit „Pull Yourself Together“, einer zeitgleich zum Album erschienen Single. Hayman erklärte, er habe Erfahrung und wisse deshalb, dass man als erstes etwas Unwichtiges spielen müsse, damit alle im Publikum ausreichend Zeit hätten, vom Klo zurück zu kommen. Beim ersten Lied spielte er zusätzlich zu seinem Gitarrenspiel und Gesang via sein Smartphone Beats ein, er nutzte es auch später gelegentlich als musikalische Unterstützung.


Ab dem zweiten Lied spielte er „Breaking God’s Heart“ in der Album-Reihenfolge durch und erklärte vorab, er werde sich nicht streng an die aufgenommenen Versionen halten - aus seiner Sicht gebe es keine definitiven Versionen, die veröffentlichten seien nur die gewesen, die eben an diesem Tag gespielt worden seien. Außerdem habe er manche Texte leicht ändern müssen, weil er sie zu schlecht fand - bei den vorherigen Konzerten habe aber niemand im Publikum richtig erraten, welches die veränderten Stellen seien.

Zu manchen Liedern gab es zusätzlich Kommentare, etwa erklärte er nach „The Sad Witch“, er habe im Gegensatz zu diesem Lied in seinem Solowerk übrigens ein ganzes Konzeptalbum über Hexen (nämlich "The Violence", eine Chronik der Essex Witch Trials im 17. Jahrhundert). Auch andere Stellen des Sets nutzte er, um - häufig humorvoll - sein Solowerk anzupreisen.

Zu „Librarian“ sagte er, dass er seine Hefner-Kollegen generell nicht vermisse, außer dem Bassisten John Morrison, der so manche tolle Idee beigesteuert habe - im Falle dieses Liedes etwa, den Song doppelt aufzunehmen, um ihm so einen ganz eigenen Klang zu verpassen. Angeblich hört man auf dem Album aus einem Lautsprecher die eine und aus dem anderen die andere Aufnahme.


Zu „Love Inside the Stud Farm" sinnierte er, dass spätestens jetzt klar würde, dass die Stimmung des Albums sich immer weiter verdüstere - und dass eine gute Reihenfolge für ein Album nicht dasselbe sei wie eine gute Konzert-Setliste. Für „Tactile“ wechselte er kurz ans Klavier.

Beinahe ohne Unterbrechung (aber nach tosendem Applaus eines insgesamt sehr wertschätzenden Publikums) folgte ein kurzer Zugabenteil. Hayman erklärte, er habe erfahren, dass eine Person Tickets für alle vier Konzertabends gekauft habe. Deshalb fühle er sich verpflichtet, die Zugaben jedes Mal zu variieren, aber langsam gingen ihm langsam die Ideen aus. Wir hörten dann drei weitere Hefner- Songs, die am Klavier vorgetragen wurden: „The hymn for all the things we didn’t do“, „Alan Bean“ und „Don’t flake out on me“.


Letzteres schloss das Konzert ab. Hayman verließ, die letzten Zeilen des Liedes "We will always feel dismayed, it will only ever be OK. / What's the point in getting laid? We're waiting for the better days" wiederholend, langsam die Bühne und ging durch den Mittelgang nach hinten, während die Zeilen von manchen im Publikum aufgegriffen und ebenfalls leise gesungen wurden. Ein sehr schöner Abschluss!

Setliste:

Pull Yourself Together
The Sweetness Lies Within
The Sad Witch
A Hymn for the Postal Service
Love Will Destroy Us in the End
Librarian
God Is on My Side
Another Better Friend
Love Inside the Stud Farm
Tactile
Eloping

The Hymn for All the Things We Didn’t Do
Alan Bean
Don’t Flake Out On Me

Lang ließ er uns zappeln, der Freitag der 13., doch kurz vor Schluss machte er seinem Ruf - bei unserer abendlichen Rückreise von London ...


Lang ließ er uns zappeln, der Freitag der 13., doch kurz vor Schluss machte er seinem Ruf - bei unserer abendlichen Rückreise von London - doch noch alle Ehre:

Wenn nur

- der Rückflug von London nach Frankfurt pünktlich um 19:20 Uhr gestartet wäre
- er sich zumindest an seine angekündigte Verspätung von 60 Minuten gehalten hätte
- die Lufthansa das Flugzeug nicht zusätzlich für die Strecke Frankfurt - Paderborn und zurück zweckentfremdet hätte (was zu der Verspätung unseres Flugs führte. Wer bitte fliegt von Frankfurt nach Paderborn??)
- die für den Paderborn-Flug gedachte Maschine nicht kaputt gegangen wäre
- das Flugzeug bei der verspäteten Ankunft in Frankfurt nicht auch noch auf einer Außenposition geparkt hätte
- die Abwicklung an der Passkontrolle bei der Ankunft etwas zügiger gewesen wäre
- wir meinen Koffer auf dem Gepäckband etwas schneller erkannt hätten
- wir überhaupt einfach mit Handgepäck gereist wären
- der langsame Mann mit seinen zwei Koffern nicht einen langen schmalen Durchgang komplett versperrt hätte
- wir durchtrainierte Langstreckenläufer wären, die ohne Probleme 3 Kilometer durchrennen können, mit Gepäck
- die lange Rolltreppe zwischen Terminal und Bahnhof nicht kaputt gewesen wäre (und lang heißt hier wirklich lang)
- der Zug nicht auf Gleis 7, sondern zum Beispiel 4 oder 5 eingefahren wäre
- die Rolltreppe zum Gleis hinunter nicht auch noch kaputt gewesen wäre
- der Zug statt 3 Minuten 10 Minuten, oder auch nur 5 oder sogar 3:30 Minuten Verspätung gehabt hätte,

dann, ja dann hätten wir den allerletzten Zug des Tages in den 80 Kilometer entfernten Heimatort erreicht, statt ihn noch am Gleis stehen und dann langsam abfahren zu sehen. In meiner Phantasie wurde von drinnen auch noch ironisch gewinkt.

So aber standen wir um 23:30 am Flughafen Frankfurt und hatten mehrere, allesamt wenig attraktive Handlungsoptionen:

- Am Bahnhof bis zum nächsten Morgen warten und den ersten Zug um 6 Uhr früh nehmen
- Uns in ein Flughafenhotel einmieten und dieselbe Wartezeit etwas bequemer verbringen
- Mit diversen Bummelzügen und Wartezeiten eine langsame Annäherung ans Zuhause versuchen und dieses in den frühen Morgenstunden erreichen
- Für 156,70 Euro die teuerste Taxifahrt (hoffentlich!) unseres Lebens unternehmen

Der Besuch meines Freundes beim Liam Gallagher-Konzert in Köln war eine etwas schwere Geburt: Zunächst wollte er keine Tickets kaufen und...


Der Besuch meines Freundes beim Liam Gallagher-Konzert in Köln war eine etwas schwere Geburt: Zunächst wollte er keine Tickets kaufen und bekam dann doch welche zum Sparpreis bei eBay. Die eigentlich geplante Begleitung musste absagen, ich ließ mich breitschlagen mitzukommen... aber dann sagte auch Liam selbst den Auftritt wegen Krankheit ab. Der Ersatztermin im Juli lag dann für mich sehr ungünstig - aber letztlich gelang es dann immerhin doch noch, dass mein Freund und Liam Gallagher gleichzeitig im Palladium waren! Hier berichtet er, wie es bei Noels kleinem Bruder war.

Hat Liam etwas zum angeblich wegen Krankheit ausgefallenen ersten Konzert gesagt?

Bis er wirklich auf der Bühne stand, rechnete ich noch damit, dass sein Auftritt erneut abgesagt werden würde, denn der Konzerttermin in Köln war auf seiner Homepage unter allen anderen anstehenden Dates nicht mit aufgelistet. Tatsächlich erinnerte sich Liam noch an die Absage, schwor hoch und heilig, dass er tatsächlich krank war und dass es keine anderen Gründe für die Absage gegeben habe. Er entschuldigte sich mehrmals. So nett habe ich ihn in den letzten 24 Jahren noch nie erlebt. 


Du hattest vermutet, dass es keine Vorband geben würde - zurecht?

Auch hier wurde meinen Erwartungen nicht entsprochen. Mit Liam und seiner Crew wurden auch vier Jungs aus Sheffield mit eingeflogen und obwohl sie sich The Sherlocks nennen, trug keiner von ihnen Deerstalker-Mütze, Inverness-Mantel oder Pfeife. Sie spielten rund 30 Minuten Gitarrenrock, der leider bei jedem Lied ziemlich ähnlich klang. Aber sie haben viel Applaus erhalten und bei zwei Liedern wurde reichlich mitgeklatscht. 


Wie gut war der Nachholtermin besucht?

Man konnte zwar im Vorfeld noch Tickets kaufen, aber das Palladium war letztlich ziemlich gut gefüllt. So eng war es, glaube ich, dieses Jahr noch bei keinem Konzert. Neben uns auf dem Parkplatz parkten ein Auto aus Belgien und eins aus England. Es gab also auch längere Anreisen.

Wie war das Verhältnis von Liam Songs zu denen von Oasis oder gar Beady Eye?

Wir haben Beady Eye zusammen dreimal gesehen: 2011 und 2014 in Köln sowie 2012 in Manchester. Bei diesen drei Auftritten wurden insgesamt vier Songs von Oasis gespielt, also durfte man auch an diesem Abend mit einigen dieser Lieder rechnen. Wenn man vorher nicht recherchiert hatte, wurde man sehr überrascht, denn Liam spielte kein Lied von Beady Eye, sechs aus seinem Soloalbum und elf von Oasis. Diese stammten übrigens alle aus der Feder von Noel und aus der Frühphase der Band, seinen eigenen Oasis-Songs vertraute er offensichtlich nicht so sehr. Aber die Lieder aus "As You Were" kamen überraschend gut an und wurden auch viel mitgesungen.

Auf die akustisch dargebotene Zugabe "D'Yer Wanna Be a Spaceman?", eine B-Seite von Oasis, hätte ich verzichten können. Am meisten gefreut habe ich mich über "Whatever", dass ich erst einmal live von Oasis, gesungen damals von Noel, gehört hatte. 


Der größte Teil von Oasis spielt ja mittlerweile in Noels Band. Und wen hat Liam abbekommen?

Das war seltsam. Da stand Liam auf der Bühne und es klang nach einem Oasis-Konzert und um ihn herum standen fünf Typen, die ich noch nie gesehen hatte und die auch nicht vorgestellt wurden. Einer der Gitarristen war aber so etwas wie ein Noel-Lookalike.

Hatten alle etwas von Pretty Green an?

In Ermangelung eines kurzärmeligen Pretty Green-Hemdes musste sogar ich bei diesen Temperaturen in unpassender Kleidung gehen. Also ich sah ein psychedelisches T-Shirt von Liams Label, aber dafür zahlreiches Oasis-Shirts. Außerdem gab es vier Fahnen (2x England, 1x Manchester City und 1x Oasis) und ein Union Jack-Sakko. Was muss dessen Träger geschwitzt haben!


Apropos Geschwitzt: Wie sah das bei Liam aus, hat er wieder einen Parka durchgeschwitzt? Trägt er aktuell Bart?

Er kam überraschenderweise glatt rasiert und natürlich mit Jacke, die er auch anbehielt. Vermutlich konnte man sie nach den 80 Minuten auswringen.

Irgendwelche coole oder gemeine Sprüche?

Ohne Fußball-Kommentar ging es natürlich nicht. Das Abschneiden bzw. Auftreten der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Russland konnte er gar nicht verstehen und kommentierte dies abschließend mit "Welcome to our world". Er widmete der Mannschaft dann "For What It's Worth". Die vielen Engländer stimmten zwischendurch immer wieder "Three Lions" an.


Wie fällt der Live-Vergleich der Brüder aus?

Du weißt, dass ich im Team Noel bin, aber im direkten Vergleich war, das muss ich zugeben, Liam um zwei Klassen besser. Mehr Oasis Songs, mehr Oasis Feeling, mehr Rock 'n' Roll, wie auch auf der Bühne zu lesen war, und weniger, Entschuldigung Noel, "Alt-Herren-Rock". Die Stimmung war um ein Vielfaches besser bei Liam, das begann schon vor dem Konzert bei der eingespielten Musik, die er sicherlich selbst ausgesucht hatte: "My Generation" von The Who, "Town Called Malice" von The Jam und das lautstark mitgesungene "I Am The Resurretion" von The Stone Roses. Danach gab es beim Einstieg mit "Rock 'n' Roll Star" und "Morning Glory" kein Halten mehr.

Hast Du neben den schönen Bildern auch an die Setliste gedacht?

Klar.

Setliste:

Intro: Fuckin' in the Bushes (Oasis song)

Rock 'n' Roll Star (Oasis song)
Morning Glory (Oasis song)
Greedy Soul
Wall of Glass
Bold
For What It's Worth
Bring It on Down (Oasis song)
Listen Up (Oasis song)
Slide Away (Oasis song)
I've All I Need
You Better Run
Whatever (Oasis song)

Supersonic (Oasis song)
Some Might Say (Oasis song)
Cigarettes & Alcohol (Oasis song)
D'Yer Wanna Be a Spaceman? (Oasis song)
Live Forever (Oasis song)


Das "Gekauft" des Monats ist eine Hotelbuchung, die ich bereits im Februar durchgeführt habe. Der Grund, dass ich erst jetzt darüb...

Das "Gekauft" des Monats ist eine Hotelbuchung, die ich bereits im Februar durchgeführt habe. Der Grund, dass ich erst jetzt darüber berichte, liegt zum einen darin, dass der tatsächliche Hotelaufenthalt demnächst beginnt und zum anderen, dass hinsichtlich der Buchung in den letzten Tagen aufregende Dinge passiert sind.

Ich buche die meisten Hotels über ein großes Internet-Buchungsportal, weil das so schön bequem ist und auch noch nie zu Problemen geführt hat(te). So hielt ich es auch dieses Mal und buchte gleich zwei Zimmer im selben Hotel in London: Eines für meinen Freund und mich, ein weiteres für einen etwas kürzeren Zeitraum für seine Mutter, die zu Weihnachten eine Londonreise geschenkt bekommen hatte.

Letzes Wochenende bekam ich plötzlich eine E-Mail des Buchungsportals: Die Kreditkarte, die ich im Februar beim Buchen hinterlegt hatte, war im Mai abgelaufen, was nun auch das Hotel gemerkt hatte. Ich wurde aufgefordert, möglichst schnell aktualisierte Bezahldaten zu hinterlegen - was ich auch umgehend tat.


Seltsamerweise klappte zwar das ändern der Kreditkarte, ich bekam aber zwei Tage später eine identische E-Mail - weshalb ich den Prozess wiederholte und außerdem dem Hotel eine Mail schrieb, ob denn mit der Buchung alles in Ordnung sei. Einen Tag später rief ich das Hotel sogar an und ließ mich für beide Buchungen bestätigen, dass nun korrekte Kreditkartendaten hinterlegt seien - was mir versichert wurde. Nur, dass ich zehn Minuten nach dem Auflegen eine weitere Mail bekam, die nach neuen Zahlungsdaten verlangte.

Ich bekam nun erstmalig Zweifel, ob vielleicht auch irgendetwas mit der neuen Kreditkarte nicht stimmen könnte. Sicherheitshalber änderte ich beide Hotelbuchungen auf eine komplett andere Karte, erhielt wiederum Bestätigungen vom Buchungsportal und höre dann einige Tage nichts - erleichtert dachte ich mir, dass nun wohl alles in Ordnung sei.

Bis ich schließlich eine neue Mail bekam: Eine der beiden Buchungen sei nun storniert, weil keine gültigen Kreditkartendaten vorgelegen hätten. Entsetzt rief ich Minuten später das Hotel an, wo man mir bestätigte, dass die Buchung storniert sei. Obwohl ich erklärte, dass ich auf alle Mails reagiert und ja sogar angerufen hätte, wiederholte der Hotelangestellte gebetsmühlenartig, dass er nichts für mich tun könne. Letzlich ließ er sich doch dazu hinreißen, eine neue Buchung vorzunehmen, sogar zum alten Preis. Außerdem bestätigte er einmal mehr, dass die zweite Buchung in Ordnung sei - nur, dasss ich nicht mehr allzu viel Vertrauen in diese Aussage hatte.

Seitdem sitze ich auf glühenden Kohlen und rechne bei jeder neuen E-Mail damit, dass auch das zweite Hotelzimmer storniert wird - und wer weiß, ob ich das dann auch einfach noch einmal neu buchen kann? Beruhigt bin ich wohl erst, wenn beide Zimmer bezogen sind.

Im Juni sah ich die Netflix-Serie Safe mit Dexter, äh, Michael C. Hall, der bei dem Achtteiler auch als Produzent fungiert. Die französi...


Im Juni sah ich die Netflix-Serie Safe mit Dexter, äh, Michael C. Hall, der bei dem Achtteiler auch als Produzent fungiert. Die französisch-britische Koproduktion überrascht zunächst damit, dass zum einen ein Roman des US-Bestsellerautoren Harlan Coben bei seiner Verfilmung in England spielt und zum anderen, dass die Hauptfigur, die Brite sein soll, dann auch noch von einem Amerikaner (eben Hall) gespielt wird. Das gezeigte England ist zudem, sicherlich absichtlich, sehr generisch: Man erfährt nicht, wo die Serie spielt, und jegliche Nennung einer konkreten Gegend oder Stadt wird vermieden - was, genau wie die Darstellung eines Engländers durch einen bekannten US-Schauspieler, eine seltsam künstliche Atmosphäre schafft.

Hall spielt einen Arzt, dessen Frau ein Jahr vor Handlungsbeginn an Krebs gestorben ist. Seitdem lebt er allein mit seinen beiden Töchtern in einer per Zaun und Pförtner gesicherten Nachbarschaft, bis seine ältere Tochter eines Abends ausgeht und nicht mehr nach Hause kommt. Im Laufe der verzweifelten Suche nach der Tochter werden nach und nach die Nachbarn beleuchtet und diese hüten - man ahnt es - allesamt Geheimnisse. Jedem Zuschauer, der sich beim Ansehen des Vorspanns nicht die Augen zuhält, ist außerdem bewusst, dass auch ein gelegentlich erwähntes Schulfeuer, das sich in der Kindheit der Protagonisten ereignet hat, eine gewisse Rolle spielen muss.

Die Serie zielt nicht darauf ab, vielschichtige ode glaubwürdige Charaktere abzubilden, es geht allein um das Rätsel - die Figuren tragen zur Gesamtgeschichte bei und bleiben ansonsten papierdünn. Deshalb bleibt Safe auch genauso lange fesselnd, wie man als Zuschauer zumindest noch mitfiebert, was denn nun genau mit der Tochter passiert ist und wie all die Geheimnisse zusammenhängen. Darüber hinaus hat die Serie aber leider rein gar nichts Neues zu bieten.



In den letzten Monaten hat meine Hörbuchleidenschaft ein wenig nachgelassen. Mein Versuch, Ursula Le Guins The Left Hand of Darkness (an...


In den letzten Monaten hat meine Hörbuchleidenschaft ein wenig nachgelassen. Mein Versuch, Ursula Le Guins The Left Hand of Darkness (anscheinend ein Klassiker der Science Fiction und auch überhaupt der Literatur) anzuhören scheiterte, weil ich beim Vorlesen bei all den fremden Begriffen schlicht nicht mitkam. Dieses Buch muss ich wohl selbst lesen.

Als ich allerdings sah, dass Andreas Föhr, wie von mir gewünscht, seine Eisenberg-Buchreihe fortgesetzt hat, lag das neue Buch quasi eine Minute später im Warenkorb. Eifersucht dreht sich, wie schon Teil 1, natürlich um die Strafverteidigerin Rachel Eisenberg, ihren Noch-Ehemann, ihre Tochter und einige andere Figuren, die man bereits aus dem ersten Teil kennt und mag.

Dieses Mal hilft Rachel, eigentlich wider Willen, einer Bekannten aus der Filmbranche , die beschuldigt wird, ihren untreuen Freund samt Haus in die Luft gesprengt zu haben. Die Beweise sprechen gegen sie, dennoch entdeckt Rachel einige Ungereimtheiten. Da die Staatsanwaltschaft sich ihrer Sache aber bereits völlig sicher ist, muss die Verteidigung selbst ermitteln, weshalb Rachel in diesem Teil einen Privatdetektiv engagiert, den wir in zukünftigen Folgen sicher auch wiedersehen werden.

Es ging mir wie im ersten Teil: Die Geschichte rund um die Kanzlei und die Figuren fand ich extrem interessant, den eigentlichen Fall, nun, ein wenig unwahrscheinlich. Speziell am Ende, als die Geschichte im Grunde erzählt ist, aber dann nochmals (aus meiner Sicht unnötig) Fahrt aufnimmt, verlor ich ein wenig das Interesse. Ein bisschen schade war auch, dass die durchaus spannenden Rückblenden zur vermeintlichen Möderin und einer Liebesgeschichte etliche Jahre vor der Handlung zwar spannend erzählt waren, aber letztlich keine riesige Rolle spielten.

Aber bei allem Gemecker: Eine gute neue Krimireihe, wie immer gut vorgelesen von Michael Schwarzmaier (der allerdings kein Kölsch kann), bei der ich mir Teil 3 bestimmt auch anhören werde.

Fromis 9 sind eine südkoreanische Girlband, die erst seit Januar 2018 und wohl als das Ergebnis einer Reality Show existiert - anfangs ga...


Fromis 9 sind eine südkoreanische Girlband, die erst seit Januar 2018 und wohl als das Ergebnis einer Reality Show existiert - anfangs gab es neun, mittlerweile "nur noch" acht Mitglieder.

Das alles ist aber nebensächlich, denn im vorliegenden Video (dessen Tonspur man aus meiner Sicht auch gerne weglassen kann) kommt eine Riesenkatze vor, an die man sich ankuscheln kann. Herrlich.


In den letzten Jahren habe ich zu den meisten Festivalbesuchen auch einen "Neulich beim Durchfuttern"-Beitrag geschrieben, in d...


In den letzten Jahren habe ich zu den meisten Festivalbesuchen auch einen "Neulich beim Durchfuttern"-Beitrag geschrieben, in dem es um die vorhandenen Fressstände und die Qualität von deren Waren ging. Ich konnte diese (bei mir) beliebte Reihe beim Traumzeit Festival jedoch nicht fortsetzen, was ganz und gar nicht an der Qualität des Angebotenen lag. Nur ist das, was vor ein paar Jahren noch Anlass zu Jubel gab, mittlerweile zur Normalität geworden. Festivalessen ist eben mittlerweile häufig lecker und abwechlungsreich, das war hier nicht anders.


Es mangelte keineswegs an Auswahl. Um unsere Mahlzeiten stritten sich ein Falafelstand, ein Currywurstwagen, ein Burgerstand, ein veganer Burgerstand, diverse Wein- und Cocktailbars, ein Pizza- und ein Flammkuchenstand, eine Cafébar und viele mehr. Es gab Essen aus Italien, Thailand, dem Mittleren Osten, Deutschland und Frankreich, und die meisten Stände hatten Gerichte für Vegetarier und Veganer auf Lager.

Am Freitag kaufte sich zunächst mein Freund ein Falafel-Wrap bei Café Kasbar. Ich entschied mich für einen Jackfruit Burger von Che Vegan. Jackfruit ist ein neuer Fleischersatz-Trend, weil man dieses Fruchtfleisch zumindest optisch sehr fleischähnlich zubereiten kann. Ich hatte hinsichtlich Jackfruit keine Vergleichspunkte, aber mein Burger sah ganz hervorragend aus und schmeckte ebenso.


Am Samstag war Pizzatag: Bereits am Vorabend hatte ich viele Gäste mit sehr lecker aussehenden Mini-Pizzen gesehen, nun schlugen auch wir zu. Am Sonntag hatte ich meinen Freund eigentlich schon überredet, seinerseits einen der vielen veganen Burger von Che Vegan zu probieren - der Stand war am Abend aber bereits ausverkauft. Letztlich entschied er sich für Pommes Frites vom Bio-Stand. Ich gönnte mir einen Flammkuchen, wobei meine erste Wahl mit Spinat ebenfalls ausverkauft war, also nahm ich Hirtenkäse und Oliven.


Übrigens hatten wir bei Entdeckung der Tatsache, dass der Food Court auch für Gäste ohne Festivaltickets zugänglich sein würde, ein wenig befürchtet, dass das zu langen Schlangen führen würde. Das war überhaupt nicht der Fall. Die meisten Stände hatten stets Kundschaft, aber lange Wartezeiten gab es nirgendwo. Nur am Sonntagabend zeigte sich an so manchem Stand, dass die Vorräte mittlerweile erschöpft waren (die Mitarbeiter möglicherweise auch).

Musikalisch hatten wir am Sonntag eigentlich nur The Jesus & Mary Chain eingeplant. Nachdem wir das Gelände aber recht früh erreicht hatten, schauten wir zunächst bei dem Dänen Hugo Helmig am Cowperplatz vorbei. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, seine allzu seichten Popklänge vertrieben uns nämlich postwendend wieder.


Als nächsten Versuch besuchten wir Sam Fender in der Giesshalle. Der junge Brite scheint ofensichtlich bereits eine solide deutsche Fanbasis zu haben, denn vor der Bühne sah es ein bisschen aus wie beim Schulausflug eines Mädcheninternats - die ersten drei Reihen waren jung und weiblich.

Der Festivalzeitung konnten wir entnehmen, dass die Veranstalter sich gerne bei niederländischen Indie-Festivals zu Musikacts inspirieren lassen, und auch Sam Fender hatten sie beim Eurosonic-Festival in Groningen "mitgenommen" - derart große Hallen ist der Sänger sonst noch nicht gewohnt.


Seine Musik erinnerte teils an Bryan Adams, manchmal auch an Don Henley (die "Boys" im Titel seines Songs "Dead Boys" dürften hier auch einen Beitrag geleistet haben). Die Single "Play God", die als vorletztes Lied gespielt wurde, stach hinsichtlich Eingängigkeit aus dem Set heraus - definitiv der Hit des Sängers. Als letztes Lied trug er "Leave Fast" zunächst ohne seine Band vor, später gesellte sich noch der Bassist dazu.

Nicht gut gehalten hat sich die Aussage Fenders, dass er sich zwar freue, dass England sich bei der Fußballweltmeisterschaft gut schlage, dass er aber sicher sei, die Deutschen würden dem ein Ende machen. Das wissen wir mittlerweile besser.

Setliste:

Millennial
Blue Monday
All Is On My Side
Dead Boys
Start Agai
That Sound
The Change
Greasy Spoon
Play God 
Leave Fast


Anschließend absolvierten wir einen letzten Besuch in der Gebläsehalle, wo nun Lùisa auftrat. Anhand der Songliste aus dem Internet, die mein Freund vorab besorgt hatte, konnte man sich gar nicht sicher sein, welche Nationalität die Sängerin hatte, die Titel waren nämlich englisch, französisch und deutsch. Schnell stellte sich aber heraus, dass Lùisa aus Hamburg kommt.
Die junge Sängerin erzählte viel zu ihren Liedern, so drehte sich der erste Song "JLT" um ihre Oma, die wohl aus Duisburg stammte, was den Song natürlich sehr passend für das Festival machte. Viele der Lieder drehten sich um positive wie negative Träume.


Lùisa nahm bei vielen ihrer Songs das Hilfsmittel des Loopens zur Hilfe und spielte Passagen auf der Gitarre oder dem Keyboard oder auch mit ihrer Stimme ein, die dann eine ganze Weile lang wiederholt wurden und zu einer Art Bandsound führten. Ähnlich wie bei Lilly Among Clouds am Freitag war auch bei Lùisa eine gewisse Aufgeregtheit zu spüren, vielfach bedankte sie sich fürs Zuhören und dafür, dass wir überhaupt gekommen waren.

Während zu Beginn des Sets Gitarre, Percussion und Gesang dominierten, wurden die Lieder zum Ende hin elektronischer. Mit gefiel beides recht gut.

Setliste:

ILJ
L’hiver en julien
Heart met failure
?
Belong
?
The Underground
Vision


The Jesus and Mary Chain hatten wir zuletzt in der Darmstädter Centralstation gesehen... oder vielmehr gehört, denn damals hatte man so großzügig von der Nebelmaschine Gebrauch gemacht, dass die Musiker nur schemenhaft erkennbar gewesen waren. Die Nebelmaschine lief zwar auch heute bereits vor Konzertbeginn, aber das hätte man sich beinahe sparen können: Durch die Luftigkeit der Halle zog alles sofort ab, die gute Bühnensicht fürs Publikum blieb erhalten.

Vielleicht war das ja das Problem, denn irgendwie war Jim Reid an diesem Abend besonders schlecht gelaunt. Zunächst merkte man davon nichts, denn eine Spaßband oder kommunikativ sind The Jesus and Mary Chain ja so oder so nicht. Die Bandmitglieder waren weitläufig auf der Bühne verteilt, und während William Reid recht versuchte, mit den Lautsprechern hinter sich zu verschmelzen und sich Scott Von Ryper links gegenüber mit einem Ventilator die Frisur verschönern ließ, sang Jim Reid vorne in der Mitte die ersten paar Songs auf die ihm eigene Art - mit um den Arm gewickeltem Mikrophonkabel und gelegentlichen Spaziergängen zum Schlagzeug.


Wenn man schon keinen Nebel hatte, hatte man offenbar beschlossen, das Publikum zumindest mit Scheinwerfern zu blenden, aber man konnte dennoch gut erkennen, dass die Reids identische Shirts mit der Aufschrift "Damage and Joy", dem aktuellen Albumtitel, trugen.

Bei "Black and Blues" versemmelten die Musiker beim ersten Versuch den Anfang, was Jim Reid noch annähernd humorvoll kommentierte. Im Anschluss an den Song fragte er, als hinter ihm ein Roadie bei William zugange war, wütend, was genau er denn eigentlich machen müsste, um auch einmal Aufmerksamkeit zu bekommen - offensichtlich stimmte irgendetwas mit seinem Mikrophon nicht. Erst nach dem folgenden Lied "Far Gone and Out" wurde es dann hastig ausgetauscht.


Für "Just Like Honey" kam kurz Bernadette Denning, William Reids Freundin, die auch auf dem Album mitsingt, auf die Bühne und übernahm die weibliche Stimme. Auch das wirkte etwas komisch, Jim Reid stellte sie zwar vor, aber die Art, wie sie möglichst schnell auf die Bühne huschte - und nach dem Lied wieder verschwand - schien auch darauf ausgelegt zu sein, in keinem Fall Missfallen auszulösen. Das gab es dann stattdessen bei "War on Peace", als es Jim auf die Nerven ging, dass William an seiner Gitarre herumstimmte.

Die Verabschiedung durch Jim nach dem letzten Lied "I Hate Rock 'n' Roll, "I hope you enjoyed it, we did", warf dann zumindest bei mir große Zweifel auf: Auf der Bühne hatte niemand, zumindest keiner der Reids, gewirkt, als hätte er irgendetwas genossen.


Laut Interviews ist Jim Reid ja nur deshalb Sänger der Band, weil er beim Lose ziehen gegen seinen Bruder verloren hatte - keiner der beiden hatte Interesse gehabt, im Mittelpunkt der Bühne zu stehen, und Jim Reid diese ungewollte Aufmerksamkeit deshalb früher mit viel Alkohol und Drogen bekämpft. Insofern wäre eine Interpretation für das Gesehene, dass die Abwesenheit des schützenden Nebels eben tatsächlich zusätzlichen Stress ausgelöst haben könnte. Dann sollte die Band aber vielleicht Festivals generell meiden.

Musikalisch war dieses einzige Deutschlandkonzert der Band in diesem Jahr nicht zu beanstanden, dennoch entpuppte es sich atmosphärisch aus den genannten Gründen eher als ein durchwachsener Genuss.

Setliste:

Amputation
April Skies
Head On
Blues From a Gun
Mood Rider
Black and Blues
Far Gone and Out
Between Planets
All Things Pass
Some Candy Talking
Halfway to Crazy
Just Like Honey
Cracking Up
In a Hole
War on Peace
I Hate Rock 'n' Roll


Anschließend machten wir uns auf den erfreulich kurzen Weg zum Auto und entschieden: Je nach Lineup wären wir durchaus daran interessiert, das Traumzeit Festival nochmals zu besuchen. Das Ambiente in und zwischen den alten Fabrikgebäuden ist wunderschön, der Sound gut und die Größe geradezu ideal.

Der Freitag endete für uns mit der langen Rückfahrt nach Hause und der Samstag begann mit einer weiteren Fahrt nach Duisburg: In Ermangel...


Der Freitag endete für uns mit der langen Rückfahrt nach Hause und der Samstag begann mit einer weiteren Fahrt nach Duisburg: In Ermangelung eines Katzensitters hatten wir uns entschlossen, an beiden Festivalabenden Zuhause zu nächtigen. Was in der Theorie machbar klang - die Fahrtzeit liegt bei eineinhalb Stunden - nervte in der Realität dann doch ziemlich. Notiz für potenzielle weitere Besuche beim Traumzeit: Wenigstens eine Übernachtung sollte drin sein, und das insbesondere, wenn es so spät wird wie am Freitag.

Ich habe im gestrigen Beitrag ja schon ein bisschen vom Festival und dessen Ausrichtung erzählt. Zu ergänzen wäre noch, dass selbst im Vergleich zu anderen nicht profitorientierten Festivals, die ich kenne (zu nennen wäre hier beispielsweise das Maifeld Derby) die Veranstalter besonders wenig an Umsatz und Wachstum interessiert zu sein scheinen. Man nehme allein die Tatsache, dass es neben den überall ausliegenden Papierprogrammen auch eine Festivalzeitung gab, die man sich kostenlos mitnehmen konnte, und die einerseits vorbereitete Artikel, andererseits aber auch erste Reviews der Freitagskonzerte enthielt. Es ist sicherlich extrem aufwändig, noch während des Festivals mal eben eine Zeitung zu vollenden und drucken zu lassen, und man verdient damit keinen Cent extra.


Am Samstag war ich auch geradezu gerührt, als ich sah, wie die Ordner am Einlass der Giesshalle mit mitgebrachten Getränken umgingen. Dadurch, dass der Food Court ja auch ohne Festivalbändchen zugänglich war, erfolgte die eigentliche Kontrolle erst beim Zugang zu den Bühnen. Besonders gründlich war sie aber nicht, ds hätte angesichts der relativ schmalen Zugänge wohl auch zu großen Rückstaus in den mittigen Fressstand-Bereich geführt. Während auf der Festival-Website gestanden hatte, dass man keine selbst mitgebrachten Getränke mit in den Bühnenbereich nehmen durfte, hatten viele wegen der quasi nicht vorhandenen Taschenkontrollen dennoch eigene Dosen und Flaschen dabei. Doch selbst, wenn man sich mit einem offenen eigenen Getränk der Halle näherte, bekam man nicht etwa zu hören, dass dieses draußen zu bleiben habe: Stattdessen hielten die Ordner Pappbecher bereit und baten Besucher, ihre mitgebrachten Dosen in diese umzuschütten!


Der Festivalsamstag stand für viele auch unter dem Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft: Am Abend würde Deutschland gegen Schweden spielen, und eine Niederlage hätte ziemlich sicher das Ende der deutschen Teilnahme bedeutet. Allerdings verfügte das Festival nicht über eine Fußballschau-Station, im Vorfeld hatte man sogar ein Statement der Veranstalter lesen können, dass die Traumzeitbesucher sich nicht für Fußball interessieren. Ganz war dem wohl nicht so, und während man letztlich an mehreren Imbissständen das Spiel per Radio verfolgen konnte, erbarmte sich einer der Getränkestände und stellte für die Interessierten einen Fernseher auf.


Unsere Ankunft auf dem Gelände erfolgte aber lange vor dem Anpfiff, unsere erste Band des Tages waren Blumfeld. Zu dieser Band habe ich ein gespaltenes Verhältnis, da ich mich in ihren Hochzeiten irgendwie nie richtig interessieren konnte. Erst 2001 fand ich die Single "Graue Wolken" wunderschön, kaufte mir darauf unbesehen das Album "Testament der Angst" und fand es richtig schlecht. Dagegen hatte ich Jochen Distelmeyers Autoren-Auftritt beim A Summer's Tale Festival 2016 als ausgesprochen unterhaltsam in Erinnerung, inklusive der damals dargebotenen Coverversionen. Und außerdem gehen "Verstärker" und "Tausend Tränen Tief" sowieso immer.


Blumfeld gelten offiziell als aufgelöst, spielen 2018 aber diverse Konzerte. Mit dabei hatte die Band den Musikproduzenten Tobias Levin, der ab dem vierten Lied die Gitarre übernahm und die Bühne anschließend nicht mehr verließ. Jochen Distelmeyer schien bestens aufgelegt zu sein und stand einem Publikum mit vielen Fans gegenüber, was man an den zahlreichen gerufenen Songwünschen erkennen konnte. Als eine Zuschauerin "Kommst du mit in den Alltag" forderte, antwortete Distelmeyer zunächst launig "Aber sicher! In deinen oder meinen?", um dann selbstkritisch hinzuzufügen, "Jetzt denken alle 'Ok die sind ganz geil, aber der Typ redet so komisches Zeug!'"
Natürlich kannte ich letztlich viele Songs nicht, genoss den Auftritt aber durchaus - und die Lieder klangen allesamt besser als die auf "Testament der Angst". Dabei wurden sogar "Weil es Liebe ist" und "Die Diktatur der Angepassten" von diesem Album gespielt. Als Zugabe bekamen wir noch ein  Medley aus "Verstärker", "Electric Guitars" und "Everytime we say Goodbye".

Setliste:

Einfach so (Jochen Distelmeyer song)
Von der Unmöglichkeit "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen
Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder
Ich - wie es wirklich war
Weil es Liebe ist
Eintragung ins Nichts
Wohin mit dem Hass? (Jochen Distelmeyer song)
Pro Familia
Wir sind frei
Die Diktatur der Angepassten

Verstärker / Electric guitars / Everytime we say goodbye


Weiter ging es für uns in der Gebläsehalle mit Low. Während mir dieser Bandname überhaupt nichts sagte, war mein Freund recht erpicht darauf gewesen, den Auftritt zu sehen. Mittlerweile weiß auch ich, dass es sich keineswegs um eine Newcomerband handelt, sondern dass das Slowcore-Trio aus Minnesota schon volle 25 Jahre Musik macht.

Während der Raum weitgehend in Dunkelheit lag, begann auf der Bühne der recht langsame und repetitive Sound der Band, bei der zu meiner Überraschung die Schlagzeugerin Mimi Parker auch für einen Großteil des Gesangs verantwortlich war. Ihr Ehemann Alan Sparhawk spielte Gitarre und sang ebenfalls, zusätzlich gab es noch einen Bassisten (Steve Garrington).


Auch wenn die Band größtenteils die gebannte Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen konnte, blickten auch viele immer wieder bang auf ihre Handydisplays: Parallel fand nun das WM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die schwedische statt, und bis zu Beginn des Konzertes hatte es 0:1 für Schweden gestanden.

Für eine ungewöhnlich lange Unterbrechung sorgte es, als Sparhawk eine Gitarrensaite riss und er versuchte, eine neue aufzuziehen. Er erklärte, dass ihm das quasi nie passiert und er insofern nicht vorbereitet sei - letztlich gab es das Suchen und Aufziehen der neuen Saite dann einfach auf und wechselte die Gitarre, während ein Roadie diese Aufgabe übernahm.


Zu "Pissing" konnten wir dann sehen, wie sich in der ersten Reihe ein Zuschauer einem sich windenden Tanz hingab, wobei er aber nicht komplett von seinem Sitz aufstand - so dass für uns von hinten nur immer wieder der Kopf hochpoppte. Auf der Bühne wand sich Sparhawk ähnlich, und mein Freund raunte mir zu: "Der Tänzer da vorne hat Recht, das war phantastisch!"


Setliste:

Quorum
Always Trying To Work It Out
Holy Ghost
No Comprendre
Disarray
Dancing And Fire
Pissing
Lies
Fly


Erst nachdem wir nach dem Konzert zurück zum Cowperplatz gegangen waren, wo nun der Auftritt von Mogwai unmittelbar bevorstand, hörten wir aus Richtung des Getränkestand-Fernsehers einen erlösenden Jubelschrei: Deutschland hatte Schweden in der Nachspielzeit doch noch bezwungen und die Hoffnung aufs Achtelfinale war vorerst wieder intakt.

Auch Mogwai, die sich bereits neben der mit einer Licht-Laterneninstallation dekorierten Bühne aufhielten, jubelten kurz... ob das ironisch gemeint war, sei mal dahin gestellt. Kommentiert wurde es nicht weiter, die einzigen Worte, die während des Konzerts fielen, waren "Hello, we're Mogwai from Scotland!" und "Thank you!"


Ich hatte die Band erstmals beim Maifeld Derby gesehen, anschließend mit einem Soundtrack vorletzten Sommer in Stockholm und zuletzt zwischen den Jahren in Reykjavik - drei Konzerte in drei Jahren und ebensovielen Ländern. Dabei hatte sich eine gewisse Routine entwickelt, so dass ich zu Beginn des Sets nicht nur selbstverständlich wie viele andere Zuschauer auch meine Ohrenstöpsel trug, sondern mein Freund und ich uns auch gegenseitig darauf aufmerksam machten, dass die Schlagzeugerin, wie bereits in Reykjavik, Cat Myers von Honeyblood war. Auch Alex Mackay, der mir immer auffällt, weil er so viel jünger aussieht als seine Kollegen, war wieder dabei.


Und so konnte mein Freund auch aus Erfahrung anmerken, dass uns bei "Mogwai fear Satan" ein plötzliches Lautwerden des Songs bevorstand, dessen Schallwelle - so kam es uns zumindest vor - im Publikum so manche Kopfbedeckung und Frisur vom Kopf gerissen haben muss. Der einzelne Zuschauer, der nach dem zweiten Song "Lauter!!" gerufen hatte und damit bei der Band Heiterkeit ausgelöst hatte, dürfte im Verlauf des Sets, als die Songs immer lauter wurden, ebenfalls zu frieden gestellt worden sein.

Ob wir in der Vergangenheit allerdings auch schon beobachtet haben, dass Bassist Dominic Aitchison eine Whiskyflasche dabei hatte und aus dieser sowie einem daraus eingegossenen und zwecks jederzeit gewährleisteter Zugänglichkeit woanders abgestellten Glas mehrfach trank, kann ich nicht sagen. Eine Neuerung war aber, dass am Ende des Konzertes keinerlei Saiten aus den Gitarren gerissen wurden.


Ich habe jetzt Mogwai in vier aufeinander folgenden Jahren an vier verschiedenen Orten gesehen. Ich bin gespannt, wohin die Reise 2019 geht.

Setliste:

Mogwai Fear Satan
Party in the Dark
Rano Pano
Crossing the Road Material
I'm Jim Morrison, I'm Dead
Hunted by a Freak
Old Poisons
Auto Rock
Ithaca 27ø9
Every Country’s Sun
Remurdered
We're No Here

Nachdem wir uns mit Mogwai also bereits gut auskennen, uns aber nach wie vor schwer tun, Liedtitel zu identifizieren, warteten wir im Anschluss an das Konzert noch, ob wir einen Blick auf die Setliste werfen könnten - was dann auch klappte. Es führte aber auch dazu, dass wir, als wir zur Sängerin Mogli in die Gebläsehalle wollten, enttäuscht wurden: Die lange Schlange, in die wir uns bereits eingereiht hatten, war gar nicht die für den Einlass, sondern für Nachrücker gedacht: Das Konzert lief bereits und war voll besetzt. Nachdem sichtlich keine Chance bestand, hier noch hinein zu kommen, sparten wir uns auch die Wartezeit auf das noch später angesetzte Konzert von Jaguwar und fuhren nach Hause.



Irgendwie lief es bei uns dieses Jahr bezüglich Festivals noch nicht sonderlich gut. Man kann zwar beim besten Willen nicht behaupten, da...


Irgendwie lief es bei uns dieses Jahr bezüglich Festivals noch nicht sonderlich gut. Man kann zwar beim besten Willen nicht behaupten, dass mein Freund sich nicht bemüht hätte, mich zu Primavera, Best Kept Secret, irgendetwas in Mailand oder gar dem Lollapalooza in Paris (Liste unvollständig) zu motivieren... aber wenn man sich die Lineups und Termine so ansah, sprach, zumindest aus meiner Sicht, doch immer sehr viel gegen einen Besuch.

Vom Traumzeit in Duisburg hatte ich bis dieses Jahr überhaupt noch nie gehört, dabei existiert das Festival im Landschaftspark Nord bereits seit 1999! Auf dem Gelände eines ehemaligen Hüttenwerkes werden insgesamt drei Bühnen bespielt. Uns lockte die Aussicht auf ein "kleines" Festival mit den entsprechenden Vorteilen (kaum besoffene Idioten, keine penetrante Sposorenwerbung, kurze Fußwege und wenig Gedrängel) und natürlich das Lineup: Slowdive, The Jesus & Mary Chain und Mogwai hatten sich unter anderem angekündigt. Und all das für ganze 75 Euro.


So richtig gut vorbereitet war ich aber wahrlich nicht auf unseren Ausflug, so machte ich mir vor unserer Anreise am Freitagabend ziemliche Sorgen, dass der fürs Wochenende angekündigte starke Wind vielleicht zum Problem werden könnte. Dabei hätte ich anhand der Bühnennamen schon ahnen können, dass sich nur eine überhaupt draußen befand - sowohl die Gießhalle als auch die Gebläsehalle sind nämlich, man ahnt es schon, Hallen.

Ebenfalls nicht vorbereitet war ich auf die Schönheit des Geländes - das Hüttenwerk wird nach seiner Schließung für Dutzende unterschiedlicher Aktivitäten genutzt, ist also keineswegs verwaist. Neben den beiden Konzerthallen gibt es einen Hochseilparkours, Klettermöglichkeiten sowie ein Indoor-Tauchbecken im ehemaligen Gasometer. All das funktioniert aber integriert in die verlassenen Werkshallen, in und zwischen denen sich auch schon reichlich Vegetation befindet. Das Ganze hat also einen "lost places"-Touch, gleichzeitig hat man sich hier aber große Mühe gegeben, bei wenig optischen Veränderungen und unter Bewahrung des "verwilderten" Eindrucks den Besuchern möglichst viel anzubieten. Mit Erfolg.


Insofern ergibt es auch Sinn, dass, für uns ungewohnt, der Bereich des Festivals mit den Fressständen sowie eine Zusatzbühne für lokale Musikacts kostenlos für alle Besucher zugänglich waren - lediglich für den Zutritt zu den drei "richtigen" Auftrittsorten musste man sein Bändchen vorzeigen.


Unser Freitagabend begann dann in der Gebläsehalle, die sich als wunderschöner Raum mit Industriecharme entpuppte, der sogar jede Menge, nach hinten aufsteigende Sitzplätze bot. Bequemer geht Festival wohl nicht. Der Quasi-Eröffnungsact war der Knappenchor Rheinland. Mein Freund hatte mir vorab erzählt, dass sonst ein anderer Chor das Festival eröffnet hätte, dass dieser aber wegen des hohen Alters seiner Mitglieder habe aufgeben müssen (das stimmt auch, es handelt sich um den Knappenchor Homberg). Um so erstaunter war ich, dass auch auf der 2018er Bühne sicher kein Chormitglied unter 75 Jahren war, einige taten sich mit dem Gehen auch schon sichtlich schwer. Kein Wunder: Der Knappenchor Rheinland aus Moers ist nun der letzte seiner Art und wurde auch schon 1932 gegründet.


Die 28 Chormitglieder trugen schwarze Anzüge und für uns seltsam anmutende Hüte mit grünen Puscheln. Die Lieder drehten sich alle ums Bergmannleben und wir hörten das eine oder andere "Glückauf". Als quasi dramaturgischen Höhepunkt bekamen die meisten Chorsänger zum vorletzten Lied Schnapsgläser, die sie dann an der richtigen Liedstelle synchron austranken, beim letzten Lied wurde ebenfalls choreographiert zum Abschied gewunken. Mir ist das Konzept Männerchor natürlich fremd, und die Arbeiterkultur des Ruhrgebiets ebenso, aber es war zumindest schön, dieses Stück Original-Ruhrpottgeschichte mit bei dem Festival zu haben. Zur Belohnung gab es dann auch stehende Ovationen des Publikums.


Wir blieben anschließend einfach sitzen und warteten auf den nächsten Act, Lilly Among Clouds. Die junge Niederbayerin (in ihrem Heimatort Straubing hätte ich einst beinahe mein Lehramtsreferendariat absolviert) heißt eigentlich Elisabeth Brüchner, und der musikalische Erfolg ist ihr noch relativ neu - was man an ihrer generellen positiven Aufgeregtheit merkte. Mehrfach bedankte sie sich beim Publikum fürs Kommen und fürs Zuhören, und bei den Festival-Organisatoren für die Einladung.

Letztes Jahr veröffentlichte sie ihr erstes Album "Aerial Perspective", von dem auch alle bis auf drei der in Duisburg gespielten Lieder stammten. Begleitet wurde Lilly dabei von einer dreiköpfigen Band, die genauso jung wirkte wie die Sängerin.

Die Musik und der dramatische Gesang erinnerte mich mal an Kate Bush, mal an Florence and the Machine, die Festivalzeitung zog dagegen Parallelen zu Lana del Rey - allesamt keine schlechten Bezugsgrößen, auch wenn ich die letzte nicht ganz nachvollziehen kann.


Bei "Listen to your Mama" wurde das Publikum gebeten, aufzustehen und einen Teil des "Oh oh" Refrains zu singen. Gut, dass Lilly gleich den Druck aus der Sache nahm, indem sie erklärte, sie könne uns wegen der Scheinwerfer sowieso nicht sehen. Mitgemacht wurde aber trotzdem eifrig, sogar im Stehen.

Witzig war übrigens, dass die Setliste, auf die wir im Anschluss des Sets eine Blick erhaschen konnten, aus der Zukunft zu stammen schien - sie war mit "Umsonst & Draußen" beschriftet,  dem Festival-Auftrittsort des nächsten Tages.

Setliste:

Mother Mother
Long Distance Relationship
Well, I Could
Boys
Like A Bombshell
Surprise, Surprise
Your Hands Are Like Home
Listen To Your Mama
Blood & History


Anschließend wandelten wir zur einzigen Freilichtbühne, dem sogenannten Cowperplatz, auf dem beinahe sofort das Set von Gisbert zu Knyphausen begann. Den Singer/Songwriter hatten wir zuletzt beim A Summer's Tale Festival als Mitglied der Liveband von Olli Schulz gesehen, damals mit Krücken und einem Gipsbein. Mittlerweile geht es ihm offensichtlich wieder gut.

Bei Gisbert zu Knyphausens Musik denke ich meist, das sie mir besser gefallen sollte, als sie das letztendlich tut. Stets nehme ich mir vor, mehr auf die zweifellos tiefsinnigen Texte zu achten, und doch ziehen sie letztlich an mir vorbei... was sicherlich auch damit zu tun hat, dass der Sänger nicht viel von der übrlichen Liedstruktur mit Strophen und Refrain zu halten scheint.


Zu Knyphausen war mit voller Band inklusive Bläsern erschienen. Gesagt wurde während des gut besuchten Auftritts wenig, denn man war sich des recht kurz angesetzten Slots bewusst, den man mit möglichst vielen Liedern füllen wollte. Fünf der insgesamt zwölf gespielten Songs kamen vom aktuellen Album "Das Licht dieser Welt", dessen Cover auch im Hintergrund der Bühne auf Stoffbahnen zu sehen war. Weitere stammten von Gisberts ehemaliger Band, Kid Kopphausen.

Setliste:

Niemand
Unter dem hellblauen Himmel
Stadt Land Flucht
Das Leichteste der Welt (Kid Kopphausen song)
Dreh dich nicht um (Kid Kopphausen song)
Hier bin ich (Kid Kopphausen song)
Neues Jahr
Kräne
Das Licht dieser Welt
Etwas Besseres als den Tod finden wir überall
Erwischt
So seltsam durch die Nacht


Im Anschluss gingen wir erstmalig zur zweitgrößten Bühne in der Giesshalle - auch hier steigt der Zuschauerraum nach hinten an und gewährt so maximal 1500 Personen von überall gute Bühnensicht, allerdings gibt es keine Sitzplätze. Gerade hatten Parcels aus Australien ihr Set begonnen, deren funkige Klänge uns schnell davon überzeugten, dass nun ein guter Zeitpunkt für eine Essenspause war.


Frisch gestärkt ging es zurück zum Cowperplatz, wo die Bühne nun mit Spiegeln dekoriert war und  der schweizerische Sänger Faber seinen Auftritt begann. Mir war ehrlich gesagt nicht bewusst gewesen, dass es sich bei dem Künstler, den ich vorab gar nicht gekannt hatte, um den Tagesheadliner handelte - aber so war es, und nachdem Faber auch im nicht gerade kleinen Kölner Palladium auftritt, hatte ich seine Bekanntheit definitiv unterschätzt.

Entsprechend gut war der Platz nun gefüllt, und wir konnten eine etwas seltsam wirkende Einstimmungsübung der Musiker am Bühnenrand beobachten, bevor es richtig los ging. Gemeinsam mit seiner Band, der Goran Koč y Vocalist Orkestar Band, spielte der Sänger sehr balkanlastigen und tanzbaren Pop mit teils provokanten, mit rauchig-verlebter Stimme gesungenen Texten auf Hochdeutsch, Italienisch, Französisch und Schweizerdeutsch. Viele sangen mit. Zu "Amore" zog Faber sein Hemd aus und wälzte sich mit dem Gitarristen in einer homoerotischen Tanzeinlage auf der Bühne.


Dass das Ganze in seiner Schmissigkeit gut ankam, konnte ich verstehen, für mich war es dennoch eher nichts, zumal ich beim dritten Lied "Nichts" ständig an den "King Louie Song" aus dem Dschungelbuch denken musste - aus beiden Liedern könnte man problemlos ein Mashup machen. Nichts gegen das Dschungelbuch, aber das gibt es halt schon länger.

Wir verließen das Konzert, als das als solche angekündigte letzte Lied noch nicht beendet war, laut Berichterstattung des nächsten Tages folgte im Anschluss als Zugabe noch ein A Capella Song.

Setliste:

Wem du's heute kannst besorgen
Es könnte schöner sein
Nichts 
Ivana
In Paris brennen Autos
Es wird ganz gross
Amore 
Alles Gute
Lass mich nicht los
Tausendfrankenlang


"Unseren" Hauptact Slowdive hatten wir bereits kurz nach unserem Eintreffen auf dem Gelände zum ersten Mal gehört - wir konnten vom Food-Bereich aus problemlos den Soundcheck der Band akustisch verfolgen und hörten so bereits vorab Teile von "When the sun hits", "Star Roving" (das deutlich schneller klang als sonst), "Crazy for you" und "Sugar for the Pill".

Für den eigentlichen Auftritt in der Giesshalle ergatterten wir mühelos Stehplätze direkt vor der Bühne - die Halle  warzwar gut gefüllt, aber es herrschte keineswegs Gedrängel. Slowdive verfügen über eine recht feste Setliste, so dass wir für den Abend nicht mit großen Überraschungen rechneten - die Frage war höchstens, welche Lieder im Sinne eines Festivalslots gestrichen worden waren.


Letztlich hörten wir dann elf ältere und neue Songs, inklusive der Coverversion "Golden Hair" zum Schluss. Das nächste Mal werden wie Slowdive schon in vierzehn Tagen beim Jubiläumsspektakel von The Cure erleben - ob zu diesem Anlass die Coverversion vielleicht ausgetauscht wird? Zumindest beim kürzlichen, von Robert Smith kuratierten Meltdown Festival standen The Cure-Cover hoch im Kurs.

Mein Freund blieb übrigens bei seiner lieb gewonnenen Tradition, Neil Helstad vor dem Konzert irgendwo zu "treffen": Nach einem indischen Restaurant in London und einem Antiquitätenladen in Amsterdam war es hier allerdings der etwas weniger überraschende Backstagebereich, in den er Neil schlendern sah.


Wie immer wurde während des Konzertes so gut wie nicht gesprochen, dafür bestätigte sich der beim Soundcheck gewonnene Eindruck: Slowdive waren an diesem Tag besonders druckvoll unterwegs, vieles klang schneller und auch krachiger als sonst - was durchaus angenehm war (auch, wenn ich durchaus froh über meine Ohrenstöpsel war).

Bei so wenig verbaler Kommunikation flüchtet man sich leicht in Deutungen: Rachel trug ein Maxikleid, auf dem kleine Kakteen zu sehen waren, was mein Freund als subtile Einladung zum Cactusfestival verstand, das Mitte Juli in Brügge stattfindet und bei dem auch Slowdive spielen werden. Also muss ich ihm wohl schon wieder ein Festival ausreden...


Bis dahin können wir uns in jedem Fall auf den Auftritt in London freuen, denn dieses Konzert machte Lust auf eine baldige Widerholung.

Setliste:

Slomo
Catch The Breeze
Crazy For You
Star Roving
Souvlaki Space Station
No Longer Making Time
Alison
When The Sun Hits
Sugar For The Pill
Golden Hair (Syd Barrett Cover)