Neulich als Wiederholungstäterin: Best Kept Secret Festival 2017, Tag 3

U.

Und schon sind wir bei Tag 3 angelangt. Headliner des Tages waren Radiohead, und wir waren fest entschlossen, dieses Mal weiter vorne zu stehen als am Vorabend bei Arcade Fire, zumal man den ganzen Tag auf den Festivalgelände massenweise Radiohead-Shirts sah. Doch beginnen wir am Anfang:


Der musikalische Teil des wieder sehr heißen Tages begann für uns erst um 15 Uhr auf Bühne 2, wo wir eine alte Bekannte erwarteten: Aurora. Vorletztes Jahr hatten wir die Norwegerin als relativ Unbekannte beim Maifeld Derby gesehen. In der Zwischenzeit war sie die Interpretin eines John Lewis-Weihnachtswerbungssongs, und ihr Lied "Running with the Wolves" untermalte einen Vodafone-TV-Spot.

Nicht geändert hat sich der etwas unbeholfene, sehr ehrlich wirkende Charme der mittlerweile 20jährigen, die erzählte, das Gepäck ihrer Band sei auf dem Flug von Norwegen verloren gegangen und sie trete heute in ihrem Morgenrock auf. Zumindest die Morgenrock-Sache stimmte sicherlich nicht so ganz. Die Hitze im Zelt kommentierte sie mit einem Hinweis auf ihren "sweaty butt" und erklärte irgendwann als Reaktion auf das begeisterte Publikum: "It's much nicer to be up here with you down there!"


Wir hörten eine Ansammlung von Liedern von Auroras erstem Album, aber auch drei neue Songs: "Soft Universe", "In Bottles" und "Feeling I Can't Fight". Die Künstlerin redete dabei so viel, dass sie letztlich aus Zeitmangel das Publikum entscheiden ließ, ob der letzte Song "Conqueror" oder "Running with the Wolves" sein sollte - wir entschieden uns natürlich für letzteres. Das vorletzte Lied, "I Went Too Far", hatte sie vorher dem Publikum gewidmet.

Immer noch eine sehr sympathische, stimmgewaltige Sängerin, von der man sicher noch mehr hören wird.


Setliste:

Winter Bird
Soft Universe
In Boxes
Warrior
Little Boy in the Grass
Under Stars
Runaway
In Bottles
Under the Water
Feeling I Can't Fight
Lucky
I Went Too Far
Running with the Wolves


Nach kurzer Pause ging es an selber Stelle weiter mit Arab Strap. Diese Band kannte ich vorab überhaupt nicht, dabei besteht das Duo aus Aidan Moffat und Malcolm Middleton bereits seit den 90er Jahren. Die beiden stammen aus dem schottischen Kaff Falkirk und machen Musik - wobei vieles eher Sprechgesang ist - die für Depressive eher nicht geeignet ist. Es geht in den Texten um gewalttätige Alkoholiker, verlorene Liebe, Drogenkonsum, mehr Alkohol... alles schwankt zwischen Alltagsbeschreibung und echter Verzweiflung, erscheint aber extrem authentisch.

Die Band trennte sich 2006, ist nun aber wieder zusammen und feierte 2016 ihr 20jähriges Jubiläum - dabei werden also die zehn Jahre Trennung mit eingerechnet. Beim Auftritt wurde man durch vier Musiker unterstützt, die Schlagzeug, Gitarre, Geige und Keyboard spielten.


Dadurch, dass die Band nicht nur als Duo angereist war, vergrößerten sich die musikalischen Möglichkeiten. Zwischendurch wurde die Musik stark gitarrenlastig und erinnerte zeitweise an die schottischen Kollegen von Mogwai. Andere Songs wurden durch elektronische Beats regelrecht tanzbar.

Aiden Moffat hatte zu Beginn des Konzerts, das übrigens mit einer Dudelsack-Einspielung begann, 5 Dosen Bier mitgebracht, die er mühelos nach und nach leerte, er ging sogar während eines Instrumentalteils weg und holte sich Nachschub.


Gesprochen wurde ansonsten nicht allzuviel. "Blood" wurde angekündigt als "sad song about being a dick". Bei "The Shy Retirer" bemerkte Moffat, dass sein Mikrophonkabel ja wirklich extrem lang sei und machte daraufhin Ausflüge an beide äußerste Enden der Bühne. Das Set wurde beendet durch die erste Single des Duos, "The First Big Weekend", wobei die Zeile "I thought she had been quite pretty until last night when Matthew informed me that she had, in fact, been a pig" mittlerweile in "... she had, in fact, been supermodel material" geändert worden ist. Der gesungene Refrain "went out for the weekend, it lasted for ever, high with our friends it's officially summer" war die einzige Stelle des Konzert, bei der Malcolm Middleton sang.

Setliste:

Stink
Fucking Little Bastards
Girls of Summer
Rocket, Take Your Turn
Don't Ask Me To Dance
Here We Go
Blood
New Birds
Speed-Date
The Shy Retirer
The First Big Weekend

Anschließend war es so heiß, dass wir unser Bandprogramm weiter reduzierten und uns stattdessen einen Rastplatz im Schatten suchten - was angesichts deren Begehrtheit erstaunlich lange dauerte.


James Blake, also seine Musik, kann ich eigentlich nicht besonders gut leiden. Zu viel Gefrickel und Wiederholung. Nach der Erfahrung des Vorabends beschlossen wir dennoch, nicht nur das direkt vor Radiohead auf derselben Bühne stattfindende Konzert zu besuchen, sondern auch, selbst für dieses extra früh da zu sein. Das klappte auch insofern, als wir es dieses Mal vor den ersten Wellenbrecher und in vernünftige Nähe zur Bühne schafften. Allerdings bedeutete es auch, dass wir buchstäblich stundenlang herumstehen mussten - um etwa 19:30 Uhr begannen wir, auf Herrn Blake zu warten, ab 19:50 Uhr trat er auf, spielte für eine Dreiviertelstunde und für 22 Uhr bis 0:30 waren dann Radiohead angesetzt. Fünf Stunden eingequetscht herumstehen erschienen als hoher Preis für eine gute Sicht auf Radiohead, aber nun gut.

Mit uns waren sicher auch viele andere bei James Blake, ohne ihn tatsächlich sehen zu wollen. Als ich das gegenüber meinem Freund anmerkte - und dass er einem ein bisschen leid tun müsste - meinte dieser nur, dass James Blake der aktuelle Support Act von Radiohead ist und diese Situation folglich kennen müsste.


James Blake betrat die Bühne dann zunächst allein und begann, "Vincent" am Klavier zu singen. Erst etwas später gesellten sich ein Schlagzeuger und ein Keyboarder zu ihm. Es zeigte sich schnell, dass wohl doch etliche Blake-Fans im Publikum waren, denn es war geradezu beeindruckend still - und wer doch redete, wurde von seiner Umgebung zurecht gewiesen.

Gleich als zweites Lied kam zur allgemeinen Begeisterung Blakes wohl bekanntester Song, das Feist-Cover "Limit to Your Love".  Es war eine von insgesamt drei Coverversionen im Set, das übrigens die angesetzte Stunde Zeit nicht ausnutzte, sondern nur 45 Minuten dauerte. Zusätzlich spielte Blake mit "Loath To Roam" auch einen neuen Song.


Die mitgebrachten Musiker hatten häufiger sichtbar nichts zu tun, dafür hatte Blake große Fereude am Stimmverzerrer und setzte diesen verschwenderisch ein. Warum eigentlich? Der durchaus vorhandene Enthusiasmus des Publikums konnte mich also nicht mitreißen. Ich finde die Musik weiterhin langweilig und fand nicht einmal, dass sie die Wartezeit auf Radiohead verkürzte. Beinahe erleichtert war man, wenn gelegentlich ein Lied mit Beat kam und somit zumindest ein wenig aus dem Einheitsbrei herausstach.

Setliste:

Vincent (Don McLean cover)
Limit to Your Love (Feist cover)
Timeless
Lindisfarne I
Lindisfarne II
Life Round Here
Voyeur
Retrograde
A Case of You (Joni Mitchell cover)
Loath To Roam
Modern Soul


Dieses Jahr feiert "OK Computer", Radioheads letztes für mich zugängliches Album, sein 20jähriges Jubiläum. Deshalb bestand die begründete Hoffnung, dass die Band die Platte bei der Zusammenstellung der Setliste besonders berücksichtigen würde. Immerhin erschien letzte Woche eine neue Version des Albums mit drei bislang unveröffentlichten Songs, also wäre es auch aus kommerzieller Sicht sinnvoll, entweder diese oder viele der alten zu spielen, quasi als Werbung.


Nun sind die musikalischen Entscheidungen bei Radiohead selten von kommerziellen Überlegungen geprägt, und so wurde die Setliste dann auch genauso zusammengestellt, wie es Thom York und seine Kollegen an diesem Abend für richtig hielten - und "OK Computer" spielte hier nur eine untergeordnete Rolle. Nachdem das Set ein so dermaßen langes Zeitfenster bekommen hatte, konnte man lange auf den Oldie-Block hoffen, der nun bestimmt bald anfangen würde, aber dem war nicht so: Während die neueren Alben "A Moon Shaped Pool" und "In Rainbows" mit je 5 Titeln bedacht wurden, schaffte "OK Computer" es auf vier Lieder, darunter mit "Paranoid Android" nur eine der Singles - und mein anderes Lieblingsalbum "The Bends" auf eines.


Der Kontrast zu Arcade Fire am Vorabend hätte kaum größer sein können. Die eine Band biedert sich durch massenweise Hits und Mitsing-Aufforderungen geradezu beim Publikum an, die andere spielt eben das, wonach ihr ist, und wer mag, kann gerne dabei zusehen. Hier ein Schlagzeuger, der Bühnenaufbauten erklimmt, dort eine dreiköpfige Rhythmusgruppe, die dezent im Hintergrund bleibt - wie fast alle bei Radiohead, auch Thom Yorke selbst sagte so gut wie nichts.

Die tolle Setliste mit vielen "OK Computer"-Liedern gab es dann übrigens doch noch, allerdings eine Woche später beim Glastonbury-Festival - wo sogar der erste Hit "Creep" Eingang in die Songauswahl fand.


Als Missverständnis entpuppte sich die angesetzte Spielzeit von zweieinhalb Stunden. Die Band war kurz nach 12 bereits mit ihrer zweiten Zugabe fertig, zog sich zurück... und das war's. Während viele im Publikum dachten, noch eine halbe Stunde Radiohead vor sich zu haben, begann auf der Bühne der Abbau. Dabei konnte man wahrlich nicht behaupten, dass die Headliner zu kurz aufgetreten wären sie hatten zu diesem Zeitpunkt 24 Songs und etwas über zwei Stunden gespielt. Nur hatte der Zeitplan eben Erwartungen ausgelöst, die dann nicht erfüllt werden konnten.

Bei all der Meckerei muss gesagt werden, dass ich mich gefreut habe, Thom Yorke & Co. einmal aus relativer Nähe zu sehen, was mir zuletzt 1994 gelungen war (damals hat er sich auch nicht geziert, "Creep" zu spielen, hehe). Die Videoleinwände haben den Tausenden, die hinter uns standen, leider wenig geholfen, denn mindestens sechs Kamerabilder wurden Collagen-artig übereinander gelegt und geblendet.


Und abgesehen von den nicht erfüllten "OK Computer"-Hoffnungen gab es auch rein gar nichts Negatives zu dem Auftritt zu sagen. Thom Yorke verharrte bei "Myxomatosis" nicht apathisch wie ein an Myxomatose erkranktes Kaninchen sondern hüpfte wie ein kerngesundes umher, was er bei "Idioteque" mit gelöstem Pferdeschwanz noch steigern sollte. Jonny Greenwood präsentierte sich bei nahezu jedem Song an einem anderen Instrument und hatte offensichtlich am meisten Spaß, wenn er mit Gitarre losrocken durfte ("Bodysnatchers", "Paranoid Android"). Beide zusammen prägten eine bewegende Version von "Pyramid Song": Yorke am Klavier, Greenwood an Gitarre mit Geigenbogen. Ed O'Brien sang recht häufig mit und ergänzte gemeinsam mit Jonny Greenwood die Trommel-Fraktion beim abschließenden "There There".

Fans durften sich über die selten gespielten "Climbing Up the Walls" und "Separator" freuen, alle anderen bejubelten besonders stark den Großteil der nur acht gespielten Singles (u.a. "All I Need", "Pyramid Song" oder "Street Spirit (Fade Out)") während die Band spontan die Songauswahl variierte und am Ende "Lotus Flower" statt "You And Whose Army?" spielte.


Fazit: Unsere Hoffnungen bezüglich des Radiohead-Auftritts wurden nicht erfüllt, mit der Realität konnte man aber auch gut leben.


Setliste:

Daydreaming
Desert Island Disk
Ful Stop
15 Step
Myxomatosis
Climbing Up the Walls
All I Need
Pyramid Song
Everything in Its Right Place
Bloom
Identikit
Idioteque
The Gloaming
The Numbers
Exit Music (for a Film)
Bodysnatchers
Street Spirit (Fade Out)

Nude
Let Down
Separator
Paranoid Android
Reckoner

Lotus Flower
There There





Sendeschluss: Pete Fij / Terry Bickers - Love's Going To Get You

U.

Peter Fij und Terry Bickers sind wieder da! Wie schon beim ersten Album gab es auch fürs zweite eine Crowdfunding-Kampagne, an der mein Haushalt natürlich teilgenommen hat. Das neue Album heißt "We Are Millionaires" und erscheint am 21. Juli.

Fürs Video zur neuen Single war wohl wenig Geld übrig (am Ende sind Fij und Bickers gar keine Millionäre!), denn es spielt ausschließlich in einem Badezimmer. Ist aber doch egal, denn der Song klingt wieder fein.

Neulich als Wiederholungstäterin: Best Kept Secret Festival 2017, Tag 2

U.

Relativ ausgeruht, den Headliner des Vorabends hatten wir uns ja einfach gespart, erschienen wir am Samstag erneut auf dem Festivalgelände. Ein heißer Tag kündigte sich an, und während wir uns im vergangenen Jahr über Matsch beklagt hatten, war der Wiesenboden und der Seestrand an den Stellen, wo er durch die vielen Festivalbesucher abgetragen wurde, so staubig, dass er permanent aufgewirbelt wurde. So bekamen Kleidung und Haut im Laufe des Tages eine feine Staubschicht - auch die Innenseite meiner Nase.

Der Samstag stand für uns unter dem Motto zeitlicher Überschneidungen: Viele der von meinem Freund vorgemerkten Bands spielten parallel oder mit so geringem zeitlichen Abstand, dass es nicht sinnvoll erschien, ständig von Bühne zu Bühne zu hetzen. Also strichen wir die Bandliste kurzerhand ein wenig zusammen. Bei Band Nummer 1 hatten wir uns zudem bezüglich des Zeitplans vertan, so dass wir erst zum letzten Lied eintrafen. Die Sängerin Wildes klang ziemlich genau wie Daughter, was nur einen von uns erfreute.


Unser erster „richtiger“ Auftritt war dann anschließend von The Courtneys. Das Trio wirkte unglaublich hip und muss somit einfach aus Brooklyn stammen - stimmt aber nicht, die Band wohnt in Vancouver. Ungewöhnlich bei der Band ist, dass die Schlagzeugerin Jen Twynn Payne auch gleichzeitig die Hauptsängerin darstellt. Die Kommunikation mit dem Publikum übernahm dagegen weitestgehend Bassistin Sydney Koke.

Der Auftritt auf Bühne 3 war für 13 Uhr angesetzt gewesen, und die Band drückte mehrfach ihre Freude darüber aus, dass das Zelt um diese Uhrzeit relativ voll geworden war. Musikalisch setzte man auf geradlinige, einfache Songstrukturen – die Courtneys mögen sicher die Ramones. Der Gesang von Payne konnte mich dabei leider nicht wirklich überzeugen, auch ihr Schlagzeugspiel wirkte etwas simpel – wobei Letzteres natürlich eigentlich egal ist. Payne spielte übrigens in Socken Schlagzeug, und zog eine davon, wohl wegen der aufkommenden Hitze des Tages, im Laufe des Sets aus.


Ein wenig stolz war ich, als ich angesichts meines Alters bei der Ankündigung „The next song is about vampires“ sofort wusste, dass es sich wohl um „Lost Boys“ handeln musste, das ich bereits in älteren Setlisten erspäht hatte. Der längste Song war auch der beste des Konzerts.

Insgesamt ein netter Auftritt, der unterhaltsam war, aber auch keine große Wiedersehens-Sehnsucht auslöste.

Setliste:

Silver Velvet
Country Song
Minnesota
Lost Boys
Virgo
25
Social Anxiety
Manion
Tour
Frankie


Für uns ging es weiter zu Bühne 1, wo nun The Amazons auftreten sollten. Die Sonne erreichte am mittlerweile frühen Nachmittag gewaltige Stärke, was vor der schattenlosen Hauptbühne für die Zuschauer eine ziemliche Qual war.

Sänger Matt Thomson widmete „Raindrops“ Arcade Fire (dem Headliner des aktuellen Festival-Tags) und erklärte, die Kanadier seien seine Lieblingsband. Diese Aussage überraschte etwas, denn musikalische Gemeinsamkeiten ließen sich so gar nicht entdecken. Die Amazons sind eine klassische Rockband.

Diese Band mochte auch die dem Genre entsprechenden Gesten und Posen, so legte der Gitarrist auch erst seine Jeansjacke ab, als es hitzetechnisch sicher bereits unbedingt erforderlich war.


Gegen Ende des Sets stellte sich eine junge, rothaarige Frau neben uns und hielt ein Pappschild hoch Richtung Bühne. Die Botschaft richtete sich an den ebenfalls rothaarigen Sänger Thomson: „Will you take a ginger pic with me?“. Ob es zu dem Foto gekommen ist oder nicht, weiß ich nicht, aber die Bitte entlockte dem Frontmann zumindest ein Lächeln.


„Little Something“ war der beste gespielte Song, bei den darauf folgenden letzten beiden wurden dann auch die Mikrophone der anderen Bandmitglieder zum Mitsingen genutzt – vorher hatte man sich schon gefragt, warum sie überhaupt welche hatten.

Wie schon Sundara Karma am Vortag kommen die Amazons übrigens aus Reading – Thomson erklärte, in der Stadt sei nicht viel los, und man sei sehr froh, dass die Musik die Band bis hierher (also auf ein holländisches Festival) gebracht habe. Vielleicht sollten die Amazons und Sundara Karma Telefonnummern austauschen und in Reading gemeinsam im Pub über Rockmusik reden. Eventuell tun sie das ja auch bereits. Readings bekannteste Band, Ride, ist mir jedenfalls nach wie vor auch die liebste.

Setliste:

Stay With Me
Ultraviolet
Black Magic
Raindrops
Little Something
In My Mind
Junk Food Forever


Uns zog es anschließend zu Bühne 5, wo nun Honeyblood auftreten sollten (zu ihren Gunsten verzichteten wir auf den Auftritt Circa Waves) – eine weitere Band, die bereits einmal in meinem hochwichtigen Sendeschluss vorgestellt wurde. Auch die „Vorbereitungsmusik“, die ich von meinem Freund erhalten hatte, hatte mir gut gefallen.

Die Band ist ein Duo, das nur aus der Sängerin / Gitarristin Stina Tweedale sowie der Schlagzeugerin Cat Myers besteht. Die beiden stammen aus Glasgow, Myers ist erst seit dem 2. Album dabei und auch bereits die dritte Duopartnerin von Tweedale.


Stina Myers genießt ihre ungewöhnliche Rolle als weibliche Schlagzeugerin (und Mit-Sängerin) in einem Duo sichtlich. Sie drosch mit großem Enthusiasmus auf ihr Drumkit ein, redete mit dem Publikum und schaffte es auch nebenbei, beim Spielen für Fotografen zu posieren. Ohne große Schlagzeugkenntnisse würde ich auch behaupten, dass sie Jen Twynn Payne von den Courtneys das eine oder andere beibringen könnte.

Während Myers eine zerrissene Jeans trug, die beinahe schon von ihr abfiel, hatte Tweedale eine Streifenhose an, die, wenn man auf Facebook nachsieht, wohl eines ihrer aktuellen Lieblingskleidungsstücke ist.


Die beiden hatten bei ihrem Auftritt sichtlichen Spaß, stellten sich mehrfach vor (für den Fall, dass noch Zuschauer dazu gekommen waren oder das Zelt nur auf dem Weg zu den Toiletten durchquerten) und nahmen am Ende Selfies vor dem jubelnden Publikum auf.

Auch auf der Publikumsseite ließ man sich von so viel Enthusiasmus anstecken. Honeyblood machen Spaß, und Stina Tweedale kann wirklich gut singen.

Setliste:

Justine, Misery Queen
Choker
Love Is A Disease
Sister Wolf
Walking at Midnight
?
Sea Hearts
Babes Never Die
Super Rat
?
Killer Bangs


Wenig später sahen wir, ebenfalls auf Bühne 5 und ebenfalls bereits im Sendeschluss gesehen, Mitski. Parallel hätte man auch The Boxer Rebellion sehen können, aber wir mussten ja priorisieren. Rein launetechnisch hätte sich das Set der amerikanisch-japanischen Singer-Songwriterin kaum stärker von dem der Honeyblood-Kolleginnen unterscheiden können: Mitski war offensichtlich eine Laus über die Leber gelaufen. Definitiv unzufrieden war sie mit dem Sound: Sie begann, auf ihrer Gitarre zu spielen, hörte sofort wieder auf, sprach mit dem Soundmann, setzte wieder an, sprach wieder mit ihm… aber ändern ließ sich offenbar nicht viel.


Mit dabei hatte die Sängerin zwei Männer, die Bass und Schlagzeug bedienten. Ihre Lieder gefielen mir eigentlich ebenfalls sehr gut, nur war es schwer, Enthusiasmus zu entwickeln, wenn die Künstlerin selbst offenbar so gar keinen hatte. Erst beim Applaus zu ihrem "Hit" "Your Best American Girl" ließ sie sich ein Lächeln entlocken.

Wir sahen das Set dann auch nicht zu Ende, sondern liefen los, um uns gute Plätze beim nächsten Auftritt zu sichern.

Setliste:

Dan the Dancer
Francis Forever
I Don't Smoke
First Love / Late Spring
I Bet on Losing Dogs
Townie
Thursday Girl
Your Best American Girl
I Want You
...


Einmal mehr wanderten wir zum stets vollen Zelt der Bühne 2. Wir wollten extra früh dran sein, denn das Ganze sollte eine Art Probelauf für das Arcade Fire-Konzert sein. Mehr dazu später. Wir fanden dann auch einen guten Platz direkt vor der Bühne, in deren Hintergrund man das Cover des aktuellen Albums "Boy King" sehen konnte. Von diesem stammten dann auch sechs der zehn gespielten Lieder.


Hier traten nun die Wild Beasts auf. Die Band aus Nordengland macht laut Wikipedia Indie Pop, angesichts der Falsettstimme von Sänger Hayden Thorpe musste ich aber des öfteren an Discomusik denken. Seit ich einst ein Fernsehinterview mit Jimmy Somerville sah, weiß ich, dass eine hohe Singstimme nicht einer hohen Sprechstimme gleichzusetzen ist, so auch hier: Thorpe kann im übrigen auch tiefer singen, ansonsten steht ihm sein Kollege Ben Little zur Seite, der meist mit tieferer Stimme sang. "Ponytail" war hierbei ein richtiges Duett der beiden.


Auf der Bühne herrschten übrigens die 80er Jahre: Alles wurde eifrig umnebelt, und während Thorpe ein klassisches ordentliches Popper-Outfit trug, hatte Little einen schwarzen Trenchcoat mit hochgekrempelten Ärmeln an, in dem ihm sicher sehr warm war, den er aber erst gegen Ende ablegte. So 80er-mäßig sah kaum jemand in den 80ern aus...

Die tanzbaren Lieder der Band rissen das Publikum mit und bekamen viel Applaus, so dass Thorpe beim letzte Lied von der Bühne kam. Vorher hatte er am Ende von "Wanderlust" "Fuck Brexit" gesagt und damit eines der wenigen politischen Statements des Festivals abgegeben.


Setliste:

Big Cat
A Simple Beautiful Truth
We still got the taste dancing on our tongue
He the Colossus
Hooting & Howling 
Mecca
Ponytail
Wanderlust
Alpha Female
Get My Bang
All the King's Men
Celestial Creatures 


Als nächstes folgte ein Dilemma: Cigarettes After Sex waren eine der Bands, die wir mit am liebsten beim Festival hatten sehen wollen. Leider sah der Zeitplan aber vor, dass sie direkt vor dem Headliner des Tages Arcade Fire auftrat - und zwar auf einer anderen Bühne. Beide Auftritte zu sehen und bei Arcade Fire einen zumindest halbwegs guten Stehplatz zu ergattern, erschien unmöglich.

Zunächst war der Plan deshalb, Cigarettes After Sex ganz auszulassen (immerhin haben wir beim A Summer's Tale im August eine weitere Chance). Dann beschlossen wir aber doch, das Risiko einzugehen, und zumindest den halben Auftritt anzusehen. Deshalb hatten wir dieses System auch bei Mitski und den Wild Beasts getestet - erfolgreich.


Wenn wir schon früher weg mussten, wollten wir zumindest gut sehen, also warteten wir schon etwas früher ganz vorne im Zelt - wo eine Band auf der Bühne stand, bei der ich mir so gar nicht vorstellen konnte, dass ein Mitglied die androgyne Stimme von Cigarettes After Sex haben könnte. Es sah eher nach toughen Kerlen und Rock'n Roll aus. Aber tatsächlich: Der harte Kerl mit der Sonnenbrille begann, für den Soundcheck "Starry Eyes" zu singen und hatte diese ganz sanfte Stimme...


Wenig später ging der eigentliche Auftritt los. Obwohl sicherlich viele Besucher dasselbe Dilemma wie wir hatten, war das Zelt richtig voll - offenbar spricht dieses Musik viele an, was ja auch völlig verständlich ist. Anscheinend begründet sich der bisherige Erfolg der Musiker um Greg Gonzales hauptsächlich auf Empfehlungen von Youtube-Nutzern - ist doch schön, wenn das auch einmal jemand anderes als Justin Bieber schafft.

Wenn man neben den gefälligen, an Mazzy Star erinnernden Klängen auch einmal auf die Texte hört, drehen sich diese um teils erfüllte, teils unerfüllter Liebe, teils auch mit etwas plastischerer Wortwahl ("patron saint of sucking cock"). Eine Lightshow (nur weißes Licht von hinten) gab es genauso wenig wie eine Bühnenshow - die Musik sollte wohl für sich sprechen. Nach "Young & Dumb" mussten wir uns leider auf den Weg Richtung Hauptbühne machen, während hinter uns "John Wayne" anfing. Wir werden wohl nie erfahren, ob "Affection" und "Apocalypse" von unsere Setlisten-Wunschliste noch gespielt wurden.


Hoffentlich wird der Slot beim A Summer's Tale zeitlich günstiger liegen, denn das, was wir sahen, gefiel uns sehr gut.

Setliste:

Sweet
Each Time You Fall In Love
I'm a Firefighter
Sunsetz
K.
Dreaming of You
Young & Dumb
John Wayne
...


Als wir eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn vor der Hauptbühne ankamen, wurde klar, dass wir eigentlich genauso gut Cigarettes After Sex bis zum Ende hätten ansehen können: Die Massen waren bereits da. Wir quetschten uns zwischen den beiden Wellenbrechern ins Getümmel, aber wir kamen nicht so weit nach vorne, dass mit einer guten Bühnensicht zu rechnen war - meine Hoffnung auf eine solche starb dann endgültig, als einer der Wartenden vor uns, der zunächst auf dem Boden gesessen hatte, aufstand und gefühlt drei Meter groß war.

Arcade Fire konnte ich dann, als sie kurze Zeit später zu einer eingespielten langsamen Version von "Everything Now" die Bühne betraten, auch eher erahnen als tatsächlich sehen. Natürlich wurde das Konzert auch wieder von Kameras verfolgt und auf die LED-Wände an den Bühnenseiten übertragen - dort sah man aber eher Nahaufnahmen. Nachdem Arcade Fire insgesamt zu acht auf der Bühne standen, hätte ich schon sehr gerne einen Überblick über das große Ganze gehabt, aber da war eben nichts zu machen. Mist.


Die kanadische Band ist grundsätzlich sicherlich eine, auf die sich Menschen mit unterschiedlichen Musikgeschmäckern einigen können: Einerseits sind die Lieder komplex genug, um beispielsweise einen David Bowie zum Fan zu machen, andererseits sind sie Gassenhauer, die man leicht mitsingen oder gar -grölen kann. Ich kenne die Band seit der tollen Serie Six Feet Under, in deren Soundtrack mehrmals ihre Lieder verwendet wurden.

Speziell der Gassenhauer-Aspekt scheint den Musikern durchaus wichtig zu sein, denn sie animierten viel zum Mitklatschen und Mitsingen, was vom Publikum auch freudig aufgegriffen wurde, gerade auch bei den ersten Liedern ("Wake Up", "Everything Now"). Bei den ersten fünf Liedern fühlte man sich wie im Fußballstadion oder auch wie bei einem Konzert der Hermes House Band. Ab "Windowsill" begann dann ein etwas ruhigerer Teil, wobei wir für "Neon Bible" aufgefordert wurden, die leuchtenden Handys in die Luft zu halten.


Arcade Fire haben eine interessante Methode, sich als Band zu präsentieren: Die Mitglieder kleiden sich zwar alle individuell, aber alle tragen "gebrandete" Kleidungsstücke, auf denen der Bandname zu sehen ist. Es sieht aus, als würden sie Werbung für ihre riesige Fankollektion machen. Im Hintergrund der Bühne konnte man vereinzelt Videoanimationen sehen, etwa bei "Everything Now" oder auch "Neon Bible", das geschah aber eher selten.


Wie gesagt, meine Sicht auf die Bühne war durchaus verbesserungswürdig, und so konnte ich nur auf den Videoleinwänden verfolgen, dass es offenbar öfter Instrumentewechsel gab. Bei zwei Liedern, "Haïti" und "Sprawl II (Mountains Beyond Mountains) übernahm Régine Chassagne die Rolle der Frontfrau. Win Butler kletterte mehrmals auf die Monitorboxen, war damit aber bei weitem nicht der größte Kletterer in seiner Band: Zu "Rebellion (Lies)" stieg der Schlagzeuger Jeremy Gara hoch auf ein seitliches Bühnengerüst hinauf und konnte dabei noch trommeln.

Nach dem Ende des offiziellen Auftritts bekamen wir noch zwei Zugaben, was damit endete, dass Arcade Fire an diesem Abend insgesamt 20 Lieder spielten - und damit mehr als am Vorabend in Köln, als sie ein "echtes" Konzert gegeben hatten. Neben "Everything Now" stammten auch "Creature Comfort" und "Signs of Life" vom neuen, noch unveröffentlichten Album. Mein eigenes Konzerterlebnis wurde durch die Situation der arg eingeschränkten Sicht auf die Bühne doch ziemlich geschmälert, was auch die hochmotivierte Band nicht ganz wettmachen konnte. Wir merken uns also: Bei Konzerten mit viel Zuschauerandrang unbedingt früh da sein.


Setliste:

Wake Up
Everything Now
Haïti
Here Comes the Night Time
No Cars Go
Windowsill
Neon Bible
The Suburbs
The Suburbs (Continued)
Ready to Start
Neighborhood #1 (Tunnels)
Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)
Reflektor
Afterlife
Signs of Life
We Exist
Creature Comfort

Neighborhood #3 (Power Out)
Rebellion (Lies)

Intervention

Neulich als Wiederholungstäterin: Best Kept Secret Festival 2017, Tag 1

U.

Unser Festivaleinstieg am Freitag war das Konzert der niederländischen Sängerin Amber Arcades. Die Singer/Songwriterin aus Utrecht befolgte den ungeschriebenen Dresscode des Festival-Freitags, indem sie komplett in weiß gekleidet erschien. Mit ihrem weißen Anzug, dessen Hose einen gewaltigen Schlag aufwies, wirkte sie dank ihres blassen Teints und der hellblonden Haare quasi einfarbig. Nur ihre roten Lippen stachen heraus.


Ihre vierköpfige Begleitband trug als Kontrast schwarz. Amber Arcades Musik klang live deutlich rockiger und auch einprägsamer als auf Platte - die Sängerin hat bislang ein Album und eine EP veröffentlicht. Am untypischsten waren jedoch die beiden abschließenden Songs: Für das vorletzte Lied "Can’t say that we tried" packte der Gitarrist sein Instrument weg und bediente stattdessen ein elektronisches Gerät mit Knöpfchen. Das letzte Lied klang war von einem elektronischen Beat unterlegt.


Setliste:

A Constant’s Dream
Right Now
Come with me
This time
Fading Lines
I will follow
?
It changes
Can’t say that we tried
Turning Light


Weiter ging der Festival-Freitag mit unserem ersten Besuch an der Hauptbühne bei Sundara Karma. Der Guardian vergleicht das Quartett aus Reading mit U2 und Arcade Fire, beide Bands konnte ich nicht heraushören. Schon vor unserem Besuch bei Amber Arcades hatten wir einen Blick auf die Band erhaschen können. Ein niederländischer Radiosender veranstaltete nämlich neben der Zeltbühne in einem Minizelt Mini-Akustikauftritte einiger Bands des Festivals. Obwohl unsere Sicht schlecht gewesen war, hatte sich mir das grellgrüne Hemd von Gitarrist Ally Baty gleich eingeprägt.


Nun, da die Band auf der Bühne stand, konnte man erkennen, dass diese offenbar ein optisches Konzept hat: Alle Mitglieder hatten schulterlange Haare und trugen Kleidung, die nach Second Hand Shop aussah - und zwar, als hätte sie einen Kilopreis gehabt. Bassist Dom Cordell trug das möglicherweise hässlichste Hemd, das ich je gesehen habe, seine Rentnerhose war zu kurz. Sänger Oscar Pollock schien auf den ersten Blick einen Nadelstreifenanzug zu tragen, aber auf den zweiten bemerkte man, dass Ober- und Unterteil nicht zusammenpassten. Und auch das bereits vorab gesichtete grüne Hemd beeindruckte nicht wegen seiner Schönheit.


Die Musiker waren zu Beginn ihres Auftritts zurecht unzufrieden mit dem Sound, der dann im Laufe des Sets zum Glück wesentlich besser wurde. Im Wesentlichen spielte die Band Lieder von ihrem einzigen Album "Youth is Only Ever Fun in Retrospect", lediglich "Lakhey" wurde als neuer Song angekündigt, Sänger Oscar erprobte sich dabei an einer Falsettstimme.

Man merkt es schon: Obwohl an ihrem Auftritt nichts auszusetzen war, konnten mich Sundara Karma nicht wirklich packen. Die besten Songs waren noch "Olympia" und "Flame". Letzteres wurde glücklicherweise in einer anderen Version vorgetragen als in der Radiosession vorab. Diese war recht monoton gewesen.


Setliste:

Loveblood
Olympia
Watching from Great Heights
Lose the Feeling
Flame
Lakhey
She Said
Deep Relief
The Night
Happy Family
Explore 


Anschließend begaben wir uns schleunigst zurück zu Bühne 2 im Zelt, aber hier zeigte sich ein Problem, das wir bereits im Vorjahr gehabt hatten: Das Zelt ist zu klein, so dass man, wenn eine Band viele Zuschauer anzieht, lange vor deren Auftritt anwesend sein muss, wenn man einen halbwegs vernünftigen Stehplatz ergattern möchte. Ansonsten sieht man eben wenig bis nichts. Bei Real Estate, die ich neulich erst im Sendeschluss hatte, waren wir zu spät dran und hielten es dann auch nicht lange aus.

Die Band klingt so, als wären Teenage Fanclub nicht aus dem verregneten Glasgow sondern dem sonnigen Kalifornien - und hätten weniger Hits.

Setliste (laut Internet):

Stained Glass
Younger Than Yesterday
White Light
Crime
Saturday
Serve the Song
Green Aisles
Talking Backwards
After the Moon
Two Arrows


Wir gingen in Ruhe zurück zur Hauptbühne, wo als nächstes Agnes Obel auftrat. Ich kannte die in Berlin lebende Dänin vorab nur vom Hörensagen. Sie erschien mit drei anderen Frauen, von denen gleich zwei Cello spielten. Eine weitere saß am Keyboard, während eine der Cellistinnen auch eine Autoharp dabei hatte und die Schlagzeugerin zusätzlich Dulcimer und Omnichord spielte.

Wie viele der Musiker des ersten Festivaltags trug die Band weiß, Frau Obel selbst dagegen hatte ein rosa Kleid an und trug darüber noch eine rote Jacke. Alle Musikerinnen hatten Glitterstreifen im Gesicht und passten somit perfekt zum ebenfalls vielfach so geschminkten Publikum - ob es sich um Fans handelte, die sich gezielt mit Glitter bestreut hatten, oder einfach Zufall war, werden wir nie erfahren.


Die getragene, cellolastige Musik von Frau Obel gefiel mir sehr gut. Sie selbst kündigte "Stone" als ein Lied an, das eigentlich nicht für Festivals geeignet, da viel zu ruhig sei, aber eigentlich traf diese Aussage auf das gesamte Set zu - machte aber nichts, da sowohl das andächtige Publikum als auch das Festivalgelände ruhig waren.

Zu "Golden Green" warf eine der Musikerinnen als Percussioninstrument einen Ring aus Holzstückchen rhythmisch in die Luft und fing ihn wieder auf. Bei "Stone" kam eine Ukulele zum Einsatz.


Die Hauptbühne verfügte über zwei große LED-Wände an beiden Seiten. Die Kameras, die für diese das Konzert filmten, taten das im Fall von Agnes Obel durch eine Art Plastikprisma, so dass die Bilder kaleidoskopartig wirkten - ein wenig wie das Cover von Obels aktuellem Album "Citizen of Glass".

Dieses Konzert war in meinen Augen das beste des Tages.


Setliste:

?
It's Happening Again
Golden Green
Trojan Horses
Unknown (Piano Instrumental)
The Curse
Stone
Stretch Your Eyes
September Song
Riverside
On Powdered Ground


Nach einer verdienten Pommes-Pause kehrten wir wieder zur Hauptbühne zurück, wo als nächstes Metronomy auftreten sollten - deren Musik mir in der Vorbereitungs-Playliste so gar nicht gefallen hatte. Die englische Band um Joseph Mount hatte ebenfalls das "weiße Kleidung"-Memo erhalten, nur Bassist Olugbenga Adelekan hielt sich nicht ganz an den Dresscode.


Die Bühnengestaltung erinnerte etwas an den Auftritt von Air, den wir im Vorjahr an selber Stelle gesehen hatten - die Bühne war in weiß gehalten, die beiden Keyboarder und die Schlagzeugerin hatten Stationen im Hintergrund, wobei die Keyboards auf kuriose Weise übereinander arrangiert waren - je eines waagerecht oben und das andere hochkant weiter unten. Die Keyboarder schienen direkt aus den 80er Jahren angereist zu sein - der eine mit einem schwarzen Handtuch um die Schultern, der andere mit halblanger Popperfrisur und Blazer.


Vor den drei Musikern befand sich Bandchef und Sänger Joseph Mount sowie Olugbenga Adelekan. Das nun gespielte Set wirkte etwas steril und durchgeplant, die Lieder gingen teilweise ineinander über. Mount spielte neben seinem Gesang abwechselnd Gitarre, Klangholz und auch Bongos. Zu "Everything Goes My Way" durfte Schlagzeugerin Anna Prior nach vorne kommen und einen Großteil des Liedes singen, während Mount so lange das Schlagzeug übernahm.


Im Vergleich zu Air schien diese Band ganz klar ihren Auftritt zu genießen, mich konnte er dennoch nicht wirklich fesseln. Andere waren da deutlich begeisterter, sangen mit und tanzten. Am besten kam "Love Letters" beim Publikum an.

Setliste:

Back Together
Miami Logic
Old Skool
The Bay
16 Beat
I'm Aquarius
My Heart Rate Rapid
Mick Slow
Love Letters
Hang Me Out To Dry
Lately
Night Owl
Everything Goes My Way
The Look
Reservoir


Eigentlich waren wir schon auf dem Weg zum Auto, als wir noch kurz bei Bühne 3 und Jenny Hval vorbei schauten. Im Zelt herrschte ein reges Kommen und Gehen, und schon bald wurde auch klar, warum. An Stelle eines Konzerts wurde hier eher Performancekunst geboten. Jenny trug ein kurzes Samtkleid sowie eine schwarze Perücke, ihre Band (zwei Frauen, ein Mann) hatte sie exakt genauso ausstaffiert. Sie entlockten diversen Elektromusikinstrumenten Töne, kurioserweise war auch eine Tuba mit von der Partie.


Um Musik ging es aber, zumindest, so lange wir dabei waren, eher weniger. Es gab eine Bühnendeko aus seltsamen Stoffwürsten, die wie Geschwüre wirkten. Eine solche Wurst hängte sich Jenny um, andere wurden von einer Kollegin zerrissen, anschließend lief sie umher und schnitt von den Perücken ihrer Kollegen Strähnen ab. Alles wurde auf der Bühne mit einem Handy mitgefilmt. Jenny nahm ihre Perücke ab - in echt ist sie blass und blond, was wiederum zum Tagesmotto passte - und schien, während sie einen Text vorlas, in dem unter anderem "Cry cry cry" vorkam, zu weinen.


Setliste (laut Internet):

Ritual Awakening
Secret Touch
Lorna
Female Vampire
In the Red
The Great Undressing
The Plague
Conceptual Romance

So viel Dramatik innerhalb eines einzigen "Songs" war dann doch ein bisschen viel Kunst auf einmal. Wir beschlossen, Tag 1 ad acta zu legen und begaben uns in unsere Unterkunft. Nachdem wir uns am ersten Festivaltag offen für Dreampop, Indierock, Jangle Pop, Kammerpop, Nu-disco und Klangexperimente gezeigt hatten, schenkten wir uns mit dem Hauptact Run The Jewels auch noch einen Ausflug in Hip Hop-Gefilde.

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