Mittlerweile habe ich mir auch die noch verbleibenden Pilotfolgen aus dem ZDFneo TVlab angesehen. Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäu...

Willkommen beim Wunschfilm (2)

Mittlerweile habe ich mir auch die noch verbleibenden Pilotfolgen aus dem ZDFneo TVlab angesehen. Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin: Vier der fünf heute zu besprechenden Kandidaten lagen auf den vordersten Plätzen, da hätte ich eigentlich ein bisschen mehr erwartet. Aber ich nörgele ja auch sehr gerne!


Da hätten wir zunächst Bambule, aktuell im Ranking immerhin auf Rang zwei. Sarah Kuttner beschäftigt sich mit Themen, die sie selbst interessant findet. In der Pilotfolge, oder wer weiß, vielleicht auch in jeder, lautet das Hauptthema: Wieso ist die aktuelle Generation der 30- bis 40jährigen so unentschlossen, was das eigene Leben betrifft? Zu diesem Thema führt Sarah einige Interviews mit Betroffenen und Experten, interviewt aber nebenbei auch einen Rapper und forscht zum Thema Kartoffeln im Glas, zusätzlich präsentiert eine Kollegin eine Reportage, wieso Politiker immer so müde sind und welche Auswirkungen das hat. Ich habe nichts gegen Frau Kuttner, und ich hätte erwartet, dass mir ihre Sendung gefällt. Stattdessen fand ich alles unglaublich beliebig und uninteressant. Die Beiträge waren teils extrem aufwändig produziert, aber die Themen ... nee, echt nicht.


Bei Bullshit, das, während ich hier schreibe, Liebe auf Speed vom letzten Platz verdrängt hat, musste man sich angesichts der sich bereits abzeichnenden Unbeliebtheit immerhin keine großen Hoffnungen auf Genialität machen, und in der Tat ist der Name bei dieser schwachen, leicht politischen Mischung aus Comedy Street, Extra 3 und Borat Programm. Das hat man alles schon einmal besser gesehen. Und da war es auch nicht super.


Noch einmal Comedy, aber deutlich populärer: Teddy's Show führt momentan in der Abstimmung, und wenn man sich die Kommentare auf der ZDFneo-Website ansieht, wird deutlich, dass Tedros „Teddy“ Teclebrhan viele, viele Fans von seinem Youtube-Kanal mitgebracht hat. Auch Teddy mag gerne Sacha Baron Cohen, allerdings wurde er offenbar eher von Ali G. beeinflusst, von dem er die Methode "Vollidiot führt Interview, aber Politiker muss sich jugend- und ausländernahe geben, also freundlich bleiben" abgeschaut hat. Ein noch viel stärkerer Einfluss ist aber Dave Chappelle, an den eigentlich die ganze Show erinnert. Zugegeben, Teddy's Show ist witziger und risikofreudiger als Kaya Yanar und Konsorten, aber seien wir ehrlich: Hoch hing diese Messlatte nicht.


Sehr beliebt bei den Zuschauern ist auch das Filmmagazin Moviacs, das tatsächlich eine Lücke zu schließen scheint, oder gibt es momentan im deutschen Fernsehen noch eine regelmäßige Kinosendung? Nilz Bokelberg (hieß der nicht früher einfach Nils?) und Donnie O'Sullivan haben in ihrer Jugend offenbar Wayne's World vergöttert und deshalb das komplette Studio und Ambiente á la "zwei Jungs daheim im Keller" übernommen. Ihre Filmvorstellungen fand ich informativ, im Stil ungewöhnlich und teils witzig, nur leider erschien mir der Blickwinkel sehr "jungenhaft". Ich könnte mir vorstellen, dass in dieser Sendung vorrangig für Frauen interessante Filme zu kurz kämen, aber vielleicht ist das ja auch ein Vorurteil.


Bleibt noch die einzige Spielserie mit echten Schauspielern, Scharfe Hunde. Vorab konnte man lesen, dass ZDFneo, sollten die Zuschauer diese Serie auf Platz 1 wählen, ein Finanzierungsproblem hätte und das ZDF in diesem Fall zur Hilfe eilen müsste. Hoffen wir mal, dass es nicht so kommt. Die abgedrehte Grundidee "selbstverliebter Fernsehkommissar beschließt nach Jobverlust, echter Detektiv zu werden" fand ich eigentlich ganz vielversprechend, aber die von Thomas Heinze grottenschlecht geschauspielerte Umsetzung war einfach nur flach und doof. Da kann man auch Atze Schröder schauen, falls es den noch gibt.

Fazit: Ausgekuschelt! Ausgekuschelt! Ausgekuschelt! Und Moviacs sowie Wie geil ist das denn?! würde ich mir ebenfalls ansehen.

0 Kommentare:

In meiner Kindheit, als es für die meisten Menschen nur drei Fernsehprogramme gab und Wetten, dass ...? eine Einschaltquote von 100 % hatt...

Willkommen beim Wunschfilm (1)


In meiner Kindheit, als es für die meisten Menschen nur drei Fernsehprogramme gab und Wetten, dass ...? eine Einschaltquote von 100 % hatte, gab es jeden Sommer den "ZDF Wunschfilm". Einmal pro Woche standen für 20:15 Uhr jeweils drei verschiedene Filme (häufig derselben Kategorie, beispielsweise Musikfilme) in der Fernsehzeitung, und die Zuschauer konnten durch Anruf entscheiden, welcher von ihnen gesendet werden würde. Ich fand das toll, was aber sicherlich auch daran lag, dass mir in meinem jugendlichen Alter noch nicht bewusst war, was für olle Kamellen hier häufig gegeneinander antraten ...


Bei ZDFneo gibt es im Management offenbar ebenfalls ehemalige Wunschfilmgucker, denn im Moment wird dort ein ähnliches Prinzip ausprobiert: Zehn Sendungskonzepte, von denen jeweils nur eine einzige Folge produziert wurde, werden in diesen Tagen gezeigt, und die Zuschauer dürfen per Internetvoting (wir haben ja schließlich nicht mehr 1985) entscheiden, welches davon in Serie geht. Abstimmkriterien sind hierbei - jeweils auf einer Skala von 1 bis 10, ob man mehr Folgen sehen möchte, als wie innovativ die Sendung eingeschätzt wird und wie die Umsetzung gefällt.


Nachdem man sich die Sendungen auch im Internet ansehen kann, ist man beim Testen nicht an Sendezeiten gebunden, weshalb ich mittlerweile bereits fünf der zehn Testsendungen kenne. Absoluter Favorit bisher ist Ausgekuschelt, eine Pseududoku im Stil von Big Brother mit ehemaligen Stars, die allerdings allesamt Puppen im Stil der Muppets sind. Die Folge begann in meinen Augen etwas zu zahm, steigerte sich dann aber doch ins Absurd-Satirisch-Komische, und dass zum Beispiel (in einer ZDF-Sendung!) behauptet wird, dass die Mainzelmännchen ins Bordell gehen (sie rufen begeistert "Nutten! Nutten! Nutten!"), hätte ich so nicht erwartet. Menschliche Gastdarsteller wie Oliver Petszokat nehmen sich ohne Stolz selbst auf die Schippe, und auch insgesamt musste ich des öfteren lachen. Leider liegt Ausgekuschelt im aktuellen Ranking nur auf Rang 5, also stehen die Chancen auf eine Fortsetzung schlecht.

Noch kurz zu den weiteren bisher getesteten Sendungen:


Wie geil ist das denn?! - Caro Korneli stellt sich nach dem Motto "einmal im Leben" ungewöhnlichen Situationen und lässt zum Beispiel wörtlich die Sau raus, komponiert mit Unterstützung (von Bernd Begemann) ein Lied, entbindet ein Lämmchen oder schmeißt eine Lokalrunde. Ganz unterhaltsam und gut umgesetzt, insbesondere das Tempo variiert je nach Aufgabe enorm, so dass in nur einer Folge bereits eine große Zahl von "Aufgaben" bewältigt wird. Andererseits gab es solche Sendungen bereits mehrmals, man denke an Raab in Gefahr oder einige Ausgaben von Galileo. Auch ist fraglich, wie viele Folgen eines solchen Formates man drehen kann, bevor es langweilig wird.


German Angst - Micky Beisenhert kümmert sich satirisch-informativ und ohne Schamgrenzen um soziale Randgruppen, in der ersten Folge um Türken und den Islam. Dabei räumt er mit Klischees auf, stellt peinliche Fragen, posiert in Straßenumfragen als bigotter Prolet und provoziert Passanten mit gestellten Szenen, etwa als Schweinewürstchen verkaufender Moslem. Durchaus informativ und stellenweise lustig, aber längst nicht jeder Gag zündete, und für meinen Geschmack war der Informationsgehalt ein wenig oberflächlich.


Neoxplorer - Eine Reisesendung, in der das Moderatorenduo sich ausschließlich nach Tipps orientiert, die es von den Zuschauern per Facebook erhält - in der Pilotfolge wird auf diese Weise Istanbul erforscht. Die Sendung gibt sich sehr technophil, indem viel mit iPads und dort gespeicherten Videos gearbeitet wird. Nur stimmt das Ergebnis nicht: Die Moderatoren wirkten in wenig lustlos und konfus, und so richtig super scheinen die Zuschauertipps häufig auch nicht zu sein. Jetzt weiß ich zwar zum Beispiel, wo in Istanbul ich authentisch Schafhirn essen könnte, aber möchte ich das?


Liebe auf Speed - Tausendster, wenn auch variierter Aufguss von Datingsendungen, wie sie seit Jahren auf MTV und Viva laufen. Anders als in Herzblatt, MTV Next, Singled Out, Straßenflirt oder Exposed ist hier das Szenario, dass die beste Freundin des "Opfers" zunächst in ihren Augen geeignete Kandidaten auswählt und diese dann scheinbar spontan die eigentliche Kandidatin ansprechen - in der Pilotfolge geschah das im Rahmen des ersten Arbeitstages der Kandidatin in einer Boutique. Zurzeit zurecht auf dem letzten Platz im Zuschauervoting.

0 Kommentare:

Mein Freund behauptet, dass ich es schaffen werde, den Bücherfragebogen auf mehr als ein Jahr zu dehnen. Begonnen hat er am 31. Oktober 201...

Bücherfragebogen (26): Ein Buch, aus dem du deinen Kindern vorlesen würdest


Mein Freund behauptet, dass ich es schaffen werde, den Bücherfragebogen auf mehr als ein Jahr zu dehnen. Begonnen hat er am 31. Oktober 2010, und nach diesem hier fehlen noch fünf Beiträge. Das muss ja wohl zu schaffen sein!

Also frisch ans Werk: Ich habe keine Kinder, und meinen Katzen lese ich nicht vor. Aber wenn ich an meine eigene Kindheit zurück denke, war das liebste Vorlesebuch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer von Michael Ende. Meine Schwester las mir das Buch und seine Fortsetzung Jim Knopf und die Wilde 13 allabendlich vor, bis wir beide Bände durch hatten, später las ich sie dann noch mehrmals allein (das Bücher-mehrmals-lesen habe ich mir erst viel später völlig abgewöhnt).

Noch heute muss ich in manchen Situationen zum Beispiel an den Scheinriesen Herrn Tur oder Prinzessin Sursulapitschi denken, oder auch an die müllsackartigen Meereswellen der Fernsehversion der Augsburger Puppenkiste.



Im Nachhinein betrachtet waren diese zwei Bände die besten Kinderbücher, die es gab. Vielleicht zeigt das auch nur, dass sie inhaltlich eben auch Erwachsene ansprechen und deshalb bessere Erinnerungen hervorrufen als zum Beispiel zwei Millionen Bände Dolly, aber selbst, wenn das der Fall wäre: Hier geht es ja darum, welches Buch man seinen Kindern vorlesen würde, und hierfür ist generationenübergreifendes Gefallen ja durchaus ein Argument.

0 Kommentare:

Anfang Juni hatten einige Bewohner des Frankfurter Stadtteils Eschersheim den Anblick einer seit vier Jahren kaputten Telefonzelle satt. Sie...

Neulich am Bücherhäuschen

Anfang Juni hatten einige Bewohner des Frankfurter Stadtteils Eschersheim den Anblick einer seit vier Jahren kaputten Telefonzelle satt. Sie zogen Regalbretter ein, ersetzten fehlende Scheiben durch Folie und eröffneten ein "Bücherhäuschen": Jeder sollte die Möglichkeit haben, hier Bücher auszuleihen, abzugeben oder auszutauschen.


Ich las über dieses Projekt in der Zeitung, denn obwohl es der Telekom vier Jahre lang egal gewesen war, dass die Telefonzelle ihren ursprünglichen Zweck nicht erfüllte, war sie nach der Umwandlung in den Bücherschrank plötzlich dringend daran interessiert, das Häuschen zu entfernen. Das ärgerte die Bücherfreunde natürlich immens und bestätigten sämtliche vorhandene Vorurteile über die Telekom.


Diese scheint ihre Drohung aber nicht wahr gemacht zu haben: Mittlerweile ist es Mitte August, und das Bücherhäuschen erfreut sich immer noch bester Gesundheit. Einige der dort hinterlegten Bücher machen einen etwas ramschigen Eindruck, aber anderes wirkt durchaus attraktiv. Bleibt abzuwarten, ob die Telekom sich eines Besseren besonnen hat, oder ob das Häuschen von der Reparaturwarteliste einfach auf die ähnlich endlose Abbauwarteliste verschoben wurde - und dann pünktlich in vier Jahren verschwindet.


0 Kommentare:

Neulich bei der Bundesliga?? Echt? Ja, aber anders als man jetzt vielleicht denkt. Heute fuhren wir nämlich nicht etwa zum Derby des jetzige...

Neulich bei der Bundesliga

Neulich bei der Bundesliga?? Echt? Ja, aber anders als man jetzt vielleicht denkt. Heute fuhren wir nämlich nicht etwa zum Derby des jetzigen Zweitligisten Eintracht Frankfurt gegen den ebenfalls hiesigen FSV, sondern widmeten uns dem Erstligafußball: In Rödelheim eröffnete der FFC Frankfurt die Saison mit einem Heimspiel gegen den SG Essen-Schönebeck.

Gedränge sieht anders aus.
Mein Interesse an Fußball ist und bleibt gering, aber es sprach auch nichts dagegen, sich einmal an einem Sonntagmorgen (Anpfiff 11:15!) zum Spottpreis von 5,50 Euro (Sitzplätze 8 Euro) inklusive zwei Umsonstzeitschriften ein Heimspiel anzusehen, an dem immerhin auch DFB-Präsident Zwanziger und Bundestrainerin Neid teilnahmen; die Mannschaft hatte unter anderem als Neuzugänge die prominenten Nationalspielerinnen Lira Bajramaj und Kim Kulig (verletzt) sowie der Weltmeisterin Saki Kumagai zu bieten. Das dachten sich wohl auch andere, denn auf dem Weg zum Stadion standen wir im Stau, und die in der Halbzeit bekannt gegebene Zuschauerzahl von 2750 dürfte ein Rekord gewesen sein.

Einige Plakate hatten noch kein Erstliganiveau
Mit der "richtigen" Männer-Bundesliga kenne ich mich nicht wirklich aus, habe aber immerhin irgendwann in der 80ern ein Heimspiel des 1. FC Köln gegen St. Pauli gesehen. Kombiniert mit etlichen Sportschau-Samstagen habe ich eine gewisse Vorstellung von Bundesligaspielen, und im Vergleich wirkt das Stadion am Brentanobad doch recht niedlich: Ob man sich in der Commerzbank-Arena auch selbstgebackenen Kuchen kaufen kann? Und sein eigenes handgemaltes Plakat aufhängen?

Nachwuchstraining
Vor dem Anpfiff drehten wir noch eine Runde ums Spielfeld und sahen das Ende der Autogrammstunde von Frau Kulig (mit Krücken, goldenen Sandalen und Guccitäschchen), fürs Torwandschießen, das Kinderschminken und die Ballonkünstler waren wir leider schon zu alt. Schon bald griff der launige Stadionsprecher zum Mikrophon und begrüßte neben den bereits genannten so viele Ehrengäste, dass wir zum Ende hin damit zu rechnen begannen, dass unsere Namen auch noch fallen würden. Die erfolgreichen WM-Teilnehmerinnen (eine Japanerin, eine US-Amerikanerin und zwei Schwedinnen spielten heute mit) bekamen Blumensträuße, und nur ein Name blieb seltsamerweise ungenannt: Birgit Prinz war weder anwesend, noch gab es einen Kommentar zum kürzlich verkündeten Ende ihrer Fußballkarriere.

Spielszene
Die Spielerinnen wurden beim Einlaufen einzeln vorgestellt, was wiederum ausführlicher erfolgte, als man erwarten würde.  Frau Bajramaj wurde doppelt angekündigt, weil beim ersten Mal der "Rückruf" ihres Nachnamens nicht laut genug ausgefallen war. Bei Ria Percifal bekamen wir oberlehrerhaft erklärt, dass sie sich "damit ihr das ein für alle Mal wisst" nicht "Parzival" ausspricht. Und eine Spielerin (wahrscheinlich die 1977 geborene Sandra Smizek) wurde gar mit "je oller, je doller" vorgestellt.

Und dann ging das Spiel unter dem Jubel der 2746 Frankfurtfans und der 4 mitgereisten Essener los. Wir hatten mit einem haushoch überlegenen FFC Frankfurt gerechnet - immerhin ist Frankfurt ja bei den Frauen eine der besseren Bundesligamannschaften, da konnte doch mit den Neueinkäufen kaum etwas schief gehen?

Zunächst klappte das aber eher nicht, Torchancen gab es nur für die Gäste und statt angekündigten 29 Grad stand ich mit meinem Kleidchen im immer dichter werdenden Regen. Als noch Blitz und Donner dazu kamen, wurde das Spiel kurz vor Ende der ersten Halbzeit unterbrochen - für uns hieß das, dass wir noch länger im Gewitter ausharren mussten. Immerhin den Frankfurter Spielerinnen nützte die Extrapause aber, denn anschließend spielten sie plötzlich viel besser und schossen ihr erstes Tor (Sandra Smisek in der 38. Minute).

Frau Bajramaj beim Freistoß
Nach der verregneten Halbzeitpause (Kann man so etwas nicht abkürzen, wenn es gerade erst eine Pause gab?) waren die Frankfurterinnen endgültig völlig überlegen. Weitere Tore gab es von Svenja Huth und Neuzugang Lira Bajramaj, so dass das Endergebnis 3:0 lautete.

Nach Ende der Partie begaben sich die Damen nicht etwa zeitnahe in die Duschen, sondern drehten gutgelaunt noch etliche Runden über den Platz, die Ersatzspielerinnen sprinteten dabei sogar ein wenig. Beim Herausgehen hätte man sich auch gleich Karten fürs nächste Heimspiel kaufen können, einen regulären Vorverkauf gibt es nämlich sonst nicht.

Dieses Kind mag Ballons
Ein bisschen ist ein Besuch in der Frauen-Bundesliga also wie einer bei einem Indiekonzert: Kein Gedränge, günstige Eintrittspreise, eine gewisse Grundentspanntheit und das schöne Gefühl der Zuschauer, nicht dem Mainstream hinterher zu hecheln. Zum Auswärtsspiel nach Leipzig am kommenden Sonntag fahre ich aber trotzdem nicht.

1 Kommentare:

Es gibt tatsächlich Menschen, die in Koblenz leben, dort in der Nähe aufgewachsen sind und noch nie bei "Rhein in Flammen" waren. ...

Neulich als der Rhein brannte

Es gibt tatsächlich Menschen, die in Koblenz leben, dort in der Nähe aufgewachsen sind und noch nie bei "Rhein in Flammen" waren. Zu ihnen gehörte mein Freund. Als wir anlässlich eines kürzlichen Konzertbesuchs von der ähnlichen Veranstaltung "Kölner Lichter" ein wenig, aber nicht so richtig viel sahen, wuchs der Wunsch, dieses Jahr zumindest die Koblenzer Bildungslücke zu schließen. Und so gehören wir seit dem letzten Wochenende zu der wohl recht großen Zahl von Menschen, die dieses Event schon einmal besucht haben.


"Rhein in Flammen" ist ein Sammelbegriff für mehrere Feuerwerksveranstaltungen, die auch nicht alle zum selben Termin stattfinden. Das Koblenzer Event beginnt in einem Ort namens Spey, von dem aus angeblich 80 Schiffe (allesamt leuchtend geschmückt und mit Feuerwerksguckern besetzt) losfahren, verschiedene Feuerwerke am Ufer passieren und sich dann zum großen Abschlussfeuerwerk an der Festung einfinden.

Obwohl ich bei etwa erwarteten 500 000 Besuchern und der Begegnung mit zahlreichen parkenden Reisebussen damit rechnete, beinahe zerquetscht zu werden, war der Auflauf am Rhein gar nicht allzu schlimm. Gut, voll war es natürlich, und überall konnte man sich albern blinkende Teufelshörner oder Hasenohren kaufen, aber eine Stunde vor Beginn des Abschlussgeballers ließ sich noch problemlos ein Platz am Ufer finden, von dem aus man etwas sehen konnte.


Gegen 23 Uhr ging es dann los, und das, was raketentechnisch geboten wurde, war auch wirklich sehr schön. Da in Koblenz zurzeit auch die Bundesgartenschau stattfindet, hatte man beschlossen, dem Feuerwerk ebenfalls ein Blumenthema zu geben. Gut, irgendwie kann man wohl die Muster, die Raketen am Himmel machen, immer als Blumen bezeichnen. Bei der Musikuntermalung hatte man sich - nach sicherlich langem Nachdenken - für das Thema "Flower Power" entschieden - und hier gab es dann doch erhebliches Verbesserungspotenzial.


Nach Klassikern wie "San Francisco" und "Let the Sunshine in" waren dem Musikplaner offenbar recht schnell die Ideen ausgegangen, und so folgte bald Themenfremdes aus den 60ern, ein rüde abgebrochener Ausschnitt der Version von "Somewhere over the Rainbow", die letztes Jahr überall zu Tode genudelt wurde, und darauf als Höhepunkt "Paradise City" von Guns N' Roses  (vielleicht wegen Axl ROSE??) und zu guter Letzt "Vielen Dank für die Blumen" von Udo Jürgens. Ich konnte mir so richtig vorstellen, wie jemand ohne das geringste Musikinteresse mal eben auf fünf Minuten die komplette Untermalung geplant hatte, um anschließend extra früh in der Kantine zu sein ...

Für Musiksnobs ist "Rhein in Flammen" also eher nicht geeignet, nichtsdestotrotz war es ein schönes Event und eine gute Gelegenheit, die Festung Ehrenbreitstein im Licht bengalischer Feuer zu sehen.


0 Kommentare:

Angeblich ist heute Weltkatzentag! Um diesen ein wenig zu feiern, und bevor Elmo und Kami ihre Extra-Bauchmassagen bekommen, hier meine lieb...

Happy World Cat Day!

Angeblich ist heute Weltkatzentag! Um diesen ein wenig zu feiern, und bevor Elmo und Kami ihre Extra-Bauchmassagen bekommen, hier meine liebsten, meist alten, Katzenvideos:

Über den japanischen Kater Maru gibt es ca. eine Million Videos. Der Gute hat eine kleine Karton-Obsession ...


Dieses putzige Video mit Katzenmama und -kind machte erst vor einigen Wochen die Internetrunde


Das hier muss das reale Vorbild von Simon's Cat sein: Oder aber eine ganz normale Menschennacht aus Katzenperspektive.


Diese kleine Katze hat großen Respekt vor Äpfeln


Und das hier ist die wohl schönste Werbung, die Ikea je gemacht hat.

4 Kommentare:

Mein Freund fährt leider nicht sonderlich gerne in Urlaub. Was er dagegen liebt, sind Konzerte, und so sind viele unserer gemeinsamen Ausflü...

Das teuerste Konzert des Jahres - Morrissey in Dublin

Mein Freund fährt leider nicht sonderlich gerne in Urlaub. Was er dagegen liebt, sind Konzerte, und so sind viele unserer gemeinsamen Ausflüge Kombinationen aus (Städte-)Reise für mich und Konzerten für ihn - im Juni sahen wir so beispielsweise in Amsterdam Warpaint und The Irrepressibles (und Amsterdam).

Als wir für dieses Jahr begannen, eine Irlandreise zu planen, konzentrierte sich seine Konzertplanung auf die wenigen Tage, die wir nach unserem Aufenthalt in der Einöde Dingles in Dublin verbringen wollten. Doch unser Recherchetool Last.fm wollte einfach keinen interessanten Termin ausspucken. Bis etwa einen Monat vor Abreise plötzlich zwei Auftritte im Kalender standen, und zwar nicht von irgendeiner Notlösung sondern von Morrissey, den wir beide sehr schätzen!


Nur das (Zusatz-)konzert am 30. Juli war für uns terminlich zu schaffen, und genau wie das am Vortag war es direkt nach seiner Ankündigung restlos ausverkauft - nachdem der Veranstaltungsort "Vicar Street" nur 1500 Gäste fasst, war das keine große Überraschung. Auch Ebay und wenig vertauenerweckende Internetportale wie Seatwave hatten kaum Karten im Angebot - und wenn doch einmal Tickets auftauchten, hatten sie astronomische Preise.

Nachdem ich bei zwei Auktionen knapp gescheitert war und der Abreisezeitpunkt näher rückte, zahlten wir schließlich bei einem "ticket tout" einen solchen Wucherpreis: Zwei Karten mit dem aufgedruckten Preis von je 48 EUR kosteten uns etwa 200. Und damit ging die Aufregung erst los, denn die Tickets mussten innerhalb weniger Tage von England nach Deutschland geschickt werden, um von dort nach Irland mitgenommen werden zu können. Das klappte dann immerhin (trotz spannender Wartezeit) problemlos.


Und so kamen wir letzten Samstag in den Genuss von Morrisseys zweiten Dublin-Auftritt. Dank unserer frühen Ankunft in der Halle standen wir zum einen recht weit vorne und hatten zum anderen ausreichend Zeit, die anderen Gäste zu studieren. Bei vielen konnte man sich anhand ihres Aussehens kaum vorstellen, dass sie Interesse an der sentimental-depressiven Musik des ehemaligen Smiths-Sängers, der so gerne seltsame öffentliche Stellungnahmen abgibt, haben könnten. Als ich aber auf dem Arm einer Minikleid- und Stilettoschuhe-tragenden Frau einen tätowierten "Morrissey"-Schriftzug entdeckte, musste ich anerkennen, dass die Musik von Steven Patrick Morrissey wohl mehr Menschentypen anspricht, als mir vorher bewusst war.

Los ging der musikalische Teil des Abends aber mit einem Auftritt von Kristeen Young, die uns mit den Worten "I am a Scorpio and I want a relationship with you!" begrüßte und genau zwei Arten von Lied beherrschte: Immer abwechselnd begleitete sie ihren Gesang auf dem Keyboard oder sang und tanzte wild zu eingespielter Elektromusik. Der musikalische Eindruck war dabei der einer überaufgeregten Synthie-Kate Bush. Die absolute Inbrunst, mit der sie ihre Lieder von der ersten bis zur letzten Note schmetterte, wurde dabei sehr schnell anstrengend. Angesichts ihrer Rolle als Warmup-Act für Morrissey konnte man sich immerhin sicher sein, dass für ihr seltsames 80er-Jahre-Lederoutfit keine echten Kühe hatten sterben müssen.

Es folgten die bei Morrissey-Konzerten schon länger üblichen Film-, Video- und Interviewausschnitte. Einige Clips (darunter der Auftritt der New York Dolls bei Manfred Sexauers Musikladen) kannten wir bereits vom Konzert in Offenbach 2009. Anderes, wie ein in Dublin besonders umjubelter Song des irischen Sängers Joe Dorlan, schien neu im Programm zu sein. Diejenigen im Publikum, die bereits am Vorabend dabei gewesen waren, gaben sich beim letzten Ausschnitt zu erkennen, denn anders als wir wussten sie bereits, dass der Auftritt ihres Helden nun unmittelbar bevor stand.


Morrissey trug an diesem Abend zunächst ein rotes Paillettenhemd, wechselte später in ein schwarzes mit roter Rüschenknopfleiste, um den Abend in einem weißen mit glitzernder Knopfleiste zu beenden. Offenbar waren diese Hemden teuer, oder aber, der Künstler fühlt sich mittlerweile für Striptease zu alt: Die Hemdenwechsel erfolgten entgegen der bekannten Tradition off-stage, und keines von ihnen landete an diesem Abend im Publikum.

Wie jedes Konzert der aktuellen Tour begann auch dieses mit dem Smiths-Song "I want the one I can't have", es folgten "You're the one for me, fatty" und - als erstes richtig gutes Lied - "You have killed me".

Die Publikumsbegeisterung war, anders geht das bei Morrissey ja auch nicht, riesig. Blumen wurden geworfen und eine Schallplatte übergeben, und wer die Chance hatte, versuchte, sein Idol zu berühren - was auch vielfach klappte. Morrissey war für seine Verhältnisse relativ gesprächig und sprach die Zuschauer bei drei Gelegenheiten an:

  • Zunächst erwähnte er, dass es heute Abend leicht sei, verletzt zu werden, wenn man das falsche Hemd trage. Ich nahm das als Hinweis auf die von verschiedenen Fußballhemden bevölkerte Dubliner Innenstadt (es fand ein "Super Cup" zwischen verschiedenen europäischen Mannschaften statt), vielleicht liege ich da aber auch falsch.*
  • Später erzählte er, er habe auf der Titelseite des Irish Independent die Überschrift "Is Morrissey a genius or a crank?" gelesen. Seine Reaktion darauf: "How DARE they associate me with genius?"
  • Ganz am Ende behauptete er schließlich, gemeinsam mit der Band eine After Show Party geplant und dafür ein Restaurant gebucht zu haben. "But as I found out, they fry their chips in animal fat, which is disgusting!" Also keine Party für uns.
Zusätzlich wurde die Band (an diesem Abend in schwarzen Hosen und weißen Hemden mit Krawatten) nicht nur vorgestellt, es durfte auch jedes ihrer Mitglieder selbst einen Satz sagen. Und kommt es nur mir so vor, oder wird der Riesengong bei jeder Tournee noch ein bisschen größer? Und gab es schon immer eine zusätzliche Riesentrommel?

Die großen "Ankommer" beim Publikum waren ganz klar "Everyday is like Sunday", "First of the Gang to die", "There is a Light that never goes out" und natürlich die in Irland besonders  relevante Zugabe "Irish Blood English Heart". Die vier neuen Lieder ("Scandinavia", "Action is my middle name", "The Kid's a Looker" und "People are the same everywhere") wurden dagegen verhaltener aufgenommen - und auch ich müsste sie mir wohl erst schön hören.


Laut Internet war der Anfangstext von "First of the Gang" abgeändert, was ich nicht bemerkt habe, lediglich ein hinzugefügtes "soon" bei "come, Armageddon, come" in "Everyday is like Sunday" fiel mir auf. Bei "Meat is Murder" wurden im Hintergrund der Bühne Filmszenen projeziert, die zweifellos furchtbare Szenen der Massentierhaltung zeigten, diese waren aber, da sie auf ein bereits vorhandenes Bild geworfen wurden, praktisch nicht zu sehen.

Die Setliste entsprach in weiten Teilen der des Vorabends, lediglich die Reihenfolge und drei Lieder (darunter ein Lou Reed-Cover, das er bei der aktuellen Tournee gerne spielt) wurden ausgetauscht. Als letztes Lied vor dem vorläufigen Ende wurde "Speedway" sehr in die Länge gezogen (beziehungsweise enthielt eine Art Pause) und nach einem Zugabelied war leider auch endgültig Schluss.

Und, war der Abend nun das viele Geld wert, das wir bezahlt hatten? Ich denke ja. Das Konzert war sehr schön, und es wäre furchtbar traurig gewesen, den Abend in Dublin zu verbringen und nicht hin zu können.



Setliste:

I want the one I can't have
You're the one for me, Fatty
You have killed me
Ouija Board, Ouija Board
The Kid's a Looker
Scandinavia
Come back to Camden
One day Goodbye will be Farewell
Meat is Murder
I'm throwing my arms around Paris
There is a Light that never goes out
Everyday is like Sunday
I know it's over
First of the Gang to die
People are the same everywhere
Action is my middle name
Speedway

Irish Blood English Heart

* Laut einem Forenbeitrag sagte er folgendes: 'On a night, like this, if you were in Liberties wearing the wrong shirt, you could get your throat slit.....worth the risk.' Wobei die Liberties wohl sowohl die Gegend Dublins sind, in der das Konzert stattfand, als auch ein bekannter Pub in Camden (und das folgende Lied "Come back to Camden" war).

(Die Fotopolitik der Halle war übrigens undurchschaubar. Manche durften offenbar Fotos machen, andere nicht. Wir durften nicht, deshalb gibt es auch nur wenige.)

0 Kommentare:

Mein Freund fährt leider nicht sonderlich gerne in Urlaub. Was er dagegen liebt, sind Konzerte, und so sind viele unserer gemeinsamen Ausflü...

Das westlichste Konzert des Jahres - Whipping Boy in Dingle

Mein Freund fährt leider nicht sonderlich gerne in Urlaub. Was er dagegen liebt, sind Konzerte, und so sind viele unserer gemeinsamen Ausflüge Kombinationen aus (Städte-)Reise für mich und Konzerten für ihn - letztes Jahr sahen wir so beispielsweise in Wien Jónsi und CocoRosie (und Wien).

Als wir für dieses Jahr begannen, eine Irlandreise zu planen, lag schnell auf der Hand, dass die Konzertsache dieses Mal schwierig wird. In unserem Urlaubsgebiet auf der abgelegenen Halbinsel Dingle konnte man vielleicht traditionelle irische Musik hören, aber das Indie-Genre dürfte hier im allgemeinen eher unterrepräsentiert sein.


Als wir dann aber vor Ort eines Nachmittags in der Hauptstadt von Dingle - Dingle (1775 Einwohner) - in einem Café pausierten und in der Gruppe darüber nachdachten, ob man noch versuchen sollte, die einzige Attraktion des Ortes, einen zahmen Delphin in der Bucht, zu besichtigen, kehrte mein Freund mit einem Mal strahlend von der Toilette zurück - und trug aufgeregt einen Flyer bei sich.

Selbst in Dingle gab es also Konzerte, und zwar nicht nur irgendwelche: An unserem letzten Abend auf der Halbinsel sollte die Band Whipping Boy spielen, die es in den 90ern zu einer gewissen internationalen Berühmtheit gebracht hatte, um dann in der Versenkung zu verschwinden. Ich selbst kannte nur, aber immerhin, die Single "We don't need nobody else", und nach Anhören eines der drei Alben der Band auf dem iPod beschlossen wir, Eintrittskarten zu erwerben. Offizielle Vorverkaufsstelle war übrigens Europas westlichster Surfladen - in Dingle ist fast alles Europas westlichstes irgendwas.

Und so begaben wir uns einige Tage später via 500 Höhenmeter und einen teils einspurigen und von Schafen begangenen Pass zurück nach Dingle, und zwar in ein Hotel mit eigenem 80er-Jahre-Nachtclub. Konzertsaal war aber die Hotelbar, die eine verwirrende Mischung aus klassischem Pub und 70er-Jahre-James-Bond-Bar (letztere wohl ein Originalrelikt und deshalb mit seltsamem Geruch in den Polstern) darstellte.  Bei unserer Ankunft gegen 22 Uhr gab es zwar wenig Zuschauer, dafür aber bereits eine Band auf der kleinen Bühne, die sich später als "News for the Deaf" vorstellte und zunächst einen etwa halbstündigen Soundcheck veranstaltete.


Bereits dieser nun folgende Auftritt gestaltete sich einigermaßen skurril: Die Band verfügte über nur zwei Mitglieder, Sänger/Gitarrist und Schlagzeuger, zusätzlich aber über einen eigenen Roadie/Ansager, der den Auftritt damit zubrachte, mit einer normalen Stehlampe eine "Lichtshow" zu veranstalten, indem er diese - vor der Bühne stehend - möglichst schnell an- und ausknipste!

Die Musik der Band war hauptsächlich laut und ihr Auftritt zum Glück nicht länger als der vorhergehende Soundcheck. Anschließend begann der Saal, sich zu füllen, wobei das Publikum wohl eines der gemischtesten war, die ich je bei einem Konzert gesehen hatte: Es gab einzelne Herren auf Geschäftsreise, wie für eine Misswahl aufgetakelte Mädchen, zahlreiche Schülerinnen und Schüler, die auf eine Klassen- oder Schulparty schließen ließen, Männer in Karohemden und eine Gruppe von Mittvierzigerinnen, die wirkten, wie ein Damenclubausflug.

Es war mittlerweile 23 Uhr, aber die Bühne wurde nun nicht wie von uns erhofft von Whipping Boy, sondern einer Gruppe Jugendlichen betreten, die in den 90ern sicher noch Windeln trugen. Wie wir später verstanden, handelte es sich hierbei um die eigentliche Vorband Alsononaz, die große Bandhoffnung von Dingle. Das von Anfang an höchst begeisterte Publikum bekam für unsere Ohren eher langweiligen Rock im US-Stil geboten, der uns an Nickelback oder Creed erinnerte (wer sich ein eigenes Urteil bilden möchte, kann hier ein Lied anhören).


Wir waren aber definitiv als einzige Zuschauer eher unbeeindruckt, denn der Großteil des Publikums, das wurde von Song zu Song immer deutlicher, war nur wegen Alsononaz hier. Texte wurden mitgesungen, Fotohandys gezückt, und als es beim letzten Lied selbst die Damengruppe nicht mehr auf den Sitzplätzen hielt, wurde uns langsam auch bewusst, dass es sich hier wohl um die Mütter und Tanten der Bandmitglieder handelte. Zugaben wurden gefordert, aber nicht gegeben, und so war die Bühne gegen Mitternacht wieder leer, allerdings verließ etwa die Hälfte des Publikums, nachdem man Alsononaz noch ausführlich gratuliert hatte, den Raum.

Unsere Sorgen wuchsen: Kam hier noch etwas? Wir hatten eine weitere dunkle Passfahrt in unserer unmittelbaren Zukunft und planten zusätzlich, in etwa sechs Stunden wieder wach zu sein. Waren wir überhaupt auf einem Whipping Boy-Konzert? Als die Bühne dann nach kurzer Pause von zwei weitgehend identisch aussehenden Glatzköpfen mit Spitzbärten erklommen wurde, folgte sogleich die nächste Sorge: Spielte hier vielleicht eine andere Band namens Whipping Boy, die aus der Metal-Ecke stammte?

Es folgte ein kleiner, gedrungener Mann in schwarz mit Briefträgermütze, der für die noch vorhandenen Publikumsmitglieder sogleich mit "Tripped" und "Honeymoon is over" zwei alte Whipping Boy-Songs anstimmte. Wir waren also doch beim richtigen Konzert! Es folgte "Bad Books" vom dritten und letzten Album, und Sänger Fearghal McKee beschloss zum ersten, aber nicht letzten Mal an diesem Abend, dass das Publikum zu weit weg war: Er verließ die Bühne, ließ das Mikrophon an seinem Kabel über dem Kopf kreisen und ging eine Runde an den Zuhörern vorbei.



Diese waren zu diesem Zeitpunkt des fortgeschrittenen Abends größtenteils nicht mehr allzu nüchtern: Der Roadie der ersten Vorband drehte die wackeligsten Handyvideos, die man sich vorstellen kann, Dingles Lookalike von Ian Brown schlug, wenn ihm Lieder gefielen, Rad, und ein junger Mann mit wenig Zähnen sprach nach und nach jede einzelne Frau im Raum an. Ein besonders betrunkener Herr bestieg irgendwann die Bühne und war eine ganze Zeitlang nicht mehr herunter zu bekommen.

Was parallel von Bandseite auf der Bühne und davor geschah, war aber nicht minder verwirrend: Herr McKee legte irgendwann Briefträgerhut und Jacke ab, drunter trug er eine Art Trachtenjacke. Als irgendwann auch diese fiel, hatte er darunter eine äußerst figurbetonte schwarze Kutte aus Stretchstoff. Bodenlang. Mit Kapuze. Und auch die Ansagen waren verwirrend bis besorgniserregend. Dass ein neues "Lied" eine Schimpftirade auf Rupert Murdoch war, konnten wir immerhin noch verstehen, vieles andere blieb jedoch unklar. Was schade ist, denn die Welt steht offenbar kurz davor, ein "open air concentration camp" zu werden, und wir wissen nun nicht, was dagegen zu tun ist.

Ich habe in der Zwischenzeit ein wenig recherchiert und weiß mittlerweile, dass Whipping Boy wohl schon immer eine eher ungewöhnliche Liveband waren:
(...) their live shows continued to raise their profile, as much for the stage antics of McKee as for the music. McKee had something of a self-destructive attitude, and had been known to cut himself with broken glass on stage. (Quelle)
Hier kann man zusätzlich ein wenig über die früheren und aktuellen Aussagen von Fearghal lesen, was mich vermuten lässt, dass es vielleicht doch nicht so schlimm ist, wenig verstanden zu haben ...


Das Konzert schritt unter anderem mit den Singles "When we were young" und "Twinkle" voran, wobei die gebotenen Versionen der Lieder mehr und mehr zum Punkrock tendierten und die Lautstärke immer ohrenbetäubender wurde. Dem Publikum gefiel's, und es kam sogar zu vereinzelten Pogo-Ansätzen. Gegen 1:30 Uhr hörten wir als letztes Lied des Abends das mir vorab bekannte "We don't need nobody else" und durften dann nach Hause ins Bett fahren. Die Hotelgäste haben sich sicherlich ebenfalls gefreut, dass nun in der Bar endlich Ruhe war ...

Ich selbst fand den Abend recht anstrengend, da ich besonders zum Ende hin müde und hauptsächlich damit beschäftigt war, a) Umarmungen des Sängers und b) Berührungen und Konversationen mit den wackeligeren Publikumsmitgliedern zu vermeiden. Vergessen werde ich ihn aber sicherlich nie.

3 Kommentare: