Kaufen, lagern, wegwerfen

U.
In letzter Zeit hatte ich bei der morgendlichen Auswahl meiner Tagesgarderobe das Gefühl, dass ich trotz großer Mengen von Kleidung in den Schubladen immer dieselben paar Teile anziehe. Das ist im allgemeinen ein guter Hinweis darauf, dass ich mal wieder aussortieren sollte - was ich wirklich nicht tragen möchte, kann weg, und andere Teile entdecke ich bei solchen Gelegenheiten wieder neu, so dass ich sie wieder in die Gruppe zu benutzender Kleidungsstücke aufnehmen kann.

Vorhin habe ich auch brav zumindest sämtliche Oberteile durchgesehen und war wie immer schockiert über die Menge von Kleidungsstücken, die ich besitze. Im Schrank sieht das alles noch halbwegs normal aus, aber auf einem Haufen wirkt es dann doch etwas... übertrieben. Und dabei denke ich, dass ich nicht mehr Kleidung besitze, als die Durchschnittsfrau.

Stichwort Durchschnittsfrau: Kürzlich berichtete Modepilot über einen leider mittlerweile nicht mehr online zugänglichen Guardian-Artikel mit dem Titel Why fast fashion is slow death for the planet, der erschütternde Zahlen enthielt:
  • Durchschnittlich kauft jede Frau jährlich 28 Kilo Kleidung und sortiert ebenso viel wieder aus.
  • Heutige Frauen haben viermal so viel Kleidung im Schrank wie 1980.
  • Die Durchschnittsfrau besitzt 22 Kleidungsstücke, die sie noch nie getragen hat.
  • Während wir mehr Kleidung kaufen (und diese dann weniger oft tragen) als je zuvor, geben wir für die einzelnen Kleidungsstücke immer weniger aus.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind - neben den Konsumenten - zum einen die Modeketten (H&M, Zara, Primark), die immer schneller aufeinander folgende Kollektionen auf den Markt werfen, und das zu Preisen, die auch für weniger wohlhabende Kundinnen kaum ins Gewicht fallen. Zum anderen hat sich in den letzten Jahren auch die Berichterstattung über Prominente weiter intensiviert, und man interessiert sich nun nicht nur für ihre Show-Outfits, sondern auch für das, was Katy Perry zum Lebensmitteleinkauf trägt. Wovon Primark dann unverzüglich die Billigversion auf den Markt wirft.

Über den deutschen Markteintritt der irischen Superbilligmodekette Primark hatte ich ja bereits einmal berichtet, und tatsächlich sieht man mittlerweile in Frankfurt dieselben Bilder wie auf Londons Oxford Street: Menschen mit stets randvoll gefüllten Riesentüten voll Klamotten, die bei mir immer, wenn ich sie sehe, die Frage auslösen, ob man bei Primark überhaupt einen einzelnen Artikel kaufen kann

Dass all diese Kleidungsstücke von armen Menschen in Entwicklungsländern unter Bedingungen produziert werden, die alles andere als menschenwürdig sind, dürfte klar sein - und hierbei spielt es interessanterweise keine große Rolle, ob man lieber bei Zara, Esprit oder bei Versace kauft: Der Endkundenpreis mag steigen, nicht aber der Verdienst der Produzenten.

Und auch abgesehen von Dritte-Welt-Überlegungen finde ich den Gedanken an Konsum, der niemand etwas bringt - denn billig gekaufte und letztlich ungetragen aussortierte Kleidungsstücke machen ja letztendlich niemand glücklich - ziemlich unangenehm.


Mein heutiger Haufen für den Altkkleidercontainer wiegt übrigens "nur" vier Kilo. Ich gelobe Besserung.

Fleischeslust: Bolognese

U.
An und für sich ist die Zubereitung einer gut schmeckenden Bolognesesauce auch für Vegetarier alles andere als schwierig: Man macht einfach alles wie gehabt und ersetzt das Hackfleisch durch Sojaschnetzel, die ich hier bereits vorgestellt habe.

Es gibt aber Tage, da erscheint selbst das Schälen und Schneiden einer Zwiebel und das Öffnen einer Tomatendose zu anstrengend und langwierig. Für solche Situationen gibt es den Bolognesekram in verschiedenen Formen auch fertig, und man muss als Esser außer dem Aufwärmen eigentlich nichts mehr beitragen.


Da wäre zum einen die vegetarische Bolognesesauce im Glas. Es gibt sie von verschiedenen Bio-Marken wie Rewe Bio, Alnatura, Gut&Gerne oder Rossmann, und ich habe den Verdacht, dass überall derselbe Hersteller dahinter steckt. Und dann gibt es noch diverse Produkte aus dem Kühlregal. Diese sind viel seltener und auch etwas teurer. Heute treten im Vergleich gegeneinander an: Vegetarische Bolognese von Rewe Bio aus dem Glas und Veggie Bolognese von Veggie Life aus dem Kühlregal.


Bereits im Topf wirken beide Produkte sehr unterschiedlich. Während die Rewe-Sauce recht dünnflüssig und tomatig wirkt, ist die von Veggie Life ein eher fester Brei. In der optischen Appetitlichkeit liegt Rewe ganz klar vorne.

Zu kochen gibt es ja sonst nicht viel, also können wir, sobald die Nudeln gar sind, zum Probieren schreiten. Die Befürchtungen angesichts der Optik der Veggie Life-Sauce bestätigen sich beim Essen: Obwohl laut Packung Tomatenmark enthalten ist, schmeckt man davon eigentlich nichts. Die Pampe sieht aus wie aufgewärmtes Katzenfutter und schmeckt irgendwie nach Soja und Würze. Definitiv essbar, aber absolut kein Genuss.

Links Veggie Life, rechts Rewe
Die Rewe-Sauce ist dagegen recht süßlich und enthält erstaunlich wenig Sojabrösel, was den Fleischeffekt etwas zunichte macht. Im Rennen der beiden Kandidaten ist sie zweifellos die Siegerin, aber das kann bei so einem schwachen Gegner allein kein schlagendes Kaufargument sein. Keine der beiden Saucen lässt sich annähernd mit einer selbst gemachten vergleichen.

Reihenfolge wie oben

Die Reste der beiden Saucen habe ich übrigens am nächsten Tag miteinander vermischt und kam damit zu einem optisch wie geschmacklich etwas attraktiveren Ergebnis. Dennoch: So aufwendig ist Zwiebeln schälen auch wieder nicht.

Neulich auf dem Katzenboot

U.
Bekanntlich war ich kürzlich in Amsterdam, wo es mir sehr gut gefallen hat. Besonders sympathisch finde ich die Neigung der Holländer (und übrigens auch der Belgier), in Geschäften Katzen zu halten. Man geht an einem normalen Geschenke- oder Optikergeschäft vorbei, und drinnen halten sich ein bis zwei Katzen auf, die Menschen wie mich (oder Debbie) dazu anregen, Läden zu betreten, in die sie ursprünglich gar nicht wollten. Die Katzen scheinen über die Kundenaufmerksamkeit erfreut zu sein, und ich hoffe, dass sie auch nach Feierabend gut behandelt werden.

Auch in Amsterdam gibt es aber natürlich obdachlose Katzen, und für sie steht ein höchst ungewöhnliches Tierheim zur Verfügung: Die Tiere werden nämlich nicht, wie sonst wohl in aller Welt üblich, auf einem möglichst billigen Gelände außerhalb der Stadt untergebracht, sondern hausen in der feinsten Wohngegend - auf einem Hausboot in einer Gracht.


Das Poezenboot ankert gut sichtbar in der Innenstadt, Tierfreunde und Touristen können täglich für zwei Stunden vorbei kommen und die Bewohner besuchen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und war dort.

Innen gibt es im Grunde nicht viel zu sehen. Der Katzenraum ist situationsbedingt recht klein, und es halten sich darin um die zwanzig Tiere auf, teils freilaufend, teils in Käfigen. Einige ließen sich streicheln, andere waren eher furchtsam, und es hingen Adoptionsbedingungen sowie Charakterbeschreibungen der meisten Bewohner aus. Der Kostenbeitrag für eine Katze lag übrigens je nach Geschlecht zwischen 250 und 280 Euro, was mir ziemlich horrend erschien.



Zuerst erschien mir die Idee, ein Tierheim auf so engem und sicherlich teurem Raum zu betreiben, ziemlich seltsam. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto eher sehe ich die Vorteile: Ich bin sicher, dass das Poezenboot ein Vielfaches der Besucher eines normalen Tierheims hat, weil es so gut erreichbar und so ungewöhnlich ist. Das kann den Adoptionschancen seiner Insassen nur zum Vorteil gereichen.

Vor dem Tierheim lernten wir noch diese orange Schlafmütze kennen. Ob sie zum Boot gehört oder sich dort nur einfach gerne sonnt, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall ein tiefenentspanntes Tier mit enormem Schlafbedürfnis, das sich bereitwillig streicheln ließ, aber zu müde war, um nachzusehen, von wem. Wenn ich so nachdenke, war es vielleicht eine Coffeeshop-Katze in ihrer Mittagspause?

Bücherfragebogen (24): Ein Buch, von dem niemand gedacht hätte, dass du es gelesen hast

U.

Ich weiß nicht wirklich, welche Bücher mir andere Menschen "zutrauen" und welche nicht. Dennoch wären wohl viele über die Information überrascht, dass ich einen Ratgeber namens Das Uschi-Prinzip nicht nur besitze, sondern auch nicht ganz schlecht finde.

Kurz gesagt ist das Buch ein Ratgeber für Frauen, der ihnen nahe legt, sich nicht ständig superschlau und superselbständig zu geben, frei nachdem Motto: "Wenn ich mich doof anstelle, hilt mir eher jemand mit meiner schweren Getränkekiste, als wenn ich sie gekonnt (aber fluchend) durch die Gegend wuchte." Frauen werden ermutigt, gegenüber neuen Männerbekanntschaften nicht allzu sehr mit ihrer Karriere anzugeben, sich immer schön aufzuhübschen und Männer auch ruhig mal zappeln zu lassen.

Klingt schlimm, oder? Ist es aber irgendwie nicht. Auch wenn ich ca. null der im Buch gemachten Vorschläge in mein Leben integriert habe - tägliches Aufstylen ist mir zu anstrengend, ich mag meinen Mitmenschen nichts vorspielen und mich ungeschickt anzustellen ist etwas, wofür ich keinen Vorsatz brauche - enthält es doch so einige Wahrheiten über das Wesen von Frauen und Männern, fördert eine positive Lebenseinstellung und hilft insbesondere dabei, zu erkennen, dass man am eventuell vorhandenen Desinteresse des Gegenübers nicht wirklich etwas ändern kann.

Wie dem auch sei, es gibt definitiv dämlichere Selbsthilfebücher (viele davon sind im Literaturverzeichnis aufgeführt), und außerdem glitzert dieses hier zusätzlich. Das Buch muss recht erfolgreich gewesen sein, die Autorin hat nämlich noch einen zweiten Band namens Die Uschi AG über das "Uschisein" im Beruf geschrieben. Damit konnte dann aber selbst ich nichts mehr anfangen.

Kriegsbemalung statt Kostümierung: Warpaint in Amsterdam

U.
Ich melde mich immer noch aus Amsterdam.... Als wir gestern Abend wie gebucht die Band The Mummers im Club Paradiso besuchen wollten, wurden wir enttäuscht: Der Auftritt war wegen Krankheit abgesagt. Das war besonders ärgerlich, weil wir zusätzlich zu den Konzertkarten auch eine Monatsmitgliedschaft im Paradiso hatten erwerben müssen (nur Mitglieder dürfen rein), und diese war nun nicht nur überflüssig, sondern auch nicht erstattbar.

Nachdem mein Freund aber so gerne auf Konzerte geht und nach den Irrepressibles vom Freitag keineswegs gesättigt war, wurde plötzlich die Band Warpaint und ihr heutiger Auftritt im Paradiso eine Alternativmöglichkeit: So würde die Mitgliedschaft immerhin noch sinnvoll genutzt werden.

Ich kannte Warpaint, eine amerikanische Frauenband, im Vorfeld überhaupt nicht, war mir aber bewusst, dass die Band zurzeit in aller Munde (und wohl auch Ohren) ist und von Konzerttagebuch Christoph in höchsten Tönen gelobt wurde ("Aber zur Zeit sind Warpaint für mich die Band schlechthin."). Wer sich für Indiemusik interessiert, liebt dieses Gruppe momentan. Schnell wurde noch das Album als Stream auf der Homepage gehört, und ich kam zu dem Schluss, dass mir ein eher ruhig-plätschernder, aber keineswegs unangenehmer Abend bevor stand.


Im Paradiso wurden wir zunächst mit der "Vorband" Marques Toliver, einem amerikanischen Straßenmusiker (nehme ich an) konfrontiert, der seine inbrünstigen Songs alleine zu Glockenspiel, Zither und Geige vortrug und es dabei schaffte, alle diese an sich leisen Instrumente als Percussion zu nutzen. Ein durchaus sympathischer Musiker, dessen Stilrichtung mit Anleihen bei Beyoncé ("Single Ladies (Put A Ring On It)") und TLC ("Scrubs") nicht ganz die meine war. Dennoch ein interessanter Auftritt.



Dann kamen die vier Damen von Warpaint auf die Bühne, richtig gut sehen konnte ich von unserer Balkonposition aus leider nur die "Hauptsängerin" Emily Kokai, die die hässlichste Latzhose trug, die ich je gesehen habe. Und dennoch hätte man dazu nicht unbedingt Cowboystiefel anziehen müssen.



Die Lieder hatten live, wie mein Freund hinterher sagte, "mehr Druck" als auf dem Album "The Fool", sprich, sie waren lauter, mit mehr Schlagzeug und in meinen Augen vor allem unwahrscheinlich lang (Wie kann man mit 11 Titeln eindreiviertel Stunden füllen?). Und dabei blieb es aus meiner Sicht auch. Ewig langes Schrammellied reihte sich an weitgehend identisches ewig langes Schrammellied. Ich musste daran denken, wie ich mir Krautrock vorstelle, und ansonsten kam mir ein abgewandeltes Zitat aus Buffy in den Sinn: "I was bored to tears even before the song that wouldn't end!"



Als wir nämlich endlich den Zugabenteil erreicht hatten (aus der gut sichtbaren Setliste wusste ich, dass noch zwei Lieder gespielt werden würden) folgte auf das erfreulich andere, von Emily allein mit Gitarre vorgetragene "Baby", wiederum gefühlt stundenlanges Gewabere, und ich bin mir keineswegs sicher, dass nur noch ein Song vorgetragen wurde. Ich zumindest fühlte mich hinterher um Jahre älter ...



Das Publikum sah das übrigens völlig anders als ich: Die dicht gefüllte Halle war bis auf die zweite Balkonreihe mit begeisterten Zuschauern gefüllt, die sicher auch über eine weitere Zugabe höchst erfreut gewesen wären. Aber Warpaint und ich werden sicherlich keine Freundinnen mehr werden.



Setliste:

Stars
Warpaint
Bees
Burgundy
Composure
Undertow
Set your arms down
Majesty
Elephants
____

Baby
Beetles

Roxanne, put on the yellow... blue.... purple... green light!

U.
Ich habe eine gewisse Neigung zum Design-Budgethotel. Vor einigen Jahren besuchte ich die Hamburger Superbude, in der man die Farbe seines Zimmer wählen konnte und auf Bierkistenhockern saß. Gerade verweile ich wieder in einem eher ungewöhnlichen Hotel, dem Citizen M. Auch hier hat man versucht, an einigen Dingen zu sparen, die Hotelerfahrung aber insgesamt als ebenso schönes wie einzigartiges Erlebnis zu gestalten.

Außenfassade: große Fenster, kleine Zimmer
Das Hotel liegt in Amsterdam nicht gerade zentral, ist aber durch eine kurze Straßenbahnfahrt von der Innenstadt aus leicht zu erreichen. Bei der Ankunft checkt man zunächst selbst an einem Terminal ein und bezahlt auch gleich mit Karte. Mit der Schlüsselkarte geht es ganz normal ins Zimmer, das allerdings schon auf den ersten Blick einen ungewöhnlichen Eindruck bietet: Der Raum ist recht schmal, und am Ende nimmt ein großes Bett die gesamte Fensterfront ein. Den verbleibenden Zimmerplatz nehmen ein Minischreibtisch, winziges Waschbecken und zwei futuristische Säulen in Anspruch, von denen die eine die durchsichtige Dusche und die (dankenswerterweise weniger transparente) andere die Toilette beinhaltet.

Die Betthöhle ...
Mit dieser sparsamen Raumaufteilung, die kaum ermöglicht, viel Gepäck zu verstauen, kann man auf eine Etage unheimlich viele Zimmer quetschen, aber um das Hotel nicht einfach ärmlich wirken zu lassen, hat man neben dem Riesenbett, über dem ein recht großer Flatscreen hängt, noch einige andere lustige Extras realisiert: Die Beleuchtung von Dusche und Toilette kann von der Farbe her frei gewählt werden oder auch so eingestellt, dass sie diskret, aber kontinuierlich wechselt. Gesteuert wird das, wie auch die Raumtemperatur, der Rolladen und die Musikuntermalung, mit der Fernbedienung des Fernsehers.

Dusche und Toilette im Farbwechsel
Dieser ist auch etwas anders als gewohnt: Er bietet neben vielen Programmen auch Filme, die nicht separat bezahlt werden müssen. WLAN ist ebenfalls umsonst und kann, wenn man keinen Rechner dabei hat, auch an einigen Macs in der Lobby genutzt werden. Und auch die Hinweisschilder zur Nutzung des Zimmers und des ganzen Hotels sind "anders", so besagt das "Bitte nicht stören"-Schild hier "Don't come in, there's someone naked in here."

Das Restaurant
Natürlich hat man sich hier auch zum Thema Restaurant und Minibar etwas anderes ausgedacht: Im Lobbybereich (der mit seinen zahlreichen Sitzecken übrigens anders als in anderen Hotels tatsächlich gemütlich ist) gibt es eine Art Kantine, in der man Frühstücksutensilien oder auch Hauptmahlzeiten auf ein Tablett laden und dann an der Bar Getränke dazu bestellen kann. Die Speisen und Getränke sind allerdings so teuer, dass man kaum Spaß daran hat - 9 Euro für eine winzige Portion Spaghetti Bolognese finde ich zum Beispiel zu viel.

Macs für alle
Ansonsten gefällt mir aber vieles sehr gut, und wenn man außen am Hotel vorbei geht und an den großen Fenstern durch die Jalousinen sieht, wie viele Gäste Wand an Wand gemütlich auf ihren Riesenbetten fernsehen, erscheint einem dieses Design geradezu ideal. Ich kenne mich mit japanischen Kapselhotels nicht sonderlich gut aus, könnte mir aber vorstellen, dass die Inspiration für die Citizen M-Kette von dort kommt.

Lobby

Natürlich ist nicht alles großartig: Etwas mehr Stauraum wäre, wie schon erwähnt, wünschenswert, und eine Toilette im Zimmer ist nun mal... eine Toilette im Zimmer. Nichtsdestotrotz würde ich durchaus erwägen, ein Citizen M in einer anderen Stadt zu besuchen, wenn es sich irgendwann einmal ergibt. Die Kette ist nämlich auch in Glasgow vertreten und plant weitere Hotels in London, Paris, New York und anderswo.

Der Zauberwürfel: The Irrepressibles in Amsterdam

U.
Ich durfte diese Woche geschäftlich nach Amsterdam reisen, und nachdem der offizielle Teil heute beendet war, habe ich noch das Wochenende "drangehängt". Den heutigen Freitagabend nutzten wir für einen Besuch in der sehr schön am Wasser gelegenen "Muziekgebouw", wo im Rahmen des Holland Festivals die Irrepressibles unter dem Motto "Human Music Box" auftraten, und das an zwei Abenden hintereinander jeweils zweimal.



Der Kartenkauf für dieses Konzert hatte mich im Vorfeld bereits einiges an Nerven gekostet, denn ich durchlief den - komplett in niederländischer Sprache gehaltenen - Bestellprozess zweimal erfolglos, landete bei einer Fehlermeldung und erkannte erst beim zweiten Mal, dass der holländische Text besagte, man habe zwar keine Karten für mich buchen können, aber meine Kreditkarte dennoch belastet.

Eine recht verzweifelte E-Mail an die Hallenbetreiber brachte dann das Ergebnis, dass genau das erfolgt war: Ich hatte vier Karten bezahlt und null bekommen. Das wurde vom Kassenpersonal dann aber schnell, kompetent und englischsprachig richtig gestellt.



Das Holland Festival scheint wohl eher eine kulturell etablierte Veranstaltung zu sein, denn das Publikum umfasste wenige typische Indiepop-Konzertbesucher und dafür viele gesetzte Herrschaften mit weißem Haupthaar. Im Konzertsaal erwartete uns eine würfelförmige Bühnenkonstruktion, auf der sich beim Einlass überraschenderweise bereits die Bandmitglieder befanden - plausibel, weil sie die zentrale Bühne, die von allen Seiten von Sitzreihen umgeben war, sonst nur recht unsportlich und vom Publikum beobachtet hätten erklettern können. Gazevorhänge verbargen die recht regungslosen Gestalten, die noch etwa fünfzehn Minuten ausharren mussten, bevor alle saßen und das Konzert begann.



Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich, dass der Würfel zwei Drehbühnen beinhaltete. Auf der oberen drehte sich der singende und Gitarre spielende Jamie McDermott, auf der unteren drehten sich - teils gegengleich, teils parallel - fünf der normalerweise nis zu neun weiteren Bandmitglieder: Zwei Geigen, ein Cello, ein Kontrabass und eine Dame, die in ihrem Bühnenbereich ein Keyboard, ein Schlagzeug, ein Glockenspiel und eine Klarinette beherbergte und spielte. Diese Musiker standen jeweils vor Spiegeln, so dass die Zuschauer immer nur das sich gerade vor ihnen befindende Bühnenviertel sehen konnten. Die Drehgeschwindigkeit variierte dabei erheblich, so dass man sich bei höherem Tempo manchmal besorgt fragte, ob den Damen und Herren nicht übel wird.



Die Gazevorhänge blieben für eine Großteil des Konzertes geschlossen und dienten als Reflektionsfläche für verschiedene Projektionen und Lichteffekte (vorbei ziehende Wolken, flatternde Vögel, wogende Äste), nur einzelne Bahnen wurden zeitweise hochgezogen.

Und die Musik? Meines Erachtens klingt Herr McDermott extrem nach Antony & The Johnsons, und mit der Zeit gehen mir seine hohen Lieder relativ stark auf die Nerven - besonders, wenn er auch noch über weinende Clowns singt - erst später erfuhr ich, dass sie die Bandmitglieder wohl manchmal auch als Harlekine verkleiden. Glücklicherweise heute nicht. "Tanzeinlagen" der Bands, bei denen die Instrumentalisten alles auf dieselbe Art zuckten, erschienen mir auch relativ albern.



Einige der gesetzten Herrschaften sahen das wohl ähnlich und verließen den Konzertsaal während des Auftritts. Mein Begleiter war jedoch höchst begeistert und drohte mir bereits mit dem Entzug seiner Fotos, wenn ich nicht enthusiastischer schreibe.

Aus dem Debütalbum Mirror Mirror wurden einige Lieder gespielt: "I'll maybe let you", "In your eyes", "Knife Song" und natürlich "In this Shirt". Viele Lieder, darunter das mit den weinenden Clowns, waren aber neu und werden wohl erst aufs nächste Album kommen. Es gab zwar wenig Interaktion mit dem Publikum - lediglich ein paar wenige "Thank yous" beim Applaus zwischen den Liedern - nach Beendigung des zugabenlosen Auftritts kamen aber alle aus dem Würfel heraus und umrundeten ihn einmal, um sich vor dem verbleibenden, begeistert applaudierenden Publikum zu verneigen.

Bücherfragebogen (23): Das Buch in deinem Regal, das die wenigsten Seiten hat

U.

Dies ist eine der vielen Rubriken, in denen ich im Interesse der Wahl eines interessanten Buches ein wenig schummeln musste. Die allerdünnsten "Bücher" in meinem Besitz sind nämlich heftchenartige Schullektüren, die sicherlich keinen Menschen interessieren.

Das hier vorgestellte, immerhin wirklich sehr dünne Buch, heißt I talk to Cats. Annie Lawson hat, wenn meine Google-Recherchen stimmen, nie eine große Autorinnenkarriere gemacht, aber mir gefallen ihre strichmännchenartigen Cartoons, von denen man einige hier sehen kann, sehr gut.

Der Themenbereich Frauen und Katzen tut sein übriges dazu, dass ich das kleine Buch zwar nicht mehr gerade oft zur Hand nehme, es aber auch niemals weggeben würde. Und bei allen Katzensitting-Situationen an die Katze (aus dem Buch) denken muss, die wochenlang durch den Briefschlitz mit Futter versorgt wurde, weil der Sitter den Schlüssel verloren hatte, und die anschließend das Loch in der Eingangstür für das Tor zum Himmel hielt.

Ihr Kindle-lein kommet

U.

Lange habe ich überlegt, aber letztlich kann ich mich neuem Technik-Kram ja immer eher schlecht entziehen. Deshalb besitze ich nun seit wenigen Tagen einen Kindle, das E-Book-Lesegerät von amazon.

Der Kindle ist zwar auf amazon.de erst seit April erhältlich, er existiert international aber bereits eine ganze Weile. Zunächst hatte er mich nicht interessiert, weil ich dachte, er sei im Vergleich mit „echten“ Tablets wie dem iPad doch sehr eingeschränkt im Funktionsumfang. Wenn man also schon sein Geld verpulvern wollte, warum dann nicht ein Gerät erwerben, das noch viel mehr kann als nur Bücher darstellen?


Mit der Zeit aber ich aber mehr oder weniger die gegenteilige Auffassung angenommen: Erstens habe ich noch keinen vernünftigen Einsatzbereich für iPad & Co. ausmachen können, und zweitens hat die Einseitigkeit des Kindle durchaus ihren Reiz: Er ist im Vergleich zu Tablets relativ preiswert und konzentriert sich recht überzeugend auf seine Hauptaufgabe: Zum Bücherlesen braucht man keinen Touchscreen und auch keinen Internetbrowser (den er in rudimentärer Form übrigens hat), sondern ein angenehmes, nicht flackerndes und nicht reflektierendes Display. Und das war’s eigentlich auch schon fast.

Beim Kauf hat man die Wahl zwischen einem Gerät, das Bücher nur per WLAN beziehen kann und einem, das per UMTS (dessen weltweite Nutzung im Kaufpreis inbegriffen ist) jederzeit Bücher laden kann. Nachdem ich Heim-Internet habe und selten in der U-Bahn spontan Lust bekomme, mir Krieg und Frieden herunter zu laden, entschied ich mich für die 50 Euro günstigere WLAN-Version.


Da ich ein Mädchen bin und damit es der Kindle schön warm und bequem hat, musste anschließend sofort eine attraktive Hülle besorgt werden. Ich bestellte zu diesem Zweck erstmalig etwas auf dem Internet-Handarbeitsmarktplatz Etsy und wurde nicht enttäuscht: Mein „Kindle sleeve“ ist gleichermaßen putzig wie zweckmäßig. Es ist innen mit kuscheligem Fell gepolstert und hat außen eine kleine Tasche für das Ladekabel. Zu den niedlichen Eulen, die darauf abgebildet sind, muss ich nichts sagen.


Der Kindle war bei seiner Ankunft bereits mit meinem amazon-Konto verbunden, und so konnte ich ihn sofort mit Büchern befüllen. Neben dem amazon-E-Book-Shop stehen einem hier übrigens auch etliche Umsonst-Plattformen wie gutenberg.org zur Verfügung, die insbesondere ältere Bücher zum Download anbieten: Sämtliche Sherlock Holmes-Romane, Mark Twain, Jane Austen, Goethe, Schiller - alles völlig legal umsonst erhältlich.

Und so lese ich nun seit einigen Tagen recht begeistert elektronisch und freue mich insbesondere auf den nächsten Urlaub, wenn ich stapelweise Bücher mitnehmen kann und sie dennoch nicht schleppen muss. Insgesamt spricht aus meiner bisherigen Sicht aber sowohl vieles für als auch etliches gegen den Kindle:

Pro
  • Das Gerät ist leicht und flach, und man kann damit auch dickere Bücher problemlos mit sich herumtragen – für mich als „in-der-U-Bahn-Leserin“ durchaus ein wichtiges Argument.
  • Das Lesen auf dem Gerät macht (bis jetzt) Spaß.
  • Es sind englische und deutsche Wörterbücher dabei.
  • Man kann einiges machen, was bei echten Büchern nicht geht, zum Beispiel schnell etwas im Buch suchen, Wörter aus dem Text direkt in den vorhandenen Wörterbüchern nachschlagen oder eigene Fußnoten schreiben.
  • Der Text ist individuell einstellbar, sowohl in der Größe und Schriftart als auch bezüglich Zeilenabstand und Wortzahl pro Zeile.
  • Der Akku scheint ewig zu halten.
  • Ältere Titel bekommt man häufig umsonst.
  • Das Gerät hat eine große Auswahl hübscher und intellektueller Bildschirmschoner – vor allem Autorenbilder, aber auch alte Grundrisse, Tierillustrationen ... wirklich schön gemacht.
  • Uns zuletzt genannt, aber höchst wichtig: Das „electronic ink“ Verfahren, mit dem der Kindle die Seiten darstellt, ist tatsächlich angenehm für die Augen und hat mit regulärem Bildschirmlesen nichts gemeinsam.


Contra
  • Das schwarzweiße Display ist im Jahr 2011 etwas antiquiert. Die Tatsache, dass es keinen Touchscreen gibt, stört mich persönlich eher wenig, aber ich selbst und jeder, der den Kindle das erste Mal in die Hand nimmt, tatscht erst einmal erfolglos auf dem Bildschirm herum.
  • Die Knöpfe zum Vor- und Zurückblättern sind so angebracht, dass man leicht aus Versehen eine Seite umschlägt.
  • Man kann die Schriftgröße und –art individuell einstellen, nicht aber den Kontrast oder die Helligkeit.
  • Die Menüführung ist zwar nicht sonderlich schwierig, könnte aber sicherlich intuitiver gestaltet werden.
  • Die Menüs sowie der komplette Nutzerguide sind auf Englisch. Mir macht das nichts aus, aber es gibt sicher viele Deutsche, die das anders sehen.
  • Wenn man E-Books nicht gerade umsonst oder in einem Sonderangebot bekommt, ist der Preisunterschied zu gedruckten Romanen eher deprimierend: Etwa einen Euro billiger sind sie meist (was übrigens nicht die Schuld von amazon ist, sondern die der Verlage). Zu Sparzwecken ist der Kindle also völlig ungeeignet.
  • Während ich es als langjährige amazon-Kundin gewohnt bin, für meine Einkäufe auch amazon.com und amazon.co.uk zu nutzen, muss man sich mit dem Kindle für einen Shop entscheiden und kann in den anderen nichts kaufen.
  • Das Kindle-System ist nicht offen – man kann also keine Bücher mit anderen Readern wie dem Oyo (dem Konkurrenzprodukt der Buchhandlungskette Thalia) austauschen.
  • Zum Lieferumfang gehört ein USB-Kabel, das auch zum Akku laden verwendet wird. In anderen Ländern ist auch ein Netzstecker für die Steckdose inbegriffen, aber in Deutschland muss man diesen separat für 15 beziehungsweise sogar 20 EUR (wenn man ihn nicht gleichzeitig mit dem Kindle bestellt) erwerben.

Bücherfragebogen (22): Das Buch in deinem Regal, das die meisten Seiten hat

U.
Herrje, dieser Bücherfragebogen zieht sich aber ziemlich, oder? Hiermit beschließe ich, die noch verbleibenden Einträge  (31 sind es insgesamt) etwas flotter über die Bühne zu bringen. Jawoll.

Beim Kampf um den Status als dickstes Buch in meinem Regal lag Harry Potter and the Order of the Phoenix dicht an dicht gegen meine Shakespeare-Gesamtausgabe in einem Band. Das sagt schon eine ganze Menge über die  Länge von Band fünf der ... wie nennt man denn eine Serie mit sieben Bänden?? Septalogie??? Sagen wir einfach: des Zyklus.



Was soll ich sonst zum Thema Harry Potter sagen? Als ich einstieg, umfasste die Serie vier Bände, und ich fand, dass jeder besser war als der vorherige. Das endete mit diesem Wälzer, zu dem ich in einer Kritik las, JK Rowling habe wohl nun einen Berühmtheitsstatus erreicht, mit dem sie nicht mehr auf Lektoren hören würde, anders sei die unnötige Länge des Buches nicht zu erklären.

Tja, der Orden des Phönix wird mit seinem ganzen Gerede und Gestreite wohl allgemein als der Tiefpunkt der Harry Potter-Reihe betrachtet, der Nachfolgeband Harry Potter and the Half-Blood Prince las sich dann zum Glück wieder um einiges interessanter. Dennoch muss ich auch zugeben, dass ich die Bücher, seit der letzte Band erschienen ist und alle offenen Fragen beantwortet wurden, insgesamt wesentlich weniger faszinierend finde.

Zu meinem abnehmenden Interesse hat sicherlich auch das Verhalten von JK Rowling beigetragen, die ein von einem Fan mit viel Mühe erstelltes Online-Lexikon zu ihren Werken erst toll fand, um dann den Verfasser zu verklagen, als er es in sehr kleinem Rahmen gedruckt veröffentlichen wollte. Das hätte eine der reichsten Frauen der Welt sicherlich souveräner regeln können.

Folksongs bei Roibuschtee: Dan Mangan in der Frankfurter Brotfabrik

U.
Langsam werden Konzertbesuche in der Brotfabrik zu einer Gewohnheit - so sehr, dass wir gestern Abend zum ersten Mal dorthin gefunden haben, ohne auf Google Maps zurück greifen zu müssen!

Dieses Mal war es Dan Mangan, der in Hausen auftrat, ein Folk-Indie-Rocker aus Kanada, der mit seinem Album "Nice, Nice, Very Nice" in der Jahresendwertung der renommierten Plattenbewertungsseite Platten vor Gericht Platz 3 erreichte. Als Vorband trat eine Formation namens "The Crackling" (benannt nach dem Geräusch) auf, an die wir uns bald gewöhnen sollten, denn es handelte sich praktischerweise um Dan Mangans Begleitband - und Dan selbst spielte für eines der Lieder Schlagzeug (während The Cracklings Sänger Kenton Loewen Schlagzeuger in Mangans Band ist).



Besonders erinnerungswürdig fand ich The Cracklings Lieder nicht, lustig war lediglich die Eigenart des Trompeters, einhändig sein Instrument zu spielen und mit der anderen am Verzerrer die Töne zu bearbeiten. Das wurde auch im weiteren Teil des Abends fortgeführt.

Nach kurzer Pause kam dann der Hauptact ganz konservativ mit einem dampfenden Tässchen Tee auf die Bühne und bestätigte, was seine Vor- und nun Begleitband bereits gesagt hatte: Dass sie alle komplett gejetlagged und übermüdet seien und kurz davor stünden, Halluzinationen zu haben. Das Set begann mit "Sold".



Trotz, oder vielleicht auch wegen der Erschöpfung wurden bei dem Auftritt Kommunikation und Humor groß geschrieben. So erzählte die Band von einem Fleischbüffet, das (da man momentan Gurken ja nicht essen solle) sich für sie hinter der Bühne befinde. Die aktuelle EHEC-Panik kommentierte Kenton Loewen dann mit dem Gesang "E.Coli" auf die "Ricola"-Werbungsmelodie (und klärte somit für mich zwei Dinge, nämlich die amerikanische Aussprache von E.Coli sowie den Umstand, dass Ricola in Kanada bekannt ist).  Desweiteren gab es Komplimente an die deutsche Sprache ("Hand-Shoe, that's great!"), schicke Kleidung im Publikum (es waren wandernde Gesellen in entsprechender Aufmachung anwesend) und unsere generelle Gastfreundschaft.

Letztere Bemerkung nahm sich ein weiblicher Gast zu Herzen und reichte Dan Mangan mit der (englischsprachigen) Bemerkung, das mit dem Tee sei ja nicht mehr mit anzusehen, ein Bier. Dan nahm dankbar an und erklärte darauf, er habe eben einen trockenen Hals und könne seinen Honig ja schlecht in Bier mischen - worauf der Kontrabassist laut überlegte, ob Dan gerade eine großartige Erfindung gemacht habe, dieser eine Anekdote über die Simpsons erzählte ... wie gesagt, es wurde viel geredet und gealbert.


Dan Mangan spielte sein Album nahezu komplett, aber auch einige Songs von der neuen Platte ("Post War Blues"), die im Herbst in den USA erscheinen soll. Live erinnerte mich die Musik stark an die Briten Mumford & Sons. Nachdem wir uns alle so gut verstanden, wurde bei mehreren Liedern zum Mitsingen und -klatschen animiert, und für die letzten drei Songs verließ die Band die Bühne, begab sich in die Mitte des Zuschauerraums und spielte in unserer Mitte unter anderem "Tina's Glorious Comeback" und "Robots". Dann war aber das Limit erreicht - die Band musste sich ausruhen, hätte aber anschließend noch für Gespräche und Autogramme zur Verfügung gestanden. Vielleicht bei einem weiteren Tässchen Tee.

Die Gurkenrepublik

U.
Seit einer Woche verfolge ich hin- und hergerissen die in den Medien reichlich vorhandene EHEC-Berichterstattung. Getrieben werde ich dabei weniger von persönlicher Angst - was möglicherweise anders wäre, wenn ich in Hamburg wohnte - als von dem Gefühl, dass ich ganz sicher irgendetwas verpasst haben muss und das Problem folglich (noch) nicht richtig verstehe. Ich fasse zusammen:

  • Man fand EHEC Keime auf den legendären spanischen Gurken, diese waren aber nicht die, die die "Epidemie" ausgelöst haben, und der Fund hat eigentlich nichts genützt, außer die deutsch-spanische Beziehung zu schädigen.
  • Seitdem hat man keinerlei Lebensmittel gefunden, die Erkrankungen ausgelöst haben könnten. Im Grunde kann man nicht einmal sicher sein, dass die Ansteckungen von Gemüse herrühren oder sogar generell nahrungsbedingt sind.
  • Dennoch hält man offiziell an der Warnung davor, Blattsalate, Gurken und Tomaten gleich welcher Herkunft zu essen, fest. Sicher ist sicher.
Und hier ist der Punkt, wo ich nicht mitkomme:

  • Was ist an diesen drei Lebensmitteln so einzigartig? Gut, man verzehrt sie meist roh und ungeschält, aber warum ist bei den Warnungen nie die Rede von Paprika, Radieschen, Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren, Zucchini ...? 
  • Und wenn man, wie es ja der Fall zu sein scheint, ÜBERHAUPT KEINEN SCHIMMER HAT, an was all diese Menschen genau erkrankt sind, und wenn weiterhin kein einziges dieser Gemüse jemals positiv auf den gefährlichen Keim getestet wurde (und getestet wird ja wie wild), wäre es dann nicht vielleicht an der Zeit, nach einer anderen Ursache zu suchen?
Am Mittwoch war auf dem "Erzeugermarkt" in der Frankfurter Innenstadt nur etwa die Hälfte der normalerweise anwesenden Stände vorhanden - die Betreiber dachten sich wohl, dass sie, wenn sie ihre Ware sowieso wegwerfen müssen, sich wenigstens die Rumsteherei ersparen können.

Mir tun die Bauern und Marktleute leid, und ich selbst hätte ganz furchtbar Lust auf Tomaten und Salat. Und wenn mir weiterhin niemand erklären kann, warum ich das sein lassen muss, wenn ich gleichzeitig öffentliche Verkehrsmittel nutze und mich dabei täglich jeder Menge potenziell seuchenkeimbelasteten Mitmenschen aussetze, gibt es ab dem Wochenende bei U.s auch wieder genau das zu essen. So. Man reiche mir die Tomate des Todes.

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