Neulich auf dem Katzenboot

U.
Bekanntlich war ich kürzlich in Amsterdam, wo es mir sehr gut gefallen hat. Besonders sympathisch finde ich die Neigung der Holländer (und übrigens auch der Belgier), in Geschäften Katzen zu halten. Man geht an einem normalen Geschenke- oder Optikergeschäft vorbei, und drinnen halten sich ein bis zwei Katzen auf, die Menschen wie mich (oder Debbie) dazu anregen, Läden zu betreten, in die sie ursprünglich gar nicht wollten. Die Katzen scheinen über die Kundenaufmerksamkeit erfreut zu sein, und ich hoffe, dass sie auch nach Feierabend gut behandelt werden.

Auch in Amsterdam gibt es aber natürlich obdachlose Katzen, und für sie steht ein höchst ungewöhnliches Tierheim zur Verfügung: Die Tiere werden nämlich nicht, wie sonst wohl in aller Welt üblich, auf einem möglichst billigen Gelände außerhalb der Stadt untergebracht, sondern hausen in der feinsten Wohngegend - auf einem Hausboot in einer Gracht.


Das Poezenboot ankert gut sichtbar in der Innenstadt, Tierfreunde und Touristen können täglich für zwei Stunden vorbei kommen und die Bewohner besuchen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und war dort.

Innen gibt es im Grunde nicht viel zu sehen. Der Katzenraum ist situationsbedingt recht klein, und es halten sich darin um die zwanzig Tiere auf, teils freilaufend, teils in Käfigen. Einige ließen sich streicheln, andere waren eher furchtsam, und es hingen Adoptionsbedingungen sowie Charakterbeschreibungen der meisten Bewohner aus. Der Kostenbeitrag für eine Katze lag übrigens je nach Geschlecht zwischen 250 und 280 Euro, was mir ziemlich horrend erschien.



Zuerst erschien mir die Idee, ein Tierheim auf so engem und sicherlich teurem Raum zu betreiben, ziemlich seltsam. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto eher sehe ich die Vorteile: Ich bin sicher, dass das Poezenboot ein Vielfaches der Besucher eines normalen Tierheims hat, weil es so gut erreichbar und so ungewöhnlich ist. Das kann den Adoptionschancen seiner Insassen nur zum Vorteil gereichen.

Vor dem Tierheim lernten wir noch diese orange Schlafmütze kennen. Ob sie zum Boot gehört oder sich dort nur einfach gerne sonnt, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall ein tiefenentspanntes Tier mit enormem Schlafbedürfnis, das sich bereitwillig streicheln ließ, aber zu müde war, um nachzusehen, von wem. Wenn ich so nachdenke, war es vielleicht eine Coffeeshop-Katze in ihrer Mittagspause?

2 Kommentare:

  1. vielen dank für die schönen berichte aus amsterdam! katzen hierzulande in geschäften ... und ich wäre aufgeschmissen. weil ich an keiner katze einfach so vorbeigehen kann und - schlimmer noch - beim anblick besonders kuscheliger exemplare in dämlichen babytalk verfalle. automatisch. das katzenboot ist eine schöne idee und zieht bestimmt um einiges mehr an "laufkundschaft" an als z.b. das tierheim hier in regensburg ...

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  2. Diesen roten Kater habe ich auch angetroffen, auch auf dieser Bank.
    Ich habe mehrere Fotos von ihm gemacht.

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