Kaufen, lagern, wegwerfen

U.
In letzter Zeit hatte ich bei der morgendlichen Auswahl meiner Tagesgarderobe das Gefühl, dass ich trotz großer Mengen von Kleidung in den Schubladen immer dieselben paar Teile anziehe. Das ist im allgemeinen ein guter Hinweis darauf, dass ich mal wieder aussortieren sollte - was ich wirklich nicht tragen möchte, kann weg, und andere Teile entdecke ich bei solchen Gelegenheiten wieder neu, so dass ich sie wieder in die Gruppe zu benutzender Kleidungsstücke aufnehmen kann.

Vorhin habe ich auch brav zumindest sämtliche Oberteile durchgesehen und war wie immer schockiert über die Menge von Kleidungsstücken, die ich besitze. Im Schrank sieht das alles noch halbwegs normal aus, aber auf einem Haufen wirkt es dann doch etwas... übertrieben. Und dabei denke ich, dass ich nicht mehr Kleidung besitze, als die Durchschnittsfrau.

Stichwort Durchschnittsfrau: Kürzlich berichtete Modepilot über einen leider mittlerweile nicht mehr online zugänglichen Guardian-Artikel mit dem Titel Why fast fashion is slow death for the planet, der erschütternde Zahlen enthielt:
  • Durchschnittlich kauft jede Frau jährlich 28 Kilo Kleidung und sortiert ebenso viel wieder aus.
  • Heutige Frauen haben viermal so viel Kleidung im Schrank wie 1980.
  • Die Durchschnittsfrau besitzt 22 Kleidungsstücke, die sie noch nie getragen hat.
  • Während wir mehr Kleidung kaufen (und diese dann weniger oft tragen) als je zuvor, geben wir für die einzelnen Kleidungsstücke immer weniger aus.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind - neben den Konsumenten - zum einen die Modeketten (H&M, Zara, Primark), die immer schneller aufeinander folgende Kollektionen auf den Markt werfen, und das zu Preisen, die auch für weniger wohlhabende Kundinnen kaum ins Gewicht fallen. Zum anderen hat sich in den letzten Jahren auch die Berichterstattung über Prominente weiter intensiviert, und man interessiert sich nun nicht nur für ihre Show-Outfits, sondern auch für das, was Katy Perry zum Lebensmitteleinkauf trägt. Wovon Primark dann unverzüglich die Billigversion auf den Markt wirft.

Über den deutschen Markteintritt der irischen Superbilligmodekette Primark hatte ich ja bereits einmal berichtet, und tatsächlich sieht man mittlerweile in Frankfurt dieselben Bilder wie auf Londons Oxford Street: Menschen mit stets randvoll gefüllten Riesentüten voll Klamotten, die bei mir immer, wenn ich sie sehe, die Frage auslösen, ob man bei Primark überhaupt einen einzelnen Artikel kaufen kann

Dass all diese Kleidungsstücke von armen Menschen in Entwicklungsländern unter Bedingungen produziert werden, die alles andere als menschenwürdig sind, dürfte klar sein - und hierbei spielt es interessanterweise keine große Rolle, ob man lieber bei Zara, Esprit oder bei Versace kauft: Der Endkundenpreis mag steigen, nicht aber der Verdienst der Produzenten.

Und auch abgesehen von Dritte-Welt-Überlegungen finde ich den Gedanken an Konsum, der niemand etwas bringt - denn billig gekaufte und letztlich ungetragen aussortierte Kleidungsstücke machen ja letztendlich niemand glücklich - ziemlich unangenehm.


Mein heutiger Haufen für den Altkkleidercontainer wiegt übrigens "nur" vier Kilo. Ich gelobe Besserung.

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