Bücherfragebogen (25): Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt

U.

Und wieder so eine komische Kategorie! Es gibt sicherlich Protagonistinnen, in denen ich mich eher wieder finde als in anderen, aber sicherlich habe ich noch bei keinem Roman gedacht, er sei über mich!

Ich habe mich an dieser Stelle einfach mal für The Edible Woman (Die essbare Frau) von Margaret Atwood entschieden. Den Debütroman von 1969 habe ich das erste Mal zu Abiturzeiten gelesen. Die Handlung dreht sich um die junge Frau Marian, die eine wenig interessante Stelle als Marktforscherin hat und den ebenso wenig interessanten Peter heiraten möchte, weil ihr das vernünftig erscheint. Ganz wohl ist ihr bei dieser Zukunftsperspektive dennoch nicht, und so verweigert ihr Körper nach und nach verschiedene Lebensmittel, bis sie schließlich überhaupt nichts mehr essen kann. Zeitgleich mit der Verlobung wechselt die Erzählperspektive von der Ich-Erzählung zur dritten Person und demonstriert auch so, dass Marian dabei ist, ihre Identität zu verlieren.

Marian lernt den unkonventionellen Duncan kennen, der in vielen Aspekten das Gegenteil von Peter ist und mit dem sie letztendlich eine ebenfalls nicht sonderlich erfolgreiche Affäre hat. Nachdem die Verlobung zu Peter bereits bei der Verlobungsfeier (die Marian überstürzt mit Duncan verlässt) scheitert, bäckt Marian schließlich sich selbst in Kuchenform und bietet diesen sowohl Peter als auch Duncan an - keine sonderlich subtile Metapher zum Thema Frauen als Objekte, aber der Kuchen ist dann immerhin etwas, das Marian selbst wieder essen kann.

Dass der Roman ein Vorwerk des Feminismus ist, ist überdeutlich klar - weniger verständlich ist nun sicherlich, was das Ganze mit mir zu tun hat. Ich bin nicht feministischer als andere, war noch nie verlobt, hatte noch nie das Gefühl, dass mir jemand meine Identität stiehlt... immerhin war ich kurz in der Marktforschung, aber darum geht es nicht.

Was für mich bei Marian Identifikationspotenzial bietet ist ihre Langsamkeit, mit der sie die eigenen Gefühle erkennt.  Und ihre letztendliche Fähigkeit, zumindest festzulegen, was sie nicht möchte (nämlich eine Ehe mit Peter). Die positiven Entscheidungen können dann ja noch kommen.

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