Neu: Mit Band! And The Golden Choir in der Frankfurter Brotfabrik

U.

Guten Abend Oma-Tischlampe! Guten Abend Thüringer Waldzither! Guten Abend Santur! Guten Abend kleiner Tisch mit quietschenden Rollen! Guten Abend Plattenspie... - fast wie der kleine Junge aus dem Roman "Raum", dessen Verfilmung wir kürzlich angesehen hatten, begrüßte mein Freund all die Dinge, die wir bereits von vier Konzerten von And The Golden Choir kannten. Jedoch sprach er das Wort Plattenspieler nicht vollkommen aus, denn - oh, Schreck - dieser fehlte! Dabei war es doch Konzept von Tobias Siebert, zu selbst aufgenommenen Schallplatten jeweils die auf der Aufnahme noch fehlenden Instrumente zu spielen und zu singen - die Platten ersetzten die Band.


Doch die aktuelle Tournee steht unter dem Motto "The Transformation of the Transformation", eine Umwandlung eines Songtitels auf dem ersten And The Golden Choir Albums von 2015. Nachdem Siebert über 200 Konzerte mit seinen Schallplatten gespielt hatte, wurden diese vorerst eingemottet und durch echtes Bühnenpersonal ersetzt: Heutzutage begleiten ihn Johanna Weckesser, die meist Gitarre spielte, gelegentlich aber auch ans Hackbrett oder den Santur wechselte, Tilo Weber am Schlagzeug, Daniel Moheit, den ich hinter seinem Klavier kaum sehen konnte und Daniel Spindler, der die meisten Aufgaben hatte: Bass, Keyboard, Percussion, Blockflöte, Harmonium, Drehleiher und das kleinste Piano der Welt. Alle Musiker sangen außerdem mit.

Der Aufzählung der Instrumente kann man bereits entnehmen, dass Siebert sein musikalisches Konzept nicht völlig umgeworfen hat: Nach wie vor setzt er so viele kuriose Instrumente ein, wie er in die Finger bekommen kann. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie er wieder einmal bestens gelaunt mit einem musikalischen Neuerwerb vom Flohmarkt nach Hause kommt.


Ebenfalls geblieben ist das Programmheft für die Zuschauer, dem diese die Musikernamen, die Songtexte und weitere Informationen entnehmen können. Auf den 32 Seiten findet man außerdem Fotos von Tourstationen, zusätzlich kann man ihm entnehmen, dass das nächste And The Golden Choir Album erst Ende 2017 erscheint. Ebenfalls wird man über den bei der aktuellen Tournee erhältlichen And The Golden Choir-Wein informiert. In Zusammenarbeit mit einem Weingut aus Reil an der Mosel wurde sowohl ein Weiß- als auch ein Rotwein konzipiert. Während ersterer bereits online und bei den Konzerten erhältlich ist, muss letzterer noch bis zum nächsten Jahr reifen. Wie das neue Album also.

Konsequent war Siebert auch bei der Gestaltung seines Vorprogramms, denn auf seiner letzten Tournee kam er zunächst auf die Bühne und spielte eine Schallplattenseite eines von ihm persönlich geschätzten Albums als Vertretung einer Vorband. Da er nun eine echte Band hat, ist jetzt auch die Vorband ein Live-Musiker: Am Dienstag Abend trat der junge Singer/Songwriter BAYUK auf, mit dem Siebert kürzlich dessen Debütalbum aufgenommen hatte, von dem in 30 Minuten Songs in schlichten Versionen, nur Gitarre und Gesang, präsentiert und mit reichlich Applaus bedacht wurden.


Dann war es Zeit für die Band, die das Set gleich mit zwei neuen Liedern, "The Jewelry" und "My Lies" eröffnete. Ein wenig ungewöhnlich war es schon, keine knisternde Platte zu hören, aber mir gefielen sowohl die neuen Lieder als auch die Liveband sehr gut. Auch Siebert hatte an dem Konzert sichtlich seinen Spaß und lächelte viel. Das musste uns wohl über die kaum vorhandene Kommunikation - ein paar "Danke", "Vielen Dank" sowie einmal, mit auslandender Geste Richtung Musiker, "Die goldene Band!" hinwegtrösten . insgesamt zählte mein Freund 13 Worte mit.

Auch das etwas spärliche Publikum, für das man wieder einmal Stühle und Tische aufgestellt hatte, war still, geradezu andächtig. Nach jedem Song wurde gewartet, bis auch wirklich der allerletzte Ton verklungen war, bevor der Applaus einsetzte. Musikalisch musste man das eine oder andere Mal an Radiohead früher denken, bei einem Liedanfang fühlte ich mich auch stimmlich an Anohni erinnert.


Nach einer a Capella von allen gesungenen Version von "Another Half Life" sowie "Angelina" verließ die Band nach dreizehn Songs die Bühne, aber diejenigen, die im dunklen Kerzenlicht der Brotfabrik-Tischchen das Programmheft entziffern konnten, wussten bereits, dass dies keineswegs das Ende war, und richtig: Weiter ging es nach kurzer Unterbrechung und Applaus mit der aktuellen Single "Joker", die ich bereits als Video kannte. Und wir bekamen sogar noch eine zweite Zugabe, bis der Abend sowohl auf der Bühne als auch im Programmheft endete. Am Merchandisestand sicherte ich mir einige Flaschen des Bandweins, von denen ich hoffentlich bald eine testen kann.

Ein tolles Konzert, dem man mehr Publikum gewünscht hätte!

Setliste:

The Jewelry
My Lies
The Transformation
My Brother's Home
My Heaven Is Lost
It's Not My Life
The Hunter Of Souls
Choose To Lose
Daily Dose
Dead End Street
Holy Diamond
Another Half Life
Angelina

Joker
The Queen Of Snow
Cold Star

The Rain
In Heaven


Sendeschluss: Get Well Soon - We Are Free

U.

Über den kürzlichen Get Well Soon-Auftritt in Mannheim mit klassischem Orchester hatte ich hier bereits berichtet. Jetzt zu Weihnachten kann man das gesamte Konzert als Aufnahme erwerben - allerdings ausschließlich als Download - und der gesamte Erlös wird an "Save the Children" gespendet. Feine Sache!

Neulich außerhalb des Wohnzimmers: Jonah Matranga im Kölner Underground

U.

Jonah Matranga hat als Alleinstellungsmerkmal, dass er als bislang einziger Künstler zweimal in unserem Wohnzimmer aufgetreten ist. Ginge es nach ihm, läge die Zahl mittlerweile sogar höher, denn vor einigen Monaten fragte er erneut an, ob wir uns einen weiteren Auftritt vorstellen könnten.

Aus verschiedenen Gründen ließ sich das nicht umsetzen, folglich findet die aktuelle Matranga-Deutschlandtournee ohne Stopp in der Westerwald-Metropole Montabaur statt. Weniger wichtige Orte wie Köln und Frankfurt wurden jedoch mit Auftritten bedacht, und so beschlossen wir am Montagabend recht spontan, das Konzert im Kölner Underground zu besuchen.


Jonah hat dieses Mal sogar einen Support Act dabei, die New Yorkerin Doris Cellar. Diese war bei unserem Eintreffen im Begriff, ihren Auftritt zu starten, dabei befanden sich noch so gut wie alle Gäste in der Bar nebenan. Jonah selbst saß tief in Gedanken versunken an seinem Laptop auf einem der recht mitgenommenen Sofas im kleineren Saal des Underground und übernahm dann, als glücklicherweise doch einige Gäste ins Hinterzimmer strömten, den Merchandise-Stand.

Doris Cellar machte Synthpop zu dem sie selbst sang, während  der Großteil der musikalischen Untermalung aus ihrem Macbook kam. Viel anfangen konnte ich damit nicht, die Musik schien auch nicht recht zum Hauptact zu passen, störte aber auch nicht weiter.


Bei Jonah hatte ich zunächst den Eindruck, dass er mit dem Auftrittsbedingungen nicht zufrieden war. Er wirkte sehr ernst, und sein Auftritt begann damit, dass er etwas unentschlossen auf die Bühne kam, dann ein Prince-Lied abspielte und zunächst wieder verschwand.

Doch weit gefehlt - als Jonah nach Ende des Songs die Bühne wieder betrat, zeigte sich schnell, dass er sich vom wenig hübschen Auftrittsort und der überschaubaren Gästezahl, die die Anzahl bei einem Wohnzimmerkonzert nur gering übertraf, nicht negativ beeinflussen ließ. Statt dessen entpuppten sich zahlreiche Zuschauer als Fans und Kenner seiner diversen ehemaligen Bands und Jonah erwähnte gleich zu Beginn, dass er mit dem Underground viele positive Erinnerungen verbindet. Dass gleich zu Beginn Liedwünsche geäußert wurden, steigerte Jonahs Begeisterung nur noch weiter.


Jonahs Konzerte funktionieren wie eine lebende, auf Zuruf funktionierende Jukebox, die gefüllt ist mit Platten von Far, Gratitude, New End Originals, Onelinedrawing und Jonah Matranga. Die einzigen, die sich nicht trauten, ihre Musikwünsche in den Raum zu rufen, waren wie immer wir. Auf der Hinfahrt hatten wir uns nämlich überlegt, dass wir am liebsten "Bitte ein Kuss", "I Really Love Your Company" und "Every Mistake" hören wollten. Nachdem wir das aber nicht äußerten, blieben diese Lieder ungespielt.

Erfüllt wurde dagegen ein Wunsch, der zumindest in unserem Wohnzimmer geäußert worden war: Das krachige "Deafening", dessen akustische Version Jonah 2014 zunächst in der Pause einüben musste, hatte es auch dieses Mal in die Setliste geschafft - der abwesende Ingo hätte sich gefreut.


Insgesamt wies die Setliste viele Lieder auf, die wir trotz drei vorherigen Konzertbesuchen in zwei Jahren noch nicht kannten. Ohne "Lukewarm", das ebenfalls aus dem Publikum gewünscht wurde, findet aber offenbar kein Matranga-Konzert statt. Ebenfalls fest im Programm bleibt, dass Jonah zwischen den Liedern viel erzählt. Am Montag ging es viel um Prince und dessen konsequent ausgelebte Exzentrik, die Jonah zu dem Lied "High" inspirierte. Jonahs anderer musikalischer Held ist Neil Young, der nach eigenen Angaben nur drei verschiedene Songs hat, die er immer wieder schlechter abwandelt. Laut Jonah sind schlechte Neil Young Songs aber immer noch besser als fast alle anderen. Und auch Jonah macht immer wieder Songs zu ähnlichen Themen.


Wie beinahe zu erwarten gewesen war, wurde auch viel über Politik gesprochen, also über Bush, Trump, Rassismus und Schuldzuweisungen an Schwächere.

Nachdem Jonah so viel über Prince gesprochen hatte und das Konzert auch mit einem von dessen Songs aus der Konserve eröffnet hatte, rechneten wir eigentlich fest mit einer Coverversion, da wir bei früheren Gelegenheiten zwischendurch auch Songs von Johnny Cash, Beyoncé oder eben Prince von ihm zu hören bekommen hatteb. Gecovert wurde aber nichts - vielleicht, weil so viele Publikumswünsche vorhanden waren.  Mit "Aeroplanes", "Are You Sure", "Yr Letter" und "Mother Mary" spielte er gleich deren vier in Folge.


Beinahe zögerlich kam Jonah nun zum Ende, indem er entschuldigend anmerkte, er müsse noch weitere Konzerte spielen und sollte auch für die kommenden Abende noch ein bisschen Stimme übrig haben. Ab "Mother Mary" war der Auftritt eigentlich zu Ende, aber er ließ sich dann nach Rücksprache mit dem Mann am Mischpult, ob noch Zeit wäre, doch noch zu insgesamt drei weiteren Songs hinreißen, bevor er endgültig Schluss machte und an den Merchandise-Stand wechselte.

Nach einem kurzen Plausch mit dem Sänger machten wir uns auf die Heimreise vom vorletzten Konzert dieses Jahres. Auch den Künstler des letzten 2016er Konzertes habe ich schon mehrfach live gesehen, aber dazu bald mehr.


Setliste:

The Greatest Wonder (Gratitude Song)
Um… (Onelinedrawing Song)
Hostage (New End Original Song)
I Work For Love
This Is Who I’m Gonna Be
Lukewarm (New End Original Song)
Man Overboard (Far Song)
Deafening (Far Song)
#1 Defender (New End Original Song)
Meadow
High
Crush On Everyone (Onelinedrawing Song)
Weirdos Like Me
Aeroplanes
Are You Sure
Yr Letter (Onelinedrawing Song)
Mother Mary (Far Song)
I Don't Know
We Had A Deal (Onelinedrawing Song)
Stay (Onelinedrawing Song)


Sendeschluss: Loney Dear - December Lilies

U.

Eigentlich sollte dieses Jahr noch ein neues Loney Dear-Album geben, aber der Schwede steckt wohl, wie ich, im Weihnachtsvorbereitungsstress und musste den Termin auf 2017 verschieben. Immerhin veröffentlicht er nun mit "December Lilies" die zweite Single (nach "Hulls").

Im Sommer hatte ich ihn in Stockholm live gesehen. Damals gefielen mir seine neuen, generell düstereren Lieder sehr gut, und ich bin gespannt, ob ich welche davon auf dem Album wiedererkenne.

Gekauft: November 2016

U.

Seit einigen Jahren lese ich vor der Weihnachtszeit in diversen Blogs über Kosmetik-Adventskalender und habe den Eindruck, dass es jedes Jahr mehr gibt. Hier gibt es beispielsweise eine unglaublich lange Aufstellung, und man kann sehen, dass es zwischen "Basic" (dm-Eigenmarke Balea für 14,95 Euro) und "Luxus" (Estée Lauder für 275 Euro oder Liberty London für 185) so einiges zu kaufen gibt - oder gab, der Dezember hat schließlich schon begonnen.

Dieses Jahr ließ ich mich hinreißen, mir einfach selbst einen solchen Kalender zu kaufen. Der von der Kosmetikmarke Benefit hatte es mir nämlich besonders angetan: Erstens mag ich Benefit, weiß aber angesichts der ungewöhnlichen Produktnamen und unübersichtlichen Verkaufstheken nicht so recht, welche Produkte für mich von Interesse sind - da sind zwölf Minigrößen (der Kalender hat nämlich nur zwölf Türchen) doch ein idealer Einstieg. Zweitens sind die Produkte in ihren Originalgrößen so teuer, dass mir der Kalender für 45 Euro geradezu als Schnäppchen erschien. Außerdem, siehe oben, liegt er damit absolut nicht im obersten Preissegment!


Meinem Freund waren diese tollen und überzeugenden Argumente nicht so gut zu vermitteln. Angesichts der Tatsache, dass er mir jedes Jahr einen Kalender mit Süßigkeiten befüllt und mir dieses Jahr zusätzlich spontan einen Muppets-Schokoladenkalender gekauft hatte, murmelte er irgendwas von "erwachsene Frau mit drei Adventskalendern" und "den Hals nicht vollkriegen".

Vielleicht hat der Kalender gespürt, dass er nicht von allen Haushaltsmitgliedern positiv aufgenommen wurde. Er soll nämlich eigentlich, wenn er aufgeklappt wird, ein Lied spielen - so, wie das manche Glückwunschkarten auch tun. Das hatte ich aber beim Kauf nicht bemerkt, und der Kalender war zunächst auch still - bis er plötzlich, während ich eines Morgens beim Frühstück saß, spontan sein Lied schmetterte und mir damit beinahe einen Herzinfarkt versetzte. Seitdem bricht er immer wieder spontan in Gesang aus, wenn man es am wenigsten brauchen kann.

Meine bisherigen Kalendergaben, das Rouge "Benetint" und die Mascara "Bad Gal", sind aber prima.

Gesehen: November 2016

U.


Als The Young Pope auf Sky Deutschland anlief, ergab sich die ungewohnte Situation, dass Europäer eine HBO-Produktion zu sehen bekamen, die in den USA noch gar nicht angelaufen ist. Dort wird die Serie erst ab Mitte Januar gesendet. Vermutlich deshalb gab es zunächst im Netz auch eher spärliche Informationen dazu, was man von Jude Law als amerikanischem Jung-Papst erwarten konnte - kein Ranking bei Rotten Tomatoes oder Metacritic ließ erahnen, ob sich das Ansehen lohnte oder eher nicht.

Immerhin fand ich Artikel bei der FAZ oder auch dem Guardian, die zumindest etwas Interessantes erwarten ließen. Die FAZ schreibt etwa:
„The Young Pope“ ist meisterhaft inszeniert, besetzt und gespielt. Allein, es braucht Geduld, sehr viel Geduld, bis sich etwas wie eine Story aus dem intellektuellen Vexierspiel herausschält und die Motive der Figuren Kontur gewinnen. Dann erst entfaltet sich der satirische Witz der Serie. Einer aber kann sich das alles in aller Ruhe anschauen. Pius XIII., in dessen Rolle Jude Law glänzt, wird seine Geheimnisse nicht so schnell preisgeben.
Tatsächlich besteht für mich an der Qualität der Serie, deren erste Staffel Sky schnell in Doppelfolgen wegsendete, keinerlei Zweifel - sehr wohl allerdings daran, was uns die Geschichte um den erzkonservativen Jungpapst nun eigentlich sagen möchte. Dessen teils rückständiges und teils auch bösartiges Verhalten wird durch die Ereignisse zumindest zum Teil gerechtfertigt. Ist die Aussage von The Young Pope also, dass jegliche Reformen der katholischen Kirche von Gott nicht gewollt sind?

Vielleicht wird das ja die zweite Staffel klären.

Gelesen: November 2016

U.

Wenn ich irgendwo in der Realität oder im Internet auf ein Buch stoße, das interessant klingt, kommt dieses auf meine amazon-Wunschliste. Dort bleibt es dann, bis ich es eines Tages kaufe oder ein netter Mensch es mir schenkt. Oftmals weiß ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr, warum ich das Buch ursprünglich haben wollte!

So ist es auch bei Who is Tom Ditto? von Danny Wallace. Ein Buch, das ich mir definitiv aktiv gewünscht hatte, nur fällt mir beim besten Willen nicht mehr ein, wie ich darauf gestoßen bin. Immerhin hatte mein Vergangenheits-Ich aber Recht, als es dachte, Gegenwarts-Ich könnte der Roman gefallen.

Zur Handlung: Tom (der nicht "Ditto" heißt) lebt mit seiner Freundin Hayley in London und arbeitet als Nachrichtensprecher beim Frühstücksradio. Durch seinen Beruf muss er abends früh ins Bett und merkt deshalb erst, als Hayley verschwunden ist, dass sie offenbar ohne sein Wissen einiges unternommen hat. In ihrem Abschiedsbrief schreibt sie, sie habe ihn nicht verlassen, und er solle einfach weitermachen wie bisher.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Tom bemüht sich, herauszufinden, was mit seiner Freundin passiert ist, und stößt dabei auf eine Art Selbsthilfegruppe, deren Mitglieder in ihrer Freizeit anderen Menschen folgen, um so Einblick in deren Leben zu bekommen. Das klingt für Tom völlig verrückt, aber dennoch lässt er sich wenig später selbst dazu überreden, dieses seltsame Hobby auszuüben.

Ich habe ein wenig Zeit gebraucht, um in die Geschichte eintauchen zu können, aber dank der sympathischen Figuren und vielen absurden Situationen war ich letztlich doch sehr begeistert von dem Roman. Wenn ich jetzt nur noch wüsste, warum ich ihn überhaupt lesen wollte...

Sendeschluss: The xx - On Hold

U.

Von The xx hatte man eine Weile lang nichts gehört, doch im Januar erscheint das dritte Album "I See You". Vorab gibt es die Single "On Hold" mit Szenen von texanischen High School Schülern (oder Schauspielern, die so tun, als gingen sie in texas zur Schule).

Mein Freund meinte soeben, dass er hofft, dass The xx bald für Festivals des kommenden Jahres bestätigt werden. Ich bin prinzipiell auch dafür, hoffe aber zusätzlich, dass sie bei einem der festivals auftreten, die ich ohnehin besuche. Es sind bereits zwei! Wir haben Dezember!






Sendeschluss: OK Go - The One Moment

U.

Ach ja, OK Go. Wie kann man die Musikviedo-Latte wiederholt so dermaßen hoch hängen und dann doch immer wieder überspringen?

Vermutlich, indem man sehr, sehr viel plant und dann noch viel mehr probt. "The One Moment" zeigt eine sekundenlange Kettenreaktion in extremer Zeitlupe, wobei darin seltsamerweise die extrem verlangsamten Mundbewegungen des Sänger so halbwegs mit dem Song übereinstimmen. Ansonsten explodiert vieles, auch gerne einmal in bunt, so dass sich, sobald man etwas über die  Genialität des Videos hinweg gekommen ist, die Frage stellt: Welche arme Person musste hinterher das Studio putzen?


Neulich als die Band auf mich wartete: The Hidden Cameras im Wetzlaer Franzis

U.

Als mein Freund mich fragte, ob ich Interesse daran hätte, mit ihm das Konzert von The Hidden Cameras in Wetzlar zu besuchen, war meine Antwort zunächst ein klares Nein. Er hatte mich nämlich bereits darüber informiert, dass Sänger Joel Gibb zuletzt ein Country-Album gemacht habe, und es stand zu erwarten, dass diese Platte im Mittelpunkt des Konzertabends stehen würde. Für Countrymusik an einem Wochentag-Abend nach Wetzlar fahren? Nö.

Nur für den Fall, dass ich meine Meinung noch ändern würde, fragte mein Freund trotzdem beim Veranstaltungsort per E-Mail an, um welche Uhrzeit das Konzert beginnen würde. Mit dem Zug aus Frankfurt komme ich normalerweise erst um 19 Uhr nach Hause, ein Konzertbeginn um 8 in Wetzlar war folglich erreichbar, aber ambitioniert. Postwendende Antwort des Veranstalters: Das sei kein Problem, man werde der Band einfach sagen, sie solle erst um halb 9 beginnen.


Nun war es natürlich schwierig, wieder aus dieser Nummer herauszukommen: Wann hat man schon die Situation, dass die Band geduldig wartet, bis die Gäste angereist sind? Und wäre es nicht unheimlich traurig, wenn gegen halb 9 in den Raum gefragt würde, ob die Westerwälder mittlerweile eingetroffen seien, und niemand antworten würde?

Also gab ich eben doch nach, und dank kaum vorhandenem Verkehr waren wir sogar gegen 8 bereits in Wetzlar und überlegten nun, ob wir uns vor Ort zu erkennen geben müssten… letztlich taten wir das aber so oder so, denn lange Zeit waren außer uns beiden nur zwei weitere Gäste im Raum, und diese waren sicherlich aus Wetzlar und persönlich bekannt.


Dieser Besuch im Franzis war bereits unser dritter, und ich erinnerte mich dunkel, dass es zumindest bei Gemma Ray auch lange so geschienen hatte, als würde kaum jemand zum Konzert erscheinen, dass es dann aber doch noch relativ voll geworden war (anders bei And the Golden Choir, wo die extra aufgestellten Stuhlreihen viele Lücken aufwiesen).

An diesem Abend blieb der Andrang jedoch gering. Wenig Gäste tauchten auf, und wie wir sehen konnten, bezahlten  noch weniger von ihnen Eintritt. An unserem Nebenstehtisch erarbeiteten zwei deutschsprachige Musiker gemeinsam die Setliste des Abends. Kurz vor Beginn kam auch Gibb in Alltagskleidung heraus und besprach mit dem Licht- und Soundmann, was wann zu geschehen habe.

Auf der Bühne befanden sich die ganze Zeit schon Instrumente, die darauf schließen ließen, dass vier Musiker kommen würden, eines davon war leider eine Steel Guitar. Die Country-Befürchtungen schienen sich also zu bestätigen!


Das taten sie erst recht, als nun die Band die Bühne betrat: Alle Musiker trugen zu weißen Hemden schwarze sogenannte Bolo Ties (ich kenne diese Accessoires auch als „Cowboykrawatten“). Gibb trug ein rotes Exemplar, vor allem aber einen goldenen Anzug sowie goldene Schuhe. Der ganze Mann war quasi verspiegelt!

Los ging es dann auch mit schlappen 11 Liedern vom aktuellen Album „Home On Native Land“, und es wurde sehr, sehr Country-mäßig. Mit "Don't Make Me Promises" folgte später im Set sogar noch ein zwölftes. Aufgrund meiner wenigen Erfahrungen mit dem Musikstil – und sicherlich auch, weil Joel Gibb offen mit seiner Homosexualität umgeht – musste ich öfters an den Film Brokeback Mountain denken, den ich damals so toll fand, dass ich mir sogar den Soundtrack besorgte. Der klang auch ein bisschen so.


Gesprochen wurde nur wenig, allerdings erklärte Gibb gleich zu Beginn, er sei hier vor zwölf Jahren schon einmal aufgetreten, das sei ihm aber erst eingefallen, als er heute durch die Tür gekommen sei. Er fragte, ob jemand aus dem heutigen Publikum auch damals dabei gewesen sei, was zwei Besucher bejahten – das waren sicherlich zehn Prozent aller Gäste des Abends.

Bei „The Day I Left Home“ stupste ich meinen Freund an – dieses Lied hatte ich bereits bei uns Zuhause gehört. Und tatsächlich wurde ab diesem Song alles besser. Nun kamen die älteren Lieder zum Zuge, und als bei „Carpe Jugular“ Gibb mit eine Geste andeutete, dass nun Musik von CD eingespielt werden sollte, die sich als Disco-Sound entpuppte, flippte das Publikum geradezu aus und bildete quasi einen winzigen Moshpit. Gibb legte seine Gitarre beiseite und lieferte Roboter-artige Tanzeinlagen. Anschließend folgte das ebenfalls abgefeierte „Underage“, das wiederum mit CD-Klängen unterstützt wurde. Dazu hatte die Band noch synchrone Sprünge eingeübt.


Weiter ging es mit den älteren Songs – zu „Learning to Lie“ wurde im Publikum Rock’n’ Roll getanzt – bis das Konzert mit „In the NA“ bei bester Publikumsstimmung sein erstes Ende fand. Die Band ließ sich aber zurück auf die Bühne klatschen und spielte nun zwei Songs des Albums „Mississauga Goddam“, nämlich „I Believe In The Good Of Life“ sowie „Music Is My Boyfriend“. Zu letzterem wurde ein offensichtlich mit der Band bekannter junger Mann auf die Bühne gebeten und genötigt, Tamburin zu spielen, was dieser auch sehr gewissenhaft tat. In den letzten Minuten des Songs erklomm noch ein weiterer, vermutlich nicht persönlich bekannter Zuschauer die Bühne und sang den Refrain mit.

Anschließend ließ sich die Band noch überreden, „Bboy“ zu spielen, dann war endgültig Schluss. Ich muss sagen, dass ich selten ein derart schlecht besuchtes Konzert erlebt habe, bei dem die Stimmung so gut war. Da konnte man dann fast verzeihen, dass die erste Hälfte eher mäßig gewesen war und die Lieblingslieder „Ban Marriage“ und „Gay Goth Scene“ fehlten.

Setliste:

You And Me Again
Ode To An Ah
Dark End Of The Street cover
Counting Stars
The Great Reward
He Is The Boss Of Me
Be What I Want
Log Driver’s Waltz
Drunk Dancer’s Waltz
Big Blue - großer blau
Day I Left Home
Awoo
Death Of A Tune
Bread For Brat
Carpe Jugular
Underage
Learning To Lie
Don’t Make Promises
In The NA

I Believe In The Good Of Life
Music Is My Boyfriend

Bboy

Festival-Terror im Winter

U.

Die Festivalsaison 2016 liegt nun definitiv hinter mir (genauer gesagt tut sie das schon seit August). Ich besuchte zum ersten Mal seit dessen Gründung nicht das Maifeld Derby, dafür aber das Down the Rabbit Hole in den Niederlanden, einen Tag des Best Kept Secret (ebenfalls Holland), das A Summer's Tale in der Lüneburger Heide und das Stockholm Music & Arts Festival in, richtig, Stockholm.

Eigentlich hätte ich erwartet, nun bis zum Jahreswechsel meine Ruhe vor dem Thema zu haben. Vielleicht könnte man sich irgendwann überlegen, ob man, wie in manchen Vorjahren, ein günstiges Vorab-Ticket fürs Maifeld Derby kauft, aber das wäre wohl die einzige Festival-bezogene Entscheidung, die in der kalten Jahreszeit getroffen werden müsste. Dann könnte man sich im Frühjahr die diversen Bestätigungen für die Sommerfestivals ansehen, und nach einem Blick in den eigenen Terminkalender in Ruhe ein passendes auswählen. Anschließend würde man vom Freund überredet werden und noch zu zwei weiteren gehen...


Weit gefehlt. Der immer härter werdende Konkurrenzkampf zwischen den diversen Musikfestivals führt dazu, dass man auch im Winter keine Ruhe hat. Offenbar wird bereits jetzt heftig geplant, gebucht, bekannt gegeben und dafür gesorgt, dass der "Gegner" im Regen steht. Nicht umsonst hat das kleine Montabaurer Mair1-Festival, das dieses Jahr bereits sein zehnjähriges Jubiläum ausfallen ließ, nun schon bekannt gegeben, dass es auch 2017 keine Wiederaufnahme geben wird. Das kleine Metal-Festival an meinem Wohnort interessiert mich musikalisch natürlich wenig, dennoch habe ich Mitleid mit den Organisatoren, deren Veranstaltung nach acht Jahren keine passenden Bands mehr bekommt. Offenbar ist bereits jetzt absehbar, dass man beim Booking auch dieses Mal auf keinen grünen Zweig kommen wird.

Maßgeblich verantwortlich für diese Situation ist sicherlich, dass Deutschlands größtes Festival Rock am Ring seit dem letzten Jahr in Mayen stattfindet - was so nahe liegt, dass sicherlich jede dort auftretende Band in den Vertrag geschrieben bekommt, dass ein Auftritt in Montabaur zu unterlassen ist. Mitte Oktober wurden bereits Die Toten Hosen und System of a Down für Rock am Ring 2017 bestätigt, hinter den Kulissen weiß man dort sicher auch schon mehr - fürs Mair1 wären natürlich nur die kleineren Rock am Ring-Bands interessant gewesen. Der Vorverkauf läuft natürlich schon.


Vorher, bereits am 11. Oktober, bestätigte das portugiesische NOS Alive-Festival bereits Depeche Mode als Headliner. Wer sicher gehen möchte, diese selten erscheinende Festivalband sehen zu können, muss also möglichst schnell und ohne Kenntnis des kompletten Lineups entscheiden, ob er im Juli 2017 nach Portugal fährt oder eben nicht. Mittlerweile wurden als weitere Headliner Foo Fighters, The Kills und Alt-J bekannt gegeben - acht Monate im Voraus. Während ich bei Depeche Mode noch interessiert aufgeschaut hatte, können mich die restlichen Headliner nicht begeistern - Glück gehabt, dass ich nicht sofort beim Ticketkauf zuschlug!

Glücklich können sich im allgemeinen Kampf um die Bands und Besucher die Festivals schätzen, bei denen die Gäste treu und völlig blind Jahr für Jahr Karten kaufen, weil der Besuch für sie zur Tradition geworden ist. Neben Rock am Ring profitiert hier auch das kleine norddeutsche Haldern Pop, das seinen Vorverkauf für August 2017 am 1. Oktober begann und auch vollendete - ausverkauft, ohne eine einzige Bandbestätigung.


Für mich käme als "Blindbuch"-Kandidat noch das A Summer's Tale in Frage, das ich letztes und vorletztes Jahr besuchte, und das mit der Kombination von guten Bands, entspannter Atmosphäre und einem interessanten Rahmenprogramm bestach - nur hat dieses Festival seltsamerweise noch keinen Termin für 2017 bekannt gegeben. Warum das so ist, weiß ich natürlich nicht, könnte mir aber vorstellen, dass der Booking-Krieg um die beliebtesten Bands auch hier eine Rolle spielt.

Der bisherige Sieger aus meiner persönlichen Sicht? Das niederländische Best Kept Secret Festival, das Ende Oktober Radiohead und letzte Woche Arcade Fire als Headliner bekannt gab. Am Samstag begann der Vorverkauf, und nachdem beide Bands eine zweifellos enorme Anziehungskraft auf die Zielgruppe haben, besitze ich nun ein Ticket. Ich weiß nun also schon, was ich Mitte Juni 2017 mache...

Sendeschluss: PUP - Sleep in the Heat

U.

Was macht eigentlich Finn Wolfhard, der Junge aus Stranger Things, so? Erstaunlicherweise ist er mittlerweile Sänger einer Punkband, zieht in einem alten Bus durch die Lande und fährt in diesem Zusammenhang überraschenderweise auch Auto. Kürzlich hat er sich mit einem riesigen streunenden Hund angefreundet und hat sehr viel in dessen medizinische Behandlung investiert.

Gut, natürlich ist all das nur die Handlung des neuen Videos der kanadischen Band PUP, immerhin ist der junge Mann ja Schauspieler. Das Video ist für alle, die Tiere mögen und denen ihre befellten Freunde schon Sorgen bereitet haben, dringend zu empfehlen.

Mein erstes Granola

U.

Seit einiger Zeit lese ich in verschiedenen Blogs, wie einfach und toll es sei, sein eigenes Granola (alias Crunchy Müsli oder auch Knuspermüsli) zu machen. Tatsächlich lesen sich die Anleitungen stets gut umsetzbar, und als ich eine fand, die sowohl meine Lieblingsnussarten Cashews und Pekannüsse sowie Bananen und Zimt enthielt (hier) war klar, dass es nun an der Zeit war, in die Müsliherstellung einzusteigen.


Beim Einkaufen ereilte mich dann ein kleiner Schock. Da ich wusste, dass ich sämtliche Zutaten am einfachsten bei dm bekommen würde, kaufte ich eben dort ein, weshalb alle Produkte aus der firmeneigenen Bio-Linie stammten, mit den entsprechenden Preisen. Cashew- und Paranüsse und auch das im Rezept verwendete Kokosöl sind in jedem Fall eher hochpreisig, und so kam mein Bio-Einkauf auf etwa 20 Euro. Hui! Immerhin werden einige der Zutaten (Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Kokosöl, Kokosflocken) noch für weitere Einsätze zur Verfügung stehen, auch ein paar Cashewnüsse sind noch übrig.


Gestern ging es dann an die Zubereitung, die, wie im verlinkten Blog beschrieben, ausgesprochen einfach war: Ich mischte alle trockenen Zutaten, dann kamen das geschmolzene Kokosöl und die zermatschten Bananen dazu und die Masse kam in den Ofen, wo ich dann während des Backens mehrfach darin herumrührte. Während sich mein Freund beim Mischen der Zutaten noch darüber beschwert hatte, dass alles nach Kokosnuss stänke, breitete sich beim Backen ein wunderbarer Bananen- und Zimtduft aus, der selbst ihm gefiel.


Das abgekühlte fertige Müsli wanderte dann in ein Vorratsglas und wurde heute morgen feierlich zum Frühstück getestet. Ein Müsli mit derart hohem Nussanteil ist nicht nur teuer, sondern auch gehaltvoll - vielleicht muss ich in Zukunft mit weiteren Haferflocken strecken, denn mein Granola dürfte, wenn man es pur als Frühstück genießt, eine ziemliche Kalorienbombe sein. Geschmacklich war es auf jeden Fall wunderbar, und die Süße der Bananen reichte tatsächlich aus - eine Zugabe von Zucker war aus meiner Sicht nicht erforderlich.


Somit steht fest: Ich werde mich nun auch an andere Granola-Rezepte wagen. Vielfach wird, soweit ich das bei Chefkoch recherchieren konnte, mit günstigeren Zutaten gearbeitet, und wenn ich ein paarmal gebacken habe, werde ich mich auch sicherlich trauen, selbst Rezepte zu variieren. Nur schade, dass ich mir für den ersten Test quasi den "Porsche" unter den Granolas ausgesucht hatte. An dem müssen sich meine kommenden Versuche dann erst einmal messen...


Neulich beim achten Streich: Hundreds im Frankfurter Zoom

U.

Hundreds habe ich, so rechnete ich das zumindest auf der Hinfahrt zum Konzert in Frankfurt am letzten Samstag aus, nun mindestens sieben Mal live gesehen, mit Samstag also acht Mal. Das letzte Konzert war nun aber schon eineinviertel Jahre her, und es gibt Neues von den Geschwistern aus Hamburg, in Form ihres dritten Albums namens „Wilderness“. Selbiges hatte ich in der Woche vor dem Konzert erst ein paar Mal gehört und fühlte mich hinsichtlich meiner Konzertaufgabe „Setliste mitschreiben“ deshalb etwas unsicher.


Im Zoom war es bei unserer Ankunft schon ziemlich voll – ein Zustand, in dem ich den kleinen Club überhaupt noch nie erlebt hatte. Hier sah ich schon Jens Lekman, Maccabees, Tunng und zuletzt Sophia, stets gab es reichlich Platz. Wenn man in Betracht zieht, dass Hundreds aber auch schon in der Frankfurter Brotfabrik und im Wiesbadener Schlachthof aufgetreten sind, erschien das Zoom allerdings auch als ein dem Publikumserfolg der Band von der Kapazität her nicht ganz angemessener Club.

Vielleicht hatte man auch im Zoom nicht mit so viel Andrang gerechnet – das würde erklären, warum die Garderobenschlange sich einmal durch den kompletten Club zog und sich niemand vom Personal bequemte, spontan hinter der Abgabetheke mitzuhelfen.


So stand ich auch noch mit unseren Mänteln Schlange, als der Support-Act Arpen bereits sein erstes Lied spielte. Es handelte sich um zwei junge Männer, Arpen selbst und einen ihn begleitenden Musiker, mit Synthesizern und einem offensichtlich nicht funktionierenden Percussiongerät. In der ersten Reihe vor der Bühne, die ich in der Mitte des dritten Liedes wieder erreichte, hörte man leises Klacken beim Auftreffen der Sticks auf die Pads, aber über die Lautsprecher war nichts zu hören. Ansonsten war die Musik ganz nett, aber auch nicht sonderlich einprägsam.

Neben den Milners ist bei den Liveauftritten von Hundreds nach wie vor Florian Wienczny als Schlagzeuger dabei. Er erschien nun auf der Bühne, prüfte gemeinsam mit einem uns unbekannten jungen Mann die diversen Instrumente und stellte sicher, dass für den Auftritt alles bereit war. Nachdem wir schon einmal erlebt hatten, dass Philipp bei einem Hundreds-Konzert vertreten werden musste, rätselten wir schon, ob er krank sei. Dann betrat Florian aber gemeinsam mit Philipp „richtig“ die Bühne, und die beiden spielten das Intro zu „Wilderness“, bevor auch Eva ihre Position vorne einnahm.


Eva kannten wir bislang in zwei Outfit-Variationen: Bei den Live-Auftritten zum ersten Album „Hundreds“ hatte man sie stets in einem asymmetrischen schwarzen Overall gesehen, das zweite Album „Aftermath“ präsentierte sie in einem schwarzweißen Kleid (genauer gesagt gab es mehrere). Anlässlich der neuen Albumveröffentlichung rechnete ich nun wieder mit einem neuen Outfit und behielt Recht: Für „Wilderness“ kommt ein neuer Einteiler zum Einsatz, dieses Mal aus dunkelblauem Samt und ärmellos, dazu gibt es noch ein Jäckchen aus Tüll. Natürlich war sie wieder barfuß (in einem Interview las ich, dass sie mit Schuhen Angst hätte, beim Singen umzufallen). Bei einem Festival hatten wir schon einmal gesehen, dass die Bühne vor dem Hundreds-Auftritt auf eventuelle Barfuß-Gefahren untersucht wurde. Im Zoom hielt man das offensichtlich nicht für nötig, dafür trat Eva während des Auftritts auch in ein Steinchen.


Auch in Punkto Beleuchtung denkt sich die Band immer wieder etwas Neues aus. Während bei der „Aftermath“-Tournee mit schwarzem Stoff umwickelte Leuchtröhren mit von der Partie gewesen waren, gibt es nun vereinzelt Strobolicht sowie wie gehabt bei manchen Liedern Projektionen via Beamer – einige kannten wir bereits von vergangenen Auftritten, andere waren neu. Außerdem nahm einmal eine Kamera am linken Bühnenrand Eva auf und warf deren verfremdete, comic-artige Bilder an die Bühnen-Rückwand.


Das Set begann mit mehreren Liedern aus „Wilderness“, erst zum dritten, älteren Song „Fighter“ begrüßte uns Eva, erzählte vom neuen Album und dass man sowohl Lieder daraus als auch ältere spielen werde – wie „Fighter“. Anschließend folgten weitere vier Lieder von „Wilderness“. Eva tanzte weniger, als wir das bei vergangenen Auftritten gesehen hatten, aber das lag möglicherweise einfach an den leicht beengten Bühnenverhältnissen: Im schmalen Zwischenraum von Philipps Keyboard-Türmen und Florians Schlagzeug barg jedes Tänzchen das Risiko, etwas umzureißen. Ein wenig tanzte die Sängerin aber natürlich dennoch, und als kürzlich Yoga-Interessierte erkannte ich auch, dass sie uns zweimal den „Baum“ präsentierte… Ähnlich wie auf dem Album gingen „Black Sea“ und „Spotless“ fließend ineinander über.


In der zweiten Konzerthälfte kamen wieder ältere Titel in den Vordergrund, etwa „Beehive“ und eine akustische Version von „Ten Headed Beast“, für die Florian die Bühne verließ und bei der Philipp mitsang.

Viel zu schnell ging das Konzert vorbei, schon bald kündigte Eva mit „Happy Virus“ das letzte Lied an. Auf der auch aus Zuschauersicht gut lesbaren Setliste konnte man allerdings sehen, dass auch eine Zugabe eingeplant war – wenn auch nur mit einem Lied. So kehrten die drei nochmals für „Grab The Sunset“ zurück, wobei Eva nach dem Song die Bühne verließ und die beiden Männer anschließend noch eine kleine Geräusch- und Beatorgie feierten, bevor sie sich ebenfalls verbeugten und verabschiedeten.


Schade, dass auf der Setliste kein Platz mehr für „Lily“ und „Take it down“ vom neuen Album war. Dennoch war auch dieses Hundreds-Konzert natürlich wieder toll, und es machte Spaß, das neue Material live zu hören – wie auch die altbekannten Hits. Evas Stimme klang wie immer perfekt. Daran konnte man sich auch noch sehnsüchtig erinnern, als man in der zum Konzertende noch viel längeren Garderobenschlange wartete…

Setliste:

Wilderness
Bearer & Dancer
Fighter
What Remains
Black Sea
Spotless
Unfolded
Rabbits On The Roof
Ten Headed Beast
Our Past
Un-Unify
Beehive
Let's Write The Streets
Happy Virus

Grab The Sunset

Sendeschluss: Katie Melua - Perfect World

U.

Moment mal, Katie Melua? Seit wann kommt im Sendeschluss denn Seicht-Pop vor? Seit diesem im wahrsten Sinne des Wortes zuckersüßen Video. Während ich in der Realität mit dem immer kälter werdenden Wetter hadere und die erste Erkältung des Winters naht, erinnert einen die Zucker-Schneewelt von Frau Melua daran, dass der Winter zumindest auch seine schönen Seiten haben kann.

Gekauft: Oktober 2016

U.

Im Oktober hatte ich Geburtstag und bekam einen ganzen Haufen tolle Geschenke! Mir selbst schenkte ich außerdem einen luxuriösen Wellness-Tag in meinem ehemaligen Fitness-Studio und hatte obendrein eine Woche Urlaub. All das lässt sich hier aber nicht sonderlich gut abbilden, also zeige ich hier stattdessen eine physische Anschaffung: Nachdem ich sicherlich seit einem halben Jahr darüber nachgedacht hatte, habe ich mir im Oktober sehr teure Kopfhörer mit "Noise Cancelling"-Funktion gekauft.

Solche Kopfhörer schaffen es irgendwie, Geräusche aus der Außenwelt aktiv zu überdecken. Das kann im Großraumbüro oder auch beim Zugfahren extrem hilfreich sein: Man setzt die Kopfhörer auf und das quengelnde Kind (oder der dauer-telefonierende Kollege) ist mit einem Mal viel leiser. Und anders als bei herkömmlichen Kopfhörern muss man dafür Musik, Hörbuch oder Podcast nicht bis zum Anschlag aufdrehen.

Auch wenn ich angesichts der hohen Anschaffungskosten von über 300 Euro lange im Zweifel war, muss ich sagen, dass ich meine erste Woche mit "Noise cancelling" sehr genossen habe. Selbst beim Staubsaugen kann ich plötzlich Podcasts hören, und oft bin ich, wenn ich die Kopfhörer im Zug oder unterwegs abnehme, überrascht, wie laut es in meiner Umgebung ist.

Dass ich dank Bluetooth-Verknüpfung nicht bei jeder Benutzung ein Kabel entwirren muss, ist ein nettes Extra-Feature!

Gesehen: Oktober 2016

U.

Ich weiß nicht warum, aber ich habe den Film Westworld mit seiner Vision von erst misshandelten und dann rebellierenden Robotern immer höchst faszinierend gefunden. Auch die Grundidee einer Urlaubswelt, in der schlicht alles passieren kann, erschien mir spannend. Und so war ich durchaus angetan, als ich erfuhr, das es eine auf dem Film basierende HBO-Fernsehserie geben sollte. Westworld, HBO, das musste ja großartig werden!

Mittlerweile kenne ich die ersten fünf Folgen und muss sagen: Ja und Nein. Zunächst einmal: Die Serie ist wunderbar gemacht, die Darstellung sowohl der Western-Welt als auch des "technischen Unterbaus" ist großartig und hat sicher Millionen gekostet. Die Schauspieler (Evan Rachel Wood, Anthony Hopkins, Thandie Newton, Jeffrey Wright, Ed Harris) sind allesamt phantastisch, die Handlung spannend und bislang hat mich jede Folge gefesselt.


Was stört also? Dass es sich beim Zusehen nicht vermeiden lässt, die Logik des gesamten Ferienparks zu hinterfragen. Vermutlich ist es gut, dass in der Filmvorlage die Revolution der Roboter sehr schnell nach dem Handlungsbeginn einsetzt. Wenn man dagegen in der Serie den nach wie vor leidlich gut funktionierenden Freizeitpark-Alltag beobachtet, wirft das viele Fragen auf: Kann es wirklich sein, dass die Besucher sicher sind? Schusswaffen wirken (zumindest bis auf weiteres) nur, wenn sie auf Roboter gerichtet werden, aber wie ist das bei Messern? Wer hindert Gäste daran, sich versehentlich gegenseitig umzubringen? Wo essen und schlafen die Luxusurlauber - es wird doch nicht jeder damit zufrieden sein, ständig und ohne Wechselkleidung draußen zu schlafen? Kann es wirklich sein, dass die hochkomplexen Roboter, die annähernd täglich schwer beschädigt werden, über Nacht repariert werden können? Und wie können die Parkangestellten das wahrlich riesige Areal überhaupt unter Kontrolle behalten und jederzeit schnell die entlegensten Teile erreichen? In einer Folge wird zudem das Besucher-Roboter-Verhältnis erwähnt, das annähernd ausgeglichen sein soll - aber in allen bislang gezeigten Situationen waren die Roboter in der großen Überzahl.

Die Tatsache, dass ich normalerweise gar nicht der Typ bin, der unlogische Handlungen schnell hinterfragt und außerdem diese Serie wirklich mögen will, zeigt wohl, dass sich viele meiner "Hä?" Gedanken beim Zusehen nicht umgehen lassen - und es würde mich sehr wundern, wenn es die restliche Staffel schaffen würde, diese Fragen zu beantworten. Aber ich werde sie mir natürlich dennoch ansehen.

Ein wirklich schöner Bonus für Musik-Interessierte: Die Orgel im Western-Saloon spielt Coverversionen von Radiohead, The Cure, Soundgarden und den Rolling Stones.

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