Guten Abend Oma-Tischlampe! Guten Abend Thüringer Waldzither! Guten Abend Santur! Guten Abend kleiner Tisch mit quietschenden Rollen! Gut...

Neu: Mit Band! And The Golden Choir in der Frankfurter Brotfabrik


Guten Abend Oma-Tischlampe! Guten Abend Thüringer Waldzither! Guten Abend Santur! Guten Abend kleiner Tisch mit quietschenden Rollen! Guten Abend Plattenspie... - fast wie der kleine Junge aus dem Roman "Raum", dessen Verfilmung wir kürzlich angesehen hatten, begrüßte mein Freund all die Dinge, die wir bereits von vier Konzerten von And The Golden Choir kannten. Jedoch sprach er das Wort Plattenspieler nicht vollkommen aus, denn - oh, Schreck - dieser fehlte! Dabei war es doch Konzept von Tobias Siebert, zu selbst aufgenommenen Schallplatten jeweils die auf der Aufnahme noch fehlenden Instrumente zu spielen und zu singen - die Platten ersetzten die Band.


Doch die aktuelle Tournee steht unter dem Motto "The Transformation of the Transformation", eine Umwandlung eines Songtitels auf dem ersten And The Golden Choir Albums von 2015. Nachdem Siebert über 200 Konzerte mit seinen Schallplatten gespielt hatte, wurden diese vorerst eingemottet und durch echtes Bühnenpersonal ersetzt: Heutzutage begleiten ihn Johanna Weckesser, die meist Gitarre spielte, gelegentlich aber auch ans Hackbrett oder den Santur wechselte, Tilo Weber am Schlagzeug, Daniel Moheit, den ich hinter seinem Klavier kaum sehen konnte und Daniel Spindler, der die meisten Aufgaben hatte: Bass, Keyboard, Percussion, Blockflöte, Harmonium, Drehleiher und das kleinste Piano der Welt. Alle Musiker sangen außerdem mit.

Der Aufzählung der Instrumente kann man bereits entnehmen, dass Siebert sein musikalisches Konzept nicht völlig umgeworfen hat: Nach wie vor setzt er so viele kuriose Instrumente ein, wie er in die Finger bekommen kann. Man kann sich regelrecht vorstellen, wie er wieder einmal bestens gelaunt mit einem musikalischen Neuerwerb vom Flohmarkt nach Hause kommt.


Ebenfalls geblieben ist das Programmheft für die Zuschauer, dem diese die Musikernamen, die Songtexte und weitere Informationen entnehmen können. Auf den 32 Seiten findet man außerdem Fotos von Tourstationen, zusätzlich kann man ihm entnehmen, dass das nächste And The Golden Choir Album erst Ende 2017 erscheint. Ebenfalls wird man über den bei der aktuellen Tournee erhältlichen And The Golden Choir-Wein informiert. In Zusammenarbeit mit einem Weingut aus Reil an der Mosel wurde sowohl ein Weiß- als auch ein Rotwein konzipiert. Während ersterer bereits online und bei den Konzerten erhältlich ist, muss letzterer noch bis zum nächsten Jahr reifen. Wie das neue Album also.

Konsequent war Siebert auch bei der Gestaltung seines Vorprogramms, denn auf seiner letzten Tournee kam er zunächst auf die Bühne und spielte eine Schallplattenseite eines von ihm persönlich geschätzten Albums als Vertretung einer Vorband. Da er nun eine echte Band hat, ist jetzt auch die Vorband ein Live-Musiker: Am Dienstag Abend trat der junge Singer/Songwriter BAYUK auf, mit dem Siebert kürzlich dessen Debütalbum aufgenommen hatte, von dem in 30 Minuten Songs in schlichten Versionen, nur Gitarre und Gesang, präsentiert und mit reichlich Applaus bedacht wurden.


Dann war es Zeit für die Band, die das Set gleich mit zwei neuen Liedern, "The Jewelry" und "My Lies" eröffnete. Ein wenig ungewöhnlich war es schon, keine knisternde Platte zu hören, aber mir gefielen sowohl die neuen Lieder als auch die Liveband sehr gut. Auch Siebert hatte an dem Konzert sichtlich seinen Spaß und lächelte viel. Das musste uns wohl über die kaum vorhandene Kommunikation - ein paar "Danke", "Vielen Dank" sowie einmal, mit auslandender Geste Richtung Musiker, "Die goldene Band!" hinwegtrösten . insgesamt zählte mein Freund 13 Worte mit.

Auch das etwas spärliche Publikum, für das man wieder einmal Stühle und Tische aufgestellt hatte, war still, geradezu andächtig. Nach jedem Song wurde gewartet, bis auch wirklich der allerletzte Ton verklungen war, bevor der Applaus einsetzte. Musikalisch musste man das eine oder andere Mal an Radiohead früher denken, bei einem Liedanfang fühlte ich mich auch stimmlich an Anohni erinnert.


Nach einer a Capella von allen gesungenen Version von "Another Half Life" sowie "Angelina" verließ die Band nach dreizehn Songs die Bühne, aber diejenigen, die im dunklen Kerzenlicht der Brotfabrik-Tischchen das Programmheft entziffern konnten, wussten bereits, dass dies keineswegs das Ende war, und richtig: Weiter ging es nach kurzer Unterbrechung und Applaus mit der aktuellen Single "Joker", die ich bereits als Video kannte. Und wir bekamen sogar noch eine zweite Zugabe, bis der Abend sowohl auf der Bühne als auch im Programmheft endete. Am Merchandisestand sicherte ich mir einige Flaschen des Bandweins, von denen ich hoffentlich bald eine testen kann.

Ein tolles Konzert, dem man mehr Publikum gewünscht hätte!

Setliste:

The Jewelry
My Lies
The Transformation
My Brother's Home
My Heaven Is Lost
It's Not My Life
The Hunter Of Souls
Choose To Lose
Daily Dose
Dead End Street
Holy Diamond
Another Half Life
Angelina

Joker
The Queen Of Snow
Cold Star

The Rain
In Heaven


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