Neulich beim achten Streich: Hundreds im Frankfurter Zoom

U.

Hundreds habe ich, so rechnete ich das zumindest auf der Hinfahrt zum Konzert in Frankfurt am letzten Samstag aus, nun mindestens sieben Mal live gesehen, mit Samstag also acht Mal. Das letzte Konzert war nun aber schon eineinviertel Jahre her, und es gibt Neues von den Geschwistern aus Hamburg, in Form ihres dritten Albums namens „Wilderness“. Selbiges hatte ich in der Woche vor dem Konzert erst ein paar Mal gehört und fühlte mich hinsichtlich meiner Konzertaufgabe „Setliste mitschreiben“ deshalb etwas unsicher.


Im Zoom war es bei unserer Ankunft schon ziemlich voll – ein Zustand, in dem ich den kleinen Club überhaupt noch nie erlebt hatte. Hier sah ich schon Jens Lekman, Maccabees, Tunng und zuletzt Sophia, stets gab es reichlich Platz. Wenn man in Betracht zieht, dass Hundreds aber auch schon in der Frankfurter Brotfabrik und im Wiesbadener Schlachthof aufgetreten sind, erschien das Zoom allerdings auch als ein dem Publikumserfolg der Band von der Kapazität her nicht ganz angemessener Club.

Vielleicht hatte man auch im Zoom nicht mit so viel Andrang gerechnet – das würde erklären, warum die Garderobenschlange sich einmal durch den kompletten Club zog und sich niemand vom Personal bequemte, spontan hinter der Abgabetheke mitzuhelfen.


So stand ich auch noch mit unseren Mänteln Schlange, als der Support-Act Arpen bereits sein erstes Lied spielte. Es handelte sich um zwei junge Männer, Arpen selbst und einen ihn begleitenden Musiker, mit Synthesizern und einem offensichtlich nicht funktionierenden Percussiongerät. In der ersten Reihe vor der Bühne, die ich in der Mitte des dritten Liedes wieder erreichte, hörte man leises Klacken beim Auftreffen der Sticks auf die Pads, aber über die Lautsprecher war nichts zu hören. Ansonsten war die Musik ganz nett, aber auch nicht sonderlich einprägsam.

Neben den Milners ist bei den Liveauftritten von Hundreds nach wie vor Florian Wienczny als Schlagzeuger dabei. Er erschien nun auf der Bühne, prüfte gemeinsam mit einem uns unbekannten jungen Mann die diversen Instrumente und stellte sicher, dass für den Auftritt alles bereit war. Nachdem wir schon einmal erlebt hatten, dass Philipp bei einem Hundreds-Konzert vertreten werden musste, rätselten wir schon, ob er krank sei. Dann betrat Florian aber gemeinsam mit Philipp „richtig“ die Bühne, und die beiden spielten das Intro zu „Wilderness“, bevor auch Eva ihre Position vorne einnahm.


Eva kannten wir bislang in zwei Outfit-Variationen: Bei den Live-Auftritten zum ersten Album „Hundreds“ hatte man sie stets in einem asymmetrischen schwarzen Overall gesehen, das zweite Album „Aftermath“ präsentierte sie in einem schwarzweißen Kleid (genauer gesagt gab es mehrere). Anlässlich der neuen Albumveröffentlichung rechnete ich nun wieder mit einem neuen Outfit und behielt Recht: Für „Wilderness“ kommt ein neuer Einteiler zum Einsatz, dieses Mal aus dunkelblauem Samt und ärmellos, dazu gibt es noch ein Jäckchen aus Tüll. Natürlich war sie wieder barfuß (in einem Interview las ich, dass sie mit Schuhen Angst hätte, beim Singen umzufallen). Bei einem Festival hatten wir schon einmal gesehen, dass die Bühne vor dem Hundreds-Auftritt auf eventuelle Barfuß-Gefahren untersucht wurde. Im Zoom hielt man das offensichtlich nicht für nötig, dafür trat Eva während des Auftritts auch in ein Steinchen.


Auch in Punkto Beleuchtung denkt sich die Band immer wieder etwas Neues aus. Während bei der „Aftermath“-Tournee mit schwarzem Stoff umwickelte Leuchtröhren mit von der Partie gewesen waren, gibt es nun vereinzelt Strobolicht sowie wie gehabt bei manchen Liedern Projektionen via Beamer – einige kannten wir bereits von vergangenen Auftritten, andere waren neu. Außerdem nahm einmal eine Kamera am linken Bühnenrand Eva auf und warf deren verfremdete, comic-artige Bilder an die Bühnen-Rückwand.


Das Set begann mit mehreren Liedern aus „Wilderness“, erst zum dritten, älteren Song „Fighter“ begrüßte uns Eva, erzählte vom neuen Album und dass man sowohl Lieder daraus als auch ältere spielen werde – wie „Fighter“. Anschließend folgten weitere vier Lieder von „Wilderness“. Eva tanzte weniger, als wir das bei vergangenen Auftritten gesehen hatten, aber das lag möglicherweise einfach an den leicht beengten Bühnenverhältnissen: Im schmalen Zwischenraum von Philipps Keyboard-Türmen und Florians Schlagzeug barg jedes Tänzchen das Risiko, etwas umzureißen. Ein wenig tanzte die Sängerin aber natürlich dennoch, und als kürzlich Yoga-Interessierte erkannte ich auch, dass sie uns zweimal den „Baum“ präsentierte… Ähnlich wie auf dem Album gingen „Black Sea“ und „Spotless“ fließend ineinander über.


In der zweiten Konzerthälfte kamen wieder ältere Titel in den Vordergrund, etwa „Beehive“ und eine akustische Version von „Ten Headed Beast“, für die Florian die Bühne verließ und bei der Philipp mitsang.

Viel zu schnell ging das Konzert vorbei, schon bald kündigte Eva mit „Happy Virus“ das letzte Lied an. Auf der auch aus Zuschauersicht gut lesbaren Setliste konnte man allerdings sehen, dass auch eine Zugabe eingeplant war – wenn auch nur mit einem Lied. So kehrten die drei nochmals für „Grab The Sunset“ zurück, wobei Eva nach dem Song die Bühne verließ und die beiden Männer anschließend noch eine kleine Geräusch- und Beatorgie feierten, bevor sie sich ebenfalls verbeugten und verabschiedeten.


Schade, dass auf der Setliste kein Platz mehr für „Lily“ und „Take it down“ vom neuen Album war. Dennoch war auch dieses Hundreds-Konzert natürlich wieder toll, und es machte Spaß, das neue Material live zu hören – wie auch die altbekannten Hits. Evas Stimme klang wie immer perfekt. Daran konnte man sich auch noch sehnsüchtig erinnern, als man in der zum Konzertende noch viel längeren Garderobenschlange wartete…

Setliste:

Wilderness
Bearer & Dancer
Fighter
What Remains
Black Sea
Spotless
Unfolded
Rabbits On The Roof
Ten Headed Beast
Our Past
Un-Unify
Beehive
Let's Write The Streets
Happy Virus

Grab The Sunset

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