In meiner Kindheit, als es für die meisten Menschen nur drei Fernsehprogramme gab und Wetten, dass ...? eine Einschaltquote von 100 % hatt...

Willkommen beim Wunschfilm (1)


In meiner Kindheit, als es für die meisten Menschen nur drei Fernsehprogramme gab und Wetten, dass ...? eine Einschaltquote von 100 % hatte, gab es jeden Sommer den "ZDF Wunschfilm". Einmal pro Woche standen für 20:15 Uhr jeweils drei verschiedene Filme (häufig derselben Kategorie, beispielsweise Musikfilme) in der Fernsehzeitung, und die Zuschauer konnten durch Anruf entscheiden, welcher von ihnen gesendet werden würde. Ich fand das toll, was aber sicherlich auch daran lag, dass mir in meinem jugendlichen Alter noch nicht bewusst war, was für olle Kamellen hier häufig gegeneinander antraten ...


Bei ZDFneo gibt es im Management offenbar ebenfalls ehemalige Wunschfilmgucker, denn im Moment wird dort ein ähnliches Prinzip ausprobiert: Zehn Sendungskonzepte, von denen jeweils nur eine einzige Folge produziert wurde, werden in diesen Tagen gezeigt, und die Zuschauer dürfen per Internetvoting (wir haben ja schließlich nicht mehr 1985) entscheiden, welches davon in Serie geht. Abstimmkriterien sind hierbei - jeweils auf einer Skala von 1 bis 10, ob man mehr Folgen sehen möchte, als wie innovativ die Sendung eingeschätzt wird und wie die Umsetzung gefällt.


Nachdem man sich die Sendungen auch im Internet ansehen kann, ist man beim Testen nicht an Sendezeiten gebunden, weshalb ich mittlerweile bereits fünf der zehn Testsendungen kenne. Absoluter Favorit bisher ist Ausgekuschelt, eine Pseududoku im Stil von Big Brother mit ehemaligen Stars, die allerdings allesamt Puppen im Stil der Muppets sind. Die Folge begann in meinen Augen etwas zu zahm, steigerte sich dann aber doch ins Absurd-Satirisch-Komische, und dass zum Beispiel (in einer ZDF-Sendung!) behauptet wird, dass die Mainzelmännchen ins Bordell gehen (sie rufen begeistert "Nutten! Nutten! Nutten!"), hätte ich so nicht erwartet. Menschliche Gastdarsteller wie Oliver Petszokat nehmen sich ohne Stolz selbst auf die Schippe, und auch insgesamt musste ich des öfteren lachen. Leider liegt Ausgekuschelt im aktuellen Ranking nur auf Rang 5, also stehen die Chancen auf eine Fortsetzung schlecht.

Noch kurz zu den weiteren bisher getesteten Sendungen:


Wie geil ist das denn?! - Caro Korneli stellt sich nach dem Motto "einmal im Leben" ungewöhnlichen Situationen und lässt zum Beispiel wörtlich die Sau raus, komponiert mit Unterstützung (von Bernd Begemann) ein Lied, entbindet ein Lämmchen oder schmeißt eine Lokalrunde. Ganz unterhaltsam und gut umgesetzt, insbesondere das Tempo variiert je nach Aufgabe enorm, so dass in nur einer Folge bereits eine große Zahl von "Aufgaben" bewältigt wird. Andererseits gab es solche Sendungen bereits mehrmals, man denke an Raab in Gefahr oder einige Ausgaben von Galileo. Auch ist fraglich, wie viele Folgen eines solchen Formates man drehen kann, bevor es langweilig wird.


German Angst - Micky Beisenhert kümmert sich satirisch-informativ und ohne Schamgrenzen um soziale Randgruppen, in der ersten Folge um Türken und den Islam. Dabei räumt er mit Klischees auf, stellt peinliche Fragen, posiert in Straßenumfragen als bigotter Prolet und provoziert Passanten mit gestellten Szenen, etwa als Schweinewürstchen verkaufender Moslem. Durchaus informativ und stellenweise lustig, aber längst nicht jeder Gag zündete, und für meinen Geschmack war der Informationsgehalt ein wenig oberflächlich.


Neoxplorer - Eine Reisesendung, in der das Moderatorenduo sich ausschließlich nach Tipps orientiert, die es von den Zuschauern per Facebook erhält - in der Pilotfolge wird auf diese Weise Istanbul erforscht. Die Sendung gibt sich sehr technophil, indem viel mit iPads und dort gespeicherten Videos gearbeitet wird. Nur stimmt das Ergebnis nicht: Die Moderatoren wirkten in wenig lustlos und konfus, und so richtig super scheinen die Zuschauertipps häufig auch nicht zu sein. Jetzt weiß ich zwar zum Beispiel, wo in Istanbul ich authentisch Schafhirn essen könnte, aber möchte ich das?


Liebe auf Speed - Tausendster, wenn auch variierter Aufguss von Datingsendungen, wie sie seit Jahren auf MTV und Viva laufen. Anders als in Herzblatt, MTV Next, Singled Out, Straßenflirt oder Exposed ist hier das Szenario, dass die beste Freundin des "Opfers" zunächst in ihren Augen geeignete Kandidaten auswählt und diese dann scheinbar spontan die eigentliche Kandidatin ansprechen - in der Pilotfolge geschah das im Rahmen des ersten Arbeitstages der Kandidatin in einer Boutique. Zurzeit zurecht auf dem letzten Platz im Zuschauervoting.

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