Nina, Mond und Sterne: Nina Persson im Kölner Gloria

U.
Der Name Nina Persson sagt mäßig musikinteressierten Menschen bestimmt eher wenig. An The Cardigans können sich die meisten aber sicherlich erinnern, diese Band hatte ja einige internationale Hits. Seit neun Jahren hat sie allerdings nichts mehr von sich hören lassen. Perssons Nachfolgeprojekt A Camp war schon deutlich weniger bekannt und hat seit 2009 auch nichts mehr veröffentlicht. Dafür hat Nina nach längerer Pause vor Kurzem ein Album unter ihrem eigenen Namen aufgenommen und ist nun auf Tournee. So richtig herumgesprochen hat sich die neue Karriere aber wohl noch nicht, denn die Zuschauerzahl im Kölner Gloria war bei unserem Eintreffen durchaus überschaubar.


Die etwas seltsam mit folienbezogenen Stellwänden dekorierte Bühne wurde dann zunächst von Worry Doll, Ninas Ein-Mann-Supportact erklommen. Der junge Mann sang zu Musik vom Macbook, was manchmal ein wenig nach James Blake klingen sollte, aber immer dann, wenn er ins Falsett verfiel, schwer zu ertragen war. Das Publikum konnte er damit nicht so richtig erobern, er erntete höflichen Applaus, alle seine Kommunikationsversuche wurden jedoch mit Schweigen bedacht. Dabei erkundigte sich der Künstler sogar, ob er über Karneval noch in Köln bleiben solle - nicht einmal auf diese Vorlage gingen die doch sonst so missionarischen Kölner ein. Auch die Ankündigung, dass es einen Song als Download gäbe, löste nicht gerade Begeisterungswellen aus.


Seinen Laptoptisch hatte Worry Doll übrigens mit einer seltsamen, sehr folkloristisch wirkenden Tischdecke dekoriert, die uns zunächst darüber spekulieren ließ, ob sich nicht frühere Bandmitglieder aufgrund dieser aus ästhetischen Gründen von Worry Doll verabschiedet hatten. Bei seinem Abgang kam es aber noch schlimmer, denn die vermeintliche Tischdecke warf er sich als Poncho über. Sehr vielseitig einsetzbar, dieses Teil. Aber auch sehr hässlich.


Dann war es auch schon Zeit für den Hauptact, der Saal hatte sich mittlerweile glücklicherweise noch etwas gefüllt. Nina Persson erklomm die Bühne gemeinsam mit ihrer vierköpfigen Band, bestehend aus einer Dame am Keyboard und drei Herren an Gitarre, Schlagzeug und Synthesizer, wobei sie besonderen Wert darauf legte, dass sie die Band Nina Persson seien. Nina trug ein recht seltsames Outfit: Neben einem schwarzen "Fascinator" im Haar fiel insbesondere ihr schwarzer Seidenkimono ins Auge. Dieser hatte auf dem Rücken Mond und mit Glitzersteinchen besetzte Sterne, den unteren Saum zierten nach oben reichende Hände. Der Mondanhänger an ihrer Kette harmonierte thematisch mit dem Mantel. Am Merchandisestand hätten wir übrigens neben den üblichen Waren wie Platten und T-Shirts auch eine Halskette zum Preis von 40 Euro kaufen können.


Die Sängerin selbst wirkte ein wenig verhärmt. Gut, wir werden alle älter, und die Cardigans-Tage liegen nun schon länger zurück, aber ich las auch in einem Interview, dass Nina Persson vor Kurzem unter Krebs litt, der sich glücklicherweise operativ entfernen ließ. So war es wohl eher die noch nicht lang zurück liegende Krankheit als das Alter, das der (zweifellos immer noch sehr hübschen) Künstlerin ins Gesicht geschrieben zu sein schien.

Kommen wir endlich zur Musik: Ich mag Ninas Stimme und finde sie auch sympathisch, aber ich hatte ihr Soloalbum bereits vorab gehört und war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Die Single "Animal Heart" stellt im Vergleich den stärksten Song dar und kam beim Publikum auch mit am besten an, aber insgesamt muss man bei Nina Persson, wie schon vor einigen Tagen zu Beady Eye, sagen: Es fehlt halt einfach an gutem Songmaterial. Frau Persson, die ihr Album komplett spielte, versuchte diesen Missstand zu beheben, indem sie insgesamt 6 Songs von A Camp und eine Coverversion in die Setliste einbaute.


An Charme mangelte es der Sängerin dagegen nicht, so bat sie um weniger helles Licht, weil sie der Meinung war, es könne die Zuschauer in den vorderen Reihen zu sehr blenden. Später, vor "Catch Me Cryin'", bat sie um noch weniger Bühnenbeleuchtung mit den Worten "I was hoping for porn light!". Ob ihr der frühere Verwendungszweck des Kölner Glorias bekannt war?
Nina sang auch nicht nur, sondern betätigte sich manchmal (beispielsweise bei "Charlie Charlie") an einem Mini-Keyboard, bei "I can buy you", das besonders gut ankam, spielte sie auch Mundharmonika.


Das Publikum blieb, von zwei auffällig begeistert abrockenden Ausnahmen abgesehen, auch beim Hauptact sehr ruhig, hörte aber aufmerksam und wohlwollend zu. So wurden dann nach dem regulären Set noch zwei Zugaben erklatscht. Die erste enthielt neben zwei eigenen Songs auch eine mir unbekannte Coverversion von David Bowie ("Boys Keep Swinging"). Für die zweite Zugabe kehrte Nina allein mit der Keyboarderin und den Worten "We're back and it's just me and Johanna, fuck boys!" zurück, die beiden spielten dann noch "This is heavy metal".

Wie gesagt, musikalisch beeindruckend war das alles nicht, obwohl ich Ninas Stimme mag und fand, dass sie gut sang. Bleibt zu hoffen, dass es irgendwann eine Cardigans-Reunion gibt und man dann auch Knaller wie "My Favourite Game" oder "For What It's Worth" wieder live hören kann.


Clip Your Wings
Burning Bridges For Fuel
Animal Heart
Frequent Flyer (A Camp)
Forget To Tell You
Love Has Left The Room (A Camp)
Catch Me Cryin'
Bear On The Beach (A Camp)
Charlie Charlie (A Camp)
Jungle
Dreaming Of Houses
Silver Like The Moon
I Can Buy You (A Camp)
Food For The Beast

Walking The Cow (A Camp)
The Grand Destruction Game
Boys Keep Swinging (David Bowie)

This Is Heavy Metal

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