Neulich bei seinem ersten Wohnzimmerkonzert: Pete Fij in Montabaur


Im Kölner Bericht hatte ich bereits erwähnt, dass Pete Fij auch bei uns Zuhause spielen würde - ein Ereignis, dem mein Freund und ich ausgesprochen vorfreudig entgegen sahen. Pete gehört mit Pelle Carlberg und Dirk Darmstädter zu den drei Musikern, die ich mir am meisten für unser Wohnzimmer gewünscht hatte. Nachdem nun alle drei da waren, kann ich mich im Grunde zur Ruhe setzen!

Die Tatsache, dass wir Pete überhaupt "bekommen" konnten, erforderte ein wenig Überzeugungsarbeit, da er noch nie in einem Wohnzimmer aufgetreten war, das Zusenden von Bildern unserer Katzen, sowie minimale Kompromissbereitschaft auf unserer Seite, denn bevorzugt veranstalten wir unsere Wohnzimmerkonzerte am Wochenende: Das erleichtert die Vor- und Nachbereitung, und da die meisten Besucher nicht direkt vor Ort wohnen, ist es für diese auch einfacher, wenn sie am nächsten Tag nicht früh aufstehen müssen. Ich rechnete bei einem Mittwochskonzert deshalb mit eher verhaltenen Anmeldungen.

Weit gefehlt: Über einen längeren Zeitraum ab der Ankündigung erhielten wir erfreulicherweise Zusage um Zusage. Selbst in den letzten Tagen vor dem Konzerttermin, in denen traditionell nur noch Absagen kommen (etwa wegen Krankheit) meldeten sich Gäste, um mitzuteilen, dass sie noch jemand mitbringen würden. Am Konzerttag trugen wir schließlich sämtliche Stühle unseres Haushalts herbei, damit zumindest die meisten Besucher würden sitzen können.


Als weitere Premiere meldete sich bei mir einige Tage vor dem Termin ein Franzose aus Strasbourg: Er wolle Pete Fij seit 25 Jahre live sehen und sei deshalb bereit, drei Stunden lang zu uns zu fahren und vor Ort im Hotel zu übernachten. Interessenten aus dem Ausland hatten wir bislang noch nicht gehabt... und so wurde die Standardangst des Konzerttages "Was machen wir, wenn keine Gäste kommen?" durch die neue "Was machen wir, wenn wir nicht genug Platz für alle Besucher haben?" ersetzt. Schön, wenn man bei den Sorgen auch ein bisschen Abwechslung hat!

Eine weitere Sorge meines Standardortiments ist immer die, dass der Künstler gar nicht erscheinen könnte. Diese war dieses Mal minimal, da wir im Vorfeld viel mit Pete gemailt und gesprochen hatten und er außerdem mit einem bestimmten Zug anreiste - bei Bands mit Auto sind die Ankunftstermine naturgemäß viel vager. So gab es dann nur einen sehr kurzen Schreckmoment am Bahnhof, als wir Pete nicht sofort auf dem Bahnsteig entdeckten.

Auf Wunsch des Künstlers machten wir dann erst einmal eine Stadtbesichtigung, die angesichts der Winzigkeit besagter Stadt für Schloss und historische Altstadt inklusive Kaffee-und-Kuchen-Pause nur eine gute Stunde in Anspruch nahm. Das war aber auch völlig ausreichend, weil anschließend noch "Soundcheck", Abendessen, Stühle aufstellen und diverse andere Dinge erledigt werden mussten, bevor das Konzert begann - im Rahmen der Vorbereitungen kamen wir auch in den exklusiven Genuss des Adorable-Liedes "Cut #2", das Pete schon einmal spielte, aber später nicht in die Setliste des Abends aufnahm.


Dann waren da ja auch die vielen erwarteten Gäste, die nun eintrafen. Der französische Besucher hatte anders als geplant dann doch seine Frau und seine beiden jungen Kinder dabei, was die Zahl der Konzertbesucher inklusive Gastgeber auf den Rekordwert von 34 (plus 2 kleine) brachte.

Im Vorfeld hatten wir Pete gebeten, sein Set in zwei Hälften zu teilen, was er bereitwillig tat - er gestand uns, dass er ohnehin nicht gerne Zugaben gibt und baute diese dann einfach sofort in die zweite Hälfte ein. Die Geschichten rund um seine Songs waren dann natürlich ähnlich wie in Köln, allerdings generell länger und auch mehr. So erklärte er zu Beginn nochmals, dass er die Tour anlässlich seines 50. Geburtstags unternommen hatte und dass ihm nicht zuletzt seine Arbeit im Altersheim (in das ich, wenn ich so weit bin, liebend gerne einziehen möchte, weil es mit seinen Kultur- und Freizeitangeboten ganz großartig klingt) gezeigt hat, dass man sich Dinge nicht nur vornehmen, sondern sie auch umsetzen sollte.


Auch die ersten beiden Lieder, beide von Pete Fij & Terry Bickers, waren identisch zur Kölner Setliste, bei uns fehlte allerdings erfreulicherweise die Rückkopplung. Als nächstes überraschte uns Pete mit einem neuen Lied namens "Houston, we've got a problem" und "I'll Be Your Saint", einem der ältesten Lieder von Adorable. Darauf erwähnte er wieder, dass er das zweite Adorable-Album "Fake" nicht sonderlich mag, illustrierte dann aber wesentlich deutlicher, wie das Leben als Band gegen Ende der Zusammenarbeit so war: Bei einer Tourbusfahrt Richtung Niederlande hatte sich ein Bandmitglied ordentlich betrunken und war wegen einer Kleinigkeit wütend auf Pete geworden. Im Hotel drohte ihm der Kollege dann damit, aus dem Fenster zu springen und sich beide Beine zu brechen, weil das die Tournee beenden und Pete somit ärgern würde. Das betrunkene Aus-dem-Fenster-Lehnen, das lallende Drohen und das mühsame Zurückhalten durch die anderen Bandmitglieder bekamen wir vorgeführt.

Auf "Submarine", das aus dieser Epoche stammt, folgte dann "Joyrider" von der Nachfolgeband Polak, die Pete gemeinsam mit seinem Bruder Krzysztof gegründet hatte. Die beiden hatten bereits als Kinder bei langen Autofahrten in den Familienurlaub gemeinsam Lieder gedichtet und damit ihren Eltern den letzten Nerv geraubt (wir bekame eine Kostprobe des Frühwerks "You have to drive on the right side").

Es folgte auch an diesem Abend das Cover von Jim Reeves "Welcome To My World", das Pete zu Musik von seinem Handy sang und zu dem er wieder von "seinem" Altersheim erzählte, und wie eine von dessen Bewohnerinnen friedlich eingeschlafen sei, als er ihr das Lied vorgesungen hatte. Später, in der Pause, gestand er, dass er scherzhaft im Altersheim aufgefordert worden sei, den älteren Einwohnern nicht mehr vorzusingen.


Mit "Over You" und "Waking Up" folgten noch zwei andere, neuere Titel, bevor Pete die Pause einleitete, indem er erklärte, dass die, die seine teils recht ausführlichen Geschichten langweilig fänden, jetzt schon mehr als die Hälfte des Abend hinter sich gebracht hätten!

Direkt nach der Pause ging es mit "Homeboy" weiter. Dieses Mal erfuhren wir zusätzlich zu der Information, dass der Text im Grunde keine Bedeutung hat (die wir in Köln schon gehört hatten) noch zwei andere Dinge. Erstens hatte Pete dem Adorable-Bassisten erlaubt, dem Lied einen Namen zu geben, und dieser hatte sich, sehr überraschend für Pete, für "Homeboy" entschieden. Er hatte das Wort dann erst nachträglich auch in den Refrain eingebaut. Zweitens hatte Pete, als die Band das Lied geschrieben hatte, erwartet, dass es besonders erfolgreich werden würde, tatsächlich entpuppte sich "Homeboy" aber als kommerziell relativ erfolglose Single - auch, wenn es heute der Song ist, auf den ihn die meisten Adorable-Fans ansprechen.

In der zweiten Hälfte hörten wir auch noch zwei Geschichten, die zeigten, wie Pete seinerseits mit "Prominenten" in Kontakt kam. Zu "Lost and Found" erzählte er, wie er Terry Bickers als Mitglied der Band House of Love immer bewundert habe und ausgesprochen ehrfürchtig gewesen sei, als er diesen das erste Mal besuchte, er dessen Gitarre sah und von ihm Tee gekocht bekam. Mittlerweile sei Terry für ihn einfach Terry (und mache immer noch Tee für ihn), aber damals sei es eine surreale Erfahrung gewesen.


In "Lost and Found" kommt auch Petes Handpuppe "Electricity Board" vor, die zu diesem Anlass einen Ehrenplatz auf einer Wasserflasche erhielt. Pete fand den Stoffbären als Kind vor einem Geschäft eben diesem Namens, ließ ihn zunächst für den eigentlichen Besitzer zurück, sorgte sich dann Zuhause um das Schicksal des Bären und ging ihn schließlich mit seinem Bruder abholen - seitdem ist Electricity Board bei jeden Konzert dabei, aber nicht immer zu sehen.

"Lost and Found" gefiel einem der kleinen Gäste so gut, dass er neben Pete einen kleinen Tanz aufführte, was für Heiterkeit sorgte - insgesamt hielten sich die kindlichen Gäste tapfer.


Die andere Geschichte erzählte Pete zu seiner Coverversion von "Rent" von den Pet Shop Boys. Pete mag das Lied sehr und hat gemeinsam mit Marc Grabber eine "Gegenversion" des Songs namens "Conditional" geschrieben, die dieselbe Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählt. Er bekam dann über einen Bekannten die Möglichkeit, diesen Song an Neil Tennant persönlich zu schicken, und tat das durchaus sorgenvoll - er selbst bekommt nämlich auch Musik von Leuten, die durch Adorable-Songs inspiriert wurden, zugeschickt, und findet diese stets schrecklich. Neil Tennant dagegen reagierte positiv auf "Conditional" und machte Pete dadurch ausgesprochen glücklich.

Das Konzert endete, wie vermutlich alle dieser Tour, mit dem Adorable Lied "A To Fade In", das Pete zurück zu seinen Eingangsbemerkungen führte: Er forderte alle auf, ihre Pläne und Wünsche am besten sofort umzusetzen, denn wer weiß schon, wie lange noch Zeit dafür bleibt.

Meinen Bericht über das Kölner Konzert hatte ich mit der Frage beendet, ob das Wohnzimmerkonzert besser werden könnte. Es konnte - wir bekamen ein Lied mehr, weniger Soundprobleme sowie mehr und längere Rahmengeschichten.


Setliste:

Out of time
Betty Ford
Houston we’ve got a problem
I’ll be your saint
Submarine
Joyrider
Welcome to my world
Over you
Waking up

Homeboy
Dumbstruck
Lost and found
Rent
Sistine Chapel Ceiling
A to fade in

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