++EILMELDUNG++ Noel Gallagher in Brüssel im kurzärmeligen Polohemd und fünfzehn Minuten zu früh ++

U.

Liebe U.,

heute gilt es eine Sensation zu vermelden - und damit meine ich nicht die dem Veranstaltungsort geschuldete Verschiebung des gesamten Zeitplans um eine Viertelstunde nach vorne - sondern: Noel Gallagher hat die Regeln gar nicht selbst gemacht! Und damit vielleicht auch gar nicht bestimmt, dass jeden Abend die gleiche Setliste gespielt werden muss.

Wie ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin? Also, das mit den identischen Setlisten habe ich in den letzten Tagen bei drei Konzerten in drei unterschiedlichen Ländern selbst empirisch untersucht, und die Sache mit den Regeln verkündete Noel selbst am Ende seines Auftritts im Ancienne Belgique. Nach „AKA... What A Life!“ teilte er, wenig überraschend, nach rund 90 Konzertminuten mit, dass er noch einen Song spielen könnte, die sich anschließende Fanreaktion konterte er jedoch mit: „I didn’t make the rules!“

Es war also höhere Gewalt, die uns wieder die gleichen 15 Songs aus Noels beiden Soloalben und 5 Lieder von Oasis hören ließ.


Die gleichen Mächte scheinen auch Einfluss auf Paul Newsome zu haben, denn auch der folkige Singer/Songwriter spulte das gleiche (Vor-)Programm ab, wie einige Tage zuvor in Düsseldorf. Einzige Ausnahme stellten die Probleme mit der Mundharmonika-Halterung vor dem dritten Song dar. Die Reaktionen des Publikums waren insgesamt etwas verhaltener als in Deutschland.


Das konnte man bezüglich des Auftritts von Noel Gallagher und seinen High Flying Birds jedoch nicht behaupten. Es muss an der guten Zugverbindung zwischen London und Brüssel liegen, dass so viele Engländer den Weg in das kleine und ausverkaufte Ancienne Belgique fanden. Bereits vor dem Konzert erwarb ein Tickettout noch Eintrittskarten für 50,- € und damit für deutlich mehr als der ursprüngliche Preis. Man möchte gar nicht wissen, was er den Fans, die ohne Tickets angereist waren, dafür abknöpften!


Die vielen Engländer sorgten während des Konzertes für eine unglaubliche Stimmung und sangen nahezu jeden Song (oder zumindest die Refrains) inbrünstig mit. Diese tolle Stimmung muss man, wenn viele Fans von der Insel anwesend sind, wohl oder übel auch mit Bierbecher werfenden, rücksichtslos herumspringenden Idioten (extrem beim Glam Rock von „The Mexican“, am schlimmsten erneut bei der rockigen Variante von „Digsy’s Dinner“) bezahlen. Aber selten habe ich „Champagne Supernova“ und „Don’t Look Back In Anger“ mit einem solchen Publikumschor gehört. Und ich habe sie schon oft gehört.


Während die italienischen Fans in Mailand den Sänger zwischen den Titeln immer wieder mit „Olé Olé“-Gesängen, denen sie noch Gallaghers Vornahmen hinzufügten, feierten, wird in Deutschland schlicht immer und immer wieder „No-El“ gegrölt. Die Engländer feiern hingegen dessen Heimatstadt („Manchester Lalala“) und Lieblingsverein („City!!“) ab, warum auch immer.
Bei „Ballad Of The Mighty I“ wurde zur Abwechslung der abwesende Johnny Marr, dessen Gitarrensolo Gallagher wieder selbst übernahm, mit Sprechchören gefeiert: „Johnny fucking Marr!“

Zwischendurch gab es Business as usual. Gleiche Setliste, gleiche Videoanimationen im Hintergrund und gleiche Widmung: Der Song „AKA... Broken Arrow“ wurde zum dritten Mal den anwesenden jungen Damen gewidmet, vielleicht als Erklärung für die pink ausgeleuchtete Bühne. Ansonsten zeigte sich Noel Gallagher an diesem Abend unglaublich schweigsam und wortkarg - bis auf die sensationelle abschließende Wendung. Noel hat die Regeln nicht gemacht, unfassbar.


Vielleicht schicke ich ihm einfach einmal neue Regeln und eine neue Setliste. Die könnte er mir dann beim Best Kept Secret Festival - in den Niederlanden habe ich ihn dieses Jahr schließlich noch nicht gesehen - präsentieren. „Whatever“ und „Gas Panic!“ als Oasis-Standards, dazu die B-Seiten „Talk Tonight“ und „Shout It Out Loud“ und „Can Y'See It Now? (I Can See It Now!!)“ und „Who Put The Weight Of The World On My Shoulders?“ als Raritäten.

Man wird ja noch träumen dürfen - und das noch 84 mal bis zu unserem nächsten gemeinsamen Konzert...


Setliste:

Intro: Shoot a Hole Into the Sun

Do the Damage
(Stranded On) The Wrong Beach
Everybody's on the Run
Fade Away
In the Heat of the Moment
Lock All the Doors
Riverman
The Death of You and Me
You Know We Can't Go Back
Champagne Supernova
Ballad of the Mighty I
Dream On
The Dying of the Light
The Mexican
AKA... Broken Arrow
Digsy's Dinner
If I Had a Gun...

Don't Look Back in Anger
AKA... What a Life!
The Masterplan


Liebe Grüße

D.




3 Kommentare:

  1. Dirk ist übrigens ein richtig guter Bierbecherwerfer!

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  2. Ob ich den Blog demnächst in "Noel als ich dachte" umbenenne? :)

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  3. Ich bin schließlich seit 1994 im Training, Christoph!

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