Neulich in einem anderen Wohnzimmer: Jonah Matranga in Koblenz

U.

Moment mal, Jonah Matranga? War der nicht erst letztes Jahr in unserem Wohnzimmer? Fangen wir nach den paar Konzerten etwa schon wieder von vorne an?

Nun, ja, tun wir. Donnerstag ist Jonah zum zweiten Mal in Montabaur zu Gast (und kann diesen Ortsnamen auch schon flüssig aussprechen). Gestern Abend jedoch war er zunächst in Koblenz zu Gast, und wir wollten uns die Chance nicht entgehen lassen, den Sänger vor dem Wiedertreffen bei uns Zuhause ohne Stress auf unserer Seite spielen zu hören.

Letztes Jahr war Jonahs Auftritt nach der Station bei uns geplatzt, weshalb ihn ein Freund meines Freundes netterweise für eine Nacht bei sich aufnahm. In der Wohnung besagten Freundes hatte Jonah nun wieder vorbei geschaut.


Also ging es für uns in eine schöne Altbauwohnung in der Koblenzer Innenstadt, die mit Jonah ihre Wohnzimmerkonzertpremiere erlebte, weshalb unsere Freunde beruhigend aufgeregt waren - da fühlte ich mich mit meiner Daueraufgeregtheit an Konzerttagen gleich viel normaler. Während sich die Wohnung beneidenswert gut füllte und ich das leckere Buffet testete, war vom Sänger zunächst nichts zu sehen. Gegen 19 Uhr klatschten wir ihn dann mit einem beachtlichen Applaus aus der Reserve (wo er anscheinend noch damit beschäftigt gewesen war, seine Wäsche zu waschen).

Jonah erklärte, er sei seines Wissens noch nie von solch einem gewaltigen Applaus begrüßt worden und sagte danach, dass er die aktuelle Tournee hauptsächlich in Wohnzimmern, Bibliotheken und den Kellern von Clubs bestreite, und dass die anwesende Menschenmenge durchaus zu den größten zähle, die er in letzter Zeit gesehen habe.


Dann legte er los. Einen Verstärker gab es nicht, aber er schaffte es auch allein mit der Gitarre, ziemlich laut zu sein. Vielfach unterbrach er die Songs, um etwas zu erzählen, und auch zwischen den Liedern wurde viel erklärt. Wichtige Themen waren für Jonah zum einen, dass er mit seiner musikalischen Kariere so, wie sie verlaufen ist, zufrieden ist. Zum anderen ist ihm wichtig, dass Menschen sich selbst so akzeptieren, wie sie eben sind, statt ständig zu denken, sie seien nicht gut genug, oder zu komisch - denn jeder sei schließlich irgendwie komisch.

Nach "Simple life" zeigte er uns ein brandneues Tattoo, dass er sich erst am Vorabend hatte stechen lassen, und das ein Herz mit Fragezeichen zeigte - ein Symbol, dass er bereits zeichnet, seit er denken kann, und das analog auch seinen anderen Arm ziert. Die neue Version soll unausgemalt bleiben, so dass Jonah ihre Farbe eigenständig mit Textmarker verändern kann. Die neue Tätowierung störte etwas beim Gitarre spiele, weshalb er versuchte, sie mit einer Bandana zu schützen.


Weiter ging es mit "Bitte ein Kuss" und der Erklärung, dass er nur sehr schlecht Deutsch spreche. Nach einem zaghaften Singalong zu "Lukewarm" konnten wir uns von der Wahrheit dieser Aussage überzeugen, denn Jonahs spontanter Übersetzungsversuch der Zahlenpaare in "14 to 41" ins Deutsche klappte nicht wirklich und wurde bald lachend aufgegeben. Nach "Mother Mary", einem Lied, das mit Erfahrungen mit der katholischen Kirche zu tun hat, "Smile" und "Yr Letter", einem Trennungslied, in das er auch Beyoncés "Irreplacable" einbaute (das übrigens laut Jonah ihre Trennung von Jay Z zugunsten Jonahs untermalen wird), war es Zeit für eine Pause.

Nachdem sich alle mit neuen Getränken (und weiteren leckeren Snacks) versorgt hatten, teilte uns Jonah mit, dass er nun einige Wünsche spielen werde, die ihm via die Gastgeberin zugetragen worden seien. Er nannte sie kurz "Shydeas" - Ideen schüchterner Menschen. Auf den Wunsch "Free" folgte als weiterer Wunschsong "Halo", das Jonah für seine Tochter geschrieben hat, und von dem er erzählte, dass er Zeilen daraus schon in Geburtsanzeigen gelesen habe.


Und so ging es immer weiter, Jonah spielte, erzählte, spielte, erzählte, wechselte gelegentlich vom Stehen singend auf die Knie... bis er irgendwann meinte, dass seine Stimme langsam nicht mehr könne - wobei er nach seiner ersten Bemerkung zu diesem Thema sicher noch fünf Lieder gespielt hat. Dank des immer noch ausgesprochen begeisterten Applauses ließ er sich dann zusätzlich noch zu "Sing" als á capella-Zugabe überreden, dann war Schluss, wobei er nicht vergaß, sich bei den Gastgebern zu bedanken, und zu erwähnen, dass man ja auch sein Konzert in Montabaur in einigen Tagen besuchen könne.

Laut Jonahs Plan wird die Montabaurer Setliste völlig anders ausfallen als diese, da er 8 Millionen Lieder zur Auswahl habe, man kann also gespannt sein. Allerdings würden wir viele der Koblenzer Songs auch gerne noch einmal hören.



Setliste:

Weirdos Like Me
Livin' Small
Simple Life
Bitte ein Kuss
Lukewarm
14 to 41
Mother Mary
Smile
Yr letter / Irreplaceable (What Beyoncé Said To Jay​-​Z When She Left Him For Me)

Free
Halo
Hostage
It's the Skin
Got My List
Better Than Nothing
Every Mistake
This is who I'm gonna be when I grow up
This is the Part
Tides

Sing

1 Kommentare:

  1. Sehr schön, genau so war es! Danke für diesen tollen Bericht! Klasse auch, dass du die Setlist notiert hast. LG Florian

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