Der große Stockholmer Kanelbullartest (1)


Letzte Woche war ich sechs Tage lang in Stockholm. Die Reise war ursprünglich für den Mai 2020 geplant gewesen, hatte aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können. Die schwedische Fluggesellschaft SAS hatte sich mit der Erstattung unserer Flugkosten auch so viel Zeit gelassen, dass wir, als sie es dann doch noch taten, gar nicht mehr wütend, sondern nur noch erleichtert waren - so erleichtert, dass wir gleich noch einmal bei SAS buchten. 

Der Oktober ist natürlich nicht die nahe liegendste Reisezeit für Skandinavien, aber wir sind immerhin die Leute, die einst an Silvester nach Reykjavik geflogen sind... im Übrigen hatten wir bei unseren vorherigen Stockholm-Reisen, die jeweils im April und August stattgefunden hatten, so viel Glück mit dem Wetter gehabt, dass wir uns schlicht nicht vorstellen konnten, dass es dieses Mal anders laufen könnte. Erstaunlicherweise behielten wir Recht: Natürlich lagen die Temperaturen etwas niedriger als in Deutschland, und es wurde auch eine Stunde früher dunkel als hier, aber den Großteil unseres Urlaubs genossen wir bei strahlendem Sonnenschein.

Eine der Aktivitäten, denen wir uns dieses Mal mit besonderem Eifer widmeten, war ohnehin wetterunabhängig: Wir hatten uns vorgenommen, die beste Zimtschnecke (Kanelbullar) von Stockholm zu finden und zu küren. Das Internet bot uns einige Bestenlisten, mit deren Hilfe wir eine Vorauswahl treffen konnten - von de wir allerdings letztlich nur etwa 50 Prozent abarbeiten konnten. Hier die erste Hälfte der getesteten Anbieter:



Vete Katten

Gleich unser erster Weg nach der Ankunft in Stockholm führte uns zum Café Vete Katten, das sich praktischerweise in unmittelbarer Nähe unseres Hotels befand. "Vete Katten" heißt übrigens "Weizenkatze", und das Schaufenster der seit 1928 bestehenden Stockholmer Institution wird auch von mehreren, aus Weizenbündeln gefertigten Katzen verziert. Dazwischen befinden sich extrem lecker aussehende Torten.



Im Innenraum waren wir als Touristen erst einmal verwirrt: Das Café hatte diverse Räume mit Tischen und auch mindestens drei Kuchentheken. Also wo anstellen? Als ich mich für die richtige Schlange entschieden hatte, verstand ich zunächst auch nicht, dass man mit einer Kaffeebestellung lediglich die Erlaubnis erwarb, sich selbst an einer der mehreren vorhandenen Kaffeestationen eine Tasse zu füllen - und zwar, so oft man wollte.



Immerhin unsere Kanelbullar (32 SEK) bekamen wir direkt an der Theke ausgehändigt. Es handelte sich um die in Stockholmer Konditoreien vorherrschenden Teigknoten, also keine Schneckenform. Unsere Exemplare waren fluffig, enthielten eher viel Kardamom und im Vergleich dazu eher wenig Zimt. 



Ein sehr leckerer Einstieg in einem besuchenswerten Café. Von allen besuchten Cafés war dieses mit seinem sehr angenehmen Oma-Stil sicher das gemütlichste - ich würde deshalb auch raten, das Stammhaus zu besuchen, nicht etwa eine der ebenfalls vorhandenen Filialen.




Skeppsbro Bageri

Am nächsten Tag besuchten wir das Vasa-Museum, erforschten anschließend noch die Insel Djurgården und gerieten in unseren einzigen kurzen Regenschauer. Gut, dass uns eine Fähre zurück aufs "Festland" der Stadt brachte, wo wir glücklicherweise Plätze in der Skeppsbro Bageri ergatterten. Die Bäckerei mit angeschlossenem Café liegt nahe am Fährhafen Slussen. 



Das Lokal hat sich auf Bioprodukte spezialisiert und bietet auch diverse Mittagsmenüs (Suppen und Salate) an, aber für uns kamen natürlich nur die Zimtschnecken in Frage (36 SEK). Der zugehörige Kaffee wurde wieder in Selbstbedienung angeboten, was wir aber mittlerweile routiniert meisterten.



Diese Kanelbullar erwiesen sich als recht dicht und flach, und viel biegsamer als die bei Vete Katten. Sie waren sowohl süßer als auch zimtiger. Zwei von uns drei Testern fanden diese Kanelbullar am besten, hier kehrten wir deshalb sogar zweimal ein. Schön ist auch, dass man durch eine Glasscheibe beobachten kann, was in der benachbarten Backstube vor sich geht.




Bröd & Salt

Auch die Bäckereikette Bröd & Salt, die man in Stockholm an beinahe jeder Ecke finden kann, steht in dem Ruf, besonders gute Zimtknoten zu produzieren. Für unseren dritten Tag in Stockholm hatten wir eine  Schärenrundfahrt per Boot gebucht und besorgten uns auf dem Weg zum Kai noch schnell Wegzehrung, die wir dann unterwegs verspeisten.



Diese Schnecken (36 SEK, oder 3 für 99 SEK) wirkten recht ähnlich zu denen der Skeppsbro Bageri, waren allerdings bei gutem Geschmack innen ein bisschen matschig. Vielleicht wurden unsere Exemplare zu früh aus dem Ofen geholt?



Gebacken werden die Bullar übrigens offenbar direkt neben der Skeppsbro Bageri, auch Bröd & Salt betreibt hier eine Backstube mit angeschlossenem Café. Von außen riecht es hier schon einmal sehr gut, innen fanden wir leider kein Plätzchen.

Bröd & Salt bietet übrigens auch vegane Kanelbullar an, diese haben wir aber nicht probiert.




Tösse Bageriet

Nach unserer Rückkehr vom Schiff war es Zeit für den "richtigen" Nachmittagskaffee. Wir liefen weit in den edlen Stadtteil Östermalm hinein, wo die Tösse Bageriet in dem Ruf steht, besonders gute Zimtschnecken anzubieten. Dieser Umstand ist anscheinend sehr bekannt, denn wir hatten keinerlei Chance, dort an einem Samstagnachmittag ein Plätzchen zu ergattern. Wir konnten die so beliebten Schnecken nur zum Mitnehmen kaufen (auch hierfür mussten wir Schlange stehen) und aßen sie schließlich im Hotel. Immerhin konnten wir hier etwas kaufen - die in der Nachbarschaft gelegene, ebenfalls für gutes Zimtgebäck bekanngte Valhallabageriet war am Samstagnachmittag bereits geschlossen.



Die Schnecken der Tösse Bageriet  (36 SEK) wirkten, als seien sie am sorgfältigsten gestaltet worden. Die Teigstränge waren ordentlich zusammen gelegt und bildeten ein kleines Nest, in dem sich ein Großteil des Hagelzuckers befand. Bei den knusprigen Schnecken war mal wieder nicht am Kardamom gespart worden, dafür aber ein bisschen am Zimt.


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