Rest now, weary head, you will...: Get Well Soon in der Frankfurter Unionhalle


Nach wie vor herrscht in meinem Haushalt eine gewisse Verwirrung darüber, für welche Konzerte wir eigentlich Tickets besitzen und wann diese nun stattfinden - so waren wir eigentlich der Meinung, dass wir Get Well Soon am Donnerstag im Kölner Gloria besuchen würden, ein Blick auf die Tickets enthüllte dann aber: Wir hatten uns für den Auftritt am Freitag im Frankfurter Zoom Club entschieden. Das Internet ließ uns dann bald darauf wissen: Das Zoom ist - offenbar länger als erwartet - damit beschäftigt, in die ehemaligen Räume des Cocoon Clubs umzuziehen, weshalb das Konzert in die Unionhalle verlegt worden war. Man muss aber auch wirklich aufpassen im Moment - die Angaben auf der Eintrittskarte stimmen häufig weder bezüglich Datum noch Ort.



Wir erreichten den ungewohnten Konzertort - in der Unionhalle finden sonst aktuell eher Konferenzen und Firmenfeiern statt - relativ pünktlich, vor der Bühne begrenzte eine Glaswand den Zuschauerbereich nach links und bot uns relativ freie Sicht auf den Backstage-Bereich, in dem sich die Bandmitglieder mit Familienmitgliedern und sonstigen Besuchern langsam aber sicher auf den Auftritt vorbereiteten - was man daran erkennen konnte, dass nach und nach immer mehr Musiker komplett in weiß gekleidet herumliefen.

Die Bühne war bereits nicht nur mit den benötigten Musikinstrumenten ausgestattet, selbige waren auch mit Folie verziert worden, und im Hintergrund der Bühne standen zusätzlich vier Spiegel. Vielleicht war ja deshalb eines der letzten Lieder der "Wartemusik" Michael Jacksons "Man in the Mirror", bevor gegen 20:30 die sektenartig weiß gekleidete Mannschaft um Konstantin Gropper (das neue Album heißt immerhin "Amen") die Bühne betrat.



Timo Kumpf hat die Liveband nach vielen Jahren verlassen und wurde am Bass durch einen Herren ersetzt, der zumindest auch als Body Double fungieren konnte, die weiblichen Gesangsparts übernahm, wie wir es schon öfter dann erlebt hatten, wenn Verena Gropper nicht dabei war, Alex Mayr.

Die Setliste umfasste - natürlich - viele Songs der aktuellen Album-Veröffentlichung, los ging es nach Opener "Prelude" mit seinem Text "Rest now, weary head, you will get well soon" gleich einmal mit dem überaus poppigen "My Home Is My Heart", das die recht zahlreich erschienenen Frankfurter begeistert wippen ließ - gefolgt vom eher gewohnt opulenten "I Love Humans", bei dem Gropper das erste Mal zur Ukulele griff. Nach dem Klassiker "Roland, I Feel You" leitete Gropper "This Is Your Life" damit ein, dass er sich eigentlich darauf gefreut habe, im ehemaligen Cocoon-Club aufzutreten, der aber leider nicht fertig geworden sei. Er habe die ehemalige Kultstätte des Techno auch nie besucht, in seiner Wohngegend sei höchstens einmal DJ Bobo zu Gast gewesen.

Auch die Pandemie war Thema der Zwischenansagen: Vor "One For The Workout" wurden wir befragt, wer von uns denn die letzten beiden Jahre genutzt habe, um endlich so richtig in Form zu kommen (der Resonanz nach nicht viele), vor "The 4:3 Days", wer denn stattdessen die Zeit damit verbracht habe, die Fernsehserien der eigenen Kindheit wieder anzusehen, beispielsweise "Dawson's Creek".  



Nun war es Zeit für "Richard, Jeff And Elon" - und Konstantin, denn die anderen Bandmitglieder verließen für den Song die Bühne, Gropper trug ihn allein vor. Eine etwas ungewöhnliche Entscheidung, denn es handelte sich zwar um ein ruhiges Lied, aber nicht um eine akustische Performance. Die Keyboardklänge kamen nun eben als Aufnahme...

Die Band kehrte für das ältere "A Voice In The Louvre" (von 2010) zurück, Gropper erläuterte, in dem Song gehe es um jemand, der im Louvre der 1930er Jahre einen mentalen Zusammenbruch habe. Vielleicht ganz passend gab es zum danach folgenden "Funny Treats" auch einen Hinweis auf Frankfurts Image als Drogenmetropole - allerdings keinen auf die Netflix-Serie "How To Sell Drugs Online Fast", für die Gropper das Lied geschrieben hat.



Den letzten Song des Abends, "Accept Cookies" läutete Gropper mit der Geschichte ein, dass seine Familie ihm dabei geholfen habe, 80 Glückskekse zu essen, aus deren Sprüchen er dann der Songtext gebastelt habe - was er auch mit einer generellen Danksagung an die an diesem Abend reichlich anwesenden Familienmitglieder verband. Wir hatten diese ja schon vor dem Auftritt im Backstage-Bereich gesehen. das Konzert selbst hatten sie von der Empore aus verfolgt.

Unser Jubel bescherte uns eine Zugabe, besonders zur Freude meines Freundes hatte es "Tick Tack! Goes My Automatic Heart" zurück auf die Setliste geschafft, nachdem es an den vorausgegangenen Abenden weggelassen worden war. Gropper kam hierfür zunächst allein auf die Bühne, während sich die anderen Bandmitglieder nach und nach zu ihm gesellten. Zusätzlich hörten wir noch "It's Love" und "(Finally) A Convenient Truth", bevor wir mit "You Cannot Cast Out the Demons (You Might as Well Dance)" quasi noch einen Rausschmeißer bekamen.



Es war ein schöner Konzertabend, bei dem man den Musikern die Freude darüber anmerkte, wieder live spielen zu können. Mich ereilte allerdings noch auf dem Weg zurück zum Auto ein Migräneanfall, so dass für mich der nächste Tag ebenfalls unter dem Motto "Rest now, weary head, you will get well soon" stand.

Setliste:

Prelude
My Home Is My Heart
I Love Humans.  
Roland, I Feel You 
This Is Your Life.  
Our Best Hope 
One For The Workout.   
The 4:3 Days
Mantra
Richard, Jeff And Elon
A Voice in the Louvre
Funny Treats
Us vs Evil
Golden Days
Accept Cookies.  

Tick Tack! Goes My Automatic Heart
It's Love
(Finally) A Convenient Truth   

You Cannot Cast Out the Demons (You Might as Well Dance)

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