Gesehen: Juni / Juli 2026


Ich war eigentlich der Meinung, auf Netflix gerade erst die zweite Staffel von Kaulitz & Kaulitz gesehen zu haben (was wohl falsch ist, sie ist zumindest genau ein Jahr alt) - aber kurz nach der Urlaubs-Rückkehr begrüßte uns die bereits dritte! Die Serie folgt als eine Art Dokumentation den Kaulitz-Brüdern (Tokio Hotel) und ihrem Leben in Los Angeles - ähnlich zu wesentlich älteren US-Serien wie etwa The Osbornes

Aus den vorausgegangenen Staffeln hatte sich bereits etabliert, dass Bill der Zwilling ist, der tendenziell emotional unausgeglichen ist und wilde Partys feiert, während Tom eher die Stimme der Vernunft repräsentiert. Dieser Kontrast wird in der dritten Staffel nochmals vergrößert, oder, um mit Anja Rützel zu sprechen: Mittlerweile dreht sich die Serie eigentlich um Bills diverse Eskapaden, während Tom zunehmend die Rolle von dessen Betreuer im Hintergrund übernimmt. Das führt auch dazu, dass man über Toms eigenes Leben nur recht wenig erfährt - was diesem möglicherweise auch ganz recht ist.

Es gehört bei solchen Formaten dazu, dass sie zwar vorgeben, den Alltag der Protagonisten zu schildern - aber natürlich müssen die Themen und Ereignisse vorab geplant werden. So beschließen Bill und Tom in dieser Staffel, einen "Life Coach" aufzusuchen, nehmen an einer Auto-Auktion teil - und natürlich feiert Bill auch wieder diverse Partys. Damit Tom auch mal etwas passiert, darf er mit einem Freund auf dem Nürburgring Rennautos ausprobieren.

Hinzu kommen Ereignisse, die so oder so passiert wären, um die herum gefilmt wird, etwa ein Jubiläumsauftritt von Tokio Hotel in Berlin, Treffen mit Fans, die Hochzeit von Bandmitglied Georg und ein Vogue-Cover mit Bill. Lustigerweise (für mich) wird auch über die Dreharbeiten zum von mir verrissenen "Live Krimi Dinner" berichtet, und mir wurde erstmals klar, dass neben Bill auch Tom hier eine kleine Rolle übernommen hatte.

Ich war nie ein großer Fan der Serie (oder der Kaulitz-Brüder), aber gerade wegen der Fernheit von jeder Lebensrealität, wie ich sie kenne, fand ich die ersten beiden Staffeln durchaus unterhaltsam. In der dritten wird mir das Kreisen um Bill und dessen unglückliches Liebesleben (das ihn selbst ja ebenfalls nervt) dann etwas zu viel - und ich fragte mich auch mehr als sonst, ob der eine oder andere Konflikt für die Netflix-Kameras gezielt eskaliert wurde. Besorgniserregend ist auch Bills Alkoholkonsum, zumindest, wenn das Gezeigte seinem alltäglichen Trinkverhalten entsprechen sollte.

Dennoch gibt es auch interessante Stellen, und das vor allem, wenn auch andere Personen zu Wort kommen - etwa, wenn Tokio Hotel-Fans der ersten Stunde beim Meet & Greet mit der Band erzählen, was deren Musik für sie bedeutet hat, oder auch, als die Brüder ein (vermutlich auch für die Show initiiertes) Klassentreffen in Magdeburg veranstalten und es zu Gesprächen mit ehemaligen Freunden kommt, die durchaus echt und emotional wirken.

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