Neulich im goldenen August: Golden Leaves 2026 in Darmstadt - Tag 2


Obwohl unser Hotel ja am anderen Ende von Darmstadt lag, waren dort, wie wir beim Frühstück feststellten, überraschenderweise viele andere Festivalbesucher untergekommen, und zwar insbesondere Familien. Beim Golden Leaves ist die Eintrittsgebühr für Kinder stark rabattiert, und die von uns genutzte Hotelkette bietet Familien offenbar auch günstige Konditionen. Wir hörten sogar, wie am Nachbartisch über das diskutiert wurde, was auch uns (wieder) beschäftigte: die Parksituation.

Die Busan- und -abreise hatte am Vortag ja gut funktioniert, allerdings wollten wir nach Ende des Sonntagsprogramms, gegen 22:30 Uhr, direkt nach Hause fahren. Um diese Heimreise am Vorabend einer neuen Arbeitswoche möglichst ohne Verzögerungen zu gestalten, wollten wir nun doch versuchen, unser Auto irgendwo in Festivalnähe abzustellen - oder, wenn das nicht möglich wäre, in der Nähe einer der letzten Bushaltestellen vor dem Gelände.



Das klappte letztlich auch relativ gut: Wir fuhren am Festivalgelände vorbei und fanden kurz dahinter einen kleinen Parkplatz im Wald, der uns leidlich legal erschien und normalerweise sicherlich von Joggern und Hundebesitzern genutzt wird. Tatsächlich haben die Veranstalter aber völlig Recht, wenn sie vehement davon abraten, mit dem Auto zu kommen: Viel war hier in der Tat nicht zu holen.

Wieder erreichten wir das Gelände vor Beginn des Programms, wieder schien auch die Sonne. Der Zeitplan des Tages war auch am Sonntag über ein großes Plakat ersichtlich, barg allerdings keine Überraschungen mehr: Man hatte ihn nämlich bereits am Samstag im gedruckten Programmheft nachlesen können.



Für den ersten Slot teilten mein Freund und ich uns auf: Ich spazierte zur Lagerfeuerbühne, wo der Podcast "Eine Stunde Liebe" von DLF Nova eine Live-Sonderfolge veranstaltete. Leider kam ich eine Minute zu spät, so dass ich die Begrüßung nicht mitbekam. Es erschloss sich aber schnell, dass die Moderatorin Anke van de Weyer mit ihrem Gast Laura Melina Berling über das Thema Romantik sprach. Dabei ging es um die Frage, was einzelne Menschen romantisch finden - oder auch nicht - und inwieweit klassische Vorstellungen von Rollen und Beziehungen überwunden werden können. Dabei kam auch das Publikum zu Wort.

Grundsätzlich fand ich das Thema interessant, und Moderatorin und Gast hatten viel vorbereitet - so spielte van de Weyer auch Ausschnitte aus einem früheren Interview mit Berling vor - als diese manches noch anders sah - und die beiden spielten auch Popsongs an und sprachen über die darin vermittelten Vorstellungen von Romantik. Nach der Stunde hatte ich allerdings auch den Eindruck, es sei nun auch alles gesagt zum Thema.



Mein Freund hatte sich entschieden, den ersten "Kinderbeitrag" des Festivals (so etwas hatte es bislang anscheinend nie gegeben) zu besuchen: "Ronja Räubertochter", ein Gastspiel des Staatstheaters Darmstadt. Hierbei handelte es sich nicht um eine gespielte Version des Romans von Astrid Lindgren, sondern um eine Lesung: Eine Schauspielerin und ein Schauspieler lasen die ersten Kapitel der Geschichte vor, anschließend luden sie dazu ein, in einem Bastel-Workshop Kronen zu gestalten. Auf Letzteres verzichtete mein Freund allerdings.



Unser erster Musikact des Tages war die Band Girl In The Year Above, die den Tag auf der Merck Stage eröffnete. Das Quintett aus zwei Frauen und drei Männern (zwei davon Brüder) läuft ganz klar in der Kategorie "up and coming": Sängerin Jennifer ist gelernte Friseurin und hatte sich als solche auch bereits TikTok-Ruhm erarbeitet. Nun macht man seit zwei Jahren gemeinsam Musik und konnte noch vor der Veröffentlichung der ersten Single einen Support Slot bei The Kooks ergattern. Mit der Coverversion von Massive Attacks "Teardrops" hat man es zudem auf den Soundtrack des Peaky Blinders-Films geschafft.

Kein Wunder also, dass Jennifer bei dem Auftritt blendend gelaunt war. Im kurzen Kleid konnte man sehr gut ihre diversen Tattoos sehen, und nachdem ich kurz zuvor mit meinem Freund über Optionen für Katzen-Tattoos gesprochen hatte, war ich erfreut, im Laufe des Auftritts auch mindestens zwei kätzische Motive zu entdecken. Übrigens ist die ganze Band stark bemalt, bis auf einen - vermutlich nicht Teil des Brüderpaars.



Wie gesagt, bei dem Auftritt kam viel Begeisterung und Freude rüber, außerdem scheint Jennifer auch eine sehr talentierte Sängerin zu sein. Und alle zusammen machten ordentlich Krach. Eine kleine Pause gab es vor "Territorial": Kurz vorher hatte Jennifer noch gescherzt, es regne vom Bühnendach "mystery water" auf sie herab - dann kam ein größerer Wasserschwall von oben und legte kurzzeitig den Strom lahm. Zum Glück konnte es relativ schnell weiter gehen.

Mein Freund prophezeite, dass ihm dieser Auftritt bis zum Abendkonzert von B O D I E S am besten gefallen würde.



Setliste:

Mama My Heart Is Achin' 
Hair 
Strike Me While The Iron Bleeds 
Teardrop  (Massive Attack cover) 
Territorial 
Best Behaviour 
Wet Paint 
Life On Earth 

Hinterher pilgerten wir zur Hauptbühne, hier sang bereits eine junge Frau, es war aber mal wieder nur der Soundcheck - ich hatte mich auch etwas darüber gewundert, dass sie beim Singen auch Nachrichten auf ihrem Telefon zu betrachten schien!



Soft Loft stammen aus der Schweiz und und hatten es bei uns nach dem kraftvollen Set von Girl In The Year Above etwas schwer - gefühlt wurde mehrere Gänge zurück geschaltet. Tattoos gab es auch kaum zu sehen. Beim dritten Lied "Paper Plane" erzählte die Sängerin Jorina Stamm, man werde demnächst in Deutschland auf Tour gehen. Sie werde während des Songs einen Papierflieger werfen, und die Person, die ihn fange, bekomme einen Gästelistenplatz für den Auftritt in Frankfurt.

Tatsächlich machte ich mir ein wenig Sorgen und hätte, wenn mich denn jemand gefragt hätte, dazu geraten, den Papierflieger erst später zu werfern. Gefühlt musste das Publikum sich noch aufwärmen, und viele waren sich wohl noch nicht sicher, wie groß ihr Interesse an einem ganzen Konzert der Band überhaupt war! Zum Glück fiel der Flieger dann nicht einfach auf den Boden, sondern wurde von einem Zuschauer dankbar aufgefangen, der bei den gespielten Liedern auch recht textsicher zu sein schien - puh!



Zu manchen Liedern bekamen wir etwas erklärt, so wissen wir nun, dass sich "Caught" um das Bedauern dreht, das man im Nachhinein verspürt, wenn man nicht mutig genug war. Dazu passend sollte das Publikum an einer Stelle laut schreien, was so halbwegs umgesetzt wurde - Jorina selbst lobte höflich, es sei nicht schlecht gewesen.

Stilistisch klang Soft Loft etwas nach Soft Rock, ansonsten könnte die Band vom Sound her auch den Namen "Kraut Loft" erwägen.

Setliste:

Leave the Light On 
Gravity’s pull 
Paper Plane
Open House
F U Want It
Rose Colored 
Caught
Wednesdays
Is It Me




Anschließend ging es für uns zur Merck Stage. Die Sängerin von Hundreds, Eva, hatten wir bereits vorab übers Gelände schlendern sehen, nun war es Zeit für den eigenen Auftritt. Mein letztes Konzert der Band war schon eine Weile her, zuletzt hatte ich das Trio wohl 2022 in der Frankfurter Batschkapp gesehen. Feste Konstante seit der ersten Begegnung 2011: Eva tritt barfuß auf - und in gedeckten Farben!

So stießen mein Freund und ich uns aufgeregt gegenseitig an, das die Sängerin kurz nach ihren beiden Kollegen die Bühne betrat: Sie trug einen Blazer! Und bunte Sachen! Und... Schuhe! Da hatte sich wohl einiges verändert in den letzten Jahren.



Die größte Überraschung war aber eigentlich, dass Hundreds gar nicht zu dritt auf der Bühne standen - es war noch eine weitere Frau dabei, die uns als Jules the Fox vorgestellt wurde und die Bühne nach dem ersten Lied "Walk on Walls" wieder verließ - Eva kündigte an, dass sie später zurückkehren würde. Danach war das Setup wie gewohnt, mit Philip links an diversen aufgestapelten Synthesizern und Florian recht mit Percussion-Instrumenten.

Die Setliste deckte alle Schaffensphasen von Hundreds ab. Vor "Black Sea" von 2016 gab es eine kurze Diskussion, offenbar hatte es eine kurzfristige Änderung gegeben. Florian stellte sich für das Lied an die Außenseite der Synthesizer und spielte ein Percussion-Instrument, das ein bisschen wie ein Rührbesen aussah.



Zu "Rabbits on the Roof" hatte mein Freund die Insider-Information, dass es live in einer Zehn-Minuten-Version gespielt werden würde. Eva trat für den Instrumentalteil von der Bühne und zog unterwegs die Schuhe aus - vielleicht konnte sie sich mit dem Konzept doch nicht anfreunden! Letztlich dauerte das Lied dann "nur" 8 Minuten. An der Bühnenseite konnten wir zum Ende hin bereits wieder Jules the Fox sehen, die sich eine Gitarre umgehängt hatte und offenbar beim nächsten Lied wieder dabei sein sollte. Allerdings kehrte Eva dann mit anderen Nachrichten auf die Bühne zurück: Man habe sich bei der Setliste verrechnet und ein Lied zu viel geplant - als letztes werde man nun noch "Let's Write the Streets" spielen.

So ging das Konzert etwas abrupt zu Ende (für Jules the Fox sicherlich besonders), aber es war dennoch schön, die Band mal wieder gesehen zu haben. Ich verstehe weiterhin nicht, wieso diese Musik nicht noch viel mehr Erfolg hat.



Setliste:

Walk on Walls 
Beehive 
Grab the Sunset 
Our Past 
Black Sea 
Ready Shaking Silent 
Rabbits on the Roof 
Let's Write the Streets 




Auf der Hauptbühne waren als Nächstes Poliça an der Reihe - eine Band, die ich bislang nur als Namen kannte. Der Name klingt ein wenig osteuropäisch, tatsächlich stammt das Quintett aber aus Minneapolis - und macht bereits seit 2011 Musik. 

Wie bei den anderen Musikacts bemühte ich mich von Anfang an, gesungene Textzeilen zu verstehen, um daraus hoffentlich eine Setliste erstellen zu können - allerdings verstand ich rein gar nichts. Konnte ich kein Englisch mehr? War das überhaupt Englisch? Die Lösung ergab sich aus einer Zwischenansage: Die Stimme von Channy Leaneagh war mit so viel Hall unterlegt, dass es schwer war, einzelne Worte auszumachen.



Das Setup der Band war ungewöhnlich: Es gab gleich zwei Schlagzeuger, außerdem einen Musiker, dessen Aufgabe "Knöpfchen drehen" war - und auch Leaneagh hatte ein kleinere Gerät in ihrer Nähe, mit dem man Sound erzeugen konnte.

Dem Programmheft konnte ich entnehmen, dass Poliças neuestes Album "Dreams Go" unter der Belastung entstanden ist, dass bei Bassist Chris Bierden ein Gehirntumor festgestellt wurde. Fröhlich klangen die Lieder in keinem Fall, es handelte sich um eher düsteren Synthie-Pop.



Zum Ende hin hatte die Band die Bühne bereits verlassen, wurde aber offenbar darauf hingewiesen, dass der Zeitslot noch gar nicht ausgefüllt war - sie kehrten zurück auf die Bühne, und Leaneagh meinte, offenbar etwas peinlich berührt, dass sie natürlich weiter spielen wollten, man sei ja extra dafür von weit weg angereist. Das letzte Lied wurde angekündigt und hieß "Spilling Lines". Außerdem definitiv gespielt wurden "Carlines", "Amonaster", "Don't You Weep" und "Sticks and Stones".



Hinterher gingen wir zur Lagerfreuer-Bühne, auf der nun Art School Girlfriend an der Reihe war - Polly Mackey aus Wales ist die Ehefrau von Marika Hickmann (ebenfalls britische Musikerin) und lebt mit ihr in London. Auf der Bühne standen neben einer Gitarre diverse elektronische Gerätschaften, wir sollten hier unser drittes elektronisches Konzert in Folge hören.

Beim 2. Song "Diving" begrüßte uns Mackey und freute sich, dass die Zuschauer gekommen waren - trotz ihrer Position "tucked away in a corner" - und über das Wetter, denn sie war zuletzt bei einem Festival in Wales aufgetreten, bei dem es nur geregnet hatte. Angesichts der vergleichsweise besseren Wetterverhältnisse legte sie ihre Sonnenbrille das ganze Set lang nicht ab.



Zu manchen Liedern erhielten wir Hintergrundinformationen, so erfuhren wir, dass "Bending Back" eines der ersten Lieder ist, die sie veröffentlicht hat - vor mittlerweile zehn Jahren. "Doing Laps" ist ein Lied, in dem es darum geht, das Internet zu hassen - und "Is It Light Where You Are" ist ein Trennungslied. Zu diesem fragte sie ins Publikum, ob jemand gerade eine Trennung durchlebte. Als sich niemand meldete, meinte sie, das sei ihr noch nie bei einem Auftritt passiert.

Setliste:

The Peaks 
Diving 
Down The Line 
Bending Back 
Real Life 
A Place to Lie 
L.Y.A.T.T. 
Doing Laps 
Is It Light Where You Are 
Hope More, Hopeless 



Nun war es Zeit für unseren Tages-Headliner: Kat Frankies B O D I E S hatten wir letztes Jahr zum ersten Mal gesehen - beim Traumzeit-Festival in Duisburg. Damals hatte die Sängerin noch gesagt, das sei ihre erste Festival-Performance mit B O D I E S, möglicherweise besuchten wir nun die zweite - generell gastiert der A Capella-Chor weiterhin mehrheitlich in Innenräumen - Kat Frankie merkte im Laufe des Auftritts zumindest an, es sei ungewöhnlich für sie, unter freiem Himmel aufzutreten.

Das Konzept von B O D I E S sieht neben Kat Frankie sieben weitere Frauen vor, die für die Auftritte nicht nur die Lieder, sondern auch diverse Choreographien einüben müssen. Dennoch gibt es Variationen im Lineup - damals in Duisburg hatten wir vergeblich nach Tara Nome Doyle Ausschau gehalten, dieses Mal war sie dabei. Andere Gesichter erkannte ich wieder.



Ebenfalls vertraut waren uns zwei verschiebbare Holzelemente, die je nach Bedarf eine schiefe Ebene zum Erklimmen oder auch ein Schiff bilden konnten - auch beim ansonsten an Dekorationen armen Golden Leaves-Festival hatte man sie wieder dabei.

Was wir ebenfalls kannten: Die Outfits der einzelnen Frauen waren farblich abgestimmt. Letztes Jahr beim Traumzeit hatte grün dominiert, dieses Mal waren es rot und Erdfarben. Ich fand diese Art der Abstimmung interessant, denn es gab im Grunde eine ziemlich große Bandbreite in Bezug auf Farben und auch Stilrichtungen, dennoch merkte man ganz klar, dass alle Teilnehmerinnen zusammen gehörten.



Der Auftritt an sich war - natürlich - recht ähnlich wie vor einem Jahr: Häufig stimmte eine der Frauen ein Lied an, während andere langsam einfielen und auch wieder ausstiegen. Dazu wurde für die Percussion gestampft, geklatscht und geschnipst, und vieles wirkte gleichzeitig hochkomplex und mühelos - wobei ja noch die Choreographien hinzu kamen, denn die Frauen standen selten einfach nur da, meist wurde im Kreis gegangen, sich umeinander gedreht oder - relativ selten - auf die mitgebrachten Elemente geklettert.

Der Gesamteindruck war auch dieses Mal toll, zumal sich das Songmaterial leicht verändert hatte. Manches war gleich geblieben, etwa ein Liebeslied, bei dem Frankie Blumen verteilte, mit direkt nachfolgendem Trennungslied. Andere Songs kannten wir aber noch nicht (was das Zusammenstellen der Setliste nicht leichter macht).



Nächstes Jahr werden wir einen Auftritt der Gruppe in einem Konzertsaal besuchen - ich bin schon gespannt, inwieweit sie dort anderes wirkt.

Setliste:

The Observable Universe  1
Joan Didion 2
?
Carmen
Bad Bahavior
?
?
Come On
How To Be Your Own Person 
Headed for the Reaper 
Versailles



Mein Freund war unermüdlich und wollte direkt hinterher Holly Humberstone auf der Merck-Stage ansehen. Ich stieg stattdessen erst einmal aus und besorgte uns etwas zu essen. Es war nun bereits nach 21 Uhr, was sich als wesentlich günstigere Zeit als am Vortag entpuppte, die Fressstände aufzusuchen: Man musste nirgendwo lange warten. Ich hatte allerdings auch den Eindruck, dass das Festival generell Auflösungserscheinungen hatte, was ja auch nicht verwunderlich war, wenn man bedachte, dass viele der Besucher jüngere Kinder dabei gehabt hatten.

Ich besorgte uns also Pizza (Profitipp: Zwei Pizzen auf weichen Papptellern mit zwei Händen tragen, klappt nicht, und wen man sie aufstapelt, klebt der Käse der unteren Pizza am Pappteller der oberen fest!) und gesellte mich dann zum Publikum.



Humberstone war der vielleicht poppigste Act des ganzen Festivals. Die Britin ist seit fünf Jahren musikalisch aktiv, und ihre Songs gehen für mich in Richtung Taylor Swift - allerdings sagt Humberstone selbst, dass sie von Künstlern wie Damien Rice und Ben Howard beeinflusst wird (und auch Phoebe Bridgers und Haim). 

Der Auftritt war gut besucht, und ich sah, dass der junge Mann, der bei Soft Loft so textsicher gewesen war, auch hier jedes Lied mitsingen konnte. Der Sound war allerdings verbesserungswürdig: Ich freute mich über meine Ohrenstöpsel, denn es war gleichzeitig laut und scheppernd, zumal der Liveversionen der Lieder recht rockig interpretiert wurden.



Humberstone ist eine kleine, sehr schlanke Frau, die als Bühnenoutfit ein sehr kurzes Kleid und hohe Stiefel trug. In der Kommunikation mit dem Publikum war sie geradezu überfreundlich, fragte öfters, wie es allen gehe, und an einer Stelle, ob es denn in Ordnung sei, wenn sie auch ein neues Lied spiele ("Too Cute to be Lonely"). Bei mindestens einem Song ging der Stil vom Pop sogar - im Fall von "White Noise" - in Richtung Schlager. Wir zogen bereits vor dem letzten Lied weiter, um uns gute Plätze für Agnes Obel zu sichern.

Setliste:

To Love Somebody 
The Walls Are Way Too Thin 
Cruel World 
Blue Dream 
Die Happy 
Falling Asleep at the Wheel 
Dive 
Too Cute To Be Lonely 
Red Chevy 
White Noise  
Scarlett



Agnes Obel hatte ich schon zweimal live gesehen, und ich kann mich genau erinnern, wann zuletzt: Im Frühjahr 2020, als COVID19 bereits ein Thema in den Nachrichten war, es aber noch keine Schutzmaßnahmen gab. Von der Bühne hörten wir vor dem Konzert Vogelzwitschern, außerdem waren um die Instrumente herum Kameras aufgebaut, ohne, dass wir zunächst verstanden, wozu diese gut waren. Während des Konzerts wurde dann klar: Vor den Kameras drehten sich Prismen, und die gebrochenen und verfremdeten Bilder, die so entstanden, wurden abwechselnd auf die Leinwand hinter der Bühne projiziert. Um das zu ermöglichen war die sonstige Dekoration der Bühne aus bunten Plexiglasscheiben, die über allen anderen Auftritten geschwebt hatte, hochgezogen worden.

Agnes und ihre Mitmusiker betraten die Bühne und waren alle in weiß gekleidet. Der Musikerin war es aber offensichtlich zu kalt für ihr eigentlich geplantes Outfit gewesen, denn sie trug einen riesigen flauschigen Fleecepulli, der ihr bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reichte. Ich konnte mir regelrecht vorstellen, wie sie im Künstlerbereich herumgefragt hatte, ob denn irgendjemand etwas weißes, warmes zum Überziehen dabei hätte, und ihr dann ein Zwei-Meter-Mann großzügig diesen Pulli geliehen hatte...



Uns stellte sie sich mit einer deutschen und einer dänischen Variante der Aussprache ihres Vornamens vor und entschuldigte sich ironisch - sie habe versucht, den Abend wärmer zu machen. In Wirklichkeit war es aber gar nicht furchtbar kalt, und auch die anderen Bandmitglieder traten teils im T-Shirt auf.

Obel veröffentlicht demnächst, sechs Jahre nach dem letzten, Album "Myopia", ein neues namens "The Meaning of Flowers". Daraus wurde bislang nur ein Lied veröffentlicht, wir hörten es gleich als erstes.



Was den Rest der unten eingefügten Setliste angeht, liegt meine Sicherheit weit unter 100 Prozent - manche Songs wurden angekündigt, andere haben wir aber nur erraten, weil sie in Setlisten der jüngeren Vergangenheit an ähnlicher Position standen. "Faustian Deal" wurde aber angekündigt - und ist ebenfalls neu. Und "Never Been" widmete Obel einer "kleinen Person, die hoffentlich schon schläft", also ihrem Kind - was möglicherweise auch die lange Pause seit dem letzten Album erklärt.

Auch, wenn ich nicht allzu viel dazu zu erzählen habe, gefiel mir der Auftritt gut. Die Musik ist sehr atmosphärisch und einfach schön, und sie funktionierte trotz ihrer relativen Komplexität auch gut im Festival-Kontext. Ein bisschen erinnerte ich mich an Oláfur Arnalds Auftritt beim Down The Rabbit Hole 2019, der vor dem bierseligen Publikum so gar nicht funktioniert hatte - vielleicht könnte er ja beim Golden Leaves nächstes Jahr nochmals einen Versuch machen, dort würde man ihm sicherlich besser zuhören!



Zum Ende des Auftritts  - für die Zugaben wurde der Fleecepulli abgelegt - wurden die einzelnen Bandmitglieder noch sehr ausführlich und ausgesprochen liebevoll durch Obel vorgestellt - sie ließ keinen Zweifel daran, dass jedes einzelne phantastisch war.

Setliste:

Laymelli
Camera's Rolling
Run Cried the Crawling 
Faustian Deal 
Gemini
Never Been
Blood So Red
Stretch Your Eyes

Riverside
The Curse



Das beendete den Festivaltag, und wir schafften den sehr dunklen Weg zurück zum Auto und die anschließende Heimfahrt problemlos. Unser erster Besuch beim Golden Leaves Festival war nahezu perfekt gewesen, mit pünktlichen Auftritten, kurzen Wegen, sauberen Toiletten und einer angenehm entspannten Atmosphäre.




Kommentar veröffentlichen

0 Kommentare