Es ist tatsächlich schon Oktober, und dieses Jahr freue ich mich über den Herbst - was sicherlich auch mit dem überstandenen heißen Sommer zu tun hat. Der Herbst lädt zum Lesen und Tee trinken ein, und passend zur Jahreszeit bin ich im September zum ersten Mal seit über 20 Jahren Mitglied einer öffentlichen Bibliothek geworden. Vom Grundschulalter bis zum Ende meines Studiums nutzte ich gerne und häufig Bibliotheken, mein Umzug nach Frankfurt Anfang 2000 beendete das - vermutlich, weil ich dachte, dass ich ohnehin lieber Bücher lese, die wahrscheinlich nicht vorrätig wären.
Nun bin ich also Mitglied der Stadtbücherei von Montabaur, die natürlich auf ihren Regalen keine Massen zu bieten hat - wobei ich bei der Anmeldung durchaus das eine oder andere gesehen habe, das von Interesse sein könnte. Grund für meinen Beitritt - für stolze 12 Euro Jahresgebühr - war allerdings der inbegriffene Zugriff auf die E-Books und Hörbücher via die Onleihe Rheinland-Pfalz sowie das fremdsprachige Angebot bei Libby. Hier hat man Bundesland-weit in etwa denselben Zugriff auf Inhalte, und die Auswahl ist natürlich viel größer als die einer einzelnen Bibliothek.
Zunächst war ich ein wenig enttäuscht, dass es auf den Plattformen eben doch nicht alles gibt, habe aber mittlerweile aber dann doch schon etliche Medien gefunden, die ich gerne lesen oder hören möchte. Mein Audible-Abonnement ist nun erst einmal pausiert - und ich schaue einmal, wie lange das Angebot mich beschäftigen kann. Der Druck, der dadurch entsteht, dass man auch eBooks und Hörbücher natürlich wie reguläre Bücher fristgerecht "zurückgeben" muss, wird mein Leseverhalten hoffentlich ein wenig antreiben. Sollte ich mehr wollen, kann ich immer noch Mitglied einer weiteren Bibliothek werden (manche erlauben das für Auswärtige via Online-Anmeldung), eventuell sogar in den USA: Hier sollte das englischsprachige Angebot dann sehr umfassend sein.
Im September habe ich mich aber noch mit Büchern beschäftigt, die ich bereits besitze. Als Hörbuch hörte ich Not Quite Dead Yet von Holly Jackson. Von Jackson las ich bereits The Good Girl's Guide To Murder, ein sehr erfolgreiches Jugendbuch, das Auftakt zu einer ganzen Romanreihe wurde und auch als Serie verfilmt wurde. Not Quite Dead Yet ist Jacksons erster Roman für Erwachsene.
Die Idee für die Geschichte gefiel mir wirklich gut: Die Protagonistin Jet wird eines Abends in ihrem Elternhaus von einem Einbrecher überfallen, der versucht, sie umzubringen. Als sie im Krankenhaus aufwacht, erfährt sie, dass sie nach einem Schädelbruch nur zwei Möglichkeiten hat: Sie muss sich entweder einer weiteren Gehirnoperation unterziehen, die nur eine geringe Erfolgschance hat - oder aber, sie wird innerhalb einer Woche an einem Aneurysma sterben.
Jet entscheidet sich gegen die Operation, lässt sich aus der Klinik entlassen und ist nun besessen von der Idee, innerhalb der ihr verbleibenden Zeit ihren eigenen Mord aufzuklären. Die lokale Polizei ist davon überzeugt, dass ihr Exfreund hinter dem Verbrechen steckt, was sie aber nicht glauben kann.
Wie erwähnt, die Prämisse gefiel mir gut, ebenso auch Jets komplette Unempfindlichkeit, was ihr folgendes Verhalten betrifft: Sie wird in einer Woche tot sein, also kümmert sie sich nicht um Höflichkeiten, ist ungeduldig und bricht öfters Gesetze, wenn ihr Dinge zu langsam gehen - so zerstört sie an einer Baustelle ein Betonfundament oder bricht nachts in die Firma ihrer Eltern ein.
Was mich allerdings gar nicht überzeugen konnte, ist beinahe der ganze Rest: Jet entdeckt auf der Suche nach der Lösung diverse andere schlimme Geheimnisse, geht damit aber unrealistisch ungerührt um. Ab jetzt bitte nicht weiterlesen, wenn man den Roman noch lesen möchte, denn ich nenne ein Beispiel: Es stellt sich heraus, dass Jets Schwägerin die Tabletten, die Jets Vater gegen seine chronische Nierenerkrankung einnimmt, austauscht, damit dieser kränker wird und seinem Sohn das Familienunternehmen überlässt. Das ist so bösartig, dass es durchaus eine Anzeige bei der Polizei rechtfertigt, und in jedem Fall sollte der Vater informiert werden. Beides passiert nicht, Jet beschlagnahmt lediglich die manipulierten Tabletten.
Insgesamt benehmen sich viele Personen in dem Roman ausgesprochen - und unrealistisch - gewissenlos, so natürlich auch der letztlich enthüllte Mörder. Dessen Motiv erscheint mir (wie übrigens auch zahlreiche andere Handlungsmotive der Geschichte) einigermaßen unplausibel, um nicht zu sagen, an den Haaren herbeigezogen. Mir bleibt als positives Gefühl zu dem Roman nur der kleine Stolz, dass ich vor der Enthüllung erraten hatte, um wen es sich handelt.
Das von Alex McKenna (einer Frau) gelesene Hörbuch steigerte meine Genervtheit zusätzlich: Sie bemüht sich, sämtlichen der vielen auftauchenden Figuren individuelle Stimmen zu geben, was diesen aber dank Übertreibung häufig lächerliche Züge verleiht.
Fazit: Das mit Holly Jackson lasse ich in Zukunft lieber. Im Übrigen könnte der Roman inhaltlich genauso gut ein weiteres Jugendbuch der Autorin sein, die Figuren wurden nur einfach zehn Jahre älter gemacht.


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