In der schwedischen Sauna

U.
Ich mag den Mousonturm als Konzertveranstaltungsort eigentlich recht gerne. Seine Vorteile zeigen sich insbesondere im Vergleich zu anderen Hallen im Rhein-Main-Gebiet:

  • Leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen (vgl. Brotfabrik)
  • Man kann von den meisten Standorten aus die Bühne sehen (vgl. Batschkapp, Schlachthof)
  • Atmosphärisch angenehm (vgl. Hugenottenhalle)
  • Nicht in Offenbach (vgl. Capitol)


Was ich bei diesen vorteilhaften Vergleichen aber immer wieder vergesse, ist die Eigenart des Mousonturms, sich bei vielen Konzerten auf ca. 1 Million Grad aufzuheizen. Man sitzt oder steht da, vermeidet jede überflüssige Bewegung, der Schweiß läuft an einem herab und man versucht verzweifelt, sich auf die winterlichen Temperaturen draußen zu konzentrieren und nicht auf die Frage, in wie vielen der anwesenden Lungen die feuchte und sauerstofflose  Dampfbadluft, die man gerade atmet, wohl bereits gewesen ist.

Wie schlimm muss es wohl erst sein, wenn man als Band in solchen Temperaturen auftreten muss? Glücklicherweise stammen sowohl die Shout Out Louds als auch ihre Vorband Nervous Nellie aus Skandinavien, weshalb sie sicher seit Kindheitstagen an Saunabesuche gewöhnt sind und auch gut vorbereitet Handtücher dabei hatten.


Die Temperaturen erklären dennoch sicher, dass die freundlichen Shout Out Louds dem Publikum am Montagabend außer „It’s so hot!“ zwischen den Songs eher wenig zu sagen hatten. Immerhin wurde angemerkt, dass der letzte Frankfurter Auftritt im Nachtleben stattgefunden habe (in dem es sicher, dank seinem Fassungsvermögen von ca. 50 Gästen, kühler war). Ihre Energie verwendete die Band dann lieber darauf, vor begeistertem Publikum ihr neues Album Work annähernd komplett zu spielen – inklusive einiger Langweilersongs, die bei zukünftigen Tourneen sicher daheim bleiben müssen („Too late too slow“). Aus den ersten beiden Alben wurden dann auch nur die Knaller á la „Tonight I have to leave it“  (mit diesem komischen Hand-Schlaginstrument, dessen Namen ich nicht kenne) oder „The Comeback“  (mit ungewohnten Keyboard-Passagen) serviert, außerdem „Your Parents‘ Living Room“ mit einer Akkordeonanlage von Keyboarderin Bebban. Vermisst wurde nur das zu diesem Abend perfekt passende „100°“.

Nach drei Zugaben wurden die Frankfurter Fans über den mittlerweile kondenswasserfeuchten Boden nach draußen geschickt, wo es dann wieder Sauerstoff zu atmen gab – schön war’s aber trotzdem in der schwedischen Sauna.


Setlist:
1999
Throwing Stones
Please Please Please
Play The Game
Tonight I Have To Leave It
Paper Moon
Fall Hard
Candle Burned Out
Comeback
Your Parents Living Room
South America
Very Loud
Too Late Too Slow
Show Me Something New
Hard Rain

Impossible
You Are Dreaming
Walls

3 Kommentare:

  1. Schöner Bericht!

    Aber: Wie waren denn Nervous Nellie?

    AntwortenLöschen
  2. Habe ich ehrlich gesagt schon wieder vergessen. Aber Dirk kann bestimmt was dazu sagen.

    AntwortenLöschen
  3. Also in Stuttgart meinte Adam (habe in extra wegen Ffm gefragt), dass er noch nie so ein heißes Konzert wie im Mousonturm hatte. Aber gefiel ihm gut. (;
    Schöner Bericht erinnert an das Stuttgarter Konzert, ich hoffe nur das Publikum in Ffm war besser, und ich glaube das Instrument aus Tonight I have to leave it nennt man Kuhglocke.

    Liebe grüße

    AntwortenLöschen

Coprights @ 2016, Blogger Templates Designed By Templateism | Templatelib