Nýlega á tónleikum: Pascal Pinon im Offenbacher Hafen 2

U.
Die Überschrift bedeutet (hoffentlich) "Neulich beim Konzert" auf Isländisch. Aber beginnen wir am Anfang: Mein Freund las vor einigen Wochen aus dem Internet vor: "Oh, Pascal Pinon an einem Freitagabend im Hafen 2, dazu noch umsonst, da können wir hin!" Ich las ebenfalls und ergänzte: "Vorher zeigen die Argo für 5 Euro, da könnten wir wirklich hin!"

Zwischenzeitlich bekam Argo den Oscar als bester Film, weshalb wir uns gestern um ein zeitiges Eintreffen am Veranstaltungsort bemühten: So ein Oscar erhöht das Interesse an einem Film, der die Kinos eigentlich bereits wieder verlassen hat, ja sicher immens. Tatsächlich hatten sich bei unserer Ankunft bereits etliche studentisch wirkende Zuschauer eingefunden, und wir konnten nur noch Plätze ganz hinten im "Kinosaal" (irgendeinem langen Hafengebäude) ergattern. Nachdem der Raum auch ungeheizt war (bei Bedarf gab es Decken) und die Leinwand aus unserer Perspektive eher winzig wirkte, fragte ich mich kurz, ob der Filmabend so eine gute Idee gewesen war. Tatsächlich war es aber auch unter diesen Bedingungen möglich, sich in der Handlung zu versenken, zumal Bild und Ton wunderbar funktionierten und die anderen Besucher sehr still waren. Dass der Film ausgesprochen spannend ist, hatte hier sicher ebenfalls einen positiven Einfluss.


Nach dem Abspann begaben wir uns unverzüglich in die Kneipe nebenan, wo eigentlich um 22 Uhr das Konzert hätte beginnen sollen. Tatsächlich hatte der Film aber deutlich später als geplant angefangen und sich das komplette Programm verschoben, wir mussten also trotz verspäteter Ankunft noch etwa 20 Minuten warten.

Die Kneipe des Hafen 2 ist an und für sich gemütlich, eignet sich aber nur bedingt für Konzerte. Die beiden jungen Mitglieder von Pascal Pignon, die isländischen Zwillinge Jófrídur und Ásthildur Ákadóttir, nahmen samt Equipment (2 Keyboards, kleines Schlagzeug, zwei Gitarren) sehr wenig Platz weg, mehr hätte es auch nicht in der für sie vorgesehenen Ecke gegeben. Die Zuschauer versammelten sich auf gleicher Höhe direkt vor ihnen, was bedeutete, dass die Sicht von "weiter hinten als ganz vorne" schlecht war.

Das entpuppte sich schon bald als Problem, beim ersten Song der beiden Isländerinnen, "Bloom", teilte sich die Kneipe nämlich in etwa 50 %, die andächtig zuhörten, und die andere Hälfte, die an dem Umsonstkonzert kein Interesse hatte und sich munter weiter unterhielt. Dazu wurde noch hinter der Theke munter abgespült. Bei den eher leisen Songs von Pascal Pinon stört Lärm im Hintergrund aber schon gewaltig, offenbar auch die Interpretinnen selbst.


Jófrídur machte aber einen konstruktiven Vorschlag: Die Zuschauer weiter vorne sollten sich auf den Boden setzen, dann hätten die desinteressierten weiter hinten freie Sicht und würden folglich weniger reden. Das funktionierte auch zumindest ein bisschen, so dass der Rest des Konzerts zumindest genießbar wurde.

Jófrídur und Ásthildur hatten die Aufgaben so unter sich aufgeteilt, dass insgesamt fast nur die blonde Jófrídur mit dem Publikum kommunizierte, das aber reichlich. Jedes Lied wurde mit ausführlichen Erläuterungen angesagt. So erfuhren wir zum Beispiel, dass sich "Fernando" um die Liebe eine Freundin zu Fernando Torres dreht. Das Liebeslied ist auf Schwedisch, obwohl es die Schwestern eigentlich nicht sprechen, und enthält eine Zeile, die "Wenn du das Meer bist, bin ich die Umweltverschmutzung" bedeutet, also: "Ich bin nicht gut für dich, aber du wirst mich nicht los". Ein anderer Song beschäftigt sich mit dem Sterben, ein weiterer mit Kanye West.

Zusätzlich bekamen wir erzählt, dass Offenbach die letzte Station der Tournee der beiden war, heute geht es zurück nach Island und zur Schule - oder wohl doch eher an die Uni, denn obwohl die Schwestern sehr jung wirkten und auch bereits seit ihrer Kindheit gemeinsam musizieren, dürften sie ja doch über 18 sein.


Das Set enthielt hauptsächlich Lieder vom zweiten Album "Twosomeness", einzig "I Worte a Song" wurde vom Debütalbum berücksichtigt, dazu kam noch das unveröffentlichte "53".
Nach Þerney (One Thing) war das Konzert eigentlich zu Ende, aber das Publikum erklatschte sich noch zwei einzelne Zugaben. Die zweite, Moi, war ein Zuschauerwunsch, für den das eigentlich bereits weggepackte Keyboard wieder hervorgekramt werden musste.

Nachdem es keine sichtbare Setliste gegeben hatte, nutzte ich die Anwesenheit der beiden Mädchen nach dem Konzert, um ihnen mein iPhone mit einer älteren Liste unter die Nase zu halten: Hatten sie in etwa dasselbe gespielt? Netterweise korrigierte Jófrídur die doch recht falsche Liste detailliert.

Setliste:

Bloom
Ekki Vanmeta
Fernando
I wrote a song
Somewhere
Evgeny kissin
En þú varst Ævintyri
53
Þerney (One Thing)

Annar Logi

Moi


1 Kommentare:

  1. Wie schade, daß die Umstände so doof waren! Ich hätte mich wahrscheinlich sehr über den Geräuschpegel aufgeregt, wenn ich hingekonnt hätte.

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