Neulich beim Konzertmarathon (6): Anna von Hausswolff in der Wiener Arena

U.

Wenn man in letzter Zeit Berichte beim Konzerttagebuch gelesen hat, ist man des Öfteren über den Namen Anna von Hausswolff gestolpert, ihr Album „Ceremony“ wurde auch bereits im August 2012 bei Platten vor Gericht vorgestellt. In Österreich erscheint es dagegen erst 2013, was wohl erklärt, warum ihr Konzert auf der Homepage des Veranstaltungsortes Arena als „Geheimtipp unter Eingeweihten“ bezeichnet wurde.

Als Geheimtipp unter Eingeweihten entpuppte sich dann aber erst einmal die Lage des Konzertsaals. Obwohl wir den auch nicht unbedingt selbsterklärenden Fußweg zwischen U-Bahn und Arena bereits von früheren Wien- und Konzertbesuchen kannten, standen wir nach unsere Ankunft vor der nicht trivialen Aufgabe, die konkrete Räumlichkeit auf dem dunklen, unübersichtlichen und unbeschilderten Gelände zu finden, das mehrere Konzert-Locations sowie Bars, Getränkestände sowie jede Menge düstere Nischen aufweist.


Nach erfolgloser Suche folgten wir einfach den einzigen Besuchern außer uns, die keine Lederjacken trugen, um nicht doch zu den norwegischen Rockern von Bloodlights zu gelangen, deren Konzert ebenfalls irgendwo auf dem Gelände stattfand und das wir wenig später auch gut hören konnten. Anna von Hausswolff konnten wir, nachdem wir endlich den richtigen Raum gefunden hatten, ebenfalls bereits singen hören – beim Soundcheck. Das Konzert sollte, wie wir nun per Aushang erfuhren, nämlich erst um 22 Uhr beginnen, also hieß es zunächst warten, während sich nach und nach etwa 100 Besucher um uns versammelten. Der Auftrittsraum war mittlerweile ebenfalls zugänglich gemacht worden und erwies sich als sehr heruntergekommen. Dabei hätte die „Kirchenmusik“ der Künstlerin einen ganz anderen räumlichen Rahmen verdient.


Irgendwann hatten wir dann genug gewartet, und die Künstlerin, die mit vollem Namen Anna Michaela Ebba Electra von Hausswolff heißt, betrat im bodenlangen schwarzen Samtkleid und in Begleitung von vier männlichen Musikern, die sie im Laufe des Abends nach und nach vorstellte, die Bühne – es handelte sich um Karl Vento und Joel Fabiansson (jeweils Gitarren), Ulrik Ording (Schlagzeug) und Filip Leyman (Synthesizer). Zunächst begann Anna an der Orgel jedoch allein, „Epitaph of Theodor“ zu spielen, während die anderen Musiker erst nach und nach einsetzten.

Die ersten drei gespielten Titel entsprachen dann dem Beginn ihres Albums „Ceremony“, was auch bedeutete, dass es circa 10 Minuten dauerte, bis die erste Note gesungen wurde. Die Mitmusiker verharrten manchmal minutenlang, bis sie wieder einen Einsatz hatten, die gespielten Titel waren generell lauter und prog-rockiger als in ihren Album-Versionen. Hinter mir wurde angemerkt, das sei ja alles ganz schön, es wäre aber noch besser, wenn es zehnmal so schnell gespielt würde – aber dann wären wir wohl bei einem Speed Metal-Konzert gewesen...


Titel Nummer vier wurde auf der Setliste als „Noise“ bezeichnet und ließ sich später per Internetrecherche nicht weiter zuordnen. Danach folgte „Liturgy of light“, das mit gewaltigem Rasseleinsatz eingeleitet wurde und für das Anna von ihrer Sitzbank an der Keyboard-Orgel aufstand, um den Song im Stehen mit Akustikgitarre vorzutragen.

Anna selbst wirkte häufig in sich selbst und ihre Musik versunken, wobei man außer vielen blonden Haaren wenig von ihr sehen konnte – ein bisschen war es manchmal, als säße „Cousin It“ aus der Addams Family an der Orgel. Sie machte aber gelegentlich sehr liebenswürdige Zwischenansagen: Sie freue sich so, in Wien und hier zu sein, was bei ihr gar nicht phrasenhaft, sondern aufrichtig und nett klang. Auch für ihre Mitmusiker hatte sie viele freundliche Worte und berichtete, dass sie mit Carl schon seit 12 Jahren musiziere. Die beiden hatten zusammen ihre erste Band, aber nur drei Songs, die das Publikum irgendwann nicht mehr hören konnte – da ihnen keine weiteren einfielen, besiegelte dieses Problem das Ende des Projekts. Filip ist ebenfalls ein alter Bekannter, Produzent des Albums und Synthesizer-Guru. Die anderen Bandkollegen sind neu, aber genießen ebenfalls Annas Sympathie. Und auch den Soundmann erwähnte sie später noch gesondert als großartigen Kollegen.


Wenn Anna einmal nicht die Haare im Gesicht hatte, glühten die Fotoapparate in den ersten beiden Reihen. Hier hatten sich beinahe ausschließlich Männer eingefunden, die ihre zum Teil gewaltigen Kameraobjektive ohne Unterlass auf die hübsche blonde Schwedin richteten – sie wurde an dem Abend sicherlich einige tausend Mal fotografiert.

Das nun folgende Lied – auf der Setliste als „New song“ bezeichnet – ist noch titellos und wir wurden eingeladen, später am Merchandise-Stand auf Zetteln Titelvorschläge einzureichen.


Nach „Funeral for my future children“ verbeugte sich die Band und verließ die Bühne, kam aber mehr oder weniger sofort wieder zurück. Anna erklärte, es sei manchmal „awkward“ an einem neuen Ort aufzutreten, das sei heute aber gar nicht der Fall. Danach bekamen wir noch eine extrem lange Version von „Come wander with me“ (anscheinend eine Coverversion eines Songs aus der Serie Twilight Zone von Jeff Alexander und Antony Wilson) zu hören und wurden nach einem rund 75minütigen Konzert eingeladen, uns zu Gesprächen mit Anna und Band am Merchandise-Stand einzufinden.


Ich war als Begleitung bei dem Konzert, und nicht, weil ich selbst unbedingt hinwollte, und so überrascht es auch nicht, dass mich die Livedarbietung von Musik, die ich schon auf CD eher schwierig anzuhören finde, ebenfalls nicht überzeugen konnte. Wer wie ich keine Freundin des niemals endenden Instrumentalteils ist, ist bei einem Anna von Hausswolff-Konzert sicherlich falsch. Dennoch eine sehr sympathische Musikerin. Vielleicht macht sie ja eines Tages ein Popalbum und erweitert ihre Kate Bush-Anklänge, dann kann ich mich eventuell auch begeistern.

Mein Begleiter, halt, die Begleitung war ja ich, also: Der Hauptkonzertbesucher fand das Konzert übrigens sehr gut.


Setliste:

Epitaph of Theodor
Deathbed
Mountains crave
Noise
Liturgy of light
New song
Sova
Funeral for my future children

Come wander with me


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