Mein Freund und ich sind weder sonderlich berühmte noch sonderlich eifrige Wohnzimmerkonzertveranstalter, letztes Jahr brachten wir es ...

Neulich beim siebten Streich: Missincat in Montabaur


Mein Freund und ich sind weder sonderlich berühmte noch sonderlich eifrige Wohnzimmerkonzertveranstalter, letztes Jahr brachten wir es auf ganze zwei Termine. Dennoch kommt gelegentlich, wenn auch sehr selten, vor, dass eine Band oder ein Künstler von sich aus anfragt, ob wir an einem Wohnzimmerauftritt ihrerseits interessiert wären. Unsere Antwort war bislang immer negativ: Da uns die Konzerte Kosten und Mühen machen, laden wir nur Künstler ein, die wir selbst wirklich sehr gerne sehe möchten (in unseren Absagen formulieren wir das natürlich etwas freundlicher).


Unser Konzert mit Missincat stellte insofern eine Premiere dar. Zwar hatte die italienische Künstlerin nicht selbst angefragt, aber ihr Management hatte mit uns Kontakt aufgenommen, nachdem wir eigentlich angefragt hatten, ob die Band Hundreds mit ihren akustischen Set erwägen würde, bei uns vorbei zu schauen. Die Antwort: Hundreds würden so etwas nicht machen, ihre aktuelle Vorband Missincat aber vielleicht schon. Wir hörten uns deren Musik an und dachten uns erstmalig: Klingt doch super, Missincat darf gerne bei uns vorbei kommen.

Ein bisschen dauerte es dann noch, bis tatsächlich eine Tournee zustande kam. Der ursprünglich anvisierte Novembertermin fand nicht statt, da sich die mehrköpfige Tourbesetzung als nicht Wohnzimmer-geeignet erwies. Aber für den folgenden März stand unser Wohnzimmer dann als einziges Konzert solcher Art in einem Tourplan fest, der ansonsten eher traditionellere Auftrittsorte berücksichtigt.


Im Zuge eines Versuches, auch uns nicht persönlich bekannte Konzertinteressenten anzulocken, benachrichtigten wir dieses Mal auch eine Veranstaltungswebsite unseres Wohnortes, so dass sich auch tatsächlich einige Unbekannte anmeldeten, hinzu kamen auch ein paar Gäste, die über das Management von Missincat Kontakt aufgenommen hatten. Tatsächlich lief unser „Vorverkauf“ irgendwann so gut, dass wir schon damit rechneten, dass nicht alle Besucher einen Sitzplatz würden bekommen können.

Der Konzerttag war dann gewohnt hektisch. Wegen der großen Zahl angekündigter Gäste hatte ich beschlossen, mehr Essen  vorzubereiten als sonst, und obwohl ich mich bei Konzertabenden auf Rezepte beschränke, die wenig Mühe machen (was dazu führt, dass so gut wie alle Speisen Blätterteig enthalten), dauerte es, bis alles fertig war. Außerdem galt es, das Haus zu putzen, Schlafzimmer für die Musiker vorzubereiten, Stühle zu tragen, Getränke zu kühlen, die PA-Anlage aufzustellen und und und...


A propos die Anlage: Diese bereitete uns und den Musikern, die nach ihrer Ankunft in einem Tetris-artig vollgepackten, alten VW Golf erst einmal ihre Instrumente anschlossen und den Sound testeten, ein wenig Kopfzerbrechen, weil sich nicht alles wie gewünscht einstellen ließ und ein Lautsprecher bei tieferen Tönen brummte. Lange wurde herumprobiert und letztlich die Setliste aufgrund der erschwerten Bedingungen leicht geändert. Ein bisschen hatten die Künstler wohl auch Sorgen, dass das Konzert im gewohnten Setup zu laut werden könnte. Der fehlenden E-Gitarre und des reduzierten Schlagzeugs fielen insgesamt 3 Songs der feststehenden Setliste zum Opfer.


Bis dahin war es schon halb sechs, wir mussten noch zu Abend essen und erwarteten die ersten Gäste um 18:00 Uhr. Das erwies sich nicht völlig überraschend als zu enger Zeitplan, und als die ersten Konzertgäste ankamen, war noch längst nicht alles fertig. Eigentlich wie immer also. Ebenfalls wie immer lösten sich alle vorhandenen Probleme in kurzer Zeit, nicht zuletzt durch mithelfende Gäste, und selbst die Sitzplatzknappheit war weniger dramatisch als erwartet. Am Ende hatte nur mein Freund einen Stehplatz.

Missincat hatte am Vorabend in Jena vor 100 Gästen gespielt, dennoch war sie von unserem dicht besetzten Wohnzimmer zu Beginn des Konzerts etwas eingeschüchtert und fragte nach dem ersten Lied „Back on my feet“ (vom gleichnamigen Debütalbum), ob man eine unserer Deckenlampen ausmachen könne – die unmittelbare Nähe zu den wie immer bei unseren Konzerten sehr ruhigen und aufmerksamen Zuhörern war ihr zunächst nicht ganz geheuer.


Die Setliste umfasste hauptsächlich Lieder des aktuellen Albums „Wirewalker“, außerdem wurden mit „My Heart Knows“ und  „Brave And Scared“ zwei Single-B-Seiten eingebaut. Die Sängerin loopte viel und gekonnt, so sagte sie am Anfang von „Bitter“ scherzhaft, nun dürfe niemand atmen, und nahm dann hintereinander unterschiedliche, mit Klangholz oder Nutshells eingespielte Rhythmen auf. Später, bei „Don’t Let Her“, loopte sie auch ihre Stimme. Für „Star“ wurde dann das Publikum musikalisch einbezogen und stellte mit „Fingerklatschen“ akustisch Regen dar, der den Song untermalte.

Während Caterina abwechselnd Akustikgitarre und Keyboard spielte und natürlich sang, blieb für ihren Mit-Musiker Matteo (ebenfalls aus Italien) im Grunde wenig zu tun, er spielte nur gelegentlich Schlagzeug, wobei das Duo hinsichtlich der Lautstärke offenbar Zugeständnisse an die Location machte – vielleicht gibt es bei einem regulären Konzert also mehr Aufgaben für den Teilzeitmusiker, der den größten Teil seines Schlagzeuges im Auto beließ.


Das letzte Lied des Hauptteils war das ursprünglich als Duett mit dem italienischen Musiker Dente veröffentlichte „Capita“ vom zweiten Album, das einen italienischen Text hat. Als Zugabe hörten wir noch „Brave and Scared“, dann fand das Konzert sein relativ frühes Ende – was einerseits schade war, andererseits dazu führte, dass zu diesem frühen Zeitpunkt des Abends noch niemand dringend nach Hause musste.

So  unterhielten sich nach dem Konzert die Musiker noch teils recht ausführlich mit den Gästen und verkauften Schallplatten und T-Shirts. Da die beiden auch bei uns übernachteten, erfuhren wir im Laufe des folgenden Tages noch so einiges, beispielsweise dass die Musikerin Missincat ausgerechnet eine Katzenallergie hat (zum Glück keine schlimme, sonst wäre der Aufenthalt bei uns für sie kein Vergnügen gewesen). Außerdem wissen wir nun, dass die Zuschauer in Hamburg doof waren, Berlin aber ein hervorragendes Publikum zu bieten hatte. Außerdem endet die Tournee in Mailand, Caterinas Heimatstadt, wo sie früher für eine Weile hinter der Kasse des „Letzten Abendmahls“ arbeitete.


Da die Künstler am folgenden Sonntag frei hatten, boten wir ihnen eine weitere Übernachtung an, und sie blieben noch bis Montagmittag bei uns, um dann entspannt nach Darmstadt aufzubrechen. Wie schön, dass der Auftritt bei uns zu Hause im zweiten Anlauf geklappt hat, und dass das Konzert offenbar allen unseren Gästen sehr gut gefallen hat – wie auch uns natürlich.

Setliste:

Back On My Feet
My Heart Knows
Daylight
Bitter
Ten Lines
Star
Wolf In A Sheepskin
Pirates
Don’t Let Her
Stay
Capita

Brave And Scared

Vielen Dank für die Fotos an Stephan und Detlef!

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