Der Hype-Fleischersatz: Beyond Meat - und wieso ich Fleisch ohne Fleisch gut finde

Bildquelle: Lidl

Seit Jahren lese ich gelegentlich, dass der Fleischersatzprodukte-Markt eher schrumpft als wächst, und in den deutschen Supermärkten sieht man der Trend, dass "ältere" Anbieter wie Wheaty oder Veggielife von den Seitenarmen größerer Konzerne, hauptsächlich Rügenwalder und Valess, verdrängt werden. Man könnte also denken, dass der zugehörige Markt mittlerweile einigermaßen gesättigt sei, aber dem scheint nicht so sein: Das US-Unternehmen Beyond Meat, das sich schon seit 2009 ausschließlich auf die Herstellung von glaubwürdigen Fleischersatzprodukten konzentriert, ging dieses Jahr ausgesprochen erfolgreich an die Börse.

Beyond Meat arbeitet für seine Produkte mit verschiedenen Zutaten, unter anderem mit Erbsenprotein - also nicht mit den "Standardzutaten" Weizeneiweiß und Soja. Die Burger enthalten zudem, um das "Blutige" eines Rinderburgers nachzuahmen, Rote Beete-Saft. Prominente Investoren wie Bill Gates und Leonardo di Caprio sorgen zusätzlich für öffentliches Interesse an der Firma.

Persönlich lege ich eher wenig Wert auf Kunstblut in meinem Burger, aber wenn Beyond Meat so toll schmeckt, dass es in den USA buchstäblich in aller Munde ist, würde ich natürlich sehr gerne einmal probieren. Ich hatte nicht wirklich mit einer baldigen Gelegenheit dazu gerechnet, aber ausgerechnet während meiner kürzlichen USA-Reise machte mich meine Reisebegleitung darauf aufmerksam, dass Beyond Meat nach Deutschland kommt - zu Lidl, als Aktionsware.

Natürlich wollte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen, und während ich selbst beim gestrigen Verkaufsstart höchstens meine Mittagspause hätte nutzen können, um die etwas grabbelige Lidl-Filiale in der Frankfurter Innenstadt aufzusuchen, hatte glücklicherweise mein Freund die Gelegenheit, nach Arbeitsschluss eine größere ländliche Filiale aufzusuchen. Ich hatte online vorab noch herausgefunden, dass die Burger nicht wie von mir erwartet im Kühlregal sondern in der Tiefkühltruhe zu finden sein würden - nur fand er sie dort auch nicht. Erst nach einer Weile und Konsultation des Verkaufspersonals, entdeckte er doch noch einige Packungen der Bratlinge - und zwar versteckt unter den Tiefkühlbrötchen.

Damit hatte er durchaus Glück, denn in diversen Onlineartikeln kann man heute lesen, die Burger seien quasi sofort ausverkauft gewesen, teils wohl bereits am Dienstagabend, also vor dem eigentlichen Verkaufsstart. Mein Haushalt besitzt aber nun sogar vier Zweierpackungen Beyond Meat-Burger (eine letzte ließ mein Freund für andere Kunden im Laden), und ich kann kaum erwarten, sie zu testen!

Bildquelle: Lidl

Im Rahmen der eben erwähnten USA-Reise wurde ich übrigens durch andere Mitreisende auch mehrmals mit der Frage konfrontiert, warum Vegetarier denn überhaupt Fleischersatzprodukte essen. Es sei doch unlogisch, auf Fleisch verzichten zu wollen und dann Kunstfleisch zu konsumieren.

Ich weiß, dass diese Auffassung relativ häufig ist, so richtig verstehen kann ich sie dennoch nicht. Sicherlich hängt die Antwort auf diese Frage von den Gründen ab, wieso auf Fleisch verzichtet wird. Ich würde den meisten Vegetariern unterstellen, dass ihre Ernährungsweise in irgendeinem Kontext zum Tierwohl steht: Man möchte entweder grundsätzlich keine toten Tiere (mehr) konsumieren, oder aber man will zumindest nicht die industriellen Haltungs- und Tötungsbedingungen von Tieren, wie sie beispielsweise in Deutschland üblich sind, durch den eigenen Konsum unterstützen. Mit der Frage, ob man grundsätzlich einmal gerne Fleisch gegessen hat, hat diese Entscheidung häufig eher wenig zu tun.

Bei einer solchen Motivation spricht rein gar nichts dagegen, bei Interesse ein Fleischersatzprodukt zu konsumieren: Ich bekomme einen wohlschmeckenden Burger, kein Tier muss dafür leiden, alles super. Das würde mir eigentlich als Begründung schon reichen, tatsächlich spricht aber auch aus Umweltgründen so einiges für Fleischersatzprodukte: Die "Produktion" von Fleisch schluckt einiges mehr an Ressourcen als die Nachahmung auf Pflanzenbasis, und Beyond Meat verspricht, für seine Burger 90 Prozent weniger Treibhausemissionen zu produzieren, als das bei derselben Menge Fleischburgern der Fall wäre.

Übrigens, falls jemand nun gerne die Burger probieren möchte, aber die Lidl-Aktion verpasst hat: In Deutschland gibt es sie laut diesem Artikel auch bei Gourmondo, Getnow und Metro.

Hinweis: Auf meinem Blog gibt es keinerlei Werbung oder Sponsoring, folglich will ich mit meinen Beiträgen auch keine potenziellen Werbepartner beeindrucken und muss nichts dementsprechend kennzeichnen.

Keine Kommentare:

Powered by Blogger.