Gekauft: April 2022




Ich hatte ja in dieser Rubrik im letzten Monat angekündigt, den "personal shopping"-Service des Anbieters Lookiero ausprobieren zu wollen, und selbstverständlich möchte ich nun berichten, wie es weitergegangen ist!

Einige Tage, nachdem ich meine Bestellung aufgegeben hatte, erhielt ich die Information, dass diese nun verschickt sei. Informationen zum Inhalt des Paketes bekam ich nicht - in Rezensionen anderer, ähnlicher Anbieter hatte ich gelesen, dass diese zum Teil ermöglichen, den Inhalt des Paketes vorab online zu prüfen und Kleidungsstücke, die man gar nicht erst erhalten möchte, austauschen zu lassen, bevor sie auch nur verschickt zu werden. Lookiero überrascht seine Kunden lieber, und lässt ihnen dann auch viel Zeit für Vorfreude: Da der Anbieter in Spanien sitzt, war das Paket rund eine Woche unterwegs und wurde in Deutschland letztlich von Hermes an mich ausgeliefert.




Der Karton, den man erhält, ist von außen ansprechend gestaltet, und auch mit der Präsentation des Inhaltes gibt man sich viel Mühe - es ist ein bisschen, als erhielte man ein Geschenk, das man selbst bezahlt hat. Die einzelnen Kleidungsstücke befinden sich nicht in den sonst üblichen durchsichtigen Plastikhüllen, sondern werden in ihrer Gesamtheit von deutlich ansprechenderem Seidenpapier umhüllt, hinzu kommen etliche personalisierte Unterlagen. Man erhält eine Art Brief der Stylistin, in dem sie (sicherlich mit Hilfe eines teil-automatisierten Verfahrens) erläutert, was sie warum für die Box ausgewählt hat. Hinzu kommt dann ein Lieferschein, der die Artikel genau und mit ihren Preisen auflistet, und dann erhält man noch kleine Pappkärtchen, auf denen beispielhaft dargestellt wird, wie man die geschickten Artikel mit anderen kombinieren könnte.

Meine Lieferung enthielt die folgenden Kleidungsstücke:

- eine hellblaue Jeans der Marke Only
- eine naturweiße Strickjacke von Hailys
- ein schwarzbunt gemustertes Top von WDC
- ein hellblaues Top von Soaked
- eine gelbweiß gestreifte Bluse von Kaffe




Von den enthaltenen Marken war mir vorab nur Only bekannt gewesen  - Only gehört gemeinsam mit den in Deutschland ebenfalls weit verbreiteten Labels Vero Moda und Vila zum dänischen Fast Fashion-Anbieter Bestseller. Soaked und Kaffe sind ebenfalls skandinavisch (und in Onlineshops wie Zalando und About You bestellbar), Hailys stammt aus Deutschland, zur Marke WDC konnte ich online auf die Schnelle nichts finden. Alle Artikel lagen preislich auf einem sehr ähnlichen Niveau und kosteten zwischen 34,99 und 39,99 Euro - wobei ich diesen Preis für eine Jeans geradezu billig finde, für ein Hochsommertop aber zumindest durchschnittlich. 

Als nächstes ging es zur Anprobe: Die Jeans war mir auf den ersten Blick passend erschienen, ich konnte sie auch anziehen, sie saß aber recht "wurstpellig" (was bei einer Skinny Jeans zugegebenermaßen in Ordnung ist) und sah dank der sehr hellen Waschung an mir nicht vorteilhaft aus. Das schwarzbunt gemusterte Top hatte ich schon beim Auspacken scheußlich gefunden, ich probierte es nur der Vollständigkeit halber an, fand es weiterhin sehr hässlich, musste aber zugeben, dass es passte. Auch die restlichen Artikel passten mir alle gut. Ich erwägte, die gelbgestreifte Bluse zu behalten, spürte aber so gar keinen Enthusiasmus bei der Vorstellung, sie demnächst einmal anzuziehen. Letztlich entschloss ich mich, die Strickjacke zu behalten - sie passt mit ihrer Farbe quasi zu allem, und ich habe keine vergleichbare im Schrank - und auch das Top von Soaked wanderte nach etwas Zögern in den "Behalten"-Stapel. 




Im Fazit kann man also sagen, dass die Bestellung größentechnisch gut zusammengestellt war und zumindest zwei Teile enthielt, die mir gut genug gefielen, um sie zu behalten. Haben diese Teile aber auch einen Wow-Effekt, der mich denken lässt "ein Glück, dass das für mich ausgesucht wurde, darauf wäre ich sonst nie gekommen"? Nein, absolut nicht.

Ich vermute auch, dass Lookiero zum einen die Erfahrung gemacht hat, dass die Kunden letztlich eher Basics behalten als die wirklich außergewöhnlichen Teile (mit deren Auswahl man eben auch sehr daneben liegen kann) und zum anderen auch mit einer festgelegten Auswahl von Artikeln arbeitet. Irgendwo müssen die Kleidungsstücke ja auch herkommen, und ich finde es wahrscheinlicher, dass die Stylisten pro Saison mit einem begrenzten "Fundus" arbeiten als dass jede Bestellung komplett neu eingekauft wird (was den Umgang mit Retouren ja auch sehr erschweren würde). 

Was natürlich zu der Frage führt, ob ich nochmals bei Lookiero bestellen möchte.



Pro:

- Meine bestellten Artikel haben gepasst und harmonierten mit Ausnahme eines Oberteils auch mit meinem grundsätzlichen "Beuteschema".
- Alle Artikel waren preislich in Ordnung (ich hatte das Preisniveau "mittel" von drei möglichen Stufen ausgewählt).
- Es macht tatsächlich Spaß, sich anzusehen, was eine andere Person für einen zusammengestellt hat.

Contra:

- Der eigentliche Sinn des Projektes, auf Kleidungsstücke oder -stile zu stoßen, die meinen eigenen Horizont erweitern, wurde nicht erfüllt.
- Die geschickten Artikel dürften allesamt von Fast Fashion-Labels stammen, so dass man speziell bei Abschluss eines Abonnements seinen Schrank mit solchen Marken füllt.
- Wenn man nicht alle geschickten Artikel behält, was ich für wahrscheinlich halte, ist die Nutzung des Services auch immer mit einer Retourensendung nach Spanien verbunden, was zusätzlich nicht gerade umweltfreundlich ist.
- Ein eher persönliches Contra: Ich neige bei online bestellter Kleidung zu einem milderen Urteil als im Laden - was ich dort direkt zurück hängen würde, lässt mich, wenn ich es schon einmal bei mir Zuhause habe, eher überlegen, ob ich es nicht doch brauchen könnte... was dazu führen würde, dass ich bei Lookiero eher mehr kaufen würde, als vernünftig wäre. Lookiero motiviert seine Kundinnen zudem sehr dazu, etwas oder am besten alles zu behalten: Die Gebühr fürs Aussuchen von 10 Euro wird auf die behaltenen Artikel gutgeschrieben, und wer alle Kleidungsstücke behält, bekommt nochmals 25% der Gesamtkosten abgezogen. Ich möchte aber nicht dazu verführt werden, mehr zu kaufen als ich brauchen kann und für mich sinnvoll ist.

Zu meinen retournierten Artikeln musste ich übrigens detailliert angeben, was mir an ihnen nicht gefallen hat, bei einigen wurde mir im Bewertungsprozess auch angeboten, eine andere Größe zu bestellen - diese Informationen werden natürlich außerdem genutzt, um zukünftige Bestellungen noch besser an die Kundinnenbedürfnisse anzupassen.

Wenn ich irgendwann doch nochmals in Versuchung geraten sollte, bei Lookiero zu bestellen, würde ich vorab viel konkretere Angaben machen. Es hindert einen ja niemand daran, von Anfang an zu schreiben "Ich suche etwas Originelles fürs Büro" oder "Ich hätte gerne eine rote Leinenbluse, habe aber noch keine gefunden". Das mag das Überraschungsmoment etwas zerstören, führt aber vermutlich zu besseren Einkäufen.


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