Neulich im Kaffeehaus (Prag-Edition) 6: Café Slavia und Fazit


Das letzte von uns besuchte Prager Café liegt direkt an der Moldau: das Café Slavia. Wie das nahe gelegene Café Louvre handelt es sich um ein ehemaliges Künstlercafé. Es befindet in einem prächtigen Eckhaus direkt gegenüber der Oper. 



Die Einrichtung mit viel Marmor und Metall ist im Stil der 1930er Jahre gehalten, mit weniger Jugendstil-Opulenz als etwa im Café Imperial, sie wirkt dennoch sehr elegant. Hier hat einst Bedřich Smetana verkehrt, in jüngeren Jahren Václav Havel. Rilke erwähnt das Café in zwei Novellen An den Wänden hängen zahlreiche Schwarzweiß-Fotografien von Künstlern, die sicher ebenfalls alle Gäste des Cafés waren.



Auch hier gab es im Eingangsbereich eine Garderobe - und den Hinweis, das Jacken abzugeben seien. Wir bekamen sofort einen Tisch zugewiesen, ergatterten dabei aber leider keinen der ständig besetzten Fensterplätze. Dafür hatten wir hier einen guten Blick auf die Kuchenauswahl, die aus sieben verschiedenen Patisserie-Törtchen bestand. Wir bestellten ein Schokotörtchen mit Karamellfüllung und eines mit Kokosnuss. Ersteres sah toll aus, aber seine dick gegossene Schokoladenhülle war nur mit viel Gabeleinsatz zu zerstören. Mein Kokostörtchen entpuppte sich als deutlich leichter zu essen.



Nach diesem letzten Cafébesuch in Prag ziehe ich noch ein kleines Fazit zu den insgesamt sechs besuchten Lokalen:

Beste Patisserie: Černá Madona

Edelstes Ambiente: Savoy

Am wohlsten gefühlt: Louvre

Am wenigsten wohl gefühlt: Imperial

Am wenigsten klug bestellt: Choco Café

Beste Aussicht: Slavia

Insgesamt lagen alle Cafés bei der Kuchenauswahl gegenüber den Kaffeehäusern in Wien weiter vorne, sowohl was Quantität als auch was Qualität betrifft. Dafür fehlte der Wiener Charme, der die Mängel in Angebot und teilweise auch Freundlichkeit häufig durch Wohnzimmer-Atmosphäre kompensiert.

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