Gelesen: August 2022


Kerstin Gier hat als Autorin gewissermaßen zwei Standbeine: Zum einen ist sie als Jugendbuchautorin äußerst erfolgreich, zum anderen schreibt sie "Frauenromane", und das ebenfalls durchaus mit Resonanz - ihre bekannteste Reihe ist die "Mütter-Mafia". Ich selbst kenne nur eines der Erwachsenenbücher und konnte mich nicht recht dafür begeistern, dafür gefiel mir der erste Band der Jugendbuchreihe "Silber" so gut, dass ich mir die beiden folgenden auch anhörte - und dann allerdings nicht mehr so toll fand. Am bekanntesten ist Gier im Jugendbuchbereich allerdings für die sogenannte "Edelsteinreihe" (die einzelnen Folgen heißen "Rubinrot", "Smaragdgrün" und "Saphirblau"), die auch verfilmt wurde - diese Romane habe ich vor Jahren ebenfalls in Hörbuchversionen angehört und konnte mich so gar nicht dafür erwärmen.

Das alles klingt furchtbar negativ, aber Gier kann durchaus gut schreiben und schafft es vor allem immer wieder, sehr witzige Dialoge zu erfinden. Folglich blieb ich auch, als ich kürzlich einmal wieder bei Spotify nach Hörbüchern stöberte, bei Giers Auftakt zu einer neuen Jugendbuchreihe hängen: Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann. Die Autorin bleibt dabei ihrem bewährten Muster treu, denn wie in der Edelsteinreihe und bei Silber geht es um relativ normale Jugendliche mit Alltagsproblemen, die zusätzlich mit etwas Übernatürlichem konfrontiert werden: Was bei der Edelsteintrilogie das Zeitreisen und in Silber das bewusste Steuern von Träumen war, ist in Vergissmeinicht... ja, was? Erschöpfend kannn es der erste Band noch nicht beantworten, aber letztlich geht es um die Existenz sogenannter "Saumwesen", die sowohl unsere Welt bewohnen als auch die Zwischenwelt zwischen Diesseits und Jenseits - wo sich nicht nur die menschenähnlichen Arkadier, sondern auch Drachen, Kobolde, Feen und so weiter tummeln.

Neu ist, dass Vergissmeinnicht einen männlichen Erzähler hat, zumindest teilweise, denn die Geschichte wird aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren erzählt: Quinn, der eines Tages erfährt, dass er der Nachkomme eines Saumbewohners ist und somit über übernatürliche Fähigkeiten verfügt - und Matilda, die seit Ewigkeiten in Quinn verliebt ist, ihn aber erst nach einem schweren Unfall richtig kennen lernt.

Die Handlung von Vergissmeinnicht erschien mir dabei stellenweise geradezu überfrachtet, da die übernatürliche Komponente hier deutlich mehr Erklärungsbedarf aufwies als beispielsweise das Thema Träume. Dem gegenüber erwies sich die Liebesgeschichte zwischen Quinn und Matilda als recht flach, inklusive eines meilenweit vorhersehbaren Konfliktes. Es bleiben die wieder einmal sehr spaßigen Dialoge insbesondere seitens Matildas, die dafür sorgten, dass ich mir das Buch alles in allem doch gerne angehört habe - Timmo Niesner und Jasna Fritzi Bauer lesen es zudem auch sehr schön vor.

Ein komplettes Mysterium bleibt bei alldem übrigens der Titel des Romans - möglicherweise erklären ja die ausstehenden Folgern, was genau das alles mit Vergissmeinnicht zu tun haben soll.


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