Nachdem wir in der Innenstadt Prags diverse Černý-Werke gefunden hatten, ohne groß danach zu suchen, hatten wir noch nicht genug gesehen - und fanden mit der Hilfe von Listen auf der Website des Künstlers und Google noch diverse weitere. Es ist schon erstaunlich, wie sehr hier ein einzelner Künstler den öffentlichen Raum der Stadt dominiert!
Ebenfalls in der Innenstadt, aber ein wenig versteckt, befindet sich H-A-V-E-L von 2021: Es handelt sich ebenfalls um eine nackte Frau, die sich in diesem Fall über einem Hauseingang räkelt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass die Statue aus Bronze-Buchstaben besteht; sie dekoriert den Eingang der Václav Havel-Bibliothek.
Quasi um die Ecke kann man Drei Frauen entdecken, die auf dem Dach des Deym-Palastes stehen, liegen und sitzen. Zu diesen Skulpturen konnte ich nichts Weiteres in Erfahrung bringen.
Eine riesige hängende Statue kann man entdecken, wenn man die verschlafene Einkaufspassage Lucerna betritt: St. Wenceslas von 1999, eine Persiflage des nahe gelegenen Reiterdenkmals auf dem Wenzelsplatz. Černý selbst schreibt auf der eigenen Website zu der Skulptur:
"Natürlich ist das Pferd des nationalen Symbols verreckt, aber weiter geht's, alles ist gut. Irgendetwas ist hier völlig verkehrt, jemand hat etwas auf den Kopf gestellt, aber wir tun alle so, als ob es in Ordnung wäre, als ob es natürlich so wäre. Aber was nun? Manchmal versuche ich es, manchmal nicht. Der Heilige Wenzel wurde zu einer Zeit geschaffen, die unerträglich war, als die Wut bereits aus jeder einzelnen Pore quoll. Einfach unmöglich!"
Wenn Deutsche in meinem Alter an Prag denken, fällt ihnen sicher häufig auch die (früher west-)deutsche Botschaft in der Stadt ein: In deren Garten hatten sich im Sommer 1989 mehr als 4000 Ostdeutsche verschanzt, die von der DDR in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln wollten. Sie konnten ihre Flucht durchsetzen, wobei die DDR ohnehin nur noch wenige Monate als Staat existieren sollte.
Die Botschaft besteht weiterhin. Man kann sie als Besucher nicht betreten, aber das Gebäude umrunden und von hinten in den berühmten Garten schauen - den auch eine bekannte Skulptur von David Černý ziert: Quo Vadis, ein bronzener Trabi mit Beinen.
Um die 12 Meter hohe Skulptur Trifot von 2016 zu sehen, mussten wir mit der U-Bahn in einen Vorort (Nové Butovice) fahren. Ein riesiges Kamerawesen auf Stelzen sieht aus, als könne es jederzeit loslaufen - und erinnert an ein bedrohliches Geschöpf aus einem Science Fiction-Film. Kameras nehmen Passanten auf und sorgen dafür, dass die Augen der Skulptur ihnen folgen.
Cyberdog befindet sich direkt neben dem Trifot und wirkt im Vergleich zu dessen Riesigkeit fast unscheinbar - dabei ist der zweistöckige Raum auch nicht gerade klein. Es handelt sich um eine "robotische Weinbar" für bis zu 40 Personen. Gleichzeitig bietet das Gebäude mittels einer Ausstellung im oberen Stockwerk die Möglichkeit, sich über neue Errungenschaften der Robotertechnik zu informieren. Zugänglich ist es vermutlich nur auf Einladung.
In der Nähe unseres Hotels konnten wir eine noch größere Skulptur betrachten: Lilith, eine metallene Frauenfigur von 2022, ist 24 Meter hoch und umarmt die Fassade eines Wohngebäudes. Auf der anderen Seite scheint ein riesiges Bein und eine Hand aus dem Boden zu ragen und das Gebäude zu stützen. Nach unserem Besuch las ich, dass die Figur einmal am Tag ihren Kopf dreht.
Damit war unsere Černý-Tour eigentlich beendet, und wir machten uns auf die Rückreise nach Deutschland - aber wir hatten die Rechnung ohne den Flughafen gemacht: Im Check-in-Bereich begrüßte uns eine Skulptur, die halb Pferd und halb Propeller zu sein schien, und irgendwie nach Černý aussah. Pegasus scheint mehrfach zu existieren und grast auch in einem Wohngebiet von Prag.
Wie man sieht, haben wir bei unserem Prag-Besuch viele Černý-Werke gesehen, aber bei weitem nicht alle - es gäbe noch viele weitere zu entdecken, für die man meist gezielt in Stadtteile fahren müsste. Außerdem gibt es in Prag noch ein Černý-Museum, das Musoleum, das wir ebenfalls nicht besucht haben.




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