Aktuell bin ich mit dem Streamingprogramm meines Haushalts eigentlich zufrieden. Aktuell haben wir mal wieder Zugriff auf Apple TV und haben hier noch einiges "nachzuarbeiten".
Berichten möchte ich aber über eine Enttäuschung, die aus meiner Sicht schon eher eine Unverschämtheit darstellt, nämlich den Netflix-Film The Last House. Meine Schimpftirade wird ausdrücklich auch Spoiler enthalten, weil sie anders nicht funktioniert. Außerdem sollte mit diesem Film ohnehin niemand seine Zeit verschwenden.
Stiltechnisch handelt es sich um eine Art Horrorfilm mit einer eigentlich ganz interessanten Prämisse: Eine amerikanische Durchschnittsfamilie (Vater, Mutter, zwei Kinder, Hund) erlebt einen normalen Wochentagsmorgen, an dem es alle eilig haben, das Haus zu verlassen - was an diesem Tag aber nicht funktioniert: Mysteriöserweise lässt sich die Haustür nicht öffnen, genausowenig wie das Garagentor oder ein Fenster. Nicht einmal rohe Gewalt hilft. Internet und Telefon funktionieren nicht mehr.
Der Blick durch die Fenster in die Nachbarschaft ergibt, dass es allen in der Umgebung genauso ergeht, und während schnell klar ist, dass der gleichzeitig begonnene Dauerregen etwas mit der Situation zu tun haben muss, gibt es für die Situation keine Lösung - und zwar für mehrere Jahre.
Die Familie muss sich somit darauf konzentrieren, irgendwie zu überleben - zunächst mit dem rationierten vorhandenen Essen, dann durch Gemüseanbau im Wohnzimmer, nachdem der Dielenboden herausgerissen wurde. Sie haben Glück und entdecken, dass ihr Kaminschacht nicht verschlossen wurde, und beginnen durch ihn ein kompliziertes Jagdsystem, durch das sie aus der Not heraus alle möglichen Kleintiere erbeuten und essen - während sie zur Unterhaltung - so lange es noch Strom gibt - immer dieselben zwei DVDs schauen und die Kinder langsam größer werden. Die Bewohner der Nachbarhäuser versterben nach und nach an Krankheiten, Hunger und auch durch häusliche Gewalt.
Die Idee, wie es funktionieren könnte, über einen längeren Zeitraum in einem solchen Zustand zu überleben, fand ich zunächst ganz reizvoll, allerdings wird die Geschichte an dieser Stelle schnell auch etwas langweilig - wie es den Protagonisten ja auch ist. Möglicherweise wurde die "Auflösung" - und damit das Ende - im Schnitt auch bewusst herausgezögert, weil sie so extrem unbefriedigend und gleichzeitig dämlich ist.
Die Menschen wurden nämlich von bislang unentdeckten Meeresbewohnern (die sich auch an Land bewegen können) eingesperrt, die nach und nach die Häuser abklappern und die Bewohner töten. Warum, bleibt unklar - dienen die Menschen als Nahrung? Würde sonst das Einsperren nicht tendenziell ausreichen, um sie auszurotten? Geht es um Rache für die Verschmutzung der Meere?
Die Familie schafft es schließlich, eines der mysteriösen Wesen zu fangen, will es eigentlich töten und verschont es dann. Durch diesen Akt der Gnade beschließen die Meeresbewohner, ihr jahrelanges Projekt, alle Menschen zu töten, sofort abzubrechen, und ziehen sich dauerhaft zurück. Die Familie verlässt das nun offene Haus und macht sich mit einem Boot auf den Weg irgenwohin - wie sie nun unterwegs Nahrung bekommen, bleibt ungeklärt.
Was man alles nicht erfährt: Wie kann es überhaupt klappen, gleichzeitig sämtliche Häuser abzuriegeln? Wenn der Kamin vergessen wurde, handelt es sich offenbar um keinen automatisierten Prozess (bei dem etwa der Regen mit etwas "Versiegelndem" angereichert wurde) - wie soll das also funktionieren? Was wollen diese Wesen überhaupt? Haben sie auf der ganzen Welt agiert, oder nur in einer Stadt / einem Land / einem Kontinent? Gibt es insgesamt nur vier bis fünf der Wesen, die somit in ihrer kleinen Gruppe entscheiden konnten, den Genozid abzubrechen? Woraus bestand der Regen, und warum und wie können sie das Wetter manipulieren?
Netflix hat für den Film Werbung gemacht, indem ein Mann für 30 Tage in einer erweiterten Werbetafel über dem Sunset Boulevard "wohnte", was zugegebenermaßen sehr beeindruckend aussah - hätte man nur nicht das ganze Budget hierfür ausgegeben, so dass man dann Chat GPT um das Drehbuch bitten musste!


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