Es ist an der Zeit, mit dem Bücherfragebogen fortzufahren, immerhin habe ich noch nicht einmal die Hälfte fertig! Die aktuelle Kategorie ist...

Bücherfragebogen (12): Ein Buch, das du von jemandem empfohlen bekommen hast

Es ist an der Zeit, mit dem Bücherfragebogen fortzufahren, immerhin habe ich noch nicht einmal die Hälfte fertig! Die aktuelle Kategorie ist eine relativ einfache, denn ich lese eigentlich relativ viel Empfohlenes, und auch ein Buchgeschenk ist ja eigentlich als Empfehlung zu verstehen. Die hier vorgestellte Bartimäus-Trilogie (The Amulet of Samarkand, The Golem's Eye, Ptolemy's Gate) war eine Empfehlung meines jetzigen Freundes (zur Zeit der Empfehlung kannten wir uns noch nicht sonderlich gut), und zunächst hatte ich meine Vorbehalte: Die Handlung, in der es um real existierende Zauberer in London geht, klang wie ein Harry Potter-Abklatsch, und überhaupt war ich nicht sonderlich daran interessiert, schon wieder ein Jugendbuch (oder drei) zu lesen.


Als ich mir dann aber doch den ersten Band anschaffte, musste ich in diesem Fall erkennen, dass ich gründlich falsch gelegen hatte: Es mag um Zauberer und London gehen, aber diese Geschichte ist eine völlig andere und spielt in einer ganz eigenen, gut ausgedachten Welt. Die Zauberer hier sind keine netten Menschen, sondern charakterlose Tyrannen, die sowohl die nichtmagische Mehrheit terrorisieren als auch die Welt der Geister.

Magie als solches existiert überhaupt nicht, die Zauberer erwerben in einer hochkomplexen und aufreibenden Ausbildung lediglich die Fähigkeit, Geister aus einem Paralleluniversum heraufzubeschwören und in ihrer Welt zu zwingen, ihre Wünsche zu erfüllen. Entsprechend unbeliebt sind die Menschen bei den "Dämonen", und der kleinste Fehler beim "Zaubern" kann den eigenen Tod verursachen. Menschen ohne Zauberausbildung, in den Romanen durch das Mädchen Kitty repräsentiert, sind den Launern der zaubernden Schicht wehrlos ausgeliefert und können weder mit Mitleid noch mit Gnade rechnen.

Der titelgebende Dämon Bartimäus ist somit zumindest im Vergleich die sympathischere Figur, denn er ist bei seinem leichten Größenwahnsinn und all seiner Eitelkeit zumindest kein Heuchler und hat letztlich sogar mehr Sinn für Moral als die meisten Menschen.1 Die drei Bände haben voneinander unabhängige Handlungsbögen, zeigen als Ganzes aber eine zusätzliche, eigene Geschichte über die Beziehung von Bartimäus und dem Zauberer Nathaniel, der im ersten Buch noch ein Kind und im letzten ein junger Minister ist. Und wie immer in guten Phantasiegeschichten geht es im Grunde um Probleme, die jeder aus dem eigenen Leben kennt: Das Träumen von scheinbar unerreichbaren Zielen und die Frage nach Moral und ihrer Umsetzung  in einer korrupten Gesellschaft.

Letztes Jahr erschien übrigens ein Prequel zur Trilogie mit dem Titel The Ring of Solomon, das liegt aber auf dem immer höher werdenden "noch zu lesen"-Stapel.

1 Bartimäus neigt übrigens zu langen und nicht immer glaubwürdigen, dafür aber stets amüsanten Ausschweifungen in den Fußnoten, die gelegentlich auch einmal eine halbe Seite einnehmen.

Kommentare:

  1. du hattest die reihe schon in einer deiner jahreslisten (wenn ich mich recht erinnere) und ich war von der kurzen vorstellung so begeistert, dass ich es mir bestellen wollte. leider wusste ich dann nicht recht, mit welchem band anzufangen und so ließ ich es bleiben. aber wenn du schreibst, dass die bände voneinander unabhängige handlungsbögen haben ... wäre es eh egal gewesen, oder:)?

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  2. Nee, man sollte schon mit dem ersten (Amulett von Samarkand) anfangen, weil es eben auch diese durchgehende Handlung gibt, in der dann scheinbar unwichtige Nebenhandlungen aus dem vorherigen Band wieder aufgegriffen werden. Und im ersten Teil muss man sich ja auch in dieses seltsame Pralleluniversum erst einmal einfinden.
    Was ich nicht weiß, ist, ob man das "Prequel" vor den anderen Büchern lesen kann ...

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