Eigentlich war der Samstag der interessantere der beiden Festivaltage, denn nun spielten mit Slut, Get Well Soon und Hundreds  gleich drei B...

Neulich beim Festival der kurzen Wege (Teil 3)

Eigentlich war der Samstag der interessantere der beiden Festivaltage, denn nun spielten mit Slut, Get Well Soon und Hundreds  gleich drei Bands, die wir tatsächlich sehen wollten. Da wir ja in Frankfurt bequem bei Bett, Dusche und Frühstückstisch genächtigt waren, reisten wir auch erst am späten Nachmittag wieder nach Mannheim und sahen dort als erste Band zunächst Mikroboy.


Die deutsche Band nahm letztes Jahr am Bundesvision Song Contest teil und kann deshalb als halbwegs bekannt eingeschätzt werden - auch, wenn ich vorab keines ihrer Lieder kannte. Für Gala-Leser wäre noch zu erwähnen, dass Sänger Michael Ludes der Freund von "unserer Lena" sein soll. Im Publikum befand sie sich dennoch nicht, dafür aber zahlreiche andere junge und vor allem weibliche Fans mit beeindruckender Textsicherheit.

Ich schätze, dass Fans von deutschsprachigen Bands wie Virginia jetzt! oder Fertig! Los! auch an Mikroboy gute Seite würden entdecken können. Ich konnte zumindest live an ihren Songs wenig Gefallen finden, die Interaktion mit dem Publikum wollte nicht so recht klappen, und ich war zusätzlich noch dadurch abgelenkt, dass der Sänger und der Gitarris offenbar extradünne, weiße T-Shirts aus Mehrerpacks bevorzugen. Ja ja, ich bin oberflächlich, war aber auch zusätzlich beeinflusst: Während des Mikroboy-Auftritts traten auch die bei diesem Festival sehr spärlich vorhandenen besoffenen Idioten erstmalig in Erscheinung.

Die nächste Band (Abby) verpasste ich und schlenderte zum Essensstand, wo ich eine katastrophale Entdeckung machte: Das Veggie-Gericht des Metzgereistands (der, wir erinnern uns, der einzige Essensstand war), eine Gemüsepfanne, wurde nicht mehr angeboten. Auch die am Freitag noch vorhandenen Käsebrötchen waren nicht mehr vorrätig. Ich kaufte mir mangels Alternativen also zwei Schalen Pommes, um dann festzustellen, dass auch das Ketchup mittlerweile aufgebraucht war.


Na ja, wir waren ja auch nicht zum Essen gekommen, und im Zelt stand nun der Auftritt der tollen Ingolstädter Band Slut an. Endlich fühlte ich mich kompetent, denn ich hatte die Band bereits vor einigen Jahren live gesehen und kannte auch alle ihre Alben - dachte ich zumindest, bis mich mein Freund darauf aufmerksam machte, dass ich offenbar erst bei der dritten Platte eingestiegen bin.

Verglichen mit dem Frankfurter Auftritt vor etlichen Jahren erschien mir die Band dieses Jahr selbstbewusster. Sänger Christian Neuburger erklärte mehrmals, dass es der Band (obwohl man Festivals sonst nicht sonderlich möge) großen Spaß mache, heute vor uns aufzutreten, und anders als bei Mikroboy nahm das Publikum die Komplimente auch begeistert an.


Setlisten-technisch haben wir bei diesem Konzert leider versagt, es wurden aber definitiv gespielt:

Staggered and Torn
Easy To Love
Still No one
If I Had A Heart
Caretaker's Theme
All We Need Is Silence
Global Cut
Die Ballade von Mackie Messer
Reminder

Leider ausgelassen wurde "Why Pourquoi".


Weiter ging es nun mit den Headlinern und, wie sich anhand der Bemerkungen während ihres Auftritts herausstellte, Organisatoren des Festivals, Get Well Soon.

Ich habe die Band in den letzten Jahre dreimal live gesehen, und es macht immer wieder Spaß. Die Arrangements von Konstantin Gropper sind stilistisch fast ebenso vielfältig und streckenweise theatralisch wie der Katzenjammer des Tages zuvor, aber hier führen musikalische Richtung und Grund-Düsterheit zu einem für mich viel angenehmeren Ergebnis.


Leider führte anscheinend weder die Tatsache, dass Get Well Soon der Festival-Headliner waren, noch der Status als Mannheimer "Lokalband" dazu, dass alle Besucher die Band auch tatsächlich sehen wollten. Zwar war das Zelt rappelvoll und der Applaus enorm, aber wann immer eine leisere Liedpassage kam (und die gab es oft), zeigte sich, dass der Gesprächs-Geräuschpegel im Publikum ohrenbetäubend war. Warum Menschen zu einem Konzert gehen, um sich dort gegenseitig ins Ohr zu brüllen, wenn sie dasselbe Gespräch auch in normalerer Lautstärke zehn Meter weiter weg führen könnten, muss man wohl nicht verstehen.


Die Band selbst hätte diesem Problem sicher mit einer etwas lebhafteren beziehungsweise lauteren Setliste bekämpfen können, andererseits hatten wohl auch die Künstler mit einem etwas aufmerksameren Publikum gerechnet.

Schwamm drüber, die Groppers haben mir auch dieses Mal wieder Freude bereitet. Lustig war auch Konstantins Ankündigung von zukünftigen Maifeld-Derbys, die von seinen Kollegen (den Festival-Organisatoren) mit einem panischen Grinsen nach dem Motto "Ach, wir machen das nochmal??" quittiert wurde.

Setliste:
We Are Safe Inside While They Burn Down Our House
Seneca's Silence
People Magazine Front Cover
We Are Free
5 Steps / 7 Swords
A Voice In The Louvre
Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
Good Friday
Werner Herzog Get Shot
We Are Ghosts
A Burial At Sea
Ticktack! Goes My Automatic Heart
Angry Young Man
I Sold My Hands For Food So Please Feed Me

Red Nose Day
If This Hat Is Missing I've Gone Hunting


Als letzte Band nicht des Festivals, aber unseres Besuchs trat anschließend auf der extra schwarz abgehängten Bühne Hundreds auf, ein Elektronik-Bruder-Schwester-Duo (live mit zwei Extraschlagzeugern unterwegs) aus Hamburg. Als Sängerin Eva Milner, die als einzige beim Kurz-Soundcheck die Bühne nicht betreten hatte, mit einem recht seltsamen Cape-Konstrukt erschien und abgehackte Ausdruckstanzbewegungen machte, befürchtete ich zunächst, dass dieser Auftritt für meinen Geschmack zu zickig-durchinszeniert sein würde. Neben der teils traurig-betörenden, teils auch tanzbaren Musik traten aber solche Überlegungen, wie auch die zum unterm Cape getragenen Sack-overall, sehr bald in den Hintergrund. Hundreds machen outfitunabhängig sehr mitnehmende elektronische Musik, und wer The Notwist mag, wird hier sicher auch Gefallen, aber keine Nachahmung finden.



Schön waren auch die Lichteffekte auf der schwarzen Bühne, die bei uns zu einer großen Auswahl hübscher Silhouettenfotos führte.

Setliste:

Intro
Wait For My Raccoon
Machine
Fighter
Grab The Sunset
I Love My Harbour
Song For A Sailor
Rabbits (schien zumindest so auf der handschriftlichen Liste zu stehen)
Let's Write The Streets


Das war's also mit dem insgesamt durchaus erfolgreichen ersten Maifeld-Derby. Heute stand bei Facebook zu lesen, dass zu wenig Leute zum Abbauen anwesend seien und dass man sich über freiwillige Helfer freuen würde - als Gegenleistung wurden T-Shirts und Verpflegung geboten. Wetten, letztere war wieder 'ne Wurst?

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