Alles begann - zumindest für mich - mit einem Blogeintrag von Stefan Niggemeier. Darin beklagte er sich darüber, dass der NDR zwar eine gut...

Der Tatortreiniger


Alles begann - zumindest für mich - mit einem Blogeintrag von Stefan Niggemeier. Darin beklagte er sich darüber, dass der NDR zwar eine gute Serie namens Der Tatortreiniger produziert habe, aber geradezu Aufwand dafür betreibe, dass sie auch ja niemand zu sehen bekäme. Deshalb hatte man die Erstausstrahlung auf die Weihnachtstage gelegt, wo die vier Folgen spätnachts auf dem NDR weggesendet wurden. Eine Wiederholung auf einem besseren Sendeplatz war dann nur für die ersten beiden Episoden geplant, der Rest sollte erst einmal in der Versenkung verschwinden.


Diese Wiederholungen sah ich mir dann auf diese Empfehlung hin aber immerhin an, und tatsächlich ist Der Tatortreiniger durchaus unterhaltsam: Bjarne Mädel spielt die Titelfigur, deren Arbeit, wie er gerne sagt, da beginnt, "wo sich andere vor Entsetzen übergeben". Stets sucht er relativ gut gelaunt eine Wohnung auf, in der es viel Blut und manches andere Eklige zu beseitigen gibt, und stets verläuft sein Arbeitstag anders als erwartet: Sei es, dass die vom Verstorbenen gebuchte Prostituierte plötzlich in der Wohnung steht, sei es, dass ihm der erschossene Psychologe erscheint und versucht, ihn zu therapieren. Dabei ist Mädels Rolle eine andere als er bislang in Stromberg und Mord mit Aussicht verkörperte: Schotti ist nämlich kein Intellektueller, aber auch alles andere als doof. Er kann mit seiner Bodenständigkeit und seiner Gewöhnung an gewaltsame Todesfälle so manche geheuchelte Phrase als solche entlarven. Und so ergibt sich ein Teil der Attraktivität der Serie durch die skurrilen Begegnungen verschiedener Lebenswelten, ein anderer aber auch durch den sehr ungewöhnlichen Umgang mit dem Thema Tod.


Das fanden auch viele andere, und so häuften sich irgendwann die den NDR anklagenden Beiträge zum Thema Tatortreiniger. Dieser reagierte, zeigt ab dem 28. Februar (22 Uhr) die dritte und vierte Folge nochmals, und ab dem 9. März gibt es das Ganze dann auf DVD. Außerdem wird die Serie anscheinend noch dieses Jahr fortgesetzt und wurde mittlerweile für den Grimmepreis nominiert.

Was die geplante Fortsetzung angeht, weiß ich gar nicht, ob ich darüber so glücklich sein soll. Ich kenne mittlerweile die vier existierenden Folgen, die allesamt völlig unterschiedlich sind, aber beliebig viele skurrile, neue und doch irgendwie liebenswerte Begegnungen im Umfeld "blutverschmierter Tatort" kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Hoffentlich lässt sich das Niveau also halten.


Kleines Update: Ab dem 17. Mai (Christi Himmelfahrt) zeigt nun auch Das Erste die Serie, voraussichtlich um 21:45.

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