Die schon wieder: Garbage in der Manchester Academy

U.
Wir hatten das Thema schon einmal: Eigentlich mag ich Bands nicht gerne mehrmals sehen. Aber momentan scheint es fast so, als würden mein Freund und ich nun anstreben, sämtliche kürzlich beim Hurricane gesehenen Bands noch einmal einzeln zu betrachten.

Die Realität ist etwas anders: Wir befanden uns wegen des Stone Roses-Konzerts bereits in Manchester, das Garbage-Konzert fand an einem Abend statt, an dem wir nichts anderes vorhatten und ausverkauft war es, als wir uns schließlich zum Ticketkauf entschlossen, auch nicht. Also gingen wir eben hin.


Leider entpuppte sich der Fußweg, der uns im Nieselregen an sämtlichen Abteilungen der Universität Manchester vorbeiführte, dann doch als länger als erwartet, und als wir die Halle endlich betreten und auch eine Garderobe ausfindig gemacht hatten, setzte die Vorband The Jezebels bereits zu ihrem letzten Lied an. Insgesamt hatte ihr Auftritt auch nur 30 Minuten gedauert.

Während des Wartens auf die Hauptband hatte ich ein wenig Zeit, unsere Umgebung zu studieren, und stellte fest, dass zu etwa 50 Prozent „alte“ Fans gekommen waren – einzelne Herren oder auch Paare im Alter der Band. Dazwischen befanden sich jedoch auch zahlreiche Gäste, die direkt von der benachbarten Uni zu kommen schienen und die maximal Mitte 20 zu sein schienen. Anscheinend haben Garbage also mit ihrem aktuellen Album auch neue Fans akquiriert.


Nach kurzer Pause erklommen, wie schon beim Hurricane, zunächst die männlichen Bandmitglieder die Bühne, angeführt wurden sie von ihrem Vorsitzenden und Schlagzeuger Butch Vig. In gebührendem Abstand folgte Shirley Manson auf superhohen Absätzen, in ähnlichen, ich glaube aber nicht identischen roten Hot Pants, wie sie in Scheeßel getragen hatte. Identisch war in jedem Fall der hohe Dutt, als Oberteil gab es heute eine rote Bluse über einem schwarzen Top, dazu eine bei den Temperaturen der Halle völlig überflüssige schwarze Strickjacke, die nach dem ersten Lied „Supervixen“ sofort abgelegt wurde.

„Paranoid“ war anschließend das erste Lied, bei dem das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wurde, später wurde das bei „Push It“, „Cherry Lips“ und natürlich „Only Happy When It Rains“ wiederholt - mit Erfolg, versteht sich.


Verglichen mit dem Set beim Hurricane war nicht nur die Setliste deutlich anders (gut, sie enthielt ja auch acht Titel mehr), auch die Band schien sich bei einem „eigenen“ Konzert wesentlich wohler zu fühlen, denn die Atmosphäre war viel wärmer – wie leider auch die Temperatur. Shirley bedankte sich beim Publikum aus Manchester, das sieben Jahre auf die Rückkehr der Band gewartet habe. Nachdem sie „Shut Your Mouth“ wiederum in der uns bereits bekannten Rap-Version vorgetragen hatte, musste sie vor „Queer“ auch die Bluse ablegen und stellte wenig später fest, dass sie noch nie erlebt habe, dass es bei einem Konzert derart heiß sei.1

Vor „Stupid Girl“ ertönten - wie gehabt - kurz die Klänge von Donna Summers „I Feel Love“, aber nach dem Song gab es auch etwas Neues für uns, denn Shirley hatte nach sechs Liedern offenbar genug Schmerzen ertragen und wechselte schnell auf der Bühne in bequemeres Schuhwerk – wir hatten uns vorher schon darüber gewundert, dass ein Roadie Stiefel vors Schlagzeug gestellt hatte.


Nachdem Shirley Teile von „Why Du You Love Me“ auf dem Boden sitzend und liegend vorgetragen hatte, war es ein weiteres Mal Zeit, Bezug auf den Ort Manchester zu nehmen. Shirley, die ja selbst Schottin ist, erklärte zur Begeisterung des Publikums „It’s better up North!“ und erzählte anschließend, dass sie sich genau an ihren ersten Besuch in der Stadt erinnere. Damals habe sie bei der Band Goodbye Mr. McKenzie gesungen, und ihre lokale Supportband waren die Stone Roses. Jahre später trat sie, nun mit Garbage, bei „Top of the Pops“ auf, die Stone Roses waren ebenfalls anwesend, Ian Brown sprach sie auf die gemeinsame Vergangenheit an und sie behauptete ganz cool, sie könne sich überhaupt nicht an die damalige Vorband erinnern. In Wirklichkeit seien Garbage aber große Stone Roses-Fans und freuten sich bereits darauf, demnächst mit ihnen in Bilbao aufzutreten.

Vor „Control“ erfuhren wir noch, dass es „our favourite guitar-driven Song on the new album“ und außerdem die nächste Single in den USA sei – allerdings nicht in Europa, weil dort keine Rocksongs mehr im Radio gespielt würden.


Nach „#1 Crush“, das ich in der gespielten Version irgendwie überhaupt nicht erkennen konnte, folgte eine weitere Erzählrunde, dieses Mal von der ganzen Band. Shirley bat zunächst Duke Erikson um ein Tänzchen und bat ihn, irgendetwas zu erzählen. Er nutze die Chance, Freunde von sich aus Wiscounsin zu grüßen, die extra für den Abend angereist seien. Als nächster trat Steve Marker ans Mikrofon und sagte, er freue sich, in Manchester zu sein, der Stadt, aus der jede tolle Band der Welt stamme. Dann war auch der nicht fest zur Band gehörende Bassist Eric Avery an der Reihe, der nur kurz sagte, Manchester sei die Heimat seines Lieblingsbassisten. Unter großen Vorabapplaus ergriff zuletzt Butch Vig das Wort und nahm Bezug auf Averys Worte, indem er erzählte, beim letzten Auftritt von Garbage in Manchester habe ein Bekannter der Band hinter die Bühne kommen wollen. Garbage hatten aber keine große Lust, ihn zu sehen, und fanden deshalb Ausflüchte, die das verhinderten. Hinterher erfuhren sie aber, dass der ungeliebte Bekannte in Begleitung von Peter Hook gewesen war, und dass sie so unwissentlich ein Treffen mit ihrem Idol verhindert hatten.

Wie gesagt, nicht nur wegen der vielen Redepausen hatte man den Eindruck, dass die Band viel Spaß an dem Auftritt hatte, und vor einem der letzten Songs sagte Shirley sogar, dass sie, obwohl sie seit ihrem 15. Lebensjahr auf verschiedensten Bühnen stehe, nicht wolle, dass dieser Abend ende. Nach „Vow“ war dennoch zunächst Schluss, aber es gab natürlich Zugaben: Auf das neue „Automatic Systematic Habit“, das beim Hurricane den Auftritt eröffnet hatte, folgte „The Trick Is To Keep Breathing“, zu dem Shirley erklärte, der Song habe sich im Laufe der Jahre zum Garbage-Song entwickelt, der den Fans am meisten bedeutete und der am meisten mit der Band in Verbindung gebracht werde. Sie habe Textzeilen schon in Briefen an sich gelesen und selbst als Tattoos gesehen. Nach diesem einzigen ruhigen Song – wie beim Hurricane fehlten leider „The World Is Not Enough“ oder auch „Milk“ – hörten wir am Ende noch, dieses Mal mit auffällig langsamem Anfang, „Only Happy When It Rains“, dann war der Auftritt, natürlich nicht, ohne dass sich die Band noch vor uns verbeugt hätte, vorbei.


1 Garbage sind also offenbar noch nie im Frankfurter Mousonturm oder im Gibson aufgetreten ...



Setliste:

Supervixen
I Think I’m Paranoid
Shut Your Mouth
Metal Heart
Queer
Stupid Girl
Why Do You Love Me
Not Your Kind Of People
Control
Cherry Lips (Go Baby Go!)
Blood For Poppies
Special
#1 Crush
Battle In Me
Big Bright World
Bad Boyfriend
Push It
Vow

Automatic Systematic Habit
The Trick Is To Keep Breathing
Only Happy When It Rains

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