Neulich beim Dreierpack: Get Well Soon in der Frankfurter Brotfabrik

U.

Hat außer mir noch jemand das Gefühl, dass ich im Grunde immer dieselben drei Bands live sehe? Nun, beim Get Well Soon-Konzert am vergangenen Freitag handelte es sich tatsächlich bereits um das mindestens achte meines Lebens, das stimmt schon. Achtmal dieselbe Band! Wer hält das denn aus?

Tatsächlich kann man Get Well Soon hinsichtlich des Freitagskonzertes aber nun wirklich überhaupt nicht vorwerfen, immer dasselbe zu machen. Da wäre zunächst das Songmaterial: Im November hatte Konstantin Gropper nicht weniger als drei neue EPs veröffentlicht, und zwar ausschließlich auf Vinyl. Passend wurde eine Tournee mit Konzerten im "Dreierpack" angekündigt, es sollte also pro Konzertabend drei unabhängige Musikteile geben. Kurz vor Tourneestart wurden noch zwei weitere Neuerungen bekannt gegeben: Erstens durften Fans darüber abstimmen, welche Coverversion die Band zum besten geben sollten, zweitens konnte man sich zusätzlich bewerben, selbst einen Get Well Soon-Song an Stelle Groppers als Karaokeversion zu singen.


Es gab also viele Gründe, sich Get Well Soon auf dieser Tournee anzusehen, und so sahen das wohl auch andere, denn das Frankfurter Konzert in der Brotfabrik war ausverkauft. Der gut gefüllte Saal bekam als erstes die Vorband Vin Blanc / White Wine zu sehen, ein deutsch-amerikanisches Duo aus Leipzig, dessen eine Hälfte (Joe Haege) vormals Tu Fawning gegründet hatte. Joe trug einen sicherlich absichtlich zu kurzen Anzug mit karierten Socken und hatte merkbare Stimmprobleme, die er auch selbst mehrfach erwähnte. Ob der Auftritt unter günstigeren Umständen beim Publikum besser angekommen wäre, sei dahingestellt, so jedenfalls wurde das kurze Set kaum beachtet und erntete auch nur höflichen Applaus.


Schon bald danach erschien der Hauptact, wirkte aber deutlich anders als gewohnt. Besonders fiel die Tatsache ins Auge, dass ALLE außer dem Schlagzeuger E-Gitarren hatten (gut, eine war in Wirklichkeit ein Bass), ins Auge. Auch die Kleidung der meisten Bandmitglieder war sichtlich mit dem Ziel ausgewählt, rockiger und 80er-mäßiger zu wirken, als das sonst der Fall ist. Und so rockte sich die Band zunächst recht schnell durch EP Nummer 1, "The Lufthansa Heist". Bassist Timo Kumpf wirkte bei dem Geschrammel so zufrieden, dass ich mich fragte, ob er nicht grundsätzlich lieber in einer Rockband wäre.


Danach ging man tatsächlich zunächst wieder ab und zog sich um, und Konstantin Gropper legte zur weißen Jeans einen ebensolchen Blazer an - und die Schuhe ganz ab, den Rest des Abends stand er barfuß auf der Bühne. Nachdem wir zum zweiten Mal begrüßt worden waren, folgte die Darbietung von "Henry – The Infinite Desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer" mit einer für Get Well Soon traditionelleren Instrumentierung - also mit weniger Gitarre, dafür zusätzlich Trompete, Geige und Glockenspiel. Vor "Mail from Heidegger" zeigte sich Konstantin Gropper amüsiert darüber, dass ihn ein Journalist nach der postmodernen Komponente des Songtitels gefragt hätte, der in dessen Auge vorspiegelte, der Philosoph des 19. Jahrhunderts habe Zugriff auf E-Mail gehabt. Dem ist nicht so, denn mit "Mail" meinte Gropper einfach "Post", also Briefe.


Wieder folgte eine Pause, allerdings nur eine kurze, in der das von Barfuß-Gropper umgestoßene Weinglas beseitigt und durch ein volles ersetzt wurde und nochmals einige Instrumente getauscht wurden. Statt der dritten EP "Greatest Hits", die ausschließlich Coversongs enthält, folgte nun zu unserer Freude ein Klassiker der Band, "I Sold My Hand For Food So Please Feed Me". Danach schlugen die Coversongs aber doch zu, und wir bekamen ausgerechnet "Careless Whisper" zu hören, ein Song, der mich schon im Original nur nervt (und der mich außerdem stets an das zugehörige, scheinheilige Video denken lässt, in dem der arme George Michael von dieser bösen Frau quasi gezwungen wird, seine biedere Freundin zu betrügen).


Zum Glück war der George Michael-Song schnell vorbei, und wir hörten wieder deutlich schönere von Gropper selbst, nämlich "Last Days Of Rome" und "A Voice in the Louvre". Dann kam der große Karaoke-Moment, in dem ein Publikumsmitglied namens Moritz auf die Bühne gebeten wurde und dort mit der Band "People Magazine Front Cover" vortrug. Schon nach dem ersten Zeilen wurde klar, dass Moritz seine Sache sehr gut machen würde, was zunächst zu Szenenapplaus und nach dem Lied zu anhaltendem Jubel führte. Konstantin Gropper selbst meinte scherzhaft: "So war das eigentlich nicht gedacht, dass da einer kommt und besser singt als ich!" Moritz, könne ja anstreben, ihn langfristig als Sänger zu ersetzen - "Ich werde ja auch nicht jünger" - und setzte etwa leiser nach "... ist aber schlecht bezahlt."


Nach "Roland, I feel You" und "You Can't Cast Out Your Demons (You Might As Well Dance)" war der Hauptteil des Sets vorbei, doch die Band kehrte schnell zurück und präsentierte nun die Coverversion, über die ich im Netz mit hätte abstimmen können, wenn ich denn daran gedacht hätte. Es handelte sich um Pulps "Disco 2000", ein Lied, das ich im Original um einiges mehr schätze als in der Get Well Soon Variante. Gropper ist eben kein Cocker. Die darauf folgenden Klassiker "Tick Tack Goes My Automatic Heart" und "If This Hat Is Missing I have Gone Hunting" waren aber wie immer prima und brachten das Konzert zu seinem nun tatsächlichen Ende.


Setliste:

The Pope Washed My Feet In Prison
A Night At The Rififi Bar
The 4:3 Days
Sci-Fi Gulag
Staying Home

Age 14, Jumping Off The Parents' Mezzanine
Promenading Largo Maggiore, You Wouldn't Hold My Hand
Mail From Heidegger
You'll Be Taken Care Of

I Sold My Hands For Food So Please Feed Me
Careless Whisper (George Michael Cover)
The Last Days Of Rome
A Voice In The Louvre
People Magazine Cover (Karaoke)
Roland, I Feel You
You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)

Disco 2000 (Pulp Cover)
Ticktack! Goes My Automatic Heart
If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting


1 Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese schöne Zusammenfassung eines außergewöhnlichen Konzertes!

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