Neulich vor der Teepause: Teenage Fanclub im Kölner Luxor

U.

Verglichen mit den vorausgegangenen Jahrzehnten war ich in den letzten Jahren relativ häufig in meiner Kindheitsstadt Köln zu Besuch, doch bei den meisten Gelegenheiten war ich in Gegenden, in denen ich wenig bis nichts wiedererkannte. Anders ist das beim Luxor: In der Nähe des Clubs, der bereits in den 80er Jahren bestand, war ich als 13 bis 16jährige öfter unterwegs, ich wohnte auch in der Nähe. Folglich umweht das Lokal für mich stets ein Hauch Nostalgie, auch wenn ich es erst 2011 das erste Mal von innen sah. Mein Freund dagegen sah hier bereits vor 22 Jahren schon einmal Teenage Fanclub.

Mehr Positives gibt es aber ehrlich gesagt zum Thema Luxor nicht zu sagen: Der kleine, schlauchartige Raum ist bei ausverkauften Konzerten stets völlig überfüllt und hat zahlreiche Ecken, von denen aus man nicht einmal einen Blick auf die Bühne erhaschen kann. Ich war am Freitagabend aus Frankfurt angereist und hörte bei meinem Eintreffen gerade noch den letzten Song der Vorband Mando Fumatore. Ich blieb vor der Bar, die den ohnehin schmalen Raum weiter verengte, stecken und gab zunächst jede Hoffnung auf, noch irgendwie Bühnensicht zu erlangen oder meinen Freund zu finden. Glücklicherweise strömten aber in der Pause Menschengruppen nach hinten wie nach vorne, also musste ich mich nur einigen Dränglern anschließen und stellte fest, dass seitlich der Bühne die Sicht zwar auch nicht ideal war, ich nun aber sicherlich mehr vom Konzert sehen konnte als 75 % der anderen Konzertbesucher. Eingequetscht war ich natürlich trotzdem.


Teenage Fanclub: Das dritte Album der schottischen Band, "Bandwagonesque", habe ich 1991 rauf und runter gehört. Und auch die anderen, mehrheitlich männlichen Konzertbesucher sahen aus, als hätten sie in den frühen 90ern ihre besten Konzert- und Cluberfahrungen gemacht.

Nachdem ein passenderweise weißhaariger Roadie alles doppelt und dreifach geprüft hatte, war es dann auch schon Zeit für den Hauptact. Von meinem Standort konnte ich hauptsächlich Norman Blake und Gerard Love sehen, manchmal konnte ich auch einen Blick auf Raymond McGinley erhaschen - alle drei standen nebeneinander, spielten Gitarre beziehungsweise Bass und sangen abwechselnd die Hauptstimme des jeweiligen Songs. Wenn man links an einem Lautsprecherturm vorbei spähte, konnte man auch erahnen, dass sehr weit links noch jemand Keyboard spielte (Dave McGowan, kein Originalmitglied). Es gab natürlich auch einen Schlagzeuger, den habe ich aber tatsächlich überhaupt nicht gesehen.


Um mich herum beklagten sich viele über die schlechten Sichtverhältnisse und die Enge, dennoch war die eigentliche Konzertstimmung gut. Norman Blake erzählte gleich zu Beginn, Teenage Fanclub hätten vor 26 Jahren gegenüber im Rose Club ihr erstes Konzert in Deutschland gegeben. Folglich war auch die Band offensichtlich in bester Stimmung, wenn auch nicht sonderlich redselig.

Auf den letzten Teenage Fanclub-Alben wird recht penibel darauf geachtet, dass alle drei Sänger gleich viele Songs beisteuern und eben auch darbieten. Bei der aktuellen Tournee liegt der Schwerpunkt aber klar auf Norman Blake, gefolgt von Raymond McGinley. Gerard Love durfte - oder wollte - am wenigsten singen. Mit sieben Songs war das aktuelle Album "Here" verständlicherweise am besten repräsentiert, zu meinem Leidwesen "Bandwagonesque" nur mit zwei. Mein Freund bedauerte hingegen, das sein eigener Teenage-Fanclub Favorit, "Thirteen", nur durch "Radio" vertreten wurde. Immerhin bekam er eine Entschädigung: Als eine der wenigen Nicht-Singles hatte "Verisimilitude", eines seiner Lieblingslieder, einen Platz in der Setliste ergattert und wurde auch enthusiastisch beklatscht.


Bei der Zusammenstellung der Songs waren Alben und Jahre wild durcheinander gewürfelt worden, lediglich mit "First Sight" und "I'm In Love" folgten zwei Lieder vom selben Album hintereinander.

Wie erwähnt, viel gesprochen wurde nicht. Es gab einen etwas kryptischen Dank an die Waschsalons dieser Welt, den einen oder anderen Verweis aufs neue Album, ein artiges Dankeschön an die Vorband und gegen Ende den Hinweis, man sei immer gerne in Köln gewesen und plane, hier noch Spaß zu haben, bis der Bandbus um 3 Uhr morgens aufbrechen werde.


Die Spielweise des gesamten Konzertes ist wohl am ehesten als "gemütlich" zu bezeichnen, es gab wenig Bewegung auf der Bühne, dafür aber um so mehr Harmoniegesang. Nur die die letzten drei Lieder, darunter mein Favorit "The Concept" in einer sehr langen Version, wurden recht rockig dargeboten und erinnerten an die jüngeren Teenage Fanclub. Der Zugabenteil begann dann überraschenderweise mit dem ruhigen "I Was Beautiful When I Was Alive", zum Glück passten die folgenden "Star Sign" und "Everything Flows" (wiederum sehr in die Länge gezogen) besser zu einem ausgelassenen Konzertende. Für den letzten Song drehte Blake auch noch persönlich den Verstärker ein bisschen weiter auf - wenn auch sicherlich nicht bis Stufe 11.


Schön, die älteren Herren mit so viel Spielfreude zu sehen, gerade über Norman Blakes Gesicht huschte häufig ein Lächeln - beispielsweise, als er am Ende von "Your Love Is the Place Where I Come From" zum Glockenspiel griff - nur hätten sie ruhig etwas mehr rocken dürfen. Am Merchandisestand konnte man übrigens Band-Tassen mit Teebeutel erwerben, was ganz gut zum vorherrschenden Gefühl passte, dass alle Beteiligten ein wenig in die Jahre gekommen waren. Vielleicht hat sich die Band ja später im Bus einen schönen Tee aufgegossen. Wobei wir, die wir nach einem Limonadenkauf die Heimfahrt antraten, nicht wirklich cooler waren.



Setliste:

Start Again
Radio
Hold On
I Don't Want Control of You
Thin Air
Verisimilitude
It's All in My Mind
Don't Look Back
My Uptight Life
I Have Nothing More To Say
Dumb Dumb Dumb
About You
I Need Direction
The Darkest Part of the Night
Your Love Is the Place Where I Come From
The First Sight
I'm in Love
Sparky's Dream
The Concept

I Was Beautiful When I Was Alive
Star Sign
Everything Flows


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