Im Bücherfragebogen , den ich 2010 auf diesem Blog ausfüllte, nannte ich Jonathan Safron Foers Buch Tiere essen als Antwort auf die Frage,...

Gelesen: April 2018

Im Bücherfragebogen, den ich 2010 auf diesem Blog ausfüllte, nannte ich Jonathan Safron Foers Buch Tiere essen als Antwort auf die Frage, was ich denn als nächstes lesen wolle... mit nur acht Jahren Verspätung habe ich es nun hinter mir!


Tatsächlich hatte ich einfach nie große Lust, das Buch zu lesen: Inhaltlich war mir bewusst, dass viele meiner Meinungen bestätigen würde, aber ich habe eigentlich lieber eine vage Vorstellung davon, wie grausig es in Schlachthöfen zugeht, als es auch noch konkret belegt zu bekommen.

In der Tat liest sich das amerikanische Sachbuch noch um einiges unbequemer als erwartet, denn man könnte als deutsche Leserin, wenn man mit recht konkreten Aussagen zu den Lebens- und Sterbensbedingungen beispielsweise von Schweinen in Massentierhaltung konfrontiert wird, ja denken: "Ach ja, die USA, es ist ja bekannt, dass bei denen die Lobby alles entscheidet. Bei uns in Deutschland gibt es sicher bessere Gesetze und Kontrollen, die deren Einhaltung gewährleisten!"

Der deutsche Verlag hat sich aber die Mühe gemacht, den Vegetarierbund darum zu bitten, die Aussagen des Buches auf ihre Gültigkeit in Bezug auf deutsche Verhältnisse zu prüfen. Und so gibt es zum einen ein Vorwort des Autors selbst zur Lage in Deutschland, aus dem hervorgeht, dass sich die geschilderten US-Verhältnisse weitestgehend auf Deutschland übertragen lassen. Zum anderen folgt auf das umfangreiche Fußnotenregister des Autors, in dem er seine Aussagen belegt, noch ein weiteres, in dem der Vegetarierbund zu diversen Themen speziell die deutsche Rechtslage oder deutsche Statistik darlegt.

Überhaupt ist die offensichtlich große Mühe, alle Aussagen mit Fakten zu belegen, eine der Stärken des Buchs. Als Schwäche würde ich sehen, dass es inhaltlich ein ziemliches Durcheinander ist. Safran Foer hat sehr viel Zeit damit zugebracht, für das Buch zu recherchieren und diverse Standpunkte eingesammelt, die er nun auch vermitteln will. Dabei geht er aber von einem Punkt auf den nächsten, um dann einige Kapitel später wieder zu Thema Nummer eins zurück zu kehren. Mir hätte eine klare Aufteilung - beispielsweise ein Teil zum Thema Schlachthäuser, in dem sowohl die grausame Regel als auch die rühmliche Ausnahme dargestellt werden - besser gefallen.

Ich kann das Buch dennoch jedem empfehlen, der sich mit dem ethischen Grundlagen des Fleischkonsums auseinandersetzen möchte.

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