A Hymn for Hefner: Darren Hayman in der Londoner St. Pancras Old Church


Letzte Woche war ich in London und verbrachte einige angenehme Tage mit Besichtigungen, Fährüberfahrten, Museumsbesuchen, Shopping und so weiter. Mein Freund wäre aber nicht mein Freund, wenn er sich bei sieben Übernachtungen mit einem einzigen Konzert (beziehungsweise Tagesfestival) zufrieden gäbe. Er entdeckte, dass der Ex-Kopf der Band Hefner, Darren Hayman, vier Konzerte angekündigt hatte, bei denen er jeweils das Album „Breaking God’s Heart“ komplett spielen würde. Mir sagte all das nichts: Nicht Hefner, nicht deren Sänger, nicht dieses Album. Immerhin die Location, die „St. Pancras Old Church“, klang aber nach einem kleinen, feinen Konzertort. Davon abgesehen macht es mir bei Städtereisen auch immer Spaß, etwas zu unternehmen, das andere Touristen definitiv nicht machen werden.


„Unser“ Konzertabend war der letzte der vier, die allesamt ausverkauft waren. Als wir zum Einlasstermin um 19:30 Uhr eintrafen, waren außer uns aber nur wenige andere Konzertgäste bereits vor Ort. Die Kirche entpuppte sich größentechnisch eher als Kapelle, es handelt sich allerdings in der Tat um eine immer noch benutzte, von alten Grabsteinen umgebene Kirche, die hier seit dem Mittelalter auf noch älteren Grundfesten steht und dem riesigen, nahe gelegenen Bahnhof St. Pancras seinen Namen gegeben hat. Einem Zettel an der Tür konnte man schon einmal den zeitlichen Ablauf entnehmen: Einlass 19:30, Vorband 20:30, Hauptact 21:30. Im Eingangsbereich der Kirche, die schon bald ihre Tore öffnete, konnte man sowohl Getränke kaufen und mit in seine Kirchenbank nehmen als auch einen kleinen Merchandisestand besuchen. Es war ein seltsame Gefühl, mit einer Dose Cider über die Grabsteinplatten im Mittelgang zu gehen und sich einen Sitzplatz zu suchen…


Herr Hayman stand während der Wartezeit hauptsächlich am Merchandisestand und bot an, gekaufte Platten zu signieren (was mein Freund in Anspruch nahm). Auf der Bühne war es zunächst Zeit für die Vorband, die an jedem Abend eine andere gewesen war. Heute sahen wir Birdie, ein Duo, das anscheinend schon länger besteht und sich im Umfeld von Saint Etienne kennen gelernt hatte. Hayman kündigte sie, auf Socken kurz die Bühne betretend, als „Pedigree“ an und erwähnte diverse frühere Formationen, in denen die beiden gewesen waren. Sängerin Deborah Wykes ergänzte, auf ihr nicht ganz faltenfreies Gesicht zeigend, sie seien sogar „vintage“. Die älteren Herrschaften wurden musikalisch von einem jungen Mann namens Patrick an der E-Gitarre unterstützt, ansonsten spielte Paul Kelly Akustikgitarre, während Wykes sang und gelegentlich den Tamburin schwang. Beide Männer steuerten auch Gesangsstimmen bei.


Den Musikern war eine gewisse Aufregung anzumerken, vermutlich war ihr letzter Liveauftritt ein bisschen her. Auch ihre letzte Album-Veröffentlichung liegt bereits ein paar Jahre zurück (2001), jeoch wurde mit "Tomorrow" auch ein neuer Song gespielt, den man als Single auch käuflich erwerben konnte. Die Lieder waren durchaus angenehm anzuhören, allerdings auch (von mir) schnell wieder vergessen.

Setliste:

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?
Folk singer
Lioness
Let her go
Tomorro
Something to say


Nun war es Zeit für den Gastgeber. Diese betrat, immer noch auf Socken, den Altarraum und sagte vor sich hin einige der Dinge von denen er wohl meinte, dass sie im Publikum geredet worden waren: „Is this the guy that used to be in Hefner?“ „He’s kind of fat, isn’t he?“, „Is he doing this all by himself? Doesn’t he have a drummer?“ „Will he sing the songs properly?“ Nur die letzte Frage beantwortete er auch gleich selbst, nämlich mit der Aussage, er habe sie ohnehin noch nie besonders ordentlich gesungen.

Los ging es nun aber nicht mit dem ersten Albumsong sondern mit „Pull Yourself Together“, einer zeitgleich zum Album erschienen Single. Hayman erklärte, er habe Erfahrung und wisse deshalb, dass man als erstes etwas Unwichtiges spielen müsse, damit alle im Publikum ausreichend Zeit hätten, vom Klo zurück zu kommen. Beim ersten Lied spielte er zusätzlich zu seinem Gitarrenspiel und Gesang via sein Smartphone Beats ein, er nutzte es auch später gelegentlich als musikalische Unterstützung.


Ab dem zweiten Lied spielte er „Breaking God’s Heart“ in der Album-Reihenfolge durch und erklärte vorab, er werde sich nicht streng an die aufgenommenen Versionen halten - aus seiner Sicht gebe es keine definitiven Versionen, die veröffentlichten seien nur die gewesen, die eben an diesem Tag gespielt worden seien. Außerdem habe er manche Texte leicht ändern müssen, weil er sie zu schlecht fand - bei den vorherigen Konzerten habe aber niemand im Publikum richtig erraten, welches die veränderten Stellen seien.

Zu manchen Liedern gab es zusätzlich Kommentare, etwa erklärte er nach „The Sad Witch“, er habe im Gegensatz zu diesem Lied in seinem Solowerk übrigens ein ganzes Konzeptalbum über Hexen (nämlich "The Violence", eine Chronik der Essex Witch Trials im 17. Jahrhundert). Auch andere Stellen des Sets nutzte er, um - häufig humorvoll - sein Solowerk anzupreisen.

Zu „Librarian“ sagte er, dass er seine Hefner-Kollegen generell nicht vermisse, außer dem Bassisten John Morrison, der so manche tolle Idee beigesteuert habe - im Falle dieses Liedes etwa, den Song doppelt aufzunehmen, um ihm so einen ganz eigenen Klang zu verpassen. Angeblich hört man auf dem Album aus einem Lautsprecher die eine und aus dem anderen die andere Aufnahme.


Zu „Love Inside the Stud Farm" sinnierte er, dass spätestens jetzt klar würde, dass die Stimmung des Albums sich immer weiter verdüstere - und dass eine gute Reihenfolge für ein Album nicht dasselbe sei wie eine gute Konzert-Setliste. Für „Tactile“ wechselte er kurz ans Klavier.

Beinahe ohne Unterbrechung (aber nach tosendem Applaus eines insgesamt sehr wertschätzenden Publikums) folgte ein kurzer Zugabenteil. Hayman erklärte, er habe erfahren, dass eine Person Tickets für alle vier Konzertabends gekauft habe. Deshalb fühle er sich verpflichtet, die Zugaben jedes Mal zu variieren, aber langsam gingen ihm langsam die Ideen aus. Wir hörten dann drei weitere Hefner- Songs, die am Klavier vorgetragen wurden: „The hymn for all the things we didn’t do“, „Alan Bean“ und „Don’t flake out on me“.


Letzteres schloss das Konzert ab. Hayman verließ, die letzten Zeilen des Liedes "We will always feel dismayed, it will only ever be OK. / What's the point in getting laid? We're waiting for the better days" wiederholend, langsam die Bühne und ging durch den Mittelgang nach hinten, während die Zeilen von manchen im Publikum aufgegriffen und ebenfalls leise gesungen wurden. Ein sehr schöner Abschluss!

Setliste:

Pull Yourself Together
The Sweetness Lies Within
The Sad Witch
A Hymn for the Postal Service
Love Will Destroy Us in the End
Librarian
God Is on My Side
Another Better Friend
Love Inside the Stud Farm
Tactile
Eloping

The Hymn for All the Things We Didn’t Do
Alan Bean
Don’t Flake Out On Me

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