Seit 2006 wurden nach Mitteilung des Ministeriums vom Freitag in Hessen insgesamt 528 Proben bei Gastronomen, Herstellern und Händlern genommen. Dabei fanden die Lebensmittelkontrolleure heraus, dass in fast jedem dritten Fall Schinkenimitat verwendet wurde. Erst vor kurzem hatte es Kritik an Käse-Imitaten gegeben, die statt echtem Käse etwa auf Pizzen landen.Besonders häufig waren beim Schinken die Beanstandungen in Gaststätten, wo in zwei Dritteln aller Fälle etwa fĂźr Pizza oder Schinken-Nudeln nur das billige Imitat verwendet worden war. Es bestehe zum groĂen Teil «aus schnittfestem Stärke-Gel, in das kleine FleischstĂźcke eingebettet sind», sagte Weinmeister. Der Fremdwassergehalt sei im Vergleich zu echtem Schinken sehr hoch, der von tierischem EiweiĂ hingegen extrem niedrig. «Das ist Ăźble Verbrauchertäuschung.» (Quelle)
So richtig lecker klingt die Beschreibung des Käses auch nicht:
Das Käse-Imitat - auch Analog-Käse genannt - wird aus Wasser, Pflanzenfett, MilcheiweiĂ, Stärke, Aromen und Farbstoffen hergestellt. Die Kosteneinsparungen im Vergleich zu herkĂśmmlichem Käse werden auf rund 40 Prozent geschätzt.
Zweifellos ist es unschÜn, wenn Lebensmittelproduzenten und Wirte hemmungslos an der Qualität ihrer Produkte sparen, selbst Formvorderschinken als zu luxeriÜs fßr ihre Pizzen betrachten und vor allem ihre Kunden belßgen und - ßber den Preis des in der Herstellung weniger teuren Produktes - auch betrßgen. Nur: So richtig schlecht kann ich die Forschungsrichtung "Tierproduktimitat" ehrlich gesagt gar nicht finden.
Es ist doch hinreichend bekannt, dass gerade die deutschen Lebensmittelpreise viel zu niedrig liegen, um eine auch nur annährend tiergerechte Fleischproduktion mĂśglich zu machen. Filme wie Unser täglich Brot und We Feed The World zeigen beeindruckend, wie weit es mit der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion mittlerweile gekommen ist, seien es nun leer gefischte Weltmeere oder das mittlerweile perfekt ans Fabrikkonzept angepasste Produkt Huhn. Ebenso klar dĂźrfte sein, dass gerade fĂźr das Restaurant-Riesenschnitzel fĂźr €4,99 oder die TiefkĂźhlpizza aus dem Discounter nur die allerbilligsten Bestandteile in Frage kommen, wenn sich das Produkt fĂźr den Hersteller/Verkäufer irgendwie rechnen soll - und Biofleisch vom Bauernhof gehĂśrt hier sicherlich ebensowenig dazu wie Käse von glĂźcklichen KĂźhen.
Sicherlich liegt auch im Ackerbau einiges im Argen - man denke nur an geschmacklose Tomaten, Hybridsaatgut und kilometerlange Treibhäuser, die in Andalusien die Landschaft verschandeln. Dennoch halte ich industrialisierte Obst- und GemĂźseproduktion im Vergleich fĂźr das kleinere Ăbel: Nicht nur wegen der Vermeidung von Tierleid, sondern auch wegen der grĂśĂeren "Wertigkeit" der Produkte (gemeint ist hier, dass z.B. eine Kuh viel mehr Kalorien in Form von pflanzlicher Nahrung konsumieren muss als sie selbst nach ihrer Schlachtung zur VerfĂźgung stellen kann).
Und da ich selbst durchaus eine Freundin des gekennzeichneten Fleischersatzproduktes bin, hielte ich es fßr durchaus wßnschenswert, wenn sich solche Produkte in der Allgemeinheit stärker durchsetzen kÜnnten und damit zumindest zum Teil das echte Fleisch ersetzen kÜnnten. Und des weiteren wäre es schÜn, wenn die Industrieunternehmen mehr Zeit und Energie darauf verwenden kÜnnten, neue, gut schmeckende fleischähnliche Waren zu konzipieren und zu vermarkten. Das kÜnnte durchaus auch auf den Käse ausgedehnt werden.
Die immer wieder kehrenden Fleischskandale der letzten Jahre haben durch ihr schnelles Verpuffen doch eindrucksvoll gezeigt, dass den meisten Konsumenten vĂśllig egal ist, was nun genau in ihrem DĂśner steckt, so lange er gut schmeckt, preiswert ist und sie nicht vergiftet. Wieso kann der DĂśner dann nicht gleich aus Seitan sein?

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