Neulich auf Madeira


Ich erwähnte es schon, ich war kürzlich auf Madeira. Ich habe, abgesehen von einer recht kurzen Dienstreise nach Lissabon vor etwa zehn Jahren, keine Erfahrungen mit Portugal, und auch über die nahe gelegenen kanarischen Inseln weiß ich eher wenig - immerhin verbrachte ich ca. 2006 einmal eine Woche auf La Gomera, aber das war's schon.

Im Vorfeld richtete ich mich meine Erwartungen an der Reisebeschreibung des Veranstalters sowie vereinzelten Reiseberichten aus. Außerdem gibt es in den Mediatheken des öffentlichen Rundfunks (zum Beispiel hier) eine relativ dröge Reisereportage, die aber viele Informationen bietet. Ich erwartete somit: Viel grün, viele Levadas (kleine Bewässerungskanäle, an denen man entlang wandern kann), viele verschiedene Blumen und Blüten, schwarze, felsige Strände und Madeirawein.



Der Flug von Frankfurt nach Funchal dauerte um die vier Stunden, dafür hatte ich einen Fensterplatz mit toller Aussicht. Nach den Alpen, Spanien und Portugal erreichten wir das Meer, dann kam lange nichts, dann hin und wieder eine Insel... doch als die Landung bereits lange angekündigt war und sich die Maschine bereits im Sinkflug befand, sah ich links unten immer noch ausschließlich Meer, dann plötzlich eine bereits sehr nahe Schnellstraße und dann waren wir auch schon gelandet (immerhin auf einer Landebahn). Zur rechten Seite hin hätte man den Anflug wohl etwas besser verfolgen können, aber tatsächlich ist Madeira anscheinend bekannt dafür, einen der am schwierigsten anfliegbaren Flughäfen zu haben. Gut, dass ich das bei meiner eigenen Landung noch nicht wusste...

Über den Flughafen - seit 2016 nach dem bekanntesten aller Madeirenser, Cristiano Ronaldo benannt - konnte ich mir im Laufe der Woche noch einige Gedanken machen, denn mein Hotel befand ich in Machico, dem ältesten Ort der Insel, der nur 10 Autominuten vom Flughafen entfernt ist und über dessen Bucht man täglich diverse startende und landende Flugzeuge sehen und vor allem hören kann. Glücklicherweise gibt es zumindest eine Nachtflugverbot, so dass man zwischen 23 und 6 Uhr unbehelligt schlafen konnte.



Als Vegetarierin bin ich in südeuropäischen Ländern Kummer gewohnt, hatte mich aber im Vorfeld darüber informiert, dass das Hotel (in dem meine Reisegruppe an fast allen Abenden gemeinsam speiste) täglich ein vegetarisches Gericht zur Auswahl stellte. So hatten die anderen Reiseteilnehmenden stets die Wahl zwischen drei Optionen (Fleisch, Fisch oder vegetarisch), ich aber immerhin täglich eine für mich essbare. Ich rechne dem Hotel (dessen Personal ohnehin sehr freundlich und hilfsbereit war) auch hoch an, dass darauf geachtet wurde, die für alle Gruppenmitglieder identischen Vor- und Nachspeisen fleischfrei zu halten. Außerdem bekamen wir fast jeden Abend die madeirensische Spezialität Bolo de Caco, ein steingebackenes Fladenbrot mit Knoblauchbutter, das ich jetzt schon vermisse.

Als "normale" Reisende wäre ich vielleicht ein bisschen enttäuscht darüber gewesen, dass ich dank Halbpension wenig Gelegenheit hatte, lokale Restaurants auszuprobieren. Bei meinen beiden Besuchen in "richtigen" Lokalen (einmal abends in der Hauptstadt Funchal, am Abreisetag mittags in Machico) erwiesen sich die vegetarischen Optionen auf der Speisekarte zwar als durchaus wohlschmeckend (einmal Risotto, einmal Omelette), sie waren aber auch wirklich dünn gesät.



Direkt am ersten Tag startete auch das Wanderprogramm. Die erste Tour führte zum bekannten Aussichtspunkt Ponta de São Lourenço im äußeren Osten der Insel. Die bei Touristen sehr beliebte Wanderstrecke führt an einer Steilküste entlang. Entgegen Madeiras Image als Blumeninsel ist die Landschaft eher karg, dafür hat man aber auch Aussicht auf bizarre Felsformationen und auch immer wieder aufs Meer. Nach Besteigung eines kleinen Gipfels ging es auf demselben Weg zurück. Bei dieser Tour überraschte mich, was ich bei fast allen anderen Wanderungen auch erleben würde: Die Wanderwege sind so ausgebaut, dass man an etlichen Stellen nicht etwa auf normalen Wegen auf- oder absteigt, sondern es gibt angelegte Treppen.



Am zweiten Tag besichtigten wir zunächst eine Felsformation bei Ribeira de Janela, die mich frappierend an den Strand von Reynisfjara bei Vik in Island erinnerte - Vulkaninsel ist anscheinend Vulkaninsel.



Die Wanderung des Tages musste wegen der Wetterbedingungen der Insel spontan umgeplant werden und führte statt durch einen Lorbeerwald... durch einen anderen Lorbeerwald im Nordwesten der Insel. Dass der Tag ein wenig verregnet und bewölkt war, entpuppte sich als beinahe egal, da wir durch einen ohnehin eher düsteren und feuchten Wald spazierten, stilecht an einer Levada entlang. Der portugiesische Wanderführer machte uns dabei auf diverse Pflanzen aufmerksam - neben Lorbeer gab es unter anderem auch Eukalyptus zu sehen und zu riechen. Die Wanderung fand nahe dem Küstenort Porto Moniz statt, so dass wir diesen am Ende auch noch aufsuchten und Gelegenheit gehabt hätten, in natürlichen Lavaschwimmbecken zu baden (ich nutzte sie nicht).



An Tag 3 fand dann eine Wanderung statt, die wohl eine Art Pflichtprogramm für Madeira-Reisende darstellt: Die Besteigung des Pico Ruivo, das höchsten Berges der Insel (1862 m). Das klingt dramatischer als es ist - nach Besichtigung der niedlichen Häuschen im Küstenort Santana wurden wir nämlich mit dem Bus zu einem Wanderparkplatz gefahren, der sich bereits in 1600 Metern Höhe befand. Nun galt es nur noch den Rest zu bewältigen, und auch hier entpuppte sich der "Wanderweg" als meist gepflasterte Straße mit vielen Treppenstufen. 



Das Wetter erwies sich auch an diesem Tag - und in dieser Höhe - als recht wechselhaft, strahlende Sonne ging über in Wolken, heftigen Wind, Nebel, ein paar Regentropfen und wieder Sonne. Dennoch boten sich immer wieder spektakuläre Aussichten Richtung Tal. An der "Gipfelhütte" von der aus nochmals etliche Treppenstufen zum eigentlichen Gipfel führten, war allerdings für mich Schluss: Ich beschloss, angesichts schlechter Tageskondition und in diesem Moment miserabler Aussicht auf die letzten Meter zu verzichten.



Zeit für eine Wanderpause! Am nächsten Tag wurde die Inselhauptstadt Funchal besichtigt. Ich entschied mich nach der Stadtführung nicht etwa für einen Besuch des Cristiano Ronaldo-Museums (das der Fußballer selbst finanziert hat und vor dem man neben einer Statue von ihm für Fotos posieren kann), sondern für eine Fahrt mit der Seilbahn in den höher gelegenen Vorort Monte. 



Am oberen Ende besuchte ich den Jardim Tropical Monte Palace - einen tropischen botanischen Garten, in dem es neben Pflanzen aus diversen Regionen der Welt auch Kunstobjekte, portugiesische Fliesen und Mineralien zu sehen gibt. Dank der geschickten Nutzung von Steigungen wirkt die Anlage viel größer als sie eigentlich ist, und man kann sich beim Flanieren zwischen japanischen Pagoden und europäischen Skulpturen an den herrlichen Pflanzen erfreuen.



Dank des milden Klimas und vieler ursprünglich von Kaufleuten mitgebrachter Pflanzen aus aller Welt blüht es in Madeira auch außerhalb des botanischen Gartens an jeder Ecke: Strelitzien, Hortensien, Oleander, Fleißige Lieschen, Bougainvillea und auch Orchideen begegnet man in der freien Natur. 



Die vorletzte Wanderung führte wieder an Levadas entlang, dieses Mal im Südwesten Madeiras, nahe Ponta do Sol. Wir passierten diverse kleine Gemüsegärten, in denen die Madeirenser auf Terrassen Bananen, Zuckerrohr, Salat und vieles andere anbauen - die Bewässerung ist dank der Levadas gesichert, die Gartenarbeit an sich durch die meist eher schwierige Zugänglichkeit vermutlich dennoch sehr anstrengend. Die Landschaft war dennoch als Wandergebiet sehr attraktiv, zusätzlich besuchten wir einen Wasserfall, unter dem man durchgehen konnte. 



Am Endpunkt der Wanderung in Ponta do Sol hätte man theoretisch im Meer baden können. Das entpuppte sich am diesem etwas stürmischen Tag allerdings als sehr unruhig, so dass wir lieber in einer Seitenstraße ein Café besuchten und dort endlich eine Pastel de Nata und einen Kaffee genossen.



Am nächsten Tag fand dann schon die letzte Wanderung statt, wir bewegten uns relativ nahe an Machico auf einem Küstenpfad bis nach Porta da Cruz. Ähnlich wie am ersten Tag wanderte man auch an diesem mit ständigem Blick aufs strahlend blaue Meer, aber dieses Mal auch umgeben von grüner und blühender Natur. Diese Tour gefiel mir dank der spektakulären Aussicht ganz besonders gut.

Der Reiseanbieter Frosch, mit dem ich unterwegs war, hatte die Anforderungen für die Teilnehmer mit "Mittlere Kondition und Trittsicherheit für Wanderungen mit Gehzeiten von bis zu 4 Stunden" umschrieben. Ich selbst fand die Wandertouren dann eher etwas anspruchsvoller als erwartet. Andere, sportlichere Teilnehmende fühlten sich im Gegenzug manchmal nicht ausreichend gefordert und verlängerten beispielsweise die Besteigung des Pico Ruivo, indem sie noch zum Nachbargipfel wanderten.



Um das Wanderprogramm herum erlebte ich natürlich auch andere Dinge, so gingen Mitglieder meiner Reisegruppe beinahe täglich abends "Poncha" trinken, ein inseltypisches Mixgetränk aus Zuckerrohrschnaps, Fruchtsaft (Orange, Zitrone oder Maracuja) und Zucker oder Honig. Die Säfte für den Cocktail werden meist frisch gepresst, weshalb er sehr gut - und deutlich weniger alkoholisch als er tatsächlich ist - schmeckt.

Und dann war die Reise auch schon wieder vorbei! Wenn ich meine Erlebnisse mit den Highlights meines Reiseführers und auch der eingangs erwähnten Reportage vergleiche, stelle ich viele Übereinstimmungen fest, dachte also zunächst, ich hätte nun schon quasi alles unternommen, was man als Madeira-Besucherin so tut. Mittlerweile habe ich mir allerdings nochmals Reisebeschreibungen anderer Veranstalter angesehen und dabei festgestellt, dass diese zum Teil ein völlig anderes Programm anbieten. Folglich hätte Madeira sicherlich auch noch viel zu bieten, das ich bei einem zweiten Besuch entdecken könnte.



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