Neulich beim Championnat du Chocolat in Koblenz


Obwohl ich seit nun sieben Jahren in Rheinland Pfalz lebe, halte ich mich wochentags tagsüber so viel in Frankfurt auf, dass ich das meistens kaum bemerke. Manchmal zieht mich aber dann doch etwas in die eigentlich meinem Wohnort nächstgelegene Großstadt Koblenz - in dessen Kursürstlichem Schloss fand nämlich dieses Wochenende unter dem blumigen Namen "Le Championnat du Chocolat" zum dritten Mal eine Veranstaltung statt, die ganz im Zeichen der Schokolade steht.


Im Zentrum der zweitägigen Veranstaltung, die von der Handwerkskammer Koblenz organisiert wird, stehen zwei Wettbewerbe für Konditoren. Diese fertigen, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, sogenannte Schaustücke aus Schokolade an. Im Wettbewerb "Artistique" treten dabei Meister, Betriebe und Gesellen an. Sie müssen jeweils eine Art Skulptur erstellen, die komplett aus Schokolade besteht und mindestens 70 cm hoch ist. Außerdem muss eine kleine Torte integriert werden, die zusätzlich als separate Kopie eingereicht werden muss, damit die Jury sie probieren kann - schmecken muss das Ganze also auch noch.


Lehrlinge des ersten bis dritten Lehrjahrs können sich im anderen Wettbewerb "Freestyle" messen - hier wird eine quadratische Tortenatrappe dekoriert, ohne dass irgendwelche Mindesthöhen gefordert werden, auch probiert wird hier nichts. Neben der Jury darf auch das Publikum abstimmen, allerdings ist es allein die Jury, die über die Vergabe von Geldpreisen an die Erstplatzierten entscheidet.


Als Besucher kann man sich all die Kunstwerke in Ruhe ansehen, wobei es insbesondere im "Artistique"-Wettbewerb teils schwer zu glauben war, dass all die so unterschiedlich aussehenden Skulpturenteile wirklich aus Schokolade sein sollten - die teils wirkte wie Stein, teils wie Metall, wie Stoff, wie Papier... hier standen auch, zumindest während unseres Rundgangs, viele der Künstler bereit und hätten auf eventuelle Fragen antworten können. Die Schaustücke selbst waren mit kleinen Etiketten versehen, denen man Urheber und Titel entnehmen hätte können (und die Nummer zum Abstimmen), allerdings waren diese zum Teil schwer lesbar. Dabei wäre es durchaus interessanrt gewesen, die Namen der teilnehmenden Institutionen zu kennen.


Noch weniger verraten wurde zu den Urhebern der "Freestyle"-Kreationen. Hier wäre es zumindest hilfreich gewesen, zu erfahren, aus welchem Lehrjahr die jeweiligen Skulpturen stammten, denn hinsichtlich Komplexität und Kunstfertigkeit konnte man hier auch aus Laiensicht doch größere Unterschiede erkennen - was völlig verständlich ist, wenn man bedenkt, dass Lehrlinge zwischen dem ersten und dritten Lehrjahr sicherlich diverse Techniken erst erlernen.


Um die Veranstaltung fürs Publikum abwechslungsreicher zu machen, zeigt die Handwerkskammer an den beiden Tagen auch einige Vorführungen - während unseres Besuchs konnte man sowohl sehen, wie Trüffel aus Hohlkörpern gemacht werden (das können wir aber schon), als auch einen kleinen Einblick in die Herstellung einer Schokoladenskulptur erhalten. Weitere Vorführungen, die wir nicht sahen, standen unter den Titeln "Mousse" und "Bruchschokolade".


Während der Demonstration zum Thema Schaustück konnte man am Rand der Vorführung auch zusehen, wie die Jury all die Torten aus dem "Artistique"-Wettbewerb probierte - persönlich hätte ich es ja bevorzugt, selbst probieren zu können, aber man hätte den Wettbewerbsteilnehmern natürlich schlecht zumuten können, eine riesige Menge Torte herzustellen, die dann auch alle Besucher probieren könnten... tatsächlich hatte ich mich vorab im Veranstaltungsflyer verlesen und war (naiverweise) davon ausgegangen, dass auch das Publikum Torten testen könnte.


Zum Probieren gab es aber dennoch etwas, denn um die Ausstellung und die "Bühne" herum und vor allem im Nebenraum hatten sich um die 17 Verkaufsstände eingefunden. Die meisten konzentrierten sich auf das Thema Pralinen und Schokolade, und überall gab es Kostproben - so etwa beim Koblenzer Café Baumann oder den weiter angereisten Pralinen- und Schokoladenherstellern Chokumi (Braunschweig) und Daja (Uetersen bei Pinneberg).


Chokumi war der eigentliche Anlass für unseren Besuch gewesen, denn ich folge der Eigentümerin Nele Marike Eble, die auch eine Website mit Pralinenrezepten betreibt, seit einiger Zeit auf Instagram, und sie hatte einige Tickets für die Veranstaltung verlost - und ich zwei gewonnen. Nachdem ich so bald sicherlich nicht nach Braunschweig kommen werde, hatte ich nun die Möglichkeit, die Pralinen der Patisseurin zu probieren und zu kaufen. Auch ohne Losglück wäre der Besuch der Veranstaltung aber durchaus bezahlbar gewesen - mit 6 Euro ist man für beide Tage dabei.


Neben den Pralinen- und Schokoladenständen gab es auch einen Stand für Kuvertüre, einen zum Thema Back- und Patisseriebedarf, zwei mit Macarons, einen Kaffeestand und auch Schnaps- und Weinstände. In einem separaten Raum wurde zusätzlich auf Plakaten in langen bebilderten Texten die Geschichte der Schokolade und deren Herstellung erläutert. Diesen Bereich könnte man auch liebevoller gestalten - etwa durch reale Exponate wie Kakaobohnen, oder indem man die Informationen in einen Vortrag packt - wir hatten zu diesem Thema letztes Jahr eine recht spannende Demonstration bei Coppeneur im nicht weit entfernten Bad Honnef gesehen - vielleicht könnte man die Dame nächstes Jahr einfach engagieren?


Aktuell herrscht in Deutschland bekanntlich große Angst vor dem Corona-Virus, so dass wir uns im Vorfeld schon etwas Sorgen machten, dass die Veranstaltung abgesagt werden würde. Dem war dann nicht so, allerdings hatte man Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Direkt am Eingang des Schlosses wurde man auf generelle Regeln wie Nies- und Hustetikette hingewiesen, außerdem stand Hand-Desinfektionsmittel zur Verfügung. Die Eingangstür wurde den Besuchern aufgehalten, außerdem konnte man sehen, wie Reinigungskräfte in regelmäßigen Abstünden die Handläufe der Treppen desinfizierten. Zumindest am Samstagmittag und frühen Nachmittag war die Veranstaltung nicht überfüllt (was eigentlich durchaus angenehm war) - ob ohne Virusangst mehr Besucher dagewesen wären, lässt sich natürlich nicht sagen.

Mir machte der Besuch Spaß, ich kam mit Einkäufen von drei Verkaufsständen nach Hause und ich hoffe, dass ich via das Internet auch erfahre, wessen verrückte Schokoladenskulptur den diesjährigen Wettbewerb gewonnen hat.

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