Neulich beim Sofakonzert (7): JARV IS



Tja, sind wir nun bei Teil 7 dieser Reihe, oder ist es bereits Episode 8? Ich hatte meinen Bericht über das Take That-Lockdown-Konzert nämlich anders benannt, aber natürlich war auch das ein Sofakonzert. Bleiben wir dennoch bei Teil 7... nicht gezählt wird auch unser Besuch eines Youtube-Auftritts von Damon Albarn, der sich als gleichermaßen musikalisch unerwartet wie kurz entpuppte und über den ich dann auch nichts zu schreiben wusste.


Letzte Woche konnte man dann einen anderen großen Helden des Britpops auf Youtube bewundern, und zwar nur 24 Stunden lang: Jarvis Cocker mit seinem neuen musikalischen Projekt JARV IS. Dessen Live-Debüt hatten wir im Dezember 2017 beim Norður og niður-Festival in Reykjavik erlebt. Damals waren die ersten Songs noch brandneu, bis zur Veröffentlichung des Debütalbums vor einigen Tagen sind allerdings auch keine Massen dazu gekommen: "Beyond the Pale" enthält insgesamt nur sieben Lieder, von denen allerdings mehrere über sechs Minuten lang sind.


Im Zuge von mittlerweile vier Monaten Coronavirus, die Liveauftritte schwierig bis unmöglich machen, haben sich bei Musikern mittlerweile so einige Konzepte entwickelt, eben doch irgendwie "live" aufzutreten - Nick Cave etwa hat im leeren Londoner Alexandra Palace ein komplettes Konzert eingespielt, für das man sich Tickets kaufen konnte und das dann für die Käufer einmalig in drei Zeitzonen gestreamt wurde.

Für das JARV IS-Konzert dagegen war keine Zahlung notwendig, nicht einmal eine freiwillige, was allerdings auch dazu führte, dass der Konzertgenuss gleich mehrere Male von Youtube für Werbespots unterbrochen wurde - ziemlich nervig, da hätte ich doch lieber etwas bezahlt.


Für den ersten Song "Save the Whale" sah man Jarvis in mehr oder weniger völliger Dunkelheit auftreten, nur er selbst war zu sehen. Erst mit Ende des Songs wurde auch seine Umgebung beleuchtet, und man konnte erkennen, dass er sich gemeinsam mit seiner Band in einer Höhle befand. In der Peak Cavern in Derbyshire war die Band bereits 2018 aufgetreten und hatte zwei Songs aufgenommen, nun war man für das Youtube-Konzert zurückgekehrt - zum aktuellen Thema Lockdown passt es natürlich ganz ausgezeichnet, sich ausgerechnet in einer Höhle zu verschanzen. Die Atmosphäre verdeutlicht der Trailer:


Anwesend war die gesamte Band, die neben Cocker aus Serafina Steer, Emma Smith, Jason Buckle, Andrew McKinney und Adam Betts besteht, als Sängerun unterstützte zusätzlich Naala.

Gespielt wurde dann einfach das ganze Album im Original-Reihenfolge. Die visuellen Gestalter Iain Forsyth und Jane Pollard sind renommierte Filmemacher, was sich durchaus zeigte: Jede Kameraeinstellung wirkte durchdacht, und es wurde viel mit Licht, Nebel und Spiegelungen gearbeitet, was den Auftritt weniger wie eine Live-Performance und mehr wie einen Konzertfilm wirken ließ. Jeder Song hatte seine eigene visuelle Welt.


Gesprochen wurde im Rahmen dieses Konzeptes leider relativ wenig (normalerweise sind die Wortbeiträge von Jarvis Cocker ja höchst unterhaltsam). Zu "House Music All Night Long" meinte Cocker, eben das habe er im Lockdown daheim zelebriert, und zu "Swanky Modes" erfuhren wir, Teile der Geschichte seien wahr und hätten sich vor 29 Jahren in Camden ereignet.

Stichwort Sofakonzert: Vielleicht war das der letzte Bericht dieser Art, denn in den nächsten Wochen werde ich, man lese und staune, voraussichtlich drei echte Konzerte besuchen, die allesamt als Open Air-Veranstaltungen mit Abstandsregeln angesetzt sind. Ich bin gespannt und werde berichten.



Setliste:

Save the Whale
Must I Evolve?
Am I Missing Something?
House Music All Night Long
Sometimes I Am Pharaoh
Swanky Modes
Children of the Echo

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