Rückkehr zu Sofakonzerten: Pete Fij & Terry Bickers

by - März 28, 2021


Neun gestreamte Konzerte habe ich letztes Jahr besucht, eigentlich sogar 10 (es gab auch noch einen kuriosen Youtube-Auftritt von Damon Albarn, über den mir nichts Bloggenswertes einfiel). Ein vom heimischen Sofa aus verfolgtes Livekonzert hat durchaus seinen eigenen Reiz, aber wie bei vielem habe ich im mittlerweile zweiten Corona-Jahr das Gefühl, dass die Lust einfach raus ist. Und erwähnte ich schon, dass der Bildschirm des Laptops, auf dem mein Haushalt üblicherweise solche Veranstaltungen verfolgt, wirklich klein ist? 

Vorletztes Wochenende machte ich aber eine Ausnahme von meiner "Streamingmüdigkeit": Pete Fij & Terry Bickers, die ich im echten Leben vor schlappen neun Jahren einmal live gesehen hatte, gaben sich die Ehre. Pete Fij ohne Terry waren wir seitdem gleich einige Male begegnet: Bei Solokonzerten in Köln und unserem Wohnzimmer und zuletzt beim unverhofften Adorable-Reunion-Konzert. Letztgenanntes fand Anfang November 2019 statt und war somit eines der letzten von mir besuchten Konzerte überhaupt.


Gemeinsam haben Pete und Terry zwei Alben veröffentlicht, das letzte 2017. Das Konzert fand in einem "echten" Club, dem Cellar Arts Club in Petes und Terrys Heimatort Worthing, statt. Ich habe bei solchen Konzerte schon verschiedene Arten des Ticketverkaufs erlebt, in desem Fall erfolgte er ähnlich wie bei einem "richtigen" Konzert über einen Veranstalter, der nach Bezahlung den Link zum Stream auf Youtube schickte. Die von Youtube angezeigte Zuschauerzahl blieb dann übrigens während der gesamten Performance konstant auf 80 - so konstant, dass ich mich frage, ob hier etwas eingefroren war. In jedem Fall hatte Pete Fij vorab gepostet, dieses Konzert sei gleichzeitig das kleinste und das größte, das Terry und er je als Headliner gespielt hätten. Und in der Tat konnte man dem leisen Klatschen nach den einzelnen Liedern entnehmen, dass vor Ort um die fünf Personen anwesend gewesen sein dürften.

Bei bisherigen Konzerten hatte ich Pete Fij als ausgesprochen redselig erlebt, bei diesem hatten sich die Künstler eine andere Vorgehensweise überlegt: Im musikalischen Teil wurde ehere wenig gesprochen, nach einer kurzen Pause folgte dann ein Q&A-Teil, in dem das Publikum Fragen stellen konnte - diese hatte man vorab via Facebook einreichen können, hatte aber auch die Möglichkeit, sie spontan im Chat auf Youtube zu stellen.

Bleiben wir kurz beim eigentlichen Konzert-Teil: Das Duo spielte, gewohnt minimalistisch von den eigenen Gitarren begleitet, Songs der beiden veröffentlichten Platten, wobei Terry Bickers die komplexeren Gitarrenpassagen übernahm und an einigen Stellen mitsang. Zusätzlich hörten wir ein neueres Lied von Pete Fij, "Houston we've got a problem", das er bereirts bei seinen Europa-Konzerten 2019 dargeboten hatte. Hinzu kamen eine Adorable-"Coverversion", "A To Fade In" sowie zwei weitere Cover, nämlich "When Tomorrow Hits" von Spacemen 3, in dem Terry einen größeren Gesangspart übernahm, und "I Fought The Law" von The Clash (na ja, The Clash haben das Lied auch nur gecovert, aber über diese Band kennt man es eben).


Gesprochen wurde wie gesagt eher wenig, allerdings wurden einige Lieder mit Widmungen versehen. Außerdem nahmen die beiden Musiker zwischendurch die Gelegenheit wahr, einander schon einmal Fragen für den anschließenden Frageteil zu stellen: Pete fragte Terry, mit welcher Band er gerne als Gastgitarrist auftreten würde, Terry bat Pete, seine drei liebsten Gäste bei einer Dinner Party (lebendig oder tot) zu nennen.

Gegen Ende des Konzertes nahm Pete auch auf die Pandemie Bezug, indem er erwähnte, dass in der nahen Zukunft sicher zahlreiche Platten zum Thema Einsamkeit und Verlust erscheinen würden, während er und Terry das Thema bereits seit Jahren erforschten. Außerdem fand er, dass einige ihrer Songs, obwohl sie natürlich lamge Zeit vor Corona geschrieben wurden, in diesem Kontext eine eigene Bedeutung entfalten - insbesondere die beiden letzten Lieder des Sets, "Some Time Soon" und "Waking Up".

Setliste:

Sound of love
Betty Ford
Houston we’ve got a problem
If the world is all we have
Out of time
Parallel girl
Loved & Lost
I love you When Tomorrow Hits (Spacemen 3 Cover)
A to fade in (Adorable Cover)
I fought the law (The Clash Cover)
Some time soon
Waking up


Weiter ging es nun mit den Zuschauerfragen, die der Betreiber des Cellar Art Clubs in Vertretung stellte.  Terry beantwortete Petes vorab gestellte Frage mit "U2", während Pete als seine Traum-Dinnergäste Josephine Baker, Frank Sinatra und Winston Churchill nannte - er ergänzte, dass es ein vegetarisches Cuscous-Gericht geben würde. Es folgten viele teils ernstere, teils weniger ernst gemeinte Fragen, etwa nach den Lieblingskäsesorten der beiden (Pete: Halloumi, Terry: Ziegenkäse), oder zu welchen ihrer Songs sie sich Coverversionen wünschen würden, und von wem - hier entschieden sich die beiden, den James Bond-artigen Song "If the world is all we have" von Shirley Bassey und "Loved and Lost" vom verstorbenen Johnny Cash covern zu lassen - beides sehr passende Entscheidungen.

Ein schönes Streaming-Konzert, das uns allerdings auch schmerzhaft ins Gedächtnis rief, dass unser letztes Wohnzimmerkonzert mittlerweile mehr als ein Jahr her ist und es aktuell auch keine Aussicht auf Besserung gibt. 



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