Mainz wie es steht und klebt: Wolf & Moon im Mainzer Schonschön


Freitagabend ist etwas ganz Verrücktes passiert: Ich war nämlich bei einem Konzert! Aufmerksame Mitlesende werden sich nun vielleicht denken: Na ja, so aufregend ist das nun auch nicht, war sie nicht erst kürzlich bei Thees Uhlmann? Schon, aber bei Thees, genau wie auch bei Hundreds und Tocotronic, handelte es sich um Open Air-Konzerte mit Maskenpflicht. Das Konzert vom Freitag war seit Februar 2020 das erste von mir besuchte, das in einem Innenraum stattfand, bei dem es keine Bestuhlung gab und zudem auch keine Maskenpflicht herrschte. Letzteres war einem 2G+-Konzept geschuldet.

Und wen gab es überhaupt zu sehen? Wolf & Moon, die ebenfalls im Februar 2020 in unserem Wohnzimmer aufgetreten waren, damals noch in der Erwartung, den Großteil des Jahres auf Tour zu verbringen - tatsächlich haben die beiden, wie ja fast alle, letztes Jahr viel Zeit Zuhause verbracht, und beginnen gerade erst wieder damit, Konzerte zu geben.

Unsere Anfahrt nach Mainz zog sich leider etwas, weil wir die richtige Autobahnabfahrt verpassten und dank anschließender Sperrung selbiger Autobahn gefühlt jede Straße von Wiesbaden abfuhren, bevor wir dann doch noch den Rhein überqueren durften. Kurz nach 8 hatten wir dann sowohl einen Parkplatz gefunden als auch die recht komplexe Einlasskontrolle (Ticket, Ausweis, Impfnachweis, Luca App: Ich habe nie ausreichend Hände, um all das ohne Kramen vorzeigen zu können) passiert. Als wir das kleine Schonschön betraten, standen Wolf & Moon bereits auf der Bühne, den ersten Song hatten wir schon verpasst.


Die beiden sahen im Fall von Dennis genau aus wie in Erinnerung: Dessen Schuhe kannten wir noch aus Montabaur, und bei seinem Hemd war er zumindest dem Western-Stil treu geblieben. Stefanie allerdings trug statt des von uns erwarteten wallenden dunklen Kleides einen engen, bunten Catsuit. Außerdem haben die beiden sowohl ein neues "hinter der Bühne"-Banner (es gibt ja auch seit dem letzten Jahr ein zweites Album) und auch eine veränderte Bühnendeko, die aus beleuchteten Weltkugeln besteht.

Dennis erklärte gerade, das letztjährige Album "Follow The Signs" sei in ihren Augen immer noch "ihr neues Album", und tatsächlich spielten sie dieses nahezu komplett (nur der letzte Song "Speak To Me" fehlte), 11 der insgesamt 19 gespielten Lieder stammten von der Platte.

Die beiden erzählten zwischendurch ein bisschen von ihren Lockdown-Hobbies, Dennis hat sich beispielsweise selbst beigebracht, Greenscreen-Videos zu produzieren, und die beiden haben auf Youtube mehrere Clips veröffentlicht. Sie haben aber die Zeit aber offenbar auch dazu genutzt, neue musikalische Techniken in ihr Repertoire aufzunehmen: Bei "State of Victoria" sang Stefanie teilweise durch ein Megaphon, bei "Nowhere & Everywhere" loopte sie ihre Stimme.



Die beiden waren sichtlich erfreut, wieder live spielen zu können (auch wenn einige Konzerttermine soeben ein weiteres Mal verschoben werden mussten). Das Publikum wurde viel gelobt, allerdings kam es der Aufforderung, doch einmal ein bisschen mitzutanzen, nicht nach - zu meinem Freund sagte ich: "Ich würde ja gerne, aber ich klebe fest!"

Der Boden klebte nämlich derart stark - und auch überall - dass man seine Füße nur mit Gewalt und auch unter auf der Bühne hörbarer Geräuschentwicklung lösen konnte. Immerhin beim Mitsingen stellten wir uns etwas besser an.

Die Künstler erzählten auch zwischendurch nochmals die Geschichte ihrer Band und auch die, wie sie mit Sack und Pack nach Schweden gefahren sind, um dort letztlich wild zu campen - beide kannten wir bereits von unseren früheren Konzertbesuchen, aber sie sind zugegebenermaßen zu gut, um zu riskieren, dass ein Konzertbesucher sie nicht erfahren könnte.



Wir erfuhren aber auch (uns) Neues, nämlich dass das Lied "While We Ride" in Wiesbaden geschrieben worden war - das erwähnten die beiden, als auf ihre Frage, was man denn in Mainz, wo sie an diesem Abend das erste Mal auftraten, Schönes unternehmen könne, von einem Besucher vorgeschlagen wurde, nach Wiesbaden zu fahren.

Auch unsere bislang längstes Wolf & Moon-Konzert ging allzu schnell zu Ende. Die offenbar fest eingeplante Zugabe "Wildebeast" spielten die beiden zwar nicht, wie eigentlich geplant, auf der Bar, aber zumindest auf einem sehr hohen Lautsprecher.

Anschließend konnten wir noch kurz mit den beiden sprechen und erfuhren beispielsweise, dass die Aufnahmen zu ihrem dritten Album in Stockholm bereits fest geplant sind.

Setliste:

Eyes Closed 
While We Ride 
Places Unknown 
The Road 
Fragile Windows 
Before
State Of Victoria 
Young Hearts
Situations 
Pockets Out Of Blues 
Under the Sun
Stones
Like a Shotgun
Garden of Potential
A Tape Called Life 
Nowhere & Everywhere 
Simple Human 
Getaway

Wildebeest

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