Ende 2019, in prä-pandemischen Zeiten, besuchte ich gemeinsam mit meinem Freund einen Pralinenkurs bei der Frankfurter Patisseurin Anna Reckmann. Letztes Jahr zum Geburtstag schenkte mein Freund mir dann einen zweiten Kurs, dieses Mal einen zum Thema Weihnachtspralinen bei Chokumi in Braunschweig. Mittlerweile war die Welt aber deutlich komplizierter geworden, und der erste Kurstermin, der in die Vorweihnachtszeit fiel, wurde Opfer des damaligen Lockdowns. Auch unser zweiter Versuch, an einem Kurs teilzunehmen (das dĂ¼rfte im FrĂ¼hjahr 2021 gewesen sein), scheiterte letztlich an den Kontaktregeln - was uns in diesem Fall ganz recht war, denn wir hätten in Braunschweig im Hotel Ă¼bernachten mĂ¼ssen, waren uns aber keinesfalls sicher, ob das möglich und erlaubt sein wĂ¼rde.
Alle guten Dinge sind drei: Wir meldeten uns fĂ¼r den Adventskalenderkurs 2021 an und warteten gespannt, ob dieser stattfinden wĂ¼rde, rechneten täglich mit einer Absage... und fuhren dann letztlich kurz vor dem 1. Advent tatsächlich nach Braunschweig. Mittlerweile war fĂ¼r den Kurs die 2G-Regel eingefĂ¼hrt worden, was den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass man nicht den ganzen Tag Maske tragen musste (womit wir eigentlich gerechnet hatten). Da wir neben der Dozentin nur fĂ¼nf Teilnehmende waren, machten wir uns auch sonst wenig Sorgen bezĂ¼glich Infektionsrisiken.
Nele Marike Eble hat ihr ursprĂ¼ngliches Pralinen-Hobby zum Beruf gemacht, in den letzten Jahren haben mehrere ihre Pralinenkreationen Preise gewonnen. Sie veranstaltet seit einigen Jahren Kurse, gibt in ihrem alten Blog und auf ihrer neuen Website Tipps zur Pralinenherstellung, hat ein beliebtes Pralinen-Rezeptbuch veröffentlicht und verkauft natĂ¼rlich auch ihre Pralinen- und Schokoladenkreationen.
Der Kurs sollte von 9:30 bis 16:30 Uhr dauern. Bei unserem Eintreffen wurden wir als erstes in die PralinenkĂ¼che gefĂ¼hrt, was ich an sich schon sehr spannend fand: Hier stapelten sich massenweise Pralinenformen und säckeweise Zutaten, die ich in wesentlich kleineren VerpackungsgrĂ¶ĂŸen schon gesehen hatte. FĂ¼r Hobby-Pralineure wie uns war es auch faszinierend, richtige Temperiergeräte und eine Schneideharfe fĂ¼r Schnittpralinen zu sehen, und all die Farben... ein Fest fĂ¼r Schokoladennerds.
Der Kurs war sehr durchdacht vorbereitet: Wir bekamen als erstes unsere Rezepthefte und hätten nun noch die Möglichkeit gehabt, Einspruch gegen die geplanten Pralinensorten zu erheben - was wir nicht taten, die vorgesehenen Geschmäcker Noisette, Salzkaramell, Maracuja und Lebkuchen sagten allen zu. Dann wurde uns erklärt, dass wir nicht etwa in Teams aufgeteilt wĂ¼rden, die dann jeweils eine Sorte zubereiteten, sondern dass immer alle am selben Prozessschritt arbeiten wĂ¼rden - was natĂ¼rlich den Vorteil hatte, dass man keine Informationen verpasste, weil diese gegebenenfalls in einer anderen Gruppe angesprochen wurden.
Der erste Arbeitsschritt bestand dann, begleitet von Erklärungen zum Wie und Warum, im Vorbereiten der Pralinenformen, anschlieĂŸend duften wir sie "schminken", also mit gefärbter Kakaobutter nach eigenem Geschmack dekorieren. Danach gingen wir Ă¼ber zum groĂŸen Thema "temperieren" und bekamen die unterschiedlichen Techniken, geschmolzene Schokolade auf die ideale Verarbeitungstemperatur zu bringen, demonstriert.
Weiter ging es dann damit, dass alle Teilnehmenden "ihre" vorher dekorierten Pralinenformen mit Schokolade fĂ¼llten, um so die HĂ¼llen der zu gieĂŸenden Pralinen zu kreieren. Obwohl mein Freund und ich daheim schon diverse Pralinen gegossen hatten, war dieser Schritt fĂ¼r uns besonders interessant (ich nahm sogar mit Erlaubnis ein Video auf): Wir lernten einen routinierten Bewegungsablauf und wurden auf kleine Fehler und falsch angewöhnte Bewegungen aufmerksam. Dadurch, dass alle gleich mehrere Formen behandelten, stellte sich auch ein guter Lerneffekt ein.
Nun kamen wir zu den FĂ¼llungen und bereiteten als erstes Karamell zu. Auch hier zeigte sich, dass es, obwohl ich schon öfter Karamell gemacht hatte, durchaus lohnend war, es nochmals professionell gezeigt zu bekommen und dabei Fragen stellen zu können. Hoffentlich gehört bei mir verbranntes oder auch "unterkochtes" Karamell nun der Vergangenheit an. Völlig neu war mir auch, dass man Karamell auch absichtlich vom Herd nehmen kann, bevor es den echten Karamellgeschmack entwickelt - dann dient es als recht neutrale Basis fĂ¼r andere Geschmäcker und ist so eine Alternative zur Ganache-FĂ¼llung.
Stichwort Ganache: Diese klassische PralinenfĂ¼llung auf Schokoladenbasis bereiteten wir natĂ¼rlich auch zu, lernten neue Tricks, wie man bei Gerinnen vorgehen kann und erfuhren, warum jede PralinenfĂ¼llung vor Verwendung mit dem PĂ¼rierstab bearbeitet werden sollte - ein Arbeitsschritt, den ich in der Vergangenheit als Ă¼berflĂ¼ssig erachtet und häufig weggelassen hatte.
Während die FĂ¼llungen abkĂ¼hlten, bekamen wir einen kleinen Mittagssnack, anschlieĂŸend ging es ans BefĂ¼llen der Pralinenformen mit den FĂ¼llungen (quasi nebenbei hatte Nele uns auch noch die Zubereitung der NoisettefĂ¼llung gezeigt und nach demselben Prinzip auch ein KĂ¼rbiskernnougat zubereitet).
Nun wurde es spannend, denn bei der normalen Pralinenherstellung mĂ¼ssen die gefĂ¼llten Pralinen erst einmal eine Nacht ruhen, bevor die FĂ¼llung ausreichend fest ist und man sie mit einer weiteren Schicht KuvertĂ¼re verschlieĂŸen kann - was bei einem eintägigen Kurs natĂ¼rlich unpraktisch ist. Dieses Problem wurde umschifft, indem die Pralinenformen zunächst gekĂ¼hlt wurden und dann die Kursteilnehmenden das "Deckeln" der Pralinensorten Ă¼bernahmen, deren FĂ¼llungen ohnehin eher fest waren, während die geĂ¼btere Dozentin es bei den weicheren FĂ¼llungen erledigte.
Nach kurzer Wartezeit wurden die Pralinen aus den Formen gestĂ¼rzt, so dass wir unsere Werke endlich in voller Pracht bewundern konnten, anschlieĂŸend ging es an die Verteilung: Alle Teilnehmenden fĂ¼llten je zwei Adventskalender, die restlichen Pralinen wurden in Schachteln gefĂ¼llt, von denen wir letztlich je sechs mit nach Hause nehmen durften - eine reichliche Ausbeute von etwa 100 Pralinen pro Person.
Ich hatte mir schon vor dem Kurs einige Fragen Ă¼berlegt, bei denen ich sicher stellen wollte, dass ich sie im Laufe des Tages stellen könnte, was auch problemlos möglich war. Hätte man mir im Vorfeld den Kurs beschrieben, hätte ich vielleicht gedacht, dass viel behandelt werden wĂ¼rde, das ich bereits wusste, aber letztlich habe ich in jedem Arbeitsschritt Neues gelernt und einige "Warums" verstanden. Gleichzeitig war der Kurs aber auch fĂ¼r Neueinsteiger geeignet, da letztlich alle Arbeitsschritte von Grund aus erklärt wurden.
GroĂŸartig war natĂ¼rlich auch, dass es in der Pralinenwerkstatt ein riesiges Tablett mit B-Ware gab, also Pralinen, die als nicht gut genug fĂ¼r den Verkauf bewertet worden waren, von dem ich im Laufe des Tages einiges weggenascht habe.

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