Wilder Westen inklusive: Still Corners und Papercuts im Kölner Gebäude 9


Schon wieder ein Konzertbesuch, man könnte meinen, Corona sei vorbei! Letzten Dienstag ging es ein weiteres Mal nach Köln ins Gebäude 9, allerdings brach ich dieses Mal nach einem Bürotag in Frankfurt von dort aus per Bahn auf - was ich früher auch gelegentlich gemacht hatte. Die Vorband Papercuts sollte laut Ankündigung ihr Set um 19:30 Uhr starten, das hätte ich gerade so schaffen müssen… hätte, denn der ICE hatte natürlich Verspätung, und so kam ich letztlich viel zu spät. Allerdings hatte ich auch Glück im Unglück, denn der Beginn war kurzfristig um eine halbe Stunde verschoben worden, so dass ich bei meiner leicht abgehetzten Ankunft letztlich nur den ersten Song verpasst hatte. 



Papercuts sind eigentlich keine Band, sondern das Musikprojekt von Jason Robert Quever aus San Francisco, seine Band besteht aus denjenigen seiner Freunde, die gerade Zeit haben (vermutlich sollten sie auch das jeweils benötigte Instrument beherrschen). An diesem Abend war man insgesamt zu viert und spielte insgesamt fünf Songs vom neuen Album "Past Life Regresseions" sowie eine Auswahl älterer Songs. Quever machte Ansagen, die wir aber leider kaum verstehen konnten, der Indie Pop von Papercuts kam aber beim Publikum gut an - auch bei meinem Freund, der sich später am Merchstand für eine Vinylplatte anstellte.

Setliste:

Once We Walked In The Sunlight
The Strange Boys
How To Quit Smoking
Sinister Smile
Lodger
I Want My Jacket Back
Unavailable
Future Primitive
Sing To Me Candy
Palm Sunday



Still Corners wiederum sind ein britisch-amerikanisches Dream Pop-Duo, das bereits seit 2007 besteht. Sängerin Tessa Murray (die englische Hälfte) traf den Songwriter und Gitarristen Greg Hughes an einem Londoner Bahnhof - so kann es gehen im Leben! Rein optisch betrachtet scheint zumindest Greg ein großer Chris Isaak-Fan zu sein und trug ein Hemd mit Cowboy-Kragenecken sowie eine Bolotie, auch der für die Tour engagierte Schlagzeuger trug Cowboylook. Tessa dagegen trug ein schwarzes Outfit mit silbernen Stiefeletten, das keiner speziellen Stilrichtung zuzuordnen war. Bei dem Auftritt war sie neben dem Gesang auch für die Keyboarduntermalung zuständig und stand deshalb meist hinter dem Instrument.



Mein Freund informierte mich später darüber, dass die Entwicklung auch des Sounds des Duos Richtung Chris Isaak (also retrolastiger Rock’n’Roll) wohl erst auf dem neuesten Album „Last Exit“ stattgefunden hat, vorher machte man eher eine Mischung aus Synthie- und Dream Pop.

Im Hintergrund der Bühne verstärkten Videoaufnahmen die Wildwest-Assoziationen, die die Outfits der Herren ausgelöst hatten. Man sah aus dem Auto gefilmte Wüstenaufnahmen, die mich ans Death Valley erinnerten, sowie weitere Naturszenen, vor allem Palmen, Sand und auch Wellen. Wohl um die Projektionen nicht mit ihren Schatten zu stören, befanden sich Tessa und Hugh meist ganz vorne am Bühnenrand.



In der Setliste, die wir vor Beginn des Konzertes bereits hatten fotografieren können, unterteilten Striche die verschiedenen Teile des Sets, und ich glaube, dass Tessa auch nur dann Ansagen machte, wenn eine solche Zäsur erreicht war. Ihre Ansagen waren aber ohnehin eher generisch - die Band freute sich über die Gelegenheit, zu touren, man war glücklich, wieder auf Tournee und auch wieder im Gebäude 9 zu sein und so weiter.



Neben einer Zusammenstellung älterer und neuerer Songs wies die Setliste auch drei Coverversionen auf, dabei stammte eine (natürlich) von Chris Isaak („Dancin‘“), eine weitere von den Dire Straits („So Far Away“ - beide Lieder stammen übrigens von 1985) und außerdem hörten wir eine Version von „The Crying Game“, dessen Original ich gar nicht kenne - zu "The Crying Game" wagte sich Tessa auch einmal hinter ihrem Keyboard hervor.

Dadurch, dass die Band wie so viele Musiker ihre Tournee zum neuen Album hatte verschieben müssen, gibt es mittlerweile auch Songs, die noch neuer als die mittlerweile ein Jahr alte Platte sind: "Far Rider" und "Heavy Days" sind zumindest physisch noch unveröffentlichte Lieder.



Beim Publikum kamen am besten die bekanntesten Songs „The Last Exit“, „Black Lagoon“ und „The Trip“ an, letzteres schloss auch das Set ab. Im Anschluss hörten wir noch zwei Songs, der Ruf eines Zuschauers, bitte ein bestimmtes Lied zu spielen, wurde von Tessa mit einem bedauernden „Sorry, no requests!“ beantwortet.

In die "We love you!"-Rufe, die vereinzelt aus dem Publikum kamen, konnten wir nicht so recht  mit einstimmen. Aber dennoch war der Abend ein schöner Ausflug in den Wilden Westen.



Setliste:

White Sands
Heavy Days
The Crying Game (Dave Berry Cover)
Far Rider
So Far Away (Dire Straits Cover)
The Last Exit
The Photograph
Sad Movies
Black Lagoon
The Message
Static
Downtown
Strange Pleasures
In The Middle Of The Night
The Trip

Dancin' (Chris Isaak Cover)
Mystery Road

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