Bereits seit dem Herbst 2025 besaß ich den neuesten Krimi von Robert Galbraith, The Hallmarked Man, aber als ich im Februar endlich damit begonnen hatte, diesen zu lesen, musste es dann doch schnell gehen: Nicht nur zog mich das Buch nach einem etwas schleppenden Anfang einmal mehr sehr in seinen Bann ("einmal mehr", weil das bei den ersten sieben Bänden der Reihe auch so gewesen war), so dass ich in jeder freien Minute weiter lesen wollte, um zu erfahren, wie sich all die aufgeworfenen Geheimnisse auflösen würden. Dieses Mal entwickelte sich zusätzlich noch eine Art Wettstreit mit meinem Freund, der zwar nach mir begonnen hatte, das Buch zu lesen (er auf Deutsch, ich auf Englisch), aber bald an mir vorbei zog. Daran konnte ich dann auch nicht mehr ändern und beendete den Roman trotz aller Bemühungen erst einige Tage nach ihm.
Die Geschichte des Romans dreht sich um eine im Keller-Safe eines Londoner Silbergeschäfts gefundene Leiche, an deren Identität Zweifel bestehen. Die Auftraggeberin von Cormoran Strike und Robin Ellacott befürchtet, dass es sich um ihren Lebensgefährten (und den Vater ihres Babys) handeln könnte, die Polizei ist der Meinung, der Tote sei ein bekannter Verbrecher und dann gibt es noch drei weitere Kandidaten, die jeweils aus ungeklärte Gründen verschwunden sind und gegebenenfalls in diesem Keller ihren Tod gefunden haben könnten. Hinzu kommt wegen der Tatsache, dass sich das Silbergeschäft auf Freimaurer-Devotionalien spezialisiert hat, die Frage, ob die Tat etwas mit dieser Gemeinschaft zu tun haben könnte.
Wer die Romane von Galbraith (alias J.K. Rowling) kennt, weiß: Hier werden am Schluss keine Fragen offen gelassen, es wird also letztlich nicht nur die Identität der Leiche geklärt, sondern auch der Verbleib aller anderen verschwundenen Männer. Das führt zu einer Menge Stoff für den 912-Seiten-Roman, und nachdem alle potenziellen Opfer natürlich auch über ein soziales Umfeld verfügen, tat ich mich stellenweise schwer damit, mir die vielen eingeführten Figuren und Details zu merken. Teilweise ist das auch sicherlich Absicht, denn so kann man sich am Ende nach der Aufklärung aller Geheimnisse kopfschüttelnd daran erinnern, dass man die letztlich für die Lösung relevanten Hinweise durchaus bekommen hatte, aber eben zwischen all den anderen Informationen nicht richtig eingeordnet hat.
Das ständige Hin und Her zwischen all den Figuren - hinzu kamen noch Nebenhandlungen um andere Kunden der Detektei und um deren Personal - ging mir stellenweise etwas auf die Nerven, hinzu kam, dass ich persönlich der sich seit etlichen Bänden anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Strike und Ellacott nicht viel abgewinnen kann - ich finde ehrlich gesagt, Robin hätte besseres verdient. Und um gleich noch etwas weiter zu meckern: Es ist sicherlich sehr schwer, eine Geschichte zu konstruieren, in der eine Leiche erstens nicht identifizierbar ist und es zweitens für den Täter aus irgendeinem Grund notwendig war, sie im Keller eines Silbergeschäfts zu ermorden. Insbesondere Letzteres lässt sich durch die Auflösung dann auch nicht komplett schlüssig begründen.
Aber genug gemeckert: Wie gesagt habe ich auch dieses Buch mit großer Spannung gelesen und war wie schon bei den vorausgegangenen Teilen selbst weit davon entfernt, den Haupttäter und das richtige Zusammensetzen der diversen anderen Puzzleteile zu erraten.


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